Mittwoch, Juli 16, 2014

Erinnernd an




Abschied von einem Unbequemen : 
Thomas F. Mastronardi starb im Juni 2014

 

Vor 2 Jahren, 2012, vertraute Thomas mir 2 Texte an, die ich im Sammelband PHILOSOPHISCHE PRAXIS IV  „Viel Glück!“ veröffentlichte. Der eine trägt den Titel: „Buddhismus/ Existenzialismus“. Der andere: „Drum prüfe“ – ist eine sehr zarte philosophische Trauungsrede. Einen dritten Beitrag „Was mir fehlt“ (in den Überlegungen Sloterdijks) hatte ich schon 2010 aufgenommen in PHILOSOPHISCHE PRAXIS II „Leben ändern? – WIR ÜBEN“. Hier agiert der scharfzüngige Anwalt Mastronardi und fordert Gerechtigkeit ein. Und in diese Richtung gingen auch typische Vorstösse  von Thomas beim café philo in Bern (Mastronardi/Roth/Staude).

Daher werde ich  nun aus WAS MIR FEHLT etwas anführen. Thomas war ein Advocat des öffentlichen Philosophierens.  Dabei dachte er bis zuletzt auch daran, wie guten Gedanken auch eine wirksame Verbreitung verschafft werden könne. Daher regte er auch eine Video-Aufnahme unseres Philosophierens an.  Dies lässt sich aber bei einem café philo nicht so unproblematisch machen, wie ein Veranstaltungsmitschnitt in der Uni.

Und nun lasse ich Mastronardi selber zu Wort kommen. Da spricht er von Sartre, „der seine Philosophie der Freiheit und der Wahlfreiheit sowohl privat, wie politisch, schriftstellerisch wie philosophisch, in der französischen Résistance und auch… (später) auf der Straße in oppositionellen Demonstrationen engagiert gelebt hat.“ (87)

Und weiter: „Was nützen private Übungen, wenn den Übenden, den Tugendhaften die Macht fehlt? Was bringt das Ethos der machtlosen acht Milliarden Menschen, wenn letztlich ein paar hundert Banker, welche die zehntausend Reichsten und Mächtigsten vertreten, alles zugunsten ihres Kapitals entscheiden?“ (87)

Mastronardi war durchaus zu handfesten (utopischen) Vorschlägen aufgelegt: „das Erbrecht könnte weltweit so verändert werden, dass an Privatvermögen „nur“ zehn Millionen € zu erben/vererben sind und der Rest über die UNO direkt für Selbsthilfeprojekte für die Ärmsten der Welt eingesetzt wird.“ (88)

  Sein kurzer Beitrag endet mit Hinweisen zur >Anerkennungsgesellschaft< (Hegel, Honneth), ein Thema, das ihn noch weiter beschäftigen sollte. Ein noch nicht abgeschlossener Text dazu ist in seinem Nachlass. Im Text von 2010 heisst es: „Durch Anerkennung des Differenten, des (uns) Fremden können wir … multikulturelle Gemeinschaften und Gesellschaften gründen (siehe Brasilien) … Der Kynismus … führt… zu Respekt und Anerkennung… durch Einübung neuer, guter Gewohnheiten.“

Thomas Felix - amigo, R I P !

 

Diskutieren wir im Andenken an (und aufnehmend  Anliegen von) Thomas F. Mastronardi  nicht über einen philosophischen Text, sondern ausgehend von dem Film der Regisseurin  ICÍAR BOLLAÍN (*1967 Madrid) UND DANN DER REGEN nach einem Drehbuch von Paul Laverty (Anwalt in Glasgow, seit den 1980ger Jahren  aktiv in Menschenrechtsgruppen in Mittelamerika, Bread and Roses 2000, It´s a Free World 2007). In der ersten Fassung des Drehbuchs spielte die erzählte Geschichte  vollständig in der Zeit von Kolumbus und seiner Entdeckung der (für die Europäer) >Neuen Welt<. Die Regisseurin schreibt: „Der >Wasserkrieg<, der im Jahr 2000 im bolivianischen Cochabamba stattfand, war ein eindrucksvolles Beispiel für den zivilen Widerstand gegen die (von der Weltbank zur Bedingung von Krediten gemachte VMR) Privatisierung eines Rohstoffs, der heute  (wie sie sich ausdrückt) so wertvoll und lebenswichtig ist, wie damals das Gold“.

Schon darüber lässt sich ergiebig diskutieren. Auch mit Bezug zu Gedanken von Mastronardi.

Der Drehort des Films ist in den Anden (doch darstellend  des Kolumbus küstennahe Conquista in Santo Domingo)  und dies ermöglicht das Verbinden des historischen Stoffs mit gegenwärtigen Kämpfen um Autonomie im Rahmen unseren Einen Welt.
Thomas Felix
Mastronardi

Fürsprecher

10. März 1943 – 30. Juni 2014

 

hat in Brasilien seine letzte Ruhestätte gefunden. Er ist in seinem geliebten Sitio in Fortaleza völlig unerwartet einem Herzversagen erlegen. Wir haben ihn im brasilianischen Freundeskreis bereits verabschiedet; eine Erinnerungsfeier findet demnächst in Horw im privaten Rahmen statt; eine öffentliche Gedenkveranstaltung ist für das von ihm bisher mitgeleitete „Café philo“ vom 18. Oktober um 14 h im Alten Schloss in Bern Bümpliz geplant.

 

Wir bitten alle, ihn als einen unermüdlichen Kämpfer für die Gerechtigkeit, als einen Suchenden nach Weisheit und vor allem als einen zutiefst liebenden Menschen in Erinnerung zu behalten.

 

Im Namen seines trauernden Freundeskreises:

 

Philippe Mastronardi

 

Dienstag, Juli 15, 2014

 
 

http://dotatelier.blogspot.com.au/2014/07/flower-talk.html

Strohblumen kommen ursprünglich von hier und waren von Deutschen gesammelt und gezüchtet in vielen Farben. Wie Wellensittiche, die dort (in D) nicht mehr aussehen wie diejenigen hier in der Wüste, die in grossen Mengen als Schwarm um die Wasserlöcher herumfliegen. (dotatelier)

Montag, Juli 14, 2014

Ziel


Sitz im Leben


und da sitzen sie
leichten Kopfs
und leichter Hände

& PHILosophy


wozu nützet das Studieren ?        http://www.ausdertonne.ch/

Aus der Tonne, No 2: Programm ist Online!
Datum: Sonntag, 27. Juli 2014 08:25 CEST
Von: Neil Horne <neil@dotatelier.net>
An: "Mike Roth" <Mike.Roth@uni-konstanz.de>


Wenn ich an  Tonne denke denke ich an Regentonne in OA. Jetzt stelle ich mir die gleiche Tonne vor mit Wein aus Istrien gefüllt auf der Bühne und Du als Bacchus halbliegend auf 3 Stühlen mit Schopi irgendwo schwebend in der Luft verstehend aber nicht erklärend.
>

 Frühschoppen mit Schopenhauer
>
>
> Gespräch mit einem Lesenden
> Vor 200 Jahren entstand Schopenhauers «Die Welt als Wille und Vorstellung» 1814–1818. 2014 liest ein deutscher Privatdozent für Philosophie laut in Schopenhauers Gedanken und lässt sich dabei auf deine Zwischenrufe ein. Stelle deine Fragen, äußere deinen Beifall oder echauffier dich ob der gehörten Textstellen. DER Kulturstall hat ein Podium auf dem ich mit Wein und drei leeren stühlen thronen werde. . .
>
> Samstag, 30.August
>
> 13.00 - 14.15
>
>
> Kulturstall
>
>
> 5.- / 10.-
>
>  http://www.ausdertonne.ch/

>
> HIER Klappt's  Dieser Text wird sichtbar nach klick auf den Programmpunkt: Schoppen mit Schopi
>
>

>>

Samstag, Juni 21, 2014

Time Table of the 13th ICPP BEOGRAD

Tony & PHIL 18.8.2014 at 9 a.m.  Yalom´s Vision (Existential Therapy / Philosophical Practice)  in THE SCHOPENHAUER CURE


Conference program, 13th ICPP

14 August 2014

20.00: Welcome dinner, Metropol Palace hotel.

 

15. August 2014.

9.00-9.30: Registration

9.30-10.00: Welcome address (Professor Petar Bojanić, Director of the Institute for Philosophy and Social Theory)

10.00-11.30: Plenary: Introductory lecture, Lou Marinoff (USA) (MSG)

11.30-12.00: Coffee break

12.00-13.30: Presentations:

Session 1 (1.5 hour): 1. Peter Harteloh (Netherlands): Philosophical practice as a new paradigm in philosophy; 2. Lydia Amir (Israel), Rationality and truth in philosophy and its practice (MSG).

Sesssion 2 (1.5 hour):  1. Minke Tromp (Netherlands): Polimorphous rationality and philosophical practice: Philosophy as working on and with polymorphous rationalities , 2.  Pia Houni (Finland): How Socratic Dialogue encourages people to talk (IFDT).

 Session 3 (1.5 hour): 1. Luisa de Paula (Italy): Out of the shadow: Philosophical practice as a laboratory of gender identity; 2. Antonio Sandu and Ana Caras (Romania):  Using appreciative inquiry in the construction of codes of ethics (RH1).

Session 4 (1.5 hour): 1. Dena Hurst (USA): Woman as healer; 2. Ibanga Ikpe (Botswana): Philosophical therapy and the insanity of war (RH2).

13.30-15.00: Lunch break

15:00-17.00: Plenary: Debate on Diagnosis in Philosophical Practice (moderator Aleksandar Fatic) (MSG).

17.00-17.30 Coffee break

17.30-19.00: Presentations:

Session 1 (1.5 hour): Ora Gruengard (Israel): Philosophical and cultural pluralism; 2. Jose Barrientos Rastrojo (Spain): PRT (Practicing-Reseearching-Training) ― A standard for Spain and Iberoamerica (MSG).

Session 2 (1.5 hour):  1. Roxana Kreimer (Argentina): Philosophy and philosophical practice from a stand up point of view; 2.Matias Österberg and Marianne Airisniemi (Finland) : The facilitator in Neo-socratic dialogue ― some reflections on problems and practical techniques; 2. (IFDT1).

Session 3 (1.5 hour):  1. Tetsuya Kono, Yohsuke Tsuchiya and Mai Miyata (Japan): Evaluating philosophical dialogue; 2. Helen Douglas (South Africa): Giving birth to Derrida’s mother (RH1).

Session 4 (1.5 hour):  1. Bernt Österman (Finland): Philosophising and neo-Socratic dialogue; 2. FinnThorbjørn Hansen (Denmark): In the beginning was the deed ― How philosophical practice can become an important element both in the phenomenological-oriented action research and creative and innovative university pedagogy (RH2).


 

16. August 2014

9.00-9.30: Registration

9.30-11.30: Masterclasses:

1.  Anders Lindseth (Norway): The beginnings of philosophical practice (IFDT).

2.  Detlef Staude (Switzerland): Everyone’s peculiar way of philosophical practice (RH1).

3. José Eustáquio Moreira de Carvalho (Brasil): Philosophical practice and overindebtedness (RH2).

11.30-12.00: Coffee Break

12.00-14.00: Plenary: Debate on philosophical practice in the East and in the West (moderator Peter Harteloh) (MSG).

14.00-15.30: Lunch break

15.30-17.00: Presentations:

Session 1 (1.5 hour): 1. Vaughana Feary (USA): Spirituality and philosophical practice: Group counseling with clients in crisis; 2. Young E. Rhee: Does philosophical practice need diagnosis? (IFDT1).

Session 2 (1.5 hour): 1. Dimitrios Dentsoras  (Canada): Two conceptions of happiness ― Flourishing and feeling happy;  Veronika Bogdanova (Russia): Personal and psychological aspects of the project of Enlightenment and its relationship to philosophical practice (RH1).

Session 3 (1.5 hour): 1. Sergey Borisov (Russia):  2. Donata Romizi (Austria): Philosophical practice in the secondary school: changing the way of teaching philosophy (RH2).

Session 4 (1.5 hour): 1. Jörn Kroll (USA): Hegel’s logic of transformation: Personal, interpersonal and social dynamics; 2. Eckart Ruschmann (Austria): Metaphysical concepts of lay philosophers (RH3).

17.00-17.30: Coffee break

17.30-19.00: Presentations:

Session 1 (1.5 hour): 1. José Barrientos Rastrojo (Spain): Philosophical practice based on experience as opposed to an analytic philosophical practice; 2. Jon Borowicz (USA): Treading the boundary of public and private (IFDT1).

Session 2 (1.5 hour): 1. Thomas Steinforth (Germany): Philosophical practice and the truth of desire; 2. Michael Picard: But is it philosophy? Cafe philosophy and the social coordination of inquiry (RH1).

Session 3 (1.5 hour): 1. Gerardo Primero (Argentina): The dialogue between philosophy and psychology; Bernt Österman (Finland): Philosophizing and neo-Socratic dialogue (RH2).

Session 4 (1.5 hour): 1. Leonid Dzhorzhovich Petryakov (Russia): Philosophical discourse against the marketing of illusions; 2. . Oriana Brücker (Switzerland): Practicing philosophy in the working place: Between utilitarianism and shared metaphysics (RH3).


 

17. August 2014

9.00-11.00: Plenary: Debate on Rationality and Experience in Philosophical Practice (moderated by Ora Gruengard) (MSG).

11.00-11.30: Coffee break

11.30-13.30: Masterclasses:

1. Lou Marinoff and Vauxana Feary (USA):  Philosophical Counseling (MSG)

2. Oscar Brenifier (France): Philosophical practice (IFDT1)

13.30-15.00: Lunch break

15.00-17.00: Workshops:

Session 1 (2 hours):  Peter Harteloh (Netherlands): A framework for diagnosis in philosophical counseling (MSG).

Session 2 (2 hours): Willi Fillinger (Switzerland): Philosophical practice and my life experience (IFDT1).

17.00-17.30: Coffee break.

17.00-18.30: Plenary: Ran Lahav (USA) lecture: Philosophical practice: Quo Vadis? (MSG).  

18.30-19.00: Assembly of all participants in front of MSG and walk to the Institution of Culture ‘Parobrod’ for philosophical cabaret performance.

19.00-20.15: Philosophical cabaret performance by Barbara Jones (USA), Parobrod Cultural Centre.


 

18 August 2014

9.00-11.00: Workshops:

Session 1 (2 hours):  V.M. Roth (Germany): Tony and Phil: Yalom’s literary vision of a co-operation in:  the schopenhauer cure (IFDT1). Existential Therapy & Philosophical Practice. Bibliotherapy


Session 2 (2 hours): Zoran Kojčić (Croatia): Mobile philosophy (RH1).

Session 3 (2 hours): Bruno Ćurko (Croatia): The ‘Game of defining’ (RH2).

Session 4 (2 hours): Miloš Jeremić (Serbia): Hermeneutics with children (RH3).

Session 5 (2 hours): Michael Noah Weiss (Norway): Daimonion ― A workshop on guided imagery and Socrates’ inner voice (IFDT2).

11.00-11.30: Coffee break

11.30-13.00: Presentations:

Session 1 (1.5 hour):  1. Takako Ijiri (Japan): Philosophical practice for high school students after the Great East Japan Earthquake on 3 November 2011; 2. Игорь Невважай (Russia): Правовая философия как перспектива философской практики (consecutive translation Viktoria Chernyenko) (IFDT1).

Session 2 (1.5 hour): 1. Rastko Jovanov  (Serbia): Hegel on the therapeutic dimensions of state and philosophy;  2. Aleksandra Bulatović (Serbia): Philosophical counseling as a tool to enhance social well-being (RH1).

Session 3 (1.5 hour): 1. Gordana Medić-Simić (Serbia): On encouraging the ‘inner guidance’;  2. Katarina Martinović (Serbia): Application of Christian philosophy to working with parents of children with developmental disabilities (RH2).

Session 4 (1.5 hour): 1. Maria Neves (Portugal): The phenomenology of dreams in philosophical practice; 2.  Aleksandar Fatić (Serbia): Recognising conflict in philosophical counseling: What can Hegel contribute to philosophical practice (RH3).

13.00-15.30: Lunch break

15.30-17.00: Plenary: Election of the host of the 14th ICPP (MSG). / MUNICH ?

18.00-19.30 Lou Marinoff’s address with consecutive translation into Serbian, on his book Plato not Prozac, organized by Lou’s Serbian publisher, Plato, in the premises of Plato Publishing House, Knez Mihajlova St., followed by book signing (Serbian language edition). Conference participants are welcome to attend.

20.00: Farewell reception for the participants.

Mittwoch, Juni 18, 2014

Die Schnitterin: was schneidet sie?


 

 Den Bauch auf vom bösen Wolf? Aber sie  ist doch selbst drin? Das eigne Werkzeug haben und die Handhabung auch unter schwierigen Bedingungen beherrschen: von Innen schneiden!
Philosophische Praxis

Sonntag, Juni 15, 2014

Auf einen Schoppen mit Schopenhauer! Einladung zum Gespräch eines Lesenden mit 3 leeren Stühlen

Arthur Schopenhauer (1788 - 1860) gehört zu den jüngeren Autoren in der Epoche der klassischen deutschen Philosophie. Rüdiger Safranski widmet ihm 1987 seine erste Denkerbiografie und schilderte den Kontext als: Die wilden Jahre der Philosophie. Irvin D. Yalom hatte als berufliche Schwerpunkte psychotherapeutische Gruppentherapie und "Existentiale Therapie". Ab 1990 erfolgt der Versuch "to teach trough literature" wie die Existentialisten Sartre & Camus, deren literarische W...erke ihnen über den engen Kreis der Fachgelehrten hinaus Resonanz verschaff(t)en.
In THE SCHOPENHAUER CURE lässt Yalom den "schwierigen Patienten" PHIL in unserer Zeit Positionen Schopenhauers vertreten. (Ein Workshop >Tony & PHIL: Yalom´s Vision of a Co-Operation< findet auch statt im Rahmen der International Conference Philosophical Practice, 15.-18. AUG 2014 in Belgrad) Der >Lesende mit 3 leeren Stühlen< spielt an auf den leeren Vorlesungssaal des Privatdozenten Dr. phil. Schopenhauer zur Zeit Hegels an der Uni Berlin. Schaun wir mal, wie das am 30.August 2014 um 13 h im KUHSTALL in Langenthal  beim Philofestival sein wird. Der Lesende ist Philosophischer Praktiker, siehe philopraxis.ch & PHIL wird von Yalom als „klinischer Philosoph“ eingeführt. PHIL zu Yaloms alter ego Julius: „Meine Schopenhauer-Einführung ist allein für Sie bestimmt.“ Konsequenterweise schließt sich ein Gespräch an …

Montag, Juni 09, 2014

Yalom zur Bedeutung Schopenhauers

In diesem Anhang zu The Schopenhauer Cure  umreißt Yalom "two sepate but parallel interests: group therapy and existential therapy".  Zu letzterer heißt es (mit unüberhörbaren Anklängen an Schopenhauer): "individuals fall into despair because of their confrontation with the pain (Leiden, Leben ist eine missliche Sache) inherent in the human condition". ibid. 9

Mittwoch, Juni 04, 2014

Schwarze Hefte II-16

Im Heft II in der Überlegung 16 findet sich

 selbstauffordernd: "Das Sein ins Dasein tiefer legen"  und MH wirft die Sprachfrage auf. Dies interessiert mich heutigen Leser (mitgeprägt vom linguistic turn).
Dass dies Thema auch MH wichtig ist (aber in welchem Sinn?) zeigt sich auch darin, dass er in den  wenigen Stichworten zu Heft II auch >Sprache< aufnimmt. Das tut er aber in II bis VI nur hier!

Die Frage wird ja hier nur aufgeworfen, es wird die Aufgabe formuliert: "Das Sein ins Dasein tiefer legen" (verankern?) "durch die ... Frage nach ... der Sprache." MH möchte "mit dem Dasein" etwas "erzwingen" mit Bezug auf "Wahrheit und Sein" und mich verblüffend nennt er das "eine Verwandlung" (von Wahrheit und Sein). Dem Sprachphilosophen im Lesenden ist dies rätselhaft.
Folgt in II-17: "Sein nicht ohne Sprache" , doch dieser anscheinende stepping stone  wird wacklig durch die Fortsetzung: " - aber gerade deshalb" -?- "nicht >>logisch<<."   Deshalb?: "Sprache nicht ohne Sein."

Schwarze Hefte Lesend 3 Editorisches vorweg

Vor mir liegt Band 94 in der Martin Heidegger Gesamtausgabe, IV. Abteilung: Hinweise und Aufzeichnungen. Der Herausgeber Peter Trawny (Martin-Heidegger-Institut /MHI/ an der Bergischen Universität Wuppertal) schreibt in seinem Nachwort MH-GA p.534: "Es handelt sich bei den >>Überlegungen<<, die in den Bänden 94 bis 96 der GA erscheinen, um vierzehn ... von 34 bzw. 36 schwarzen Wachstuchheften". (Daher die "Schwarzen Hefte" /SH/)  Aber wieso "34 bzw. 36" ?
Nur von 34 Schwarzen Heften galt im Dezember 2013: "Die Hefte befinden sich im Orginal in Heideggers Nachlass im Deutschen Literaturarchiv in Marbach am Neckar." Peter Trawny nimmt an, dass Heft I von  Martin Heidegger vernichtet wurde. Das müsste wohl nach 1931 (zu dieser Zeit benutzt der Autor ja für das gerade entstehende Heft die Zählung >II<) passiert sein. Ein 35. Heft (von 1945/46) fand sich in der Zwischenzeit. Es soll nach einer persönlichen Mitteilung Peter Trawnys "im Herbst (2014) oder im Frühjahr 2015" in der GA erscheinen.

GA 94 enthält 5 Hefte, deren Seiten MH in jedem Heft immer wieder frisch bei 1 anfangend durchnummeriert. In der gedruckten Ausgabe stehen die Heftseiten am Rand. Auf diese Seiten
beziehen sich die Verweise Heideggers im Text und auch in seinen Stichwortverzeichnissen am Ende jedes Hefts. Die einzelnen Sinn-Abschnitte dieser Hefte werden ebenfalls nummeriert. So lässt sich dann etwa durch II-16 auf die Überlegung 16 im Heft II bezugnehmen. In folgenden Posts soll davon Gebrauch gemacht werden.

Dienstag, Juni 03, 2014

POLITICAL SOCRATES 3: What´s your goal in philo (practice)?

Thomas Polednitschek has a Wittgenstein poster pinned next to his writing desk showing a quote from the PHILOSOPHICAL INVESTIGATIONS: „What´s your goal in philosophy? (was ist Dein Ziel in der Philosophie)“  Thomas refutes (for philo practice) Wittgenstein´s solution: -„To show the fly the way out of the fly-bottle“ - and he refers like Socrates to his "not knowing" (eigenes Nichtwissen, own ignorance), cf. p.7

A poem by Tschuang-tse is added. I will change it a little:

… on the way back home (the philosopher king) lost his "no-colour" (nichtfarben, colourless) pearl. He sends out science  to look fort he pearl. (Science does not have a concept of „no-colour“ and can not bring the pearl.) He sends out critique. (Critique sees too many "Nos" & finds not.) He sends out logic. (Logic knows no colours and can´t bring the no-colour/colourless  pearl.) Then (the philosopher king) asks Nothing (das Nichts) and Nothing had the night-coloured (nachtfarbene) pearl.

(Text in brackets is my interpretation) – oh yes, >nichtfarben< ought to read  >nachtfarben< and the switch > from a to i < was following no Intention. It was unintentional … absichtslos.

Philosophical practice takes place where the guest of a practitioner finds the way out of her/his problem themself. ( p. 8 ) 

Schwarze Hefte Lesend 2

... und warum beginnt die Veröffentlichung mit II ?


Re: Schwarze Hefte I ?
>>> Datum: Montag, 02. Juni 2014
>>>
>>> ich gehe davon aus, dass es kein SH I gibt. Ich gehe davon aus, weil es nirgendwo in den anderen SH einen Verweis darauf gibt. Normalerweise verweist Heidegger stets auf alle SH. >Ich gehe davon aus< heißt: ich nehme es an. Doch es gibt keinen Hinweis darauf, dass das allererste SH noch existiert. Heidegger müsste es vernichtet haben.
>>>
>>>
>>> Herzlich grüßend
>>> Ihr
>>> Peter Trawny
>>>

Schwarze Hefte Lesend 1

In der HeideggerGesamtausgabe herausgegeben von Peter Trawny als Band 94 (MH GA 94) 2014.
(Klick auf den Bildausschnitt zeigt das ganze Bild)

Samstag, Mai 10, 2014


17. Mai Altes Schloss Bern-Bümpliz

Café Philo

Wer ist Pessimist?  - Am Beispiel Arthur Schopenhauer

Willkommen!  Beginn: 14 Uhr

Ein Pessimist, der das Leben zu schätzen wusste ... Rossini ... schöne Musik ... gutes Essen ... und der von allen Windbeuteln gefürchtet war ...
  •  
    Detlef Staude Ja, wir bräuchten mehr lebensfreudigen Pessimismus wie den Schopenhauers! Man muss allerdings konzidieren, dass auch er ein sturer Bock war, der zu diesem gelassenen Umgang mit sich und der Welt erst hinfinden musste. Doch dies ist nun einmal der Pfad der Weisheit...
     

  •  
    Mike Roth Bis morgen !

  •  
    Susi Staude  an Mike Roth Die Frage nach deinen Unterlagen stand bei einer telefonischen Anmeldung im Raum. Der Teilnehmer wird sich morgen an dich wenden. Ich werde etwas später kommen, da ich noch arbeiten muss. Ich freue mich.
     

  •  
    Mike Roth Lieber wissbegieriger Teilnehmender! Empfehlenswert ist das Taschenbuch von Rüdiger Safranski, Schopenhauer (1987)
     

  •  
    Mike Roth und 2014 im NIKOL der Hardcover "Schinken": SCHOPENHAUER - der enthält zu kleinem Preis ...viele Gedanken , Welt als Wille und Vorstellung (1859, 3. sehr erweiterte Auflage) + Kunst , recht zu behalten + Lebensweisheit
     

  •  
    Mike Roth nicht zu vergessen: SENILIA. Gedanken im Alter 2011, 2. Aufl.

  •  
    Detlef Staude Natürlich, und für die Freundinnen und Freunde der Philosophischen Praxis, der Psychoanalyse und der literarischen Musse YALOM "Die Schopenhauer-Kur".

  •  
    Mike Roth Yalom bezieht sich in den Schopenhauerteilen wiederum auf Safranski.

  •  
    Karmen Rodriguez Merci,Danke.Gracias.Schopenhauer war sehr neidisch von Hegel,weil seine Vorlesungen waren leer im Gegenteil zur Hegel´s.Man kann sich so seine hauptsächliche Lebenseinstellung verstehen.Die Eleganz des Igels befasst sich auch mit die Absurdität des Lebens.Meisterhaft.
     

  •  
    Mike Roth Liebe Karmen Rodriguez, sehr gern! Schopenhauer legte in Berlin absichtsvoll seine Lehrveranstaltung auf die Zeit, in der Hegel zu lehren pflegte. Er forderte damit zur Entscheidung auf...
     

  •  
    Mike Roth Die Entscheidung der Hörer (für Hegel) bestätigte Schopenhauer seinen Pessimismus.
     

  • Montag, April 21, 2014

    Philosophische VorOsterWoche 2014 Schopenhauer

    Jedes Jahr findet diese Philosophische Woche in Istrien statt
         - auf einer Terrasse mit anregendem weitem Meerblick.
    Wir studierten Arthurs an Kant angelehnte Konzeption
    der Welt als Vorstellung und widmeten uns besonders
    dem Willen. Einleuchtend die Darstellung unserer Welt
    als Willensknäuel. Problematisch der Übergang von der
    Pluralität der Willen der Lebewesen auf Welt als Wille 
    im Singular.

    Schopenhauer – Brseč/Istrien April 2014
    Christine Mok-Wendt
     
    Philosophieren in Istrien – oder wie schön, das Leben mit einem Pessimisten sein kann

    Brseč war ein perfekter Ort, um sich der Philosophie  Schopenhauers zu nähern. Ein Ort in Istrien, der mit seinem griechischen Ambiente (vgl. dazu auch „Himmelsleiter und Medea-Fahrt“ in: PHILOSOPHISCHE PRAXIS 2.2, Konstanz 2011) das Gefühl vermittelt, etwas näher an den Wurzeln der Philosophie zu sein. Zeitlich (Woche vor Ostern) und auch erfreulicher Weise (für uns) durch seine Lage 150m über dem Meeresspiegel keine touristische Hochburg, konnte sich eine gemischte Gruppe, (PhilosopenInnen und  an Philosophie  Interessierten), in ein wohl vorbereitetes  philosophisches (Urlaubs-)Leben begeben.

    Wohl organisiert durch das langjährige Eingebettetsein von Grit und Mike in den Freundeskreis, die 'Kompanija' unserer Gastgeber, standen uns prima Unterkünfte zur Verfügung – insbesondere die hoch über dem Meer liegende Terrasse, vor den Häusern von Vedran und Mirjana mit Blick auf die Insel CeRES, war als zentraler Treffpunkt ein absolutes Highlight. Am Morgen wurden Schopenhauers Gedanken beim Philosophieren von 10-12 Uhr von der Sonne bestrahlt und dann am Abend konnte,  in Decken gehüllt, das 'Nachphilosophieren' an einigen Tagen im Schein des Vollmondes beendet werden. Kulinarische Verwöhnung bei üppigem Abendmenü heimischer Köstlichkeiten fand im Hause der geübten Köchin Biserka statt.

    Wohl organisiert, vor allem auch deshalb, weil Mike uns mit dem Hinweis auf entsprechende Literatur eine sehr individuelle Vorbereitung bot. Besonders hilfreich waren dabei seine im Vorfeld geschickten 'Folgen': 12 Fotos, die als reines Bild die Einstimmung auf Brseč/Istrien leicht machte. Oder als Foto mit Textauszügen und Hinweis auf die entsprechenden Stellen in den Büchern ermöglichten diese auch denjenigen, die wenig Zeit zum Lesen hatten, eine gute Vorbereitung.

    Bei aller Organisation war jeder frei, seine eigenen Wünsche und Anregungen einzubringen oder sich einfach auszuklinken, um sein eigenes Programm zu gestalten – diese Freiheit wurde allerdings von keinem während der morgendlichen Philosophiezeit genutzt – Schopenhauer hielt alle bei der Stange – trotz Pessimismus? - Die Frage bleibt im Raume stehen, sicher waren die 'nur 2 Stunden' ein Grund, dass alle nach eigenen Überlegungen oder Austausch mit anderen ('Nachphilosophieren' mit und ohne Wein) gerne jeden Tag wieder auf die Terrasse kamen.

    Ein besondere Ausnahme war ein Tag, bei dem der Wein dem Philosophieren den Rahmen gab – ein Ausflug zu dem in der Nähe liegenden Weingut der Familie Bažon in Gračišće. Hier im „Landesinneren“ gab es eine Weinprobe in Verbindung mit einem exklusiven Menü dessen Besonderheit ein Gulasch aus dem wohl gehütetem Fleisch des einheimischen Boskarin - Rinds war, dessen Zubereitung nicht jedem zugestanden wird. Eine wunderschöne Woche, deren besonderer oder eigentlicher Anlass in den folgenden Zeilen  sowohl einen Rückblick gestatten soll, wie auch zum Weiter-denken, -lesen und -philosophieren anregen möchte.

     
    Die literarisch-philosophischen Grundlagen:

     
    Safranski, Rüdiger 1987: Schopenhauer und die wilden Jahre der Philosophie.

    Schopenhauer, Arthur (1818, 3. Aufl. 1859) : Die Welt als Wille und Vorstellung

    Irvin D. Yalom 2006: Die Schopenhauer Kur, Original: 2005: The Schopenhauer Cure.

     
    Teil II: Rückblick auf die philosophische Arbeit – eine Art Tagebuch

     
    Sonntag, 13.04.2014
     
    Anknüpfend an  die Folgen 8, 9 und 10 haben wir über Yalom's Buch den Einstieg zu Schopenhauer begonnen. Yalom startet vor dem ersten Kapitel mit einem Zitat aus Schopenhauer's: Die Welt als Wille und Vorstellung:

     

    „Jeder Atemzug wehrt den beständig eindringenden Tod ab....

     Zuletzt muß er siegen: denn ihm sind wir schon von Geburt

     anheimgefallen, und er spielt nur eine Weile mit seiner Beute, bevor

     er sie verschlingt. Wir setzen indessen unser Leben mit großem An-

     teil und vieler Sorgfalt fort, so lange als möglich, wie man eine Sei-

     fenblase so lange und groß als möglich aufbläst, wiewohl mit der fes-

                              ten Gewissheit, daß sie platzen wird.“(Bd. I, S.427)

     
    Folge 8 führt zur zentralen Frage: „Wieso holte er von all seinen ehemaligen Patienten gerade Philip (PHIL) aus den Tiefen seines Gedächtnisses hervor? War der Grund dafür einfach der, dass seine Therapie so schrecklich erfolglos war?“ (S.35). Die Hauptfigur in Yaloms Roman, Julius Hertzfeldt, 65, renommierter Psychoanalytiker, nimmt sich nach einer Krebsdiagnose, die eine nur noch knappe Lebenszeit bedeutet, vor, den Erfolg seiner eigenen Arbeit zu hinterfragen. In Folge 8 fügt Mike an: „Yaloms alter ego konnte zu dieser Zeit ja nicht wissen, dass es ein Philosoph war (Schopenhauer), dem PHIL seine 'Heilung' zuschreibt. Yalom's Buch steuert auf eine überraschende Kooperation zu...“

     Diese findet sich (nach einer von PHIL speziell für Julius durchgeführten Vorlesung) auf S.71: „Gehe ich also  recht in der Annahme, dass Sie einen Handel vorschlagen – ich übernehme Ihre Supervision, und Sie bringen mir Schopenhauer nahe?", fragte Julius - PHIL: " So ist es!“

                Aus dem amerikanischen Original: „I can continue practicing as as a clinical philosopher –that field is not regulated by the state – but a counselor´s license would offer me a number of advantages, including the ability to buy malpractice insurance…” p 52

    Im folgenden Text erfährt der Leser, dass PHIL Julius eigentlich schon länger darauf ansprechen wollte, ihm aber das nötige Geld fehlte. - Julius bittet sich Bedenkzeit aus und beendet einen Eintrag in seinem Tagebuch mit den Worten: „Philip supervisieren? Einen rechtmäßigen koscheren Therapeuten aus ihm machen? Das ist ein Dilemma. Will ich ihn unterstützen? Will ich ihm meinem Segen geben, obwohl ich nicht glaube, dass ein Hasser (und er ist ein Hasser) jemanden helfen kann?“ (S.73) – Julius stimmt schließlich der Supervision zu in der Form, dass PHIL an einer seiner Gruppentherapien teilnimmt. Julius ist überzeugt davon, dass PHIL trotz der Heilung vom Symptom der Sexsucht durch Schopenhauer-Bibliotherapie insgesamt betrachtet (als gefühlskalter Mensch)   nicht geheilt ist, und das in der Gruppentherapie angegangen werden sollte.  Das zumindest  muss Voraussetzung sein, wenn PHIL sich  als Therapeut eine staatliche Anerkennung haben will – PHIL ist auf der Gegenseite voll davon überzeugt, dass Schopenhauer Julius in dessen Situation eine große Hilfe sein wird: „Ich würde gern mit Ihnen zusammen seine Aufsätze über den Tod und die Unzerstörbarkeit des Seins lesen.“  - Julius wehrt PHIL ab, weil er im Moment mehr am Leben als am Sterben interessiert ist. PHIL kontert mit Rückgriff auf Sokrates und Seneca, dass der Tod immer als Horizont aller (Lebens)-fragen da sei. Von ersterem zitiert er: „Um gut leben zu lernen, muss man zunächst gut sterben lernen“; von Seneca: „Keiner genießt den wahren Geschmack des Lebens außer dem, der willens und bereit ist, es hinter sich zu lassen.“ (S.90).  - EINE STELLE, die sowohl philosophisch, als auch therapeutisch  große Relevanz hat und zu einem Blick zurück auf das Motto dieses Textes führt.

     
    Uns führt dies an diesem Tag noch zu Folge 10 (S.134/135): Es geht um ein Gruppengespräch unter Leitung von Julius mit dem Thema, dass Pam in der Gruppe keine Hilfe fand und deshalb zu einem Guru nach Indien reiste. Julius nach seiner Meinung gefragt, antwortet: „Inzwischen bin ich der Meinung, dass ich jede Hilfe brauche, die ich bekommen kann. Und ich habe festgestellt, dass die Hinwendung zu einer anderen Form von Wachstum, auch zu richtig verrückten Sachen [BIBLIOTHERAPIE?!], oft Neuland für unsere therapeutische Arbeit erschließen kann. Und natürlich hoffe ich, dass das bei Pam der Fall ist.“ - PHIL verweist auf Schopenhauer und dessen positive Einstellung zu fernöstlichen Meditationstechniken und äußert, dass Pam damit wahrscheinlich eine hervorragende Idee gehabt habe, da diese: „darauf  abzielen, den Geist zur Ruhe kommen zu lassen, Illusionen zu durchschauen und die Kunst des Sich-Lösens von Bindungen einzuüben, um Leiden zu mindern.“ Er fügt erklärend an, dass Schopenhauer der Erste gewesen sei, der asiatisches Gedankengut in die abendländische Philosophie einführte. Mike beendet Folge 10 mit Yaloms Kommentar zu Julius: „Julius war gereizt, weil er Schopenhauers Namen so häufig hörte, schwieg aber diesmal, weil ihm auffiel, dass mehrere Gruppenmitglieder Philips Bemerkungen mit zustimmendem Nicken aufnahmen.“ (S.135).

     

    Den Abschluss des ersten philosophischen Treffens auf der Terrasse beenden wir mit einer Szene aus Yalom: Die Gruppenteilnehmerin Bonnie hatte einen Traum von einem Bahnhof. Sie wollte auf einen Zug aufspringen, dessen Waggons immer schäbiger werden, der Traum wird von der Gruppe so gedeutet, dass durch Julius Krankheit, die Gruppe auseinanderfallen wird – es findet ein intensives Gruppengespräch statt, das Julius mit den Worten unterbricht: „Habe ich Ihnen erzählt, dass ich verliebt bin?“ - nach tödlichem Schweigen fährt Julius fort: „Ja, verliebt in die Gruppe, vor allem, wenn sie so arbeitet wie heute. Großartig, wie Sie sich mit dem Traum auseinandersetzen.“ (S.167/168).

    Montag, 14.04.2014

    Wir fahren fort mit Yalom und indischer Meditation, Kap. 18: Pam in Indien (2): Yalom lässt Pam sprechen, die nicht einschlafen kann: „Die Lösung lag darin, das Bewusstsein auszuschalten und allein der Weisheit des Körpers zu folgen. Mit dem Einschlafen war es dasselbe.“ [Erinnerung an eine Geschichte aus der Kindheit, bei dem ein Tausendfüßler so wieder laufen konnte] -  Im folgenden gibt Pam Gelerntes aus ihrem Workshop preis – Es geht um Atemübungen: bewusstes Studieren des Einatmens und Ausatmens, um eine vollständige Bewusstheit beim Atmen zu erreichen  (S.178 ff.).

    Pam bringt uns zu Folge 11 (S.214/215): Tony (auch Teilnehmer von Julius Therapiegruppe) kritisiert PHIL, nachdem dieser sich, aufgefordert durch Julius, für einen helfenden (Therapie)-Rat auf Schopenhauer bezieht. Tony ist der Meinung, dass PHIL sich zu viel auf Schopenhauer bezieht und zu wenig von sich selbst einbringt. Julius steigt in diese Situation ein : „Tony, ich vermute, es war nicht leicht für Sie zusagen: >Schopenhauer, wer immer das ist<" - "Na, wir sind doch hier, um die Wahrheit zu sagen“, erwiderte Tony.

    HIER KANN sich der Leser die Frage stellen: PHIL ganz SCHOPENHAUER? und außerdem ist zu beachten, dass Julius nicht (wie oben) gegen zu viel Schopenhauer interveniert, sondern die Wirkung auf Tony aufgreift.

    Unsere Philosophierunde wechselt zu Safranski und taucht damit ein in Schopenhauers Leben und Werk. Safranski schreibt im 11. Kapitel: „Im Blick auf sich selbst hat Schopenhauer nur seinen Weg zur Philosophie, nicht aber den in der Philosophie als lang empfunden. [  ] Die Inspirationen des >besseren Bewußtseins<  suchen ihre Sprache in romantischen und platonischen Reminiszenzen, und in der Reflexion des empirischen Bewußtseins folgt er den Spuren Kants.“ (S.230) Safranski erklärt im folgenden Text, mit seinem Hauptwerk „Die Welt als Wille und Vorstellung“ habe Schopenhauer dem >besseren Bewusstsein< seinen Ort anweisen wollen, indem er (Kant radikalisierend) die Grenzen des empirischen Bewusstseins bestimmte.
     

    Dienstag, 15.04.2014

    Folge 1 (Safranski, S.309): „Das Subjekt des Erkennens solle sich selbst bei der Arbeit zusehen, [  ]. Fichte und Schelling nennen das >intellektuelle Anschauung<. Die intime Bekanntschaft mit der Werkstatt der Gedanken öffnet uns die Pforten zum Geheimnis der Welt. [  ] Doch so verstand Schopenhauer seinen Weg nach innen nicht. Statt vom Subjekt des Erkennens nimmt er seinen Ausgangspunkt vom Subjekt des Wollens, vom Anderen der Vernunft also.“

    Wir gehen zurück (Safanski, S.170-172) – Safranski geht hier auf Kant ein: >Das Ding an sich<. Wir beenden die Runde bei Folge 3 (Safranski, S.193): „Kant hatte davon gesprochen, daß in seiner Freiheit der Mensch Anteil hat an dem, was jenseits aller Erscheinungen (Kausalitäten) existiert. Und genau in diesem Sinne nun knüpft Fichte an Kant an: An diesem nach innen gewendeten >Ding an sich<, an der Freiheit, mit der das Ich jeden Augenblick aus eigener Kraft anfangen kann zu sein.“

     
    Mittwoch, 16.04.2014
    „Diesen Mann [Fichte] nun will Arthur Schopenhauer in Berlin hören, einmal, weil man Fichte einfach gehört haben muß, wenn man philosophisch auf der Höhe der Zeit bleiben will, zum anderen aber auch, weil Arthur noch die Sprache sucht, in der sich die platonische Entrückung vom empirischn Bewußtsein zeitgemäß verstehen und formulieren läßt.“ (Safranski, S.199). Folge 4 (Safranski, S.200): „Doch an einem entscheidenden Punkt geht Schopenhauer gänzlich andere Wege als sein Zeitalter. [  ]...die Hegelsche und Marxsche Dialektik wird das Unversöhnte auf seine eigene Versöhnung hinarbeiten lassen.[  ] Anders Arthur Schopenhauer. Er ist nicht auf Versöhnung aus, er wirft seine ganze philosophische Leidenschaft auf das Projekt, die >Duplizität des Bewußtseins< zu begreifen; zu begreifen, weshalb und inwiefern wir zwischen zwei Welten zerrissen sind und sein müssen – [empirisches Bewusstsein (Kant) / >besseres Bewusstsein< (Schopenhauer)].

     
    Donnerstag, 17.04.2014

     Weiter mit Safranski:

    S.287: Schopenhauers Zeit in Dresden: Zitat aus: Arthur Schopenhauer: Gesammelte Briefe (B,10)

    S.289: Schopenhauer und seine Einstellung zu Krieg: >mörderischer Karneval<

    S.298: Anthropologische Grundausstattung: Kant vs. Schopenhauer

    S.299: Zitate aus Schopenhauer: Frühe Manuskripte (1804-1818) = HN I: „Man war im Theoretischen auf eben die Art thörigt, wir wir es beständig alle im Praktischen sind, wo wir vom Wunsch eilen und so das Glück endlich zu finden hoffen; statt nur ein einziges Mal in uns zu gehen, vom Wollen uns loszureißen und im besseren Bewußtseyn zu verharren. (155). [← vom Wollen erlösen] – Safranski merkt an: „In dieser Aufzeichnung von 1814 wird die entscheidende Antithese genannt: das > bessere Bewußtsein< soll vom >Wollen< erlösen.“ und Ende 1814 oder Anfang 1815 habe Schopenhauer jene Sätze notiert, aus denen alles Weitere folgte: „Die Welt als Ding an sich ist ein großer Wille, der nicht weiß, was er will; denn er weiß nicht sondern will bloß, weil er ein Wille ist und nichts Anderes.“ (169).

    S.300: Safranski erklärt zu HN I, 154: „Man gieng nach Außen in alle Richtungen, statt in sich zu gehen, wo jedes Räthsel zu lösen ist“, Schopenhauer habe sich mit dieser Einsicht einen alten Traum erfüllt und zitiert aus HN I, 17: „Erkenne die Wahrheit in dir...dort berührt der Himmel die Erde“.

    S.304/305: "Die Welt als >Maja< und als >;Brahma< - das scheint für Schopenhauer das zu sein, was die eigene Konzeption nennt: die Welt als >Vorstellung< und die Welt als >Wille<." In den Upanishaden findet sich kein Schöpfergott, kein Jenseits. "Schopenhauer fand hier eine Religion ohne Gott", er fand darin eine Bestätigung seiner "Metaphysik ohne Himmel".

    S.311/312 (Folge 5): „Der Ausdruck >besseres Bewußtsein< verschwindet aus den Aufzeichnungen, als Schopenhauer die Schlüsselbegriffe seiner Metaphysik des Willens findet. [  ] Zum anderen aber bezeichnet der Ausdruck die Haltung der philosophischen Besonnenheit, das Staunen, wodurch das Selbstverständliche überhaupt fragwürdig wird. Das Staunen steht am Beginn der ganzen Metaphysik, die Verneinung am Ende.“

     

     

    Freitag, 18.04.2014 (letztes Treffen auf der Terrasse)

     

    S.314/315: Safranski erklärt, Schopenhauer habe anknüpfend an seine Dissertation transzendentalphilosophisch begonnen, habe allerdings einen Weg heraus aus dieser geschlossenen Welt zeigen wollen. Er ergänzt, Schopenhauer habe sich noch einmal auf das Subjekt-Objekt-Verhältnis besonnen und gezeigt, dass es dort keinen logischen Prius gäbe: „Weder läßt sich das Subjekt aus dem Objekt erklären, noch das Objekt aus dem Subjekt. Bei dem jeweils einen ist das andere immer schon mitgedacht und vorausgesetzt....“.

    S.317 (Folge 6): „Was ist die anschauliche Welt noch außer dem, daß sie meine Vorstellung ist“ (Zitat aus: „Die Welt als Wille und Vorstellung (Bd.I) = I,51) – Schopenhauers Antwort: „Der Wille ist das Gewisseste. >Wille< ist der name für die Selbsterfahrung des eigenen Leibes. Nur der eigene Leib ist jene Realität, die ich nicht nur als Vorstellung habe, sondern die ich selber bin.“

    S.320: Safranski bezeichnet Schopenhauers Verfahren, die Welt aus dem von innen erlebten Willen zu verstehen als „Daseinshermeneutik“ und zitiert aus I, 137.

    S.322: Zu Mystik/Kontemplation/Natur: Safranski schreibt: „Diese nicht erklärenden, sondern verstehenden Blicke in die Natur gehören zu einer kontemplativen Haltung. Zugleich soll doch diese Art der Anschauung, wir erinnern uns, aus einer analogischen Übertragung der Innenerfahrung des Willens auf die äußere Welt herrühren.“ Der Autor bezieht sich auf I, 156 und fährt fort: „Mit diesem erlebten Willen als >Realismus< sollen wir, wie mit einem >Zauberwort<, das >innerste Wesen jedes Dinges in der Natur aufschließen< können - …. .

     

    Unsere philosophische Arbeit endete in Brseč ungefähr an dieser Stelle. Eine Arbeit, die ein Vergnügen war - mit und in dieser Gruppe. Die individuelle Fortsetzung und Vertiefung in Schopenhauers Leben und Werk einzutauchen, obliegt jedem selbst – mein persönliches Anliegen: gerne auch als Empfehlung zu verstehen, Schopenhauers „Senilia“ - Gedanken im Alter. hrsg. von Franco Volpi und Ernst Ziegler.