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Mittwoch, November 23, 2011

Bern/ Schloss Bümpliz 17.12.

Zum Gott der Philosophen & einer Aufgabe für Menschen

Dass wir vor der grossen Herausforderung stehen, im Weltmassstab Verantwortung zu übernehmen, da uns die ökologischen Probleme, die keine Grenzen kennen, dazu zwingen, ist heute von den meisten anerkannt. Doch nach welchen Grundsätzen und Prioritäten soll dies geschehen? – Bereits bei der Kernenergie scheiden sich die Geister: Ist sie technisch und organisatorisch mit all ihren Folgen beherrschbar und handhabbar oder hätte man sich wegen ihres grossen und langfristigen Risikos vernünftigerweise nicht auf sie einlassen lassen sollen? ... verblüffend, eine wie klare Anleitung zum Handeln bereits vor einiger Zeit der Philosoph Hans Jonas in seinem Buch „Prinzip Verantwortung“ (1979 !) gegeben hat?

Vom "Gott der Philosophen"

JONAS schnipsel 226 PLATON
Der platonische Eros, auf Ewigkeit und nicht auf Zeitlichkeit ausgerichtet, ist für seinen Gegenstand nicht verantwortlich. Das in ihm Angestrebte ist ein überlegenes Was, das nicht „wird“, sondern „ist“. Ein solches aber, dem die Zeit nichts anhaben kann, dem nichts widerfährt, kann nicht Gegenstand von Verantwortung sein. ...(225: (es) kann das Eigentliche, worauf der Mensch hinzustreben hat, gar nicht in der >>Horizontale<<, im Fortgang des Zeitlichen, sondern muss in der >>Vertikale<<, im Ewigen gesehen werden.)...
Verantwortlich kann frau/man nur für Veränderliches sein, für das von Verderbnis und Verfall Bedrohte S. 226 in: PV (prinzip verantwortung)

philosophische kritik

JONAS schnipsel 227f KANT
die Achse der Annäherung ist von der Vertikalen zur Horizontalen heruntergeklappt … das angestrebte Ziel liegt in der Zeitreihe … hier wird also dem äußeren Geschichtsverlauf anvertraut oder zugemutet, was im platonischen Schema dem inneren Aufstieg des Individuums aufgegeben war … (aber) die Zeit … gehört (bei Kant) nur zur phänomenalen Welt … und von deren Kausalität ist nicht zu erwarten, dass sie die im >>höchsten Gut<< geforderte Koinzidenz von Glückseeligkeit und sittlicher Würdigkeit dazu … als Allgemeinzustand herbeiführt … die Säkularisierung ist hier noch halbherzig S. 227 in: PV (prinzip verantwortung)

diesseitig Philosophieren


JONAS schnipsel 228 HEGEL

Erst Hegel tat den Schritt zur radikalen Immanentisierung. Die regulative Idee wird über die Köpfe der Wollenden und Handelnden hinweg konstitutiv und die Zeit, keineswegs bloße Erscheinung, zum echten Medium ihrer Verwirklichung, die durch die Selbstbewegung der Idee geschieht. Die >>List der Vernunft<< waltet nicht von außen, sondern durch die Geschichtsdynamik selbst
S. 228 in: PV (prinzip verantwortung)



JONAS schnipsel 228f MARX

bei Marx dann: das berühmte vom Kopf auf die Füße Stellen der Hegelschen Dynamik(1873 : siehe Marx-Engels-Werke 23, S. 27) und damit die Einschaltung bewussten Handelns ... beim revolutionären Schub. Die List der Vernunft fällt endlich mit dem Wollen der Akteure zusammen... Und obzwar die jetzt ihr Mandat sehend übernehmenden Akteure der Revolution nicht die Richtung des Prozesses bestimmen, so können sie doch Hebammendienste leisten. Hier zum ersten Mal wird Verantwortung für die geschichtliche Zukunft … auf die ethische Landkarte gesetzt und schon deshalb muss der Marxismus immer wieder zum Gesprächspartner in der Bemühung um eine Ethik geschichtlicher Verantwortung werden

JONAS schnipsel 7 JONAS

dies nenne ich >Heuristik der Furcht< : Erst die vorausgesehene Verzerrung des Menschen verhilft uns zu dem davor zu bewahrenden Begriff des Menschen. Wir wissen erst, was auf dem Spiel steht, wenn wir wissen, dass es auf dem Spiel steht.

JONAS schnipsel 8 JONAS
Da es … nicht nur um das Menschenlos, sondern auch um das Menschenbild geht, … so muss die Ethik … über die … Klugheit hinaus eine solche der Ehrfurcht sein.“ pv 8 Damit werden Kants Unterscheidungen von Verstand (Klugheit) und Vernunft und insbesondere Bezüge zur „3. Kritik“ aktiviert.

Chris MW regt an: Du solltest noch genauer auf den Gegensatz zw überlieferten Moraltheorien, die auf Liebe und Ehrfurcht basieren und der von Jonas geforderten neuen, der Ethik der Verantwortung eingehen und hervorheben, dass diese auf der Macht (Wissen) beruht, die die Verknüpfung von Wollen und Sollen ist ; meiner Meinung nach kennzeichnet das besonders gut Jonas Forderung nach einer neuen Ethik, eben 'Prinzip Verantwortung'. STIMMT

menschliches Können / Selbstkontrolle

JONAS Schnipsel 9 pv 232 f

Nur beim Menschen ist die Macht durch Wissen und Willkür vom Ganzen emanzipiert und kann dem Ganzen (und damit auch sich selbst) verhängnisvoll werden. Menschliches Können ist unser Schicksal und wird immer mehr zum allgemeinen Geschick. Darum erhebt sich bei uns Menschen aus dem Wollen das Sollen als Selbstkontrolle unserer bewusst eingesetzten Macht... Das erste Gebot: nicht das Erreichte ... durch die Art seiner Nutzung zu verderben ! … Das also, was Wollen und Sollen überhaupt verknüpft, die MACHT , ist ebendasselbe, was Verantwortung ins Zentrum der Moral rückt.

Fortschritte in der Vermeidung menschlichen Unglücks -
Aufklärung zum Glück ?


HAMPE 2009: p.83f

… eine nackte Tatsache, an die heute nur noch wenige Philosophen glauben wollen, es sei denn, sie haben sie selbst im Bauch und der Schmerz zwingt sie, sie als gegeben hinzunehmen und dadurch unglücklich zu werden … erkenne ich (die Tatsache) an, so kann ich beginnen, etwas (da)gegen zu unternehmen... Denn ich will nicht unglücklich sein. Was ich dagegen tun kann, hängt von (menschlicher) Macht ab... Die Fähigkeit zu erwerben, die Dinge so zu sehen, wie sie sind, um dann die Macht aufzubauen, sie so zu verändern, wie wir sie haben wollen, ist das Problem, das zu lösen ist, wenn man Fortschritte in der Vermeidung des Unglücks machen will. Das sind die zwei Schritte auf dem naturwissenschaftlich-technischen Weg der Aufklärung zum Glück.

Donnerstag, Oktober 20, 2011

Hegel - Marx - Jonas

JONAS schnipsel 228 HEGEL

Erst Hegel tat den Schritt zur radikalen Immanentisierung. Die regulative Idee wird über die Köpfe der Wollenden und Handelnden hinweg konstitutiv und die Zeit, keineswegs bloße Erscheinung, zum echten Medium ihrer Verwirklichung, die durch die Selbstbewegung der Idee geschieht. Die >>List der Vernunft<< waltet nicht von außen, sondern durch die Geschichtsdynamik selbst
S. 228 in: PV (prinzip verantwortung)



JONAS schnipsel 228f MARX

bei Marx dann: das berühmte vom Kopf auf die Füße Stellen der Hegelschen Dynamik(1873 : siehe Marx-Engels-Werke 23, S. 27) und damit die Einschaltung bewussten Handelns ... beim revolutionären Schub. Die List der Vernunft fällt endlich mit dem Wollen der Akteure zusammen... Und obzwar die jetzt ihr Mandat sehend übernehmenden Akteure der Revolution nicht die Richtung des Prozesses bestimmen, so können sie doch Hebammendienste leisten. Hier zum ersten Mal wird Verantwortung für die geschichtliche Zukunft … auf die ethische Landkarte gesetzt und schon deshalb muss der Marxismus immer wieder zum Gesprächspartner in der Bemühung um eine Ethik geschichtlicher Verantwortung werden

JONAS schnipsel 7 JONAS

dies nenne ich >Heuristik der Furcht< : Erst die vorausgesehene Verzerrung des Menschen verhilft uns zu dem davor zu bewahrenden Begriff des Menschen. Wir wissen erst, was auf dem Spiel steht, wenn wir wissen, dass es auf dem Spiel steht.

JONAS schnipsel 8 JONAS
Da es … nicht nur um das Menschenlos, sondern auch um das Menschenbild geht, … so muss die Ethik … über die … Klugheit hinaus eine solche der Ehrfurcht sein.“ pv 8 Damit werden Kants Unterscheidungen von Verstand (Klugheit) und Vernunft und insbesondere Bezüge zur „3. Kritik“ aktiviert.

Samstag, Oktober 01, 2011

KURSPLAN energETHIK E 403 Uni KN

JONAS-SCHEER-RIPL 10. bis 14. OKT 2011 ab 9 Uhr

Hans Jonas, PRINZIP VERANTWORTUNG (Ffm 1979)
Bitte das ausführliche Inhaltsverzeichnis studieren, sich den Aufbau vor Augen führen und die ersten 3 Kapitel bis zum Seminarbeginn gelesen haben - Fragen notieren.

MO: Fragen ins Seminar einbringen. Das erste Referat (Lydia Wobst) setzt ein bei 3.III: DAS GEHEN und führt gestrafft bis 4.II: THEORIE DER VERANTWORTUNG

DI: Protokoll . Dann 4.VI: ZIEL DER DAUERHAFTIGKEIT … VII: SOLL IM IST (Christine Mok-Wendt)

MI: Protokoll. Dann 5. I: GEFÄHRDETE ZUKUNFT und II: Macht über die Macht?
(Meltem Meddur)

abweichend
DO
: Treffen erst um 14.00 Uhr in E403 Protokoll, dann 6.II (Das Energieproblem A.2) >>Schon da<< des eigentlichen Menschen C.2 wegen einer Veranstaltung des Wissenschaftsforums ab 9 Uhr in V 1001 (Mittelstraß / Gabriel / Wohlrapp / Lorenz am Vormittag)

FR: Diskussion der notwendigen Schritte bis NICHTUTOPISCHE VERANTWORTUNG

Wir fangen vormittags um 9 jeweils mit Jonas an und beschäftigen uns in der am Nachmittag übrigen Zeit mit RIPL (kurze videos) und mit SCHEER: energETHISCHER Imperativ -
Fragen hierzu bitte sammeln zum Weiterleiten an:
spanknebel@t-online.de mit Stichwort: energethik
Björn Spanknebel wird am SAMSTAG 15.10. 2011 zu uns kommen und am Tag nach dem Jahrestag von Hermann Scheers Tod (2010) einen öffentlichen Vortrag halten.

Björn Spanknebel, Hans Jonas, Lydia Wobst, RIPL, Scheer

Donnerstag, September 29, 2011

JONAS schnipsel 227f KANT

die Achse der Annäherung ist von der Vertikalen zur Horizontalen heruntergeklappt … das angestrebte Ziel liegt in der Zeitreihe … hier wird also dem äußeren Geschichtsverlauf anvertraut oder zugemutet, was im platonischen Schema dem inneren Aufstieg des Individuums aufgegeben war … (aber) die Zeit … gehört (bei Kant) nur zur phänomenalen Welt … und von deren Kausalität ist nicht zu erwarten, dass sie die im >>höchsten Gut<< geforderte Koinzidenz von Glückseeligkeit und sittlicher Würdigkeit dazu … als Allgemeinzustand herbeiführt … die Säkularisierung ist hier noch halbherzig
S. 227 in: PV (prinzip verantwortung)

Mittwoch, September 28, 2011

JONAS schnipsel 226 PLATON

Der platonische Eros, auf Ewigkeit und nicht auf Zeitlichkeit ausgerichtet, ist für seinen Gegenstand nicht verantwortlich. Das in ihm Angestrebte ist ein überlegenes Was, das nicht „wird“, sondern „ist“. Ein solches aber, dem die Zeit nichts anhaben kann, dem nichts widerfährt, kann nicht Gegenstand von Verantwortung sein. ...(225: (es) kann das Eigentliche, worauf der Mensch hinzustreben hat, gar nicht in der >>Horizontale<<, im Fortgang des Zeitlichen, sondern muss in der >>Vertikale<<, im Ewigen gesehen werden.)...
Verantwortlich kann frau/man nur für Veränderliches sein, für das von Verderbnis und Verfall Bedrohte S. 226 in: PV (prinzip verantwortung)

Montag, September 26, 2011

Tod und Leben HAMPELaliStimme 124f

"Von außen betrachtet hat die auf den Reichtum ausgerichtete Lebensform etwas Absurdes, weil in ihr die Zirkulation von etwas Totem, dem Geld, den Ablauf von etwas Lebendigem, den Existenzen der Menschen, zu bestimmen scheint." Das Literaturverzeichnis führt 298 einen Text von Marx über Geld, Kredit und Menschlichkeit an. "Es ist, als wären die Menschen in diesen Gesellschaften in eine Maschine geraten, die nichts mit dem Glück zu tun hat, der sie sich jedoch, damit sie am Laufen bleibt, in ihrer Bedürfnisentwicklung und ihrem ganzen Lebensrhythmus anpassen müssen." Und nicht nur die Menschen auch die sie umgebende Natur (zu der es ja keine scharfe Grenze gibt) wird angepasst: "Massenproduktion ... schädigt ... die natürlichen Lebensgrundlagen des menschlichen (aber nicht nur des menschlichen) Lebens." Die Menschen bringt dies "in eine unangenehme Konkurrenz nicht nur um natürliche Ressourcen wie Öl, Kohle, Gas ...", es entsteht auch die Furcht, dass es bald für sie selbst und ihre Nachkommen keine Lebensgrundlage auf der Erde mehr gibt."
Einen Hinweis auf Jonas enthält das Literaturverzeichnis nicht. Doch genau hier setzt das PRINZIP VERANTWORTUNG ein.

Mittwoch, Juli 27, 2011

KURSPLAN energETHIK

KURSPLAN energETHIK
JONAS-SCHEER-RIPL 10. bis 14. OKT 2011 Blockseminar UK

Hans Jonas, PRINZIP VERANTWORTUNG (Ffm 1979)
Bitte das ausführliche Inhaltsverzeichnis studieren (!), sich den Aufbau vor Augen führen und die ersten 3 Kapitel bis zum Seminarbeginn gelesen haben - Fragen notieren.

MO: Fragen ins Seminar einbringen. Das erste Referat (Lydia Wobst) setzt ein bei 3.III: DAS GEHEN und führt gestrafft bis 4.II: THEORIE DER VERANTWORTUNG

DI: Protokoll . Dann 4.VI: ZIEL DER DAUERHAFTIGKEIT … VII: SOLL IM IST

MI: Protokoll. Dann 5. I: GEFÄHRDETE ZUKUNFT und II: Macht über die Macht?

DO: Protokoll, dann 6.II (Das Energieproblem A.2) >>Schon da<< des eigentlichen Menschen C.2

FR: Diskussion der notwendigen Schritte bis NICHTUTOPISCHE VERANTWORTUNG

Wir fangen vormittags um 9 jeweils mit Jonas an und beschäftigen uns in der am Nachmittag übrigen Zeit mit RIPL (kurze videos) und mit SCHEER: energETHISCHER Imperativ -
Fragen hierzu bitte sammeln zum Weiterleiten an:
spanknebel@t-online.de mit Stichwort: energethik
Björn Spanknebel wird am SAMSTAG 15.10. 2011 zu uns kommen und am Tag nach dem Jahrestag von Hermann Scheers Tod (2010) einen öffentlichen Vortrag halten.

Freitag, Juni 03, 2011

energETHIK / energETHICS : Jonas-Scheer-Ripl

Blockseminar 10. -15.10.2011 PHILOSOPHIE


Schon 1912 veröffentlichte der Nobelpreisträger für Chemie Wilhelm Ostwald (1853 – 1932) sein Buch "Der energetische Imperativ", Hermann Scheer (1944-2010) wird daran anknüpfend dann (2010) von "Energethik" schreiben und nicht nur den Ausstieg aus der Nutzung nichterneuerbarer Energiequellen fordern, sondern die Machbarkeit JETZT behandeln. Ein Beginn der politischen Umsetzung der Programmatik im Bundesland Hessen scheiterte 2008 nur knapp (an 4 Dissidenten).
In Scheers Buch wird auf das Werk von Hans Jonas (1903 Mönchengladbach-1993 NY) nicht explizit Bezug genommen.

Einem größeren Kreis bekannt wird Hans Jonas (bis hinein in den Schulunterricht) erst ab den 80gern durch sein 1979 erschienenes Spätwerk PRINZIP VERANTWORTUNG (auf Ernst Blochs berühmten Titel anspielend) mit der Kant - Paraphrase: HANDLE SO, DASS DIE WIRKUNGEN DEINER HANDLUNGEN VERTRÄGLICH SIND MIT DER PERMANENZ ECHTEN MENSCHLICHEN LEBENS AUF ERDEN ! Das Konstanzer Philosophische Archiv enthält den kompletten schriftlichen Nachlass von Jonas.
>http://www.uni-konstanz.de/FuF/Philo/philarchiv/bestaende/Jonas.htm

Wilhelm Ripl betont die Bedeutung des Wasserkreislaufes für die Fortdauer menschlichen Lebens auf Terra. Dieser Kreislauf wird durch Bodenversiegelung, „Wasserabfuhr“ mit Austrag für die Bodenfruchtbarkeit wichtiger Bestandteile, Waldreduktion gestört. Die Verwendung von Kunstdünger gleicht dies nur kurzfristig in der modernen Landwirtschaft aus und hat keine ausgeglichene Energiebilanz. Zu Wasserhaushalt und Energieumsatz:
http://www.umweltbildung-berlin.de/themen/wasser/
http://www.aquaterra-berlin.de




> Am Samstag den 15.10.2011 wird ein damaliger Mitstreiter von Scheer,
Björn Spanknebel (RA in Kassel) zum Abschluss des Blockseminars einen öffentlichen Vortrag halten und Fragen diskutieren.

Freitag, Mai 27, 2011

KURSPLAN energETHIK

JONAS-SCHEER-RIPL 10. bis 14. OKT 2011 Blockseminar UK

Hans Jonas, PRINZIP VERANTWORTUNG (Ffm 1979)
Bitte das ausführliche Inhaltsverzeichnis studieren (!), sich den Aufbau vor Augen führen und die ersten 3 Kapitel bis zum Seminarbeginn gelesen haben - Fragen notieren.
MO: Fragen ins Seminar einbringen. Das erste Referat setzt ein bei 3.III: DAS GEHEN und führt gestrafft bis 4.II: THEORIE DER VERANTWORTUNG
DI: Protokoll . Dann 4.VI: ZIEL DER DAUERHAFTIGKEIT … VII SOLL IM IST
MI: Protokoll. Dann 5. I: GEFÄHRDETE ZUKUNFT und II: Macht über die Macht?
DO: Protokoll, dann 6.II (Das Energieproblem A.2) >>Schon da<< des eigentlichen Menschen C.2
FR: Diskussion der notwendigen Schritte bis NICHTUTOPISCHE VERANTWORTUNG

Wir fangen vormittags um 9 jeweils mit Jonas an und beschäftigen uns in der am Nachmittag übrigen Zeit mit RIPL (kurze videos) und mit SCHEER: energETHISCHER Imperativ -
Fragen hierzu bitte sammeln zum Weiterleiten an:
spanknebel@t-online.de mit Stichwort: energethik
Björn Spanknebel wird am SAMSTAG 15.10. 2011 zu uns kommen und am Tag nach dem Jahrestag von Hermann Scheers Tod (2010) einen öffentlichen Vortrag halten

NICHTUTOPISCH ist das Stichwort, das die 3 behandelten Autoren eint.

Donnerstag, Mai 26, 2011

Doppelwirkung


heute blickend aufs meer
denke ich an kirschen
und esse sie

die ernte in istra ist schon bald vorbei
doch dann auf zur höri

jonas habe ich heute sehr früh
wieder im garten gelesen
es hat viel vom heideggerstil
(gewicht gepackt in kleine deutsche worte / wörter)

das gestattet doppelwirkung
hat aber gefahr der mogelpackung

Montag, November 02, 2009

Lob




Überforderung macht den Meister
Wie sich der Mensch gegen Krisen wappnet: Peter Sloterdijks fulminanter Mammut-Essay "Du musst dein Leben ändern".

Bild: Marmorne Nachbildung eines vorchristlichen Torso im Louvre, wie er Rainer Maria Rilke zu seinem Gedicht »Archaischer Torso Apollos« inspiriert haben könnte. Es endet mit den Worten: »Du musst dein Leben ändern!«.
Von Meike Feßmann (2.4.2009
Wer die 700 Seiten dieses großen philosophischen Werks hinter sich hat, der kann nicht anders als staunen. Über Berg und Tal, in elastischen Sprüngen quer durch die Zeiten und Kulturen, hat man eine Denkbewegung nachvollzogen, deren Ideenreichtum wie ein Attraktor wirkt, auch wenn man gelegentlich in einen Steinbruch begrifflicher und historischer Ableitungen steigen muss. Peter Sloterdijk gilt nicht umsonst als der Tausendsassa unter den Philosophen. Das bescheiden als „Essay“ angekündigte Mammutwerk, von dem man munkelte, es handle von der Wiederkehr der Religion und deren Kritik, ist weit mehr als das.

Unter dem berühmten, Rilke entlehnten Appell „Du musst dein Leben ändern“ gelingt Sloterdijk die erste ernstzunehmende philosophische Auseinandersetzung mit der beginnenden globalen Krise und der Herausforderung, die sie an den Menschen – und man muss wohl bei allem Argwohn gegen den Großbegriff sagen: an die Menschheit – stellt. Dass man diesem Buch anmerkt, dass sein Autor mitten im Schreiben, wahrscheinlich fast in der Zielgeraden, Strategie und Stoßrichtung geändert hat, ist kein Nachteil, im Gegenteil. Seine verblüffende Geistesgegenwart und Zeitgenossenschaft hat damit zu tun, dass Sloterdijk mit dem Appell, den er dem Leser nahe bringt, selbst ernst macht. Wer soll die globale Krise deuten, mag er sich gefragt haben, wenn nicht einer, der behaupten darf, mit seiner „Sphären“-Trilogie am tiefsten über das Phänomen der Globalisierung nachgedacht zu haben.

„Du musst dein Leben ändern!“ ist ein ambivalenter Imperativ. Denn das Versprechen auf ein besseres Leben, das er implizit enthält, ist verbunden mit einer Anstrengung. Wer sich von diesem Imperativ ansprechen lässt, steckt in der Klemme oder gar in einer Krise. Im Kleinen hören wir diese Aufforderung ständig: vom Arzt, der uns nahe legt, unsere Gewohnheiten zu ändern, um länger zu leben, von Fitness-Gurus, die behaupten, man könne mit ihrer Hilfe jung bleiben, von der Kosmetikindustrie, die uns Schönheit in Aussicht stellt, von Coaches, die uns beruflichen Erfolg und steigende Lebensqualität versprechen – und nicht zuletzt von den alten Religionen und neuen Heilslehren, die sich um unsere Seele kümmern und unsere Angst vor dem Tod in Schach halten. Es gehört zu den klugen Kniffen dieses Buches, dass Sloterdijk diese Appelle nicht verächtlich macht, sondern für sein eigenes Projekt zu nutzen versteht.

Was er im ersten Band der „Sphären“ unter dem Stichwort „Blasen“ (1998) als „die Idee der konstitutiven Resonanz“ vorgestellt hat, nämlich den frappierend schlichten Gedanken, dass der Mensch gerade nicht allein in die Welt geworfen ist, wie man spätestens seit Heidegger annahm, sondern von Anfang an mindestens in einem Dual existiert (das zunächst mit der Mutter besetzt ist), wird hier gewissermaßen eingeklammert.

„Du musst dein Leben ändern“ handelt von den Kräften, mit denen Menschen sich selbst formen. Die Fähigkeit und Bereitschaft dazu hält Sloterdijk für eine Tugend. Es ist seine „Vertikalspannung“, die einen Menschen über sich hinauswachsen lässt, die ihn zur Leistung anspornt und zu mehr als bloßem Existieren. Sie ist auch das Einfallstor für jede Form der Transzendenz, die Voraussetzung für die Möglichkeit der Religion.

Über einen Zeitraum von rund 3000 Jahren untersucht Sloterdijk die Ausprägungen dieser Spannung, von der Antike griechischer und römischer Prägung, vom Buddhismus und Hinduismus über die Gründungszeit der monotheistischen Religionen bis hin zur Neuzeit und schließlich zur Moderne. Mit einem geschickten Dreh nennt er diese Formungskräfte „Anthropotechniken“. Er begreift den Menschen als ein Wesen, das zum Üben verdammt ist, und das mittels dieses Übens permanent auf sich einwirkt.

Der Begriff der „Anthropotechniken“ umfasst sowohl somatische als auch spirituelle Methoden, mit deren Hilfe sich Menschen gegen Bedrohungen immunisieren. Neben dem, was wir als biologisches Immunsystem zu begreifen gelernt haben, ein drastischer Einschnitt im Selbstbild des Menschen, lässt sich das Verhältnis zur Welt insgesamt als ein „immunitäres“ auffassen. Der Mensch stählt nicht nur seinen Körper gegen die Bedrohung von Alter und Krankheit, er entwickelt auch „symbolische Immunsysteme und rituelle Hüllen“.

Seine größte Angst ist zweifellos die vor seiner Endlichkeit. In dieser Hinsicht ist die Religion nichts anderes als eine Technik, mit dem Tod umzugehen. Die starke Ausgangsthese des Buches lautet, „dass eine Rückkehr zur Religion ebenso wenig möglich ist wie eine Rückkehr der Religion – aus dem einfachen Grund, weil es keine ,Religion’ und keine ,Religionen’ gibt, sondern nur missverstandene spirituelle Übungssysteme, ob diese nun in Kollektiven (...) praktiziert werden oder in personalisierten Ausführungen – im Wechselspiel mit dem ,eigenen Gott’, bei dem sich die Bürger der Moderne privat versichern.“ Dass Sloterdijk die Generierbarkeit von Religionen ausgerechnet am Beispiel von Scientology darstellt, ist so blasphemisch wie plausibel.

Mit den technischen Errungenschaften des 18. Jahrhunderts entstehen Verhältnisse, die dazu zwingen, Menschsein in Abgrenzung zur Maschine neu zu definieren. Es ist der Beginn des anthropologischen Denkens und das Ende eines Zeitalters, in dem die früheren Lehrmeister noch ernsthaft zur Lösung akuter Probleme beitragen konnten. Sloterdijks neues Buch kann auch als Korrektur der Missverständnisse gelesen werden, die sich aus seiner Rede „Regeln für den Menschenpark“ (1997) ergaben.

Die argumentative Stoßrichtung lässt sich leicht auf den Punkt bringen. Es ist der Unterschied zwischen dem Imperativ „Du musst das Leben ändern!“ und dem völlig anders gearteten „Du musst dein Leben ändern!“, der oft eine Form des Selbst-Appells ist und sich nur an einen Einzelnen richtet. Vor allem ist er nicht biologistisch. Neben einem radikal umgedeuteten Wittgenstein unterzieht Sloterdijk vor allem Nietzsche und den sehr frühen und späten Foucault einer Neulektüre.

Nietzsche ist für ihn der einzige Philosoph, der die „Vertikalspannung“ des Menschen, seine Bereitschaft nach Höherem und Unmöglichem zu streben, auch nach dem Ende der Metaphysik und dem Tod Gottes ins Zentrum seines Denkens gestellt hat. Von ihm übernimmt er die Transformation der Metaphysik in eine „Allgemeine Immunologie“. In Foucault wiederum erkennt er den Gewährsmann, dass sich die antiken Askesen in eine moderne Form der „Sorge um sich“ übersetzen lassen. Wie man dem Dionysiker „einen Stoiker einpflanzt“, wie man also Leidenschaften pflegen kann, indem man sie einem Regelwerk unterwirft, das kann man wohl nirgendwo so genau erkunden wie in Foucaults posthum edierten Schriften zur Lebenskunst. Akrobatik, Artistik, Askese sind die Begriffe, die immer wieder fallen und ergänzt werden durch Künstlertum und Trainingswissenschaft.

All dies sind Praktiken im Zustand der Absonderung: Ein Individuum beschäftigt sich mit sich selbst. Sloterdijk plädiert für eine Rehabilitierung des „Egoismus“ und zieht damit die Lehre aus den gescheiterten Kollektiv-Phantasmen des 20. Jahrhunderts. Wer die Welt ändern will, statt bei sich selbst anzufangen, läuft Gefahr, im Namen einer höheren Idee zum Massenmord aufzurufen. Nach den Erfahrungen des Stalinismus und Faschismus ist dieser Weg verbaut. Dabei könnte man es bewenden lassen. Doch die Bedrohung des Planeten ist für den Globalisierungstheoretiker Sloterdijk eine Herausforderung, die er nicht ignorieren kann.

In der globalen Krise erkennt er die „einzige Autorität“, die heute sagen darf: „Du musst dein Leben ändern!“ Zustimmend zitiert er Hans Jonas, der Kants kategorischen Imperativ in einen „ökologischen Imperativ“ umformuliert hat: „Handle so, dass die Wirkungen deines Handelns verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.“ Dass dies eine Überforderung ist, gibt Sloterdijk unumwunden zu. Kein Wunder, schließlich hat er 700 Seiten lang für eine Ethik des Sichforderns plädiert, die auch vor Überforderung nicht zurückschreckt.

Ihre erste Bewährungsprobe kann sie nun gleich am größten Beispiel geben. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit lässt sich Immunität nicht mehr als Vorteil des Eigenen gegenüber dem Fremden vorstellen. Tatsächlich müsste es für die Mitglieder der Weltgesellschaft um so etwas wie um eine „Ko-Immunitätsstruktur“ gehen. Bis sie gefunden und entwickelt ist, kann sich jeder Einzelne darin üben, „den Daueraufenthalt im Überforderungsfeld enormer Unwahrscheinlichkeiten“ auszuhalten. Peter Sloterdijks neuester Geniestreich gibt dafür einen exquisiten Leitfaden ab.

Peter Sloterdijk: Du musst dein Leben ändern. Über Anthropotechnik. Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 714 Seiten, 24,80 €.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 02.04.2009)