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Donnerstag, Januar 24, 2013

Café Philo 2.2. Schloss Bern-Bümpliz 14h

Wissen des Nichtwissens ?

Sokrates fragt seinen Gesprächspartner ( in Platons Dialog Theaitetos)1 , ob er gehört habe, dass er der Sohn einer tüchtigen Hebamme sei, was der Befragte bejaht. Die Frage danach, ob er auch wisse, dass Sokrates dieselbe Kunst ausübe wie die Hebamme verneint er, worauf Sokrates antwortet: „Wisse denn, dem ist so. Verrat mich aber nicht, ... denn es weiß niemand von mir, daß ich diese Kunst besitze. Da es nun die Leute nicht wissen, so sagen sie mir auch dieses zwar nicht nach, wohl aber, daß ich der wunderlichste aller Menschen wäre und alle zum Zweifeln brächte. Gewiß hast du das gehört“ [149 St 1 A] - Theaitetos bejaht. Sokrates erklärt nun ausführlich, was unter dieser 'Kunst' zu verstehen ist, dem Gesprächspartner bei der Geburt von GedankenKindern beizustehen. (Das könnte auch in einem Café Philo sein) Siehe dazu etwa Odo Marquard im Historischen Wörterbuch der Philosophie: „Den Begriff Philosophische Praxis (PP) hat Gerd B. Achenbach 1981 ... geprägt: unter PP versteht er die professionell betriebene philosophische Lebensberatung, die in der Praxis eines Philosophen geschieht. ... Sie verordnet keine Philosopheme, verabreicht keine philosophische Einsicht, sondern sie setzt das Denken in Bewegung: philosophiert.“ [ http://de.wikipedia.org/wiki/Philosophische_Praxis]
Die sokratisch-philosophische 'Kunst' beinhaltet, dass der Lehrende/Fragende den Lernenden/Befragten darin unterstützt, die Erkenntnis/Wahrheit -in einem Prozess ähnlich dem Geburtsvorgang- ans Licht zu bringen. Der Lernende wird dabei durch geschickte Fragen angeleitet, sich selbständig mit einem Problem auseinanderzusetzen, Lösungswege und Lösungen werden nicht vorgegeben, sondern sollen selbst entwickelt bzw. gefunden werden. Da das meist nicht einfach ist, kann es die Befragten in die Situation des Zweifelns an sich selbst bringen. Und 'zweifeln' wird auch die eine oder andere Gebärende, wenn sie schon ganz erschöpft ist, und das Kind immer noch nicht 'ans Licht' will... (sagt Mutter Christine)
Methodisch sieht das so aus, dass der Fragende immer wieder mit weiterem Nachfragen oder auch Zurückgeben von Fragen, der Form der offenen Fragen, der 'W-Fragen' (z.B.:Warum meinst Du, dass das so und so ist?/ Was ist das, das Du da meinst?), die Befragten dazu bringt, selbst Antworten zu finden / zu geben. Letztendlich findet ein Dialog, oft ein Zwiegespräch zwischen 'Vordenker' (Sokrates) und 'Mitdenker' statt, wobei die Selbstläuterung von beiden das Ziel ist: „...ein Philosophieren, das ... auf Prozesse des Bewusstwerdens ausgelegt ist.“2

Der Sokratische Dialog (bei Platon)

Im 6. Kapitel „Definition, Dialektik und das Gute“ seines schmalen Bändchens PLATO beschreibt Hare3 Sokrates Anliegen, das dieser mit seinen 'Was ist...?'-Fragen hat, als „Rechenschaft geben“. Darin liege der Kern des Philosophierens. Platon und Sokrates argumentieren, dass es nicht hinreiche, richtige Meinungen (ortheDOXA) zu haben. Erst wenn diese gerechtfertigt werden, können sie als sicher und zuverlässig, als WISSEN gelten: „Wenn wir die Wörter verstehen können, in denen wir die uns beschäftigenden Probleme darlegen, dann können wir für sie im nächsten Schritt begründete Lösungen suchen. Genau das ist das Anliegen der Philosophie“ (Hare verbindet diese Aussage mit einem Verweis auf Wittgensteins Lehrer Frege, der sich auf Sokrates Worte bezieht, mit der Aussage, dass das 'Wissen des Nichtwissens' vielen als Vorbedingung des Lernens fehle.) Diese Problematik sieht Hare im Dialog Euthyphron4 dargestellt. Besonders in Zeiten sittlicher oder politischer Verunsicherung kann der Anschluss an die Mehrheitsmeinung nicht ausreichen: wir müssen uns selber durchdenken / „we have to think the thing out for ourselves“5. Sokrates' Methode der 'Prüfung' (ELENCHOS) beschreibt er als ein Entlocken von Antworten auf seine Fragen. Die Antworten wurden dann ABER durch Sokrates oft zunichte gemacht, wenn er nachweisen konnte, dass diese in Widerspruch zu Behauptungen standen, die das jeweilige „Opfer“, oder sogar die Allgemeinheit, nicht aufgeben wollte. Hare sieht in der Argumentation die Problematik, dass nicht klar ist, ob so die Meinung/en abgelehnt würde/n oder die Bestimmung der verwendeten Wörter. Deshalb schlägt er vor, Platon so zu interpretieren, dass die Definition, die in den Selbstwiderspruch führt, abgelehnt werden muss.
Martens6 thematisiert, welche Bedeutung dem dialogisch an Argumenten und Gegenargumenten orientierten Prozess des Denkens, der durch die sokratische Methode bewirkt wird, zukommt: „Noch vor fachphilosophischen Unterscheidungen und arbeitsteiligen Einengungen einzelner Methoden und Richtungen besteht das Spezifikum des sokratischen Philosophierens aber vor allem in seiner lebensweltlichen Fülle und alltagssprachlichen Nähe,...“ und er verweist auf Adorno: „Darin, daß die Philosophie ihre Begriffe in einem so weiten Maß der von Allen gesprochenen Sprache entlehnt, hat sie ihre Beziehung auf das Ganze; so, wie es etwa Sokrates gegenwärtig gewesen sein mag, [ ], weil es Fragen sind, die alle Menschen angehen und die auch in ihrer Sprache sich behandeln lassen. Durch den Prozeß der Verfachlichung oder Spezialisierung werden auch diese Termini betroffen, diese Worte, die Sokrates noch an den Straßenecken verwandt hat, werden eingeengt.“7

Das sokratische Gespräch nach Nelson und Heckmann

Leonard Nelson bezeichnet sich selbst als: „...getreuen Schüler des SOKRATES und seines großen Schülers PLATON...“8, so der Beginn seines Vortrags bei der 'Pädagogischen Gesellschaft' Göttingen, dort 1922 gehalten, anlässlich der Gründung der 'Philosophisch-Politischen-Akademie' und 1929 posthum veröffentlicht. Zentralaussage: „Die sokratische Methode ist nämlich nicht die Kunst, Philosophie zu lehren, sondern Philosophieren zu lehren, nicht die Kunst, über Philosophen zu unterrichten, sondern (uns) zu Philosophen zu machen.“ Nelson9 hat -bei aller Sympathie für sokratische Methode- Platon/Sokrates aber auch kritisiert, da Nelson sich beim Philosophieren nicht als Andere-durch-Stromschläge-lähmender (Menon10, 80a) 'Zitterrochen' verstehen wollte. Nelsons Modifikation besteht darin, dass er sich statt um einen Zweierdialog um ein moderiertes Gruppengespräch bemüht, in dem moderierende Gesprächsleiter sich inhaltlich zurückhalten : „... hier hängt alles davon ab, die (Teilnehmenden) ... von Anfang an auf sich zu stellen, sie das Selbstgehen zu lehren, ohne dass sie darum allein gehen, und diese Selbständigkeit so zu entwickeln, daß sie eines Tages das Alleingehen wagen dürfen, weil sie die Obacht des (Gesprächsleiters) ... durch die eigene Obacht ersetzen.“11. So kommentiert Nelson die Stelle aus der Apologie: „...ausgefragt, geprüft und ins Gebet genommen...“12, als: „nicht um ihnen lehrend eine neue Wahrheit zu vermitteln, sondern nur, um ihnen den Weg zu zeigen, auf dem sie sich finden läßt.“ Dies, so scheint es, weiss Sokrates, selbst wenn er sonst nichts weiss.
Martens (1999) fasst die sokratische Methode als 'Dialog-Handeln' 13 und ihr Ziel ist 'Orientierung'. Er verweist auf Kant, der in seiner 'Kleinen Schrift von 1786'. „Was heißt: sich im Denken orientieren?“ in der Schlussanmerkung schreibt: „Aufklärung in einzelnen Subjekten durch Erziehung zu gründen, ist also gar leicht; man muß nur früh anfangen, die jungen Köpfe zu dieser Reflexion zu gewöhnen. Ein Zeitalter aber aufzuklären, ist sehr langwierig; denn es finden sich viele äußere Hindernisse, welche jene Erziehungsart teils verbieten, teils erschweren.“
Doch zurück zu Nelson, der sich an vielen Stellen seines Vortrags auch auf Kant bezieht, also nicht nur Platoniker sondern auch noch NeuKantianer ist. Besonders hervorzuheben , ist die Aussage, dass es in der Geschichte der Philosophie zweimal die: „Aussicht [gab], die Philosophie aus dem Stadium des Herumtappens auf den sicheren Weg der Wissenschaft zu bringen. ...“14 - erstens mit Sokrates, zweitens mit Kant. Zu Sokrates findet sich folgende jauchzende und zugleich scharfsinnige Passage beim jungen Altphilologen Friedrich Nietzsche : „Wer das fortwährende Jauchzen nicht hört, welches durch jede Rede und Gegenrede eines platonischen Dialogs geht, das Jauchzen über die neue Erfindung des vernünftigen Denkens... (!)[ ]... Jenes Alte war das Denken im Banne der Sittlichkeit, für das es lauter festgestellte Urtheile, festgestellte Ursachen, keine anderen Gründe, als die der Autorität gab: so daß Denken ein Nachreden war..[ ]..Sokrates war es, der den entgegengesetzten Zauber, den der Ursache und Wirkung, des Grundes und der Folge entdeckte...[ ]“15 Der Mensch entdeckt sich seit der klassisch griechischen Aufklärung als das „nicht festgestellte“ Wesen.
Zusammenfassend kann bis hier festgehalten werden, dass Nelson die sokratische Methode vom Zwiegespräch (Dyade) zum Gruppengespräch gemacht hat, wo es einen 'neutralen' sokratischen Lehrer/Leiter gibt, der jedem der Gruppe die Chance inhaltlich weiterzukommen gibt. Den Nachteil dieser Modifikation sieht zum Beispiel Birnbacher16 darin, dass die größere Komplexität der Gruppeninteraktion die Gefahr in sich birgt, bei der Wahrheitssuche auf die Schiefe Bahn abzurutschen, d.h. sich vom folgerichtigen Nachdenken zu entfernen, und/oder die Ausgangsfrage aus den Augen zu verlieren. Diesem Problem ist Heckmann (Schüler Nelsons, von 1927 – 1932 Lehrer in der Erwachsenenabteilung des von Nelson eröffneten Landerziehungsheims Walkenmühle bei Melsungen in Nordhessen)17 entgegengetreten.
Mit der Bearbeitung der sokratischen Methode setzt Heckmann an diesem Punkt an, indem er nicht mehr wie Nelson davon ausgeht, dass es objektiv gültige philosophische Wahrheiten gibt und das menschliche Nachdenken zu ihrer Auffindung in der Lage ist, was Nelson (wie Fries) als „Selbstvertrauen der Vernunft“18 bezeichnete. Heckmann schreibt der sokratischen Methode eine neue, selbständigere Rolle zu: „Ein Gespräch ist sokratisch, wenn es dem einzelnen Teilnehmer dazu verhilft, den Weg vom konkret Erfahrenen zur allgemeinen Einsicht selber zu gehen [ ]. Nur indem der einzelne diese Arbeit selber leistet, gewinnt er Einsicht. [ ] Im sokratischen Gespräch hat der Gesprächsleiter die pädagogische Aufgabe.....“19. - Zur Erfüllung dieser pädagogischen Aufgabe hat Heckmann sechs pädagogische Maßnahmen entwickelt, deren Ziel die Konsensfindung über eine Aussage durch das sokratische Gespräch ist. Diesem Konsens schreibt er den Charakter des Vorläufigen zu: „Bis auf weiteres bestehen keine Zweifel mehr an der erarbeiteten Aussage. Jedoch kann uns ein bisher nicht erwogener Gesichtspunkt in den Blick kommen, der neue Zweifel hervorruft. Dann muß die bisher nicht mehr angezweifelte Aussage von neuem geprüft werden. Niemals aber wird eine Aussage erreicht, die neuer Revisionsbedürftigkeit grundsätzlich entzogen wäre.“ (S.87) Heckmann sieht Punkt 6. Lenkung ('in fruchtbare Bahnen') als höchste Anforderung für den Gesprächsleiter, da das Erkennen und Nutzen fruchtbarer Ansätze und Fragen voraussetzt, dass der Leiter den Teilnehmern deutlich voraus sein muss, bezüglich philosophischer Einsichten und der Erfahrung darin, wie diese zu erlangen sind. Die sechs Maßnahmen, die als Forderung für den Leiter gelten, haben den Vorteil, dass diese Gesprächsregeln dann im weiteren Verlauf auch von den Gesprächsteilnehmern beachtet werden (können) und so eine regelmäßig „neo-sokratisch“ miteinander sprechende Gruppe weniger Leitung bedarf, sondern sich selbst anleitet. Der vorherige Leiter kann sich dann inhaltlich am Gruppengespräch beteiligen, als einer unter Gleichen. Wenn das Gespräch in einem Café Philo gut in Gang gekommen ist, erleben wir das auch: Gespräch unter Gleichen.
>>Sich-Wundern<< - damit fängt das Philosophieren an. Sich-Wundern-Können, auch noch mit fortschreitendem Alter, und jenes >>innere Jauchzen<< (der ungewöhnliche Altphilologe Nietzsche) beim interessierten Verfolgen der Wechselrede, sind vermutlich die wichtigsten Quellen des Vergnügens und des philosophischen Einsicht-Gewinnens beim Café Philo. 

„>Was bringt uns zum Denken?< Die klassische Antwort lautet: Das Staunen ist der Anfang von Philosophie(ren) … Reflexion ist seit Sokrates immer auch dabei, das selbsterzeugte Gedankengeflecht wieder aufzulösen.“ In ihrem letzten Werk: >Vom Leben des Geistes< hält Hannah Arendt Zwiegespräch mit Sokrates: „... gefrorene Gedanken, scheint Sokrates zu sagen, stellen sich so zwanglos ein, dass man sie im Schlaf anwenden kann; doch wenn dich der Wind des Denkens … aus dem Schlaf geweckt und völlig wach und lebendig gemacht hat, dann wirst du erkennen, dass du nichts in der Hand hast als Ratlosigkeit“ Nichtwissen – auf der Objektebene (wie moderne Sprachphilosophen gerne sagen). Dann aber steigt Hannah Sokrates gleichsam eine Stufe höher (auf die Metastufe, die Reflexionsstufe) und fährt fort: „ … und das beste ist immer noch, (die Suche) zu unserer gemeinsamen Sache zu machen.“ Nach: Reiner Wimmer, Vier jüdische Philosophinnen, Tübingen 1990,293
 

>>Wage es nur, vernünftig zu sein [sapere aude]; fang nur an damit; wer die Stunde hinausschiebt, in der er mit dem vernünftigen Leben anfängt, der gleicht dem Toren, der wartet, bis der Fluss abgeflossen ist; aber er strömt weiter und wird in alle Ewigkeit weiterströmen.<< (Horaz, Epistolae 2, 40.)20

Literaturhinweise

Adorno, Theodor W., 1973: Philosophische Terminologie, Band 1, Frankfurt/Main
 
Birnbacher, Dieter und Dieter Krohn (Herausgeber), 2002: 


Das sokratische Gespräch, Reclam, Stuttgart



Dietz, Cornelia: Der Platonische Dialog im Rahmen der
 


Kommunikationstheorie Gerold Ungeheuers. Eine
 


Hausarbeit aus dem Wintersemester 1994/95 Uni Konstanz



Hare, Richard M., 1982: PLATO , Oxford University Press, Oxford



Hare, Richard M., 1990, aus dem Englischen übersetzt v. 


Christiana Goldmann: Platon, Eine Einführung, Reclam, Stuttgart



Heckmann, Gustav, 1982: Das sokratische Gespräch

 

Höffe , Ottfried, 2009: Aristoteles: Die Hauptwerke,


Francke Verlag, Tübingen 

 

Martens, Ekkehard, 2004: Sokrates, Eine Einführung, Reclam, 


Stuttgart



Martens, Ekkehard, 1999: Philosophieren mit Kindern, Reclam, 


Stuttgart



 
Mittelstraß, Jürgen, 1985: Die geometrische Wurzel der Platonischen Ideenlehre, in: 


Gymnasium 92, 399-418



Mittelstraß, Jürgen, 1984: Versuch über den sokratischen Dialog, in:
Das Gespräch ,  Karlheinz Stierle und Rainer Warning (Hg.)
Mok-Wendt, Christine, 2013::  Sokrates und seine Lebenseinstellung
oder: Auf der Spur der sokratischen Methode, Uni Konstanz (Vorlage für diese Post)


Nietzsche, Friedrich: Morgenröthe. Gedanken über 


die moralischen Vorurteile (1881) , in:


 Kritische Studienausgabe 3, dtv / de Gruyter 1988; Neuausgabe 


1999



Platon, 2007: Euthyphron, Reclam, Stuttgart


Platon: die Werke, 2. Tetralogie: Kratylos,Theaitetos, Sophistes, 


Politikos  , nach einer Übersetzung v. Friedrich E. D. 


Schleiermacher in: Platons Werke. 


Zweiten Teiles erster Band. Dritte Auflage, Berlin 1856


(aus. www.opera-platonis.de)



Platon, 1994: Sämtliche Werke, Band1, neu herausgegeben von 


Ursula Wolf, übersetzt von Friedrich Schleiermacher (Apologie),


 Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbek bei Hamburg



Roth / Staude (Hg.) 2010: Das OrientierungsLos. Philosophische


Praxis1, Hartung-Gorre, Konstanz



Roth, Volkbert M. (Hg.) 2012: Viel Glück. 


Philosophische Praxis 4, Konstanz  SinnPraxis@gmail.com





Wimmer, Reiner 1990: Vier jüdische Philosophinnen, Tübingen  

     
             (Hannah Arendt und Sokrates)


1Platon, 2. Tetralogie: Theaitetos [148 d] ff. (aus: www.opera-platonis.de)
2Birnbacher, Dieter und Dieter Krohn: Das sokratische Gespräch, (S.144)
3Hare, Richard M., 1990: Platon (S. 73 f.)
4Platon, Euthyphron, 2007
5Hare, Richard M., 1982: Plato, (S.41)
6Martens, Ekkehard, 2004: Sokrates (S.162 f.)
7Adorno, Theodor W., 1973: Philosophische Terminologie, Band 1, (S.48), aus: Martens, 2004
8Nelson, Leonhard, 1922 veröffentlicht: 1929: Die sokratische Methode, (S.21-72), aus Birnbacher, Dieter und Dieter Krohn, 2002: Das sokratische Gespräch
9Birnbacher, Dieter und Dieter Krohn, 2002: Das sokratische Gespräch, (S.148 f.)
10Platon, 1994: Sämtliche Werke, Band1 (Menon, 80a/ S.470/471)
11Nelson, Leonhard, 1922 veröffentlicht: 1929: Die sokratische Methode,(S.46/47), aus Birnbacher, Dieter und Dieter Krohn, 2002: Das sokratische Gespräch
12Platon: Apologie des Sokrates (übersetzt v. Otto Apelt), S.44, Leipzig: nach Nelson, Leonhard, 1922 veröffentlicht: 1929: Die sokratische Methode, (S.26), in Birnbacher, Dieter und Dieter Krohn, 2002: Das sokratische Gespräch
13Martens, Ekkehard, 1999: Philosophieren mit Kindern, (S.54) -mehr dazu: in Ch. Mok-Wendt, Uni Konstanz BA-Arbeit, (S.30 f.)
14Nelson, Leonhard, 1922 veröffentlicht: 1929: Die sokratische Methode, (S.25), aus Birnbacher, Dieter und Dieter Krohn, 2002: Das sokratische Gespräch
15Nietzsche, Morgenröthe, KSA 3, S.314 f., aus: Martens, Ekkehard, 2004: Sokrates (S.66)
16Birnbacher, Dieter und Dieter Krohn, 2002: Das sokratische Gespräch (S.8)
17Birnbacher, Dieter und Dieter Krohn, 2002: Das sokratische Gespräch (S.217)
18Birnbacher, Dieter und Dieter Krohn, 2002: Das sokratische Gespräch (S.9)
19Heckmann, Gustav, 1981: Das sokratische Gespräch, (S.84-90)
20Martens, 1999:Philosophieren mit Kindern, (S.191)

 Wir freuen uns auf die Begegnung in Rede und Gegenrede, in der Wechselrede!

Mittwoch, November 23, 2011

Bern/ Schloss Bümpliz 17.12.

Zum Gott der Philosophen & einer Aufgabe für Menschen

Dass wir vor der grossen Herausforderung stehen, im Weltmassstab Verantwortung zu übernehmen, da uns die ökologischen Probleme, die keine Grenzen kennen, dazu zwingen, ist heute von den meisten anerkannt. Doch nach welchen Grundsätzen und Prioritäten soll dies geschehen? – Bereits bei der Kernenergie scheiden sich die Geister: Ist sie technisch und organisatorisch mit all ihren Folgen beherrschbar und handhabbar oder hätte man sich wegen ihres grossen und langfristigen Risikos vernünftigerweise nicht auf sie einlassen lassen sollen? ... verblüffend, eine wie klare Anleitung zum Handeln bereits vor einiger Zeit der Philosoph Hans Jonas in seinem Buch „Prinzip Verantwortung“ (1979 !) gegeben hat?

Vom "Gott der Philosophen"

JONAS schnipsel 226 PLATON
Der platonische Eros, auf Ewigkeit und nicht auf Zeitlichkeit ausgerichtet, ist für seinen Gegenstand nicht verantwortlich. Das in ihm Angestrebte ist ein überlegenes Was, das nicht „wird“, sondern „ist“. Ein solches aber, dem die Zeit nichts anhaben kann, dem nichts widerfährt, kann nicht Gegenstand von Verantwortung sein. ...(225: (es) kann das Eigentliche, worauf der Mensch hinzustreben hat, gar nicht in der >>Horizontale<<, im Fortgang des Zeitlichen, sondern muss in der >>Vertikale<<, im Ewigen gesehen werden.)...
Verantwortlich kann frau/man nur für Veränderliches sein, für das von Verderbnis und Verfall Bedrohte S. 226 in: PV (prinzip verantwortung)

philosophische kritik

JONAS schnipsel 227f KANT
die Achse der Annäherung ist von der Vertikalen zur Horizontalen heruntergeklappt … das angestrebte Ziel liegt in der Zeitreihe … hier wird also dem äußeren Geschichtsverlauf anvertraut oder zugemutet, was im platonischen Schema dem inneren Aufstieg des Individuums aufgegeben war … (aber) die Zeit … gehört (bei Kant) nur zur phänomenalen Welt … und von deren Kausalität ist nicht zu erwarten, dass sie die im >>höchsten Gut<< geforderte Koinzidenz von Glückseeligkeit und sittlicher Würdigkeit dazu … als Allgemeinzustand herbeiführt … die Säkularisierung ist hier noch halbherzig S. 227 in: PV (prinzip verantwortung)

diesseitig Philosophieren


JONAS schnipsel 228 HEGEL

Erst Hegel tat den Schritt zur radikalen Immanentisierung. Die regulative Idee wird über die Köpfe der Wollenden und Handelnden hinweg konstitutiv und die Zeit, keineswegs bloße Erscheinung, zum echten Medium ihrer Verwirklichung, die durch die Selbstbewegung der Idee geschieht. Die >>List der Vernunft<< waltet nicht von außen, sondern durch die Geschichtsdynamik selbst
S. 228 in: PV (prinzip verantwortung)



JONAS schnipsel 228f MARX

bei Marx dann: das berühmte vom Kopf auf die Füße Stellen der Hegelschen Dynamik(1873 : siehe Marx-Engels-Werke 23, S. 27) und damit die Einschaltung bewussten Handelns ... beim revolutionären Schub. Die List der Vernunft fällt endlich mit dem Wollen der Akteure zusammen... Und obzwar die jetzt ihr Mandat sehend übernehmenden Akteure der Revolution nicht die Richtung des Prozesses bestimmen, so können sie doch Hebammendienste leisten. Hier zum ersten Mal wird Verantwortung für die geschichtliche Zukunft … auf die ethische Landkarte gesetzt und schon deshalb muss der Marxismus immer wieder zum Gesprächspartner in der Bemühung um eine Ethik geschichtlicher Verantwortung werden

JONAS schnipsel 7 JONAS

dies nenne ich >Heuristik der Furcht< : Erst die vorausgesehene Verzerrung des Menschen verhilft uns zu dem davor zu bewahrenden Begriff des Menschen. Wir wissen erst, was auf dem Spiel steht, wenn wir wissen, dass es auf dem Spiel steht.

JONAS schnipsel 8 JONAS
Da es … nicht nur um das Menschenlos, sondern auch um das Menschenbild geht, … so muss die Ethik … über die … Klugheit hinaus eine solche der Ehrfurcht sein.“ pv 8 Damit werden Kants Unterscheidungen von Verstand (Klugheit) und Vernunft und insbesondere Bezüge zur „3. Kritik“ aktiviert.

Chris MW regt an: Du solltest noch genauer auf den Gegensatz zw überlieferten Moraltheorien, die auf Liebe und Ehrfurcht basieren und der von Jonas geforderten neuen, der Ethik der Verantwortung eingehen und hervorheben, dass diese auf der Macht (Wissen) beruht, die die Verknüpfung von Wollen und Sollen ist ; meiner Meinung nach kennzeichnet das besonders gut Jonas Forderung nach einer neuen Ethik, eben 'Prinzip Verantwortung'. STIMMT

menschliches Können / Selbstkontrolle

JONAS Schnipsel 9 pv 232 f

Nur beim Menschen ist die Macht durch Wissen und Willkür vom Ganzen emanzipiert und kann dem Ganzen (und damit auch sich selbst) verhängnisvoll werden. Menschliches Können ist unser Schicksal und wird immer mehr zum allgemeinen Geschick. Darum erhebt sich bei uns Menschen aus dem Wollen das Sollen als Selbstkontrolle unserer bewusst eingesetzten Macht... Das erste Gebot: nicht das Erreichte ... durch die Art seiner Nutzung zu verderben ! … Das also, was Wollen und Sollen überhaupt verknüpft, die MACHT , ist ebendasselbe, was Verantwortung ins Zentrum der Moral rückt.

Fortschritte in der Vermeidung menschlichen Unglücks -
Aufklärung zum Glück ?


HAMPE 2009: p.83f

… eine nackte Tatsache, an die heute nur noch wenige Philosophen glauben wollen, es sei denn, sie haben sie selbst im Bauch und der Schmerz zwingt sie, sie als gegeben hinzunehmen und dadurch unglücklich zu werden … erkenne ich (die Tatsache) an, so kann ich beginnen, etwas (da)gegen zu unternehmen... Denn ich will nicht unglücklich sein. Was ich dagegen tun kann, hängt von (menschlicher) Macht ab... Die Fähigkeit zu erwerben, die Dinge so zu sehen, wie sie sind, um dann die Macht aufzubauen, sie so zu verändern, wie wir sie haben wollen, ist das Problem, das zu lösen ist, wenn man Fortschritte in der Vermeidung des Unglücks machen will. Das sind die zwei Schritte auf dem naturwissenschaftlich-technischen Weg der Aufklärung zum Glück.

Donnerstag, Februar 24, 2011





Bern- Schloss Buempliz 4.Juno 14 Uhr Oberes Turmzimmer

PD Dr.V. M. Roth
BRAUCHEN SIE EIN AFFEKTEFON ?
Nachdenkliche Traeume der Vernunft zur Minderung des Leidens 1

Wir alle kennen am Leib getragene Telephone. Sie haben sich erst vor einigen Jahren bei uns fast allgemein verbreitet. Der bisherige Platz der Armbanduhr ist dadurch frei geworden. Hier koennte kuenftig ein neuer kleiner Apparat befestigt sein. Er dient nicht dem Kontakt mit entfernteren Gespraechsteilnehmern, sondern mit dem eigenen "Inneren", mit unseren sich durch Hirnaktivitaet aufbauenden Gefuehlen und das Affektophon am Handgelnk soll biofeedback ermoeglichen., sozusagen durch einen Anruf "bei uns selbst". Wir streben nach einem gluecklichen, "guten" Leben.
Das Affektephon soll helfen, selbstbewirktes Unglueck abzuwenden. Text: Michael Hampe (2009),
Das vollkommene Leben. Ich behandele die erste Meditation ueber Tod und Glueck, S. 43 ff (104 Affektoskop) In meiner Einfuehrung beleuchte ich das Gedankenexperiment. Lektuere des Texts ist nicht Voraussetzung fuer die Teilnahme.

Freitag, Februar 11, 2011

"Suche nach Sinn" Berner PhiloCafé

12. 2.2011 14-16°° Schloss Bümpliz Turm
"Nichts was im Leben wichtig ist" - Auf der Suche nach Sinn
Was ist wichtig in unserem Leben? Ist überhaupt etwas wichtig? Ist es sinnvoll, „Gutes“ zu tun oder sich zu befreien und verantwortlich zu handeln? Und was bleibt nach der grossen Befreiung? ‒ Die Frage nach dem Sinn im Leben ist so alt wie die menschliche Selbstbesinnung, doch nur selten wurde sie so radikal und aktuell gestellt wie im Roman von Janne Teller Nichts was im Leben wichtig ist. Er wird im literarisch-philosophischen Café kurz vorgestellt. Anschliessend erklimmen wir in der Diskussion gemeinsam den „Berg der Bedeutung“.
Einführung und Moderation: Detlef Staude (philocom Philosophische Praxis)

Der Eintritt beträgt 20 Franken.

Sonntag, September 26, 2010



Siehe auch Café Philo Sartre
auf philopraxis-feigenblaetter.blogspot.com