Michael Hampe: Das vollkommene Leben Vierte Preisschrift, 5. Kapitel: „Intensität und Sicherheit als Bedingungen von Glückserfahrungen“
1. Einleitung
Williamson beleuchtet in seiner Preisschrift den Einfluss der modernen Gesellschaft auf den Menschen und dessen Möglichkeit Glück zu erlangen.
Dazu definiert er zuerst einmal, was Glück hier bedeutet, worin es besteht. (Abschnitt 1)
Anschließend teilt er die Welt in zwei Teile: Menschenwelt (persönliche Welt des Einzelnen) und Dingwelt (alles andere) und erörtert Wechselwirkung zwischen beiden (Abschnitt 2), die zu dem Menschen als ein Hybrid führt (Abschnitt 3).
Diesen Welten fügt er eine zeitliche Komponente hinzu, die für das Zustandekommen von Glück und Unglück entscheidend ist (Abschnitt 4).
Nach theoretischen Einführungen befasst sich der Autor mit der kapitalistischen Gesellschaft und der Frage, ob und wie Glück in dieser zustande kommen kann. (Abschnitt 5)
2. : Definition des Glücksbegriffs (S. 203 – 208)
„Ob es das Glück gibt und es für Menschen erreichbar ist, hängt davon ab, was man unter Glück versteht.“ (S. 203)
Ist Glück überhaupt möglich?
T1: Da Menschen nach Glück streben muss es grundsätzlich zu verwirklichen sein. Es ist nicht nur eine Hoffnungkjdfgirgnioe4jHoffnung, sondern wirklicher Zustand. (S. 203)
Glück ist ein Begriff, Begriff ist von Relevanz wenn es Unterschied für Welt macht ob Begriff vorhanden oder nicht, es macht Unterschied ob Begriff von Glück vorhanden oder nicht; Glück ist von Relevanz (= zu verwirklichen)
Glück als Erfahrungssituation ist grundsätzlich für jeden möglich, tritt aber nicht notwendig auf und ist auch nicht notwendig herbeizuführen.
T2: Glück ist mehr als nur Abwesenheit von wirklichem Schmerz, Leid und Konflikten und damit unterschiedlich zum Tod. (S. 205)
Aufzählung von Charakteristika des Glücks: lustvoller, angenehmer, intensiver Zustand ohne behindernde, störende oder verletzende Umgebung mit dem Bewusstsein intensiver Erfahrung und der erlebten Anerkennung durch Mitmenschen
Autor kommt nicht auf alle Punkte zurück, Auflistung stellt jedoch klar, dass Glück sich von der völligen Gefühllosigkeit (= Tod) unterscheidet
T3: Glück ist spezifisches Verhältnis von Intensität und Konfliktfreiheit. (S. 206)
Kernpunkte sind intensive Selbst- und Weltwahrnehmung und Balance aus Intensität und Gelassenheit
Hauptbedingungen des Glücks sind daraus entstehende Intensitätserfahrung und das Erleben eines Sicherheitsgefühls
T4: Glück ist relativ zum Menschen. (S. 207)
Da unterschiedliche Menschen unterschiedliche Intensitätsbedürfnisse haben, haben sie auch unterschiedliche Glückserlebnisse.
3. : Subjektive Kompetenzen zwischen Mensch und Dingwelt (S. 208 – 214)
T1: Gesellschaft teilt sich in Mensch und Dingwelt, die sich gegenseitig beeinflussen. (S. 208)
Umgebung in der Mensch aufwächst beeinflusst dessen Entwicklung (= dessen Subjektivität), während Mensch mit dem Aufwachsen Umgebung beeinflusst (durch Interaktion und Fortschritt).
Dinge erfahren Anpassung an Entwicklung des Menschen durch technischen Fortschritt.
T2: Mensch bildet Wahrnehmungs- und Handlungsgewohnheiten (= subjektive Kompetenzen) aus, ohne die er Fremdheitsgefühl entwickelt, welches dem Ausbilden von einem Sicherheitsgefühl entgegen steht. (S. 211)
Ohne Sicherheitsgefühl ist nach Kapitel eins kein Glück möglich Unglück
Bsp.: Umgang älterer Menschen mit älteren Wahrnehmungs- und Handlungsgewohnheiten werden mit moderner Technik konfrontiert.
=> Für Mehrheit mag das stimmen, gibt aber auch viele Gegenbeispiele (s. Videotelefonie mit den Enkeln, Aufbereitung alter Videos, etc.).
Durch Änderung der subjektiven Kompetenzen werden dann auch Dinge wieder verändert (z.B. Anpassung der modernen Technik an Bedürfnisse älterer Menschen).
4. : Zusammenhang von Natürlichem, Technischem und Menschlichem als hybrides Kollektiv (S. 215 – 217)
T1: Anpassung entsteht aus „konfliktträchtigen Zuständen“ (S. 215)
passen subjektive Kompetenzen nicht zur Dingwelt, so werden zum einen diese Kompetenzen und zum anderen die Dingwelt verändert
dies geschieht um Bedrohungssituation, die aus Nicht-Zusammenpassen entsteht zu verhindern und Sicherheitsgefühl zu erlangen
T2: Menschliches, Natürliches und Technisches lassen sich nicht trennen. Sie bilden ein hybrides Kollektiv. (S. 215)
Da Menschen und Dingwelt in gegenseitiger Anpassung bestehen ist es nicht möglich nur eines von beiden, ohne Einfluss auf das jeweils andere zu ändern.
Auch unmöglich nur Einfluss auf Menschliches zu nehmen, da es nichts rein menschliches (also von Natur und Technik Unabhängiges gibt).
„Alles Menschliche ist ein Hybrid aus Natur und Technik.“ (S. 216)
Bsp.: trainierter Muskel; an moderne Mediennutzung angepasstes Gehirn
=> Ist die Vernunft nicht etwas rein Menschliches? (s. Sokrates, bzw. Platon; auch Schopenhauer - Vernunft ist das, was Menschen vom Tier unterscheidet)
5. : Komponente der Zeit und des Zufalls (S. 217 – 221)
T1: Ungünstige zeitliche Abläufe führen zu Unglück. (S. 217)
„Ärger, Not und Trauer sind nicht mit dem Glück vereinbar.“ (S. 217)
Drei Beispiele wie Ärger, Not und Trauer aus ungünstigen zeitlichen Abläufen entstehen können.
=> Unklares drittes Beispiel (Trauer) - Trauer entsteht nicht aus schlechter Zeitlichkeit (eher Beispiel für Not des Kindes), Trauer bestünde egal zu welchem Zeitpunkt die Mutter stirbt - Beispiel für Trauer aus ungünstiger Zeitlichkeit: Kind stirbt vor Eltern - Trauer bei Eltern
T2: Die Welt besteht in Ereignissen, die in Abfolgen und Gleichzeitigkeiten ablaufen. Diese können sowohl glücklich als auch unglücklich sein. (S. 218)
Vier Beispiele für glückliche und unglückliche Abfolgen und Gleichzeitigkeiten:
Glückliche Gleichzeitigkeit: zufälliges Treffen eines guten Freundes
Unglückliche Gleichzeitigkeit: sich zum Zeitpunkt eines Blitzeinschlags an dem Ort desselben zu befinden
Glückliche Abfolge: Reihe von medizinischen Tests und Behandlungen, die erst zur Diagnose und dann zur Heilung einer gefährlichen Krankheit führen
Unglückliche Abfolge: verschiedene menschliche und technische Fehler, die dann zu einer Katastrophe führen (z.B. Flugzeugabsturz)
T3: Zufall hat Einfluss auf das Glück des Menschen. (S. 219)
Gleichzeitigkeiten und Abfolgen erhalten dadurch, dass sie in Zusammenhängen stehen Bedeutung und Bewertung vom Menschen
Gleichzeitigkeiten und Abfolgen haben Einfluss auf Lebensglück (eben durch Bedeutungszuschreibung ihrer eigenen Glücklich- bzw. Unglücklichkeit)
Werden zum Teil oder vollständig durch Zufall bestimmt.
6. : Möglichkeit des Glück in der kapitalistischen Gesellschaft (S. 221 – 231)
T1: Realisierbare Lebensplanung gibt Sinnzusammenhänge und Sicherheitsgefühl.
(S. 221)
Planbarkeit schafft sicheres Umfeld und macht es möglich Sicherheitsgefühl zu erleben (Kernbedingung des Glücks, s. weiter oben)
„Menschen wissen, wer sie sind und was ihre Welt ist, weil sie gewohnheitlich in ihre Welt passen.“ (S.221)
T2: In kapitalistischer Gesellschaft gerät durch ständig verlangte Anpassung Identität des Individuums in Gefahr. (S. 221)
durch Fortschritt ständige Veränderung der Dingwelt
dadurch aufgrund von Wechselwirkung ständige Veränderung der eigenen Gewohnheiten und subjektiven Kompetenzen (welche Identität ausmachen)
keine Konstanz in subjektiven Kompetenzen keine beständige Identität mehr auszumachen
T3: In kapitalistischer Gesellschaft ist keine Ausbildung von Sicherheitsgefühl mehr möglich. (S. 222)
Planbarkeit als notwendige Grundlage von Sicherheitsgefühl geht durch ständige Veränderung der Verhältnisse verloren
Zufall spielt immer größere Rolle
Sicherheitsanspruch des Menschen wird als Wert nicht mehr anerkannt, stattdessen Flexibilität und Risikobereitschaft gefordert
T4: Geplanter Rausch tritt an die Stelle von realisierbarer Lebensplanung als Weg zum Glück. (S. 223)
Im Rausch ist intensives Erleben gegeben (Kernbedingung des Glücks)
Sicherheitsgefühl gegeben, da Rausch „fest umrissene Zeit der Intensivierung [der] Erfahrung unter abgesicherten Bedingungen“ (S. 222)
Rausch bringt aber Gefahren mit sich: Suchtgefahr und Störung der Fähigkeit zur Lebensplanung (nicht weiter relevant, da ohnehin nicht möglich)
Geplanter Rausch funktioniert nur als Ausnahmezustand - Glück nur als Ausnahmezustand
T5: Ständiger und rasanter Wechsel der Verhältnisse im Rausch führt zu sozialer Desorientierung. (S. 225)
Rausch in alltäglicher Form als „Hochgefühl des Wechsels“ (S. 224) durch ständige rasante Veränderung der Verhältnisse spürbar
Ständige Anpassung bringt intensive Erlebnisse / Rausch
Jedoch durch Ungewissheit und Einfluss des Zufalls keine Planbarkeit / kein Sicherheitsgefühl.
Verbrauchen der Ressource Lebenszeit durch ständige Anpassungsanstrengungen
Daraus entstehend Zeitmangel zur vollständigen Anpassung an neue Verhältnisse. Leben in Verhältnissen, an die man nicht angepasst ist : soziale Desorientierung
T6: Glück ist in kapitalistischer Gesellschaft nur unter Einfluss des Zufalls als nicht planbare intensive Erfahrung möglich. (S. 230)
„Intensive Erfahrung tritt unverhofft und nicht planbar ein.“ (S. 230)
Durch ständige dynamische Veränderung des Menschen und der Dingwelt und der daraus entstehenden wechselwirksamen, wieder Veränderung antreibenden Anpassungen ist kein Sicherheitsgefühl möglich.
Planbarkeit guten Lebens geht verloren.
Dementsprechend nur zufällige glückliche Abfolgen als Weg zum Glück in moderner Gesellschaft (neben dem Ausnahmeglück des geplanten Rausches).
Dienstag, April 17, 2012
Paul Schmidt
Montag, April 16, 2012
Tillmann Weißer
Inhalte der ersten Meditation
HAMPE, Vier Meditationen über das Glück
Kapitel 2: Erwin Weinberger ABSCHAFFUNG DES UNGLÜCKS
durch Fortschritt
Einleitung (S.43–44)
Thesen: (S.43)
1. „Unser Weg zum Glück liegt in der Vermeidung des Unglücks.“
2. „Das beste Mittel, das wir [dafür] haben, sind Wissenschaft und Technik.“
„Die erfolgreichste Sicht auf die Welt,[...] sagt uns, dass diese gesetzmäßig ist: Sie ist ein Zusammenhang von Größen, die in Abhängigkeit voneinander variieren. Auch unser Glück variiert in Abhängigkeit von vielen, uns bis jetzt noch nicht bekannten Faktoren,“ die wir aber herausfinden werden. „Irgendwann wird sich uns alles aufschließen.“ (S.43)
Aufgabenstellung: (S.44)
1. Auseinandersetzung mit den Kritikern des Fortschritts und den Verächtern der wissenschaftlichen Wahrheit.
2. Untersuchung der Möglichkeit der Selbsttransparenz und ihrer Konsequenzen für das menschliche Glück.
Es gibt Fortschritt: Was uns die Geschichte der Wissenschaft lehrt (S.44–57)
Die wissenschaftliche Entwicklung hat vieles, was wir für göttliche Wunder gehalten haben, entzaubert. Dies wird durch einige Beispiele belegt (Magnetismus, Astronomie, Beschleunigung, Fortpflanzung).
These: (vgl.S.45) Wir können daraus folgern, dass wir alles, was uns heute unergründlich ist, eines Tages verstehen können. Insbesondere das Bewusstsein und das qualitative Erleben.
Beweis: Das wir das nicht erkennen liegt daran, dass wir das Wort Fortschritt falsch verstehen. Fortschritt ist nicht auf ein Ziel hin ausgerichtet, sondern er geht von einem Punkt weg. Wäre Fortschritt hin zu Wahrheit, so hätte die Wissenschaft noch gar keine Fortschritte gemacht, weil neue Theorien immer wieder nur zeigen, dass alte Theorien falsch waren.
„Daran erkennen wir den wissenschaftlichen Fortschritt, wenn wir den Blick [...], zurückwenden und nicht irgendein abstraktes Ziel wie ‚die absolute Wahrheit‘ oder‚ die unerschütterliche Gewissheit‘ anzupeilen versuchen. Wenn ich weg von Scranton, Pennsylvania, will, dann ist jede Bewegung, die mich von diesem Ort fortbringt, egal wohin sie führt, ein Fortschritt.“ (S.47)
„Doch auch wenn ich nicht weiß, ob Einstein dichter an der Wahrheit und Gewissheit ist als Newton [...], so ist doch klar, dass Einstein weiter vom Aberglauben und Irrtum entfernt ist als Newton, der die Gravitation noch für das Denken Gottes hielt und das Alter der Welt auf 6000 Jahre veranschlagte. Dies ist ebenso bekannt wie die Tatsache, dass Paris weiter von Scranton, Pennsylvania, entfernt ist als New York. Und auch wenn ich nicht weiß, wohin ich reise, so muss ich nur Scranton, Pennsylvania, im Auge behalten, um zu entscheiden, ob ich Fortschritte dabei mache, von dort wegzukommen. Ebenso muss ich nur unser Unverständnis, unseren Aberglauben und die daraus entstehenden Ängste, die uns unglücklich machen, im Auge behalten und festhalten, dass es das ist, von dem wir wegwollen, um zu sehen, dass wir uns in der Zeit zwischen Newton und Einstein tatsächlich davon wegbewegt, also Fortschritte gemacht haben, ohne zu wissen, wohin die Reise der Wissenschaft geht.“ (S.48)
...Ausfug in die Erfolgsgeschichte der Mathematik als Wissenschaft der formalen Sprachen und Kritik an der Redewendung etwas seien „bloße Worte“ (politische Bewegungen, Beleidigung, Verteidigungsrede)...
These: (vgl. S.52) Die Unterscheidung zwischen Sprache und Wirklichkeit ist im Grunde sinnlos, weil Sprache Teil der Wirklichkeit ist.
Beweis: Software ist Sprache die direkt die Wirklichkeit beeinflusst. Es macht keinen Sinn zwischen Wirklichkeit und Konstrukt zu unterscheiden. „Wenn das sprachliche Konstrukt einer Rede einen Arbeiteraufstand auslöst, wird man es kaum als unwirklich bezeichnen können. Wenn das konstruierte Auto, das in einer Nebelbank auf der Autobahn bremst, eine Massenkarambolage verursacht, warum soll man es dann ein‚ bloßes Konstrukt‘ nennen? Wenn das falsch berechnete Gebäude einstürzt und viele Menschen unter sich begräbt, warum soll man dann diese falsche Berechnung und das konstruierte Gebäude im Unterschied zur Butterblume in seiner Konstruiertheit nicht‚ ontologisch ernst‘ nehmen?“ (S.54)
Ob ein Ding ein Konstrukt oder natürlich ist, hängt von unserer Einflussnahme darauf ab. Haben wir es durch Konstruktion oder durch Probieren hervorgebracht? In ihrer Wirklichkeit unterscheiden sich die Dinge nicht. (Wichtiger Punkt für Weinberger)
Wer das Glück sucht, muss die Täuschung als Ursache des Unglücks vermeiden lernen (S.58–64)
„Wir haben gerade zu begreifen gelernt, dass die Bewegung des Fortschritts eine Bewegung weg von gegebenen Problemen darstellt. Genau dasselbe gilt für die Suche nach dem Glück. Sie darf keine Bewegung zu bestimmten Zielen sein, [...] sondern sie muss eine Bewegung weg von dem sein, was uns unglücklich macht, ebenso wie die Bewegung des Erkenntnisfortschritts nicht eine zur absoluten Wahrheit, sondern weg vom Irrtum ist.“ (S.58)
„Wer glücklich ist, sucht nicht, will zu nichts hin und von nichts weg.“ (S.58)
„Was aber ist der eigentliche Grund dieses menschlichen Unglücks [...]? Eine Antwort lautet: der Fanatismus der Identitätssuche und die Gewohnheit der Lüge [...]. Was ist die Hauptquelle von Fanatismus und gewohnheitsmäßiger Lüge[...]? Antwort: Die mit religiöser Intensität betriebene Identitätssuche und die menschliche Schwäche, die Dinge so zu akzeptieren und zu kommunizieren, wie sie sind. Warum verfallen Menschen der religiösen Identitätssuche und der habituellen Schwäche der Lüge? Antwort: Weil sie Begierden haben und sterblich sind.“ (S.58/59)
„Was aber kann man dem Fanatismus und der Lüge, der religiös-kulturellen Scheinidentität, die unsere tierische Natur leugnet, und der menschlichen Schwäche, der Wahrheit ins Auge zu sehen, entgegensetzen? Antwort: das ehrliche Streben nach Wahrhaftigkeit, das vor allem in der aufgeklärten Wissenschaft stattfindet.“ (S.60)
„Wenn das Unglück darin besteht, dass wir unsere Wünsche in der Wirklichkeit nicht realisieren können, dann gibt es im Prinzip zwei Auswege aus dem Unglück: Entweder wir ändern die Wirklichkeit, so dass unsere Wünsche in ihr verwirklichbar werden, oder wir ändern uns selbst, so dass wir nicht mehr die entsprechenden Wünsche haben.“(S.62)
„Wenn wir ernsthaft das Glück suchen, müssen wir uns von allem wegbewegen, was uns zum Selbstbetrug und zur Täuschung anderer verleiten kann, auch von der religiösen Lebensform.“ (S.64)
Relativismus und Kapitalismus (S.65–69)
„Diese Entwicklung der Flexibilisierung macht Menschen orientierungslos und unglücklich, weil zu fexible Menschen nicht mehr wissen, von was sie sich wegbewegen sollen um ihre Lage zu verbessern. Zu sagen, es sei nur tolerant, wenn man den eigenen Standpunkt relativiere und den fremden genauso anerkenne wie den eigenen, bedeutet meist, dass man den eigenen Standpunkt genauso wenig ernst nimmt wie den fremden, dass man ihn von einer Außenperspektive aus ansieht und vergisst oder ignoriert, dass man auf ihn angewiesen ist, um sich überhaupt irgendwohin bewegen zu können.“(S.65)
„Sicher ist es in bestimmten Situationen sinnvoll, eine Außenperspektive auf das eigene Leben einzunehmen, um überhaupt zu erkennen, worin die Probleme [...] bestehen.“ (S.65)
„Wenn man jedoch einmal die eigenen Lebensprobleme erkannt hat, dann muss man sich mit ihnen als den eigenen auch identifizieren, um die Kraft aufzubringen, sie zu lösen.“ (S.65) Der Relativismus existiert nur als Außenperspektive.
Die Ablehnung der Wirklichkeitsrelevanz jeglicher wissenschaftlichen Wahrheit, [...] ist also letztlich eine Auforderung zur Standpunktlosigkeit, die die Anstrengungen entwertet, die wir als Individuen und als Gemeinschaft unternommen haben, um das Unglück zu vermeiden.“ (S.67)
„Beide herrschenden Ideologien: die einer auf das Jenseits bezogenen religiösen Identität und die der nicht vorhandenen Identität der im Kapitalismus flexibilisierten Menschen sind Quellen des Unglücks. Sie sind zu ersetzen durch die Idee einer aufgeklärten Existenz, die durch das Streben nach Wahrheit getragen wird.“ (S.68/69)
Der Wert der Wahrheit (S.69–77)
Alles auf der Welt ist konstruiert. Es gibt keine einfachen im Gegensatz zu konstruierten Wahrheiten. Dieser Punkt ist sehr wichtig für Erwins Lösung des Glückproblems. „Wir können nur da etwas Schwieriges und für das Leben Bedeutsames verwirklichen, herstellen, konstruieren, wo wir genau[...] und wirklich [...] wissen, wie die Dinge tatsächlich beschaffen sind.“ (S.72)
„Das meiste Unglück im menschlichen Leben kommt [...] dadurch zustande, dass wir uns ein falsches Bild von der Wirklichkeit machen, dass wir sie nicht so sehen, wie sie ist, weil wir uns vor den Tatsachen fürchten.“ (S.73)
...Wissenschaftstheorie ...
Intensitätssuche als Täuschungsursache (S.77–81)
Der Mensch hat ein Bedürfnis nach emotionaler Intensität. Dies ist eine wohl möglich urzeitliche Idee, die jetzt unnötig ist und zu Süchten führt. „Das Intensitätsbedürfnis von Menschen ist [...] ein Problem, das wissenschaftlich-technisch zu lösen ist, wen man auf dem Weg weg von den Unglück verursachenden Faktoren im menschlichen Leben vorankommen möchte.“ (S.81)
Das wichtigste Problem, das es dabei zu lösen gilt, ist das wie.
Problemlösung (S.82–86)
Programm: (S.82)
1. Akzeptanz der Tatsachen
2. Veränderung der Tatsachen (Macht aufbauen)
3. nähere Untersuchung der „Konstanten des Unglücks:“ Tod, Begierden, Bedürfnis
nach Intensität.
Angst vor dem Tod (S.86–96)
„Erwachsenwerden bedeutet u.a. zu lernen, sich ‚von außen‘ zu sehen und die eigenen Imaginationen nicht mit den Tatsachen zu verwechseln.“ (S.86)
„[A]uch angesichts des Todes müssen wir lernen, erwachsen zu werden [...].“ (S.87)
„[W]eil wir keine persönlichen Erfahrung vom Tod haben können, aus der wir gelernt haben, wie es ist zu sterben, imaginieren wir alles Mögliche beim Anblick einer Leiche und beim Erwägen der Frage, wie es wohl sein wird, wenn wir selbst einmal in diesem Zustand sind.“ (S.89)
Mathematik erfasst das Individuum (S.97–105)
Der Umgang mit Begierden setzt deren Kenntnis voraus. Um soziale Faktoren wie Scham auszuschalten, müssen wir die Begierden objektivieren und messen lernen. Man kann alles im Menschen messen.
„Welchen Eigenschaften eines Individuums graduierbar und messbar sind, ist keine prinzipielle Frage, sondern eine, die vom Stand der experimentellen und messenden Forschung und der Genauigkeit der Messgeräte abhängt.“ (S.100)
Lösungsvorschlag: Armbanduhr, die alles misst und anzeigt. Auf dieser Grundlage kann durch Handlungen oder Medikamente auf die Begierden Einfluss genommen werden. (vgl.103f)
Handhabung der Begierden (S.106–108)
1. „Eine Person sollte frühzeitig, als jugendliche, ihre affektiven Tendenzen messend kennen- und steuern lernen. Je früher ein solcher Lernprozess beginnt, umso virtuoser und flexibler wird die spätere Handhabung der eigenen Affektivität sein.“
2. „Personen sollten in beruflichen und sozialen Zusammenhängen leben, die ihren affektiven Tendenzen entsprechen. So, wie eine mathematisch-technisch wenig begabte Person nicht Pilot werden sollte, ebenso sollte ein zu Furcht und übermäßiger Aggression neigendes Individuum nicht den Beruf des Soldaten ergreifen, weil das Nichtzusammenpassen von affektiven Tendenzen und Kompetenzen zu den beruflichen Anforderungen zu Unglück führt.“
3. „Eine Person sollte lernen, welche affektiven Muster für sie eine Suchtgefahr darstellen, ob sie etwa die Tendenz hat, einer Spiel- oder Sexualsucht zu verfallen, weil Süchte eine der wesentlichsten Quellen des Unglücks sind.“
4. „Eine Person sollte mit solchen Individuen soziale Kontakte pflegen, die nach der Metrik ihrer Affektivität gut zu ihr passen, das heißt, sie sollte in dem für sie angemessenen sozialen Umfeld ihr Privatleben zubringen, denn affektive Dissonanzen im Sozialleben sind eine wesentliche Quelle des Unglücks.“
5. „Jede Person muss lernen, die Befriedigung ihrer Begierden und das Auftreten von positiven Affekten zu ‚verendlichen‘. Denn sie alle sind mit ‚Kosten‘ auf der physiologischen Seite verbunden, wie die entsprechende Metrik der Substanzen anzeigt, die bei Bedürfnissen und ihrer Befriedigung im Spiele sind. Die Befriedigung von Begierden und die Erzeugung angenehmer Gefühle kann nicht beliebig oft wiederholt werden, wie am ‚Affektspiegel‘ unschwer abzulesen sein wird.“
Intensität und die Erzeugung des Sinns in der aufgeklärten Existenz
(S.109–112)
„Menschen möchten in einzelnen Lebenssituationen möglichst intensive positive Gefühle empfnden, aber sie wollen auch, dass ihr Leben einen Zusammenhang ergibt, den man wie eine gut erzählte Geschichte nachvollziehen kann, und es nicht einfach in Episoden zerfällt.“ (S.109)
„Menschen müssen [...] lernen, Sinnzusammenhänge zu erzeugen, in ihrer Arbeit, indem sie ihren Kompetenzen entsprechend beschäftigt werden, und in ihrem Sozialleben, indem sie mit Menschen zusammenleben lernen, mit denen sie einen alltäglichen Sinnzusammenhang entstehen lassen können, und sich nicht nur in situativen affektiven Konflikten und positiven Intensitäten bewegen.“ (S.110)
„Das Glück aufgeklärter Menschen wird weder in dauernder Lust noch in einem Streben nach jenseitigem Heil bestehen, sondern sich aus der Kompetenz ergeben, das Unglück, das situativ aus dem Streben nach intensiven Gefühlen entstehen kann, zu vermeiden und zu lernen, in der jedem zur Verfügung stehenden endlichen Lebenszeit mit Sinn vereinbare Intensitäten zu erzeugen.“ (S.111)
„Menschen, denen die wissenschaftlich-technischen Möglichkeiten zur objektiven Selbsterkenntnis zur Verfügung stehen und die gelernt haben, sich vorurteilsfrei selbst zu kontrollieren, werden auch die Möglichkeit haben, das Unglück zu vermeiden.“ (S.112)
∆έν ελπίζω τίποτα Ich schaue nicht nach vorne,
∆έ φοβόµαι τίποτα ich schaue nicht zurück,
Ειµαι λέφτερος ich bin (nur) für den Moment – glücklich.
Doch siehe auch: Mike Roth, Philosophische LebensART zu diesem Spruch von Kazantzakis.
Ich hoffe nichts . Ich fürchte nichts. Ich bin frei
Roth/Staude, Konstanz 2010, 99
und den Text in PHILOSOPHISCHE PRAXIS 4, 97 ff:
"Erlebnisse zu Hampes Kanon"
http://www.buchhandel.de/default.aspx?strframe=titelsuche&caller=vlbPublic&nSiteId=11&Func=Search&stichwort=kunsten
HAMPE, Vier Meditationen über das Glück
Kapitel 2: Erwin Weinberger ABSCHAFFUNG DES UNGLÜCKS
durch Fortschritt
Einleitung (S.43–44)
Thesen: (S.43)
1. „Unser Weg zum Glück liegt in der Vermeidung des Unglücks.“
2. „Das beste Mittel, das wir [dafür] haben, sind Wissenschaft und Technik.“
„Die erfolgreichste Sicht auf die Welt,[...] sagt uns, dass diese gesetzmäßig ist: Sie ist ein Zusammenhang von Größen, die in Abhängigkeit voneinander variieren. Auch unser Glück variiert in Abhängigkeit von vielen, uns bis jetzt noch nicht bekannten Faktoren,“ die wir aber herausfinden werden. „Irgendwann wird sich uns alles aufschließen.“ (S.43)
Aufgabenstellung: (S.44)
1. Auseinandersetzung mit den Kritikern des Fortschritts und den Verächtern der wissenschaftlichen Wahrheit.
2. Untersuchung der Möglichkeit der Selbsttransparenz und ihrer Konsequenzen für das menschliche Glück.
Es gibt Fortschritt: Was uns die Geschichte der Wissenschaft lehrt (S.44–57)
Die wissenschaftliche Entwicklung hat vieles, was wir für göttliche Wunder gehalten haben, entzaubert. Dies wird durch einige Beispiele belegt (Magnetismus, Astronomie, Beschleunigung, Fortpflanzung).
These: (vgl.S.45) Wir können daraus folgern, dass wir alles, was uns heute unergründlich ist, eines Tages verstehen können. Insbesondere das Bewusstsein und das qualitative Erleben.
Beweis: Das wir das nicht erkennen liegt daran, dass wir das Wort Fortschritt falsch verstehen. Fortschritt ist nicht auf ein Ziel hin ausgerichtet, sondern er geht von einem Punkt weg. Wäre Fortschritt hin zu Wahrheit, so hätte die Wissenschaft noch gar keine Fortschritte gemacht, weil neue Theorien immer wieder nur zeigen, dass alte Theorien falsch waren.
„Daran erkennen wir den wissenschaftlichen Fortschritt, wenn wir den Blick [...], zurückwenden und nicht irgendein abstraktes Ziel wie ‚die absolute Wahrheit‘ oder‚ die unerschütterliche Gewissheit‘ anzupeilen versuchen. Wenn ich weg von Scranton, Pennsylvania, will, dann ist jede Bewegung, die mich von diesem Ort fortbringt, egal wohin sie führt, ein Fortschritt.“ (S.47)
„Doch auch wenn ich nicht weiß, ob Einstein dichter an der Wahrheit und Gewissheit ist als Newton [...], so ist doch klar, dass Einstein weiter vom Aberglauben und Irrtum entfernt ist als Newton, der die Gravitation noch für das Denken Gottes hielt und das Alter der Welt auf 6000 Jahre veranschlagte. Dies ist ebenso bekannt wie die Tatsache, dass Paris weiter von Scranton, Pennsylvania, entfernt ist als New York. Und auch wenn ich nicht weiß, wohin ich reise, so muss ich nur Scranton, Pennsylvania, im Auge behalten, um zu entscheiden, ob ich Fortschritte dabei mache, von dort wegzukommen. Ebenso muss ich nur unser Unverständnis, unseren Aberglauben und die daraus entstehenden Ängste, die uns unglücklich machen, im Auge behalten und festhalten, dass es das ist, von dem wir wegwollen, um zu sehen, dass wir uns in der Zeit zwischen Newton und Einstein tatsächlich davon wegbewegt, also Fortschritte gemacht haben, ohne zu wissen, wohin die Reise der Wissenschaft geht.“ (S.48)
...Ausfug in die Erfolgsgeschichte der Mathematik als Wissenschaft der formalen Sprachen und Kritik an der Redewendung etwas seien „bloße Worte“ (politische Bewegungen, Beleidigung, Verteidigungsrede)...
These: (vgl. S.52) Die Unterscheidung zwischen Sprache und Wirklichkeit ist im Grunde sinnlos, weil Sprache Teil der Wirklichkeit ist.
Beweis: Software ist Sprache die direkt die Wirklichkeit beeinflusst. Es macht keinen Sinn zwischen Wirklichkeit und Konstrukt zu unterscheiden. „Wenn das sprachliche Konstrukt einer Rede einen Arbeiteraufstand auslöst, wird man es kaum als unwirklich bezeichnen können. Wenn das konstruierte Auto, das in einer Nebelbank auf der Autobahn bremst, eine Massenkarambolage verursacht, warum soll man es dann ein‚ bloßes Konstrukt‘ nennen? Wenn das falsch berechnete Gebäude einstürzt und viele Menschen unter sich begräbt, warum soll man dann diese falsche Berechnung und das konstruierte Gebäude im Unterschied zur Butterblume in seiner Konstruiertheit nicht‚ ontologisch ernst‘ nehmen?“ (S.54)
Ob ein Ding ein Konstrukt oder natürlich ist, hängt von unserer Einflussnahme darauf ab. Haben wir es durch Konstruktion oder durch Probieren hervorgebracht? In ihrer Wirklichkeit unterscheiden sich die Dinge nicht. (Wichtiger Punkt für Weinberger)
Wer das Glück sucht, muss die Täuschung als Ursache des Unglücks vermeiden lernen (S.58–64)
„Wir haben gerade zu begreifen gelernt, dass die Bewegung des Fortschritts eine Bewegung weg von gegebenen Problemen darstellt. Genau dasselbe gilt für die Suche nach dem Glück. Sie darf keine Bewegung zu bestimmten Zielen sein, [...] sondern sie muss eine Bewegung weg von dem sein, was uns unglücklich macht, ebenso wie die Bewegung des Erkenntnisfortschritts nicht eine zur absoluten Wahrheit, sondern weg vom Irrtum ist.“ (S.58)
„Wer glücklich ist, sucht nicht, will zu nichts hin und von nichts weg.“ (S.58)
„Was aber ist der eigentliche Grund dieses menschlichen Unglücks [...]? Eine Antwort lautet: der Fanatismus der Identitätssuche und die Gewohnheit der Lüge [...]. Was ist die Hauptquelle von Fanatismus und gewohnheitsmäßiger Lüge[...]? Antwort: Die mit religiöser Intensität betriebene Identitätssuche und die menschliche Schwäche, die Dinge so zu akzeptieren und zu kommunizieren, wie sie sind. Warum verfallen Menschen der religiösen Identitätssuche und der habituellen Schwäche der Lüge? Antwort: Weil sie Begierden haben und sterblich sind.“ (S.58/59)
„Was aber kann man dem Fanatismus und der Lüge, der religiös-kulturellen Scheinidentität, die unsere tierische Natur leugnet, und der menschlichen Schwäche, der Wahrheit ins Auge zu sehen, entgegensetzen? Antwort: das ehrliche Streben nach Wahrhaftigkeit, das vor allem in der aufgeklärten Wissenschaft stattfindet.“ (S.60)
„Wenn das Unglück darin besteht, dass wir unsere Wünsche in der Wirklichkeit nicht realisieren können, dann gibt es im Prinzip zwei Auswege aus dem Unglück: Entweder wir ändern die Wirklichkeit, so dass unsere Wünsche in ihr verwirklichbar werden, oder wir ändern uns selbst, so dass wir nicht mehr die entsprechenden Wünsche haben.“(S.62)
„Wenn wir ernsthaft das Glück suchen, müssen wir uns von allem wegbewegen, was uns zum Selbstbetrug und zur Täuschung anderer verleiten kann, auch von der religiösen Lebensform.“ (S.64)
Relativismus und Kapitalismus (S.65–69)
„Diese Entwicklung der Flexibilisierung macht Menschen orientierungslos und unglücklich, weil zu fexible Menschen nicht mehr wissen, von was sie sich wegbewegen sollen um ihre Lage zu verbessern. Zu sagen, es sei nur tolerant, wenn man den eigenen Standpunkt relativiere und den fremden genauso anerkenne wie den eigenen, bedeutet meist, dass man den eigenen Standpunkt genauso wenig ernst nimmt wie den fremden, dass man ihn von einer Außenperspektive aus ansieht und vergisst oder ignoriert, dass man auf ihn angewiesen ist, um sich überhaupt irgendwohin bewegen zu können.“(S.65)
„Sicher ist es in bestimmten Situationen sinnvoll, eine Außenperspektive auf das eigene Leben einzunehmen, um überhaupt zu erkennen, worin die Probleme [...] bestehen.“ (S.65)
„Wenn man jedoch einmal die eigenen Lebensprobleme erkannt hat, dann muss man sich mit ihnen als den eigenen auch identifizieren, um die Kraft aufzubringen, sie zu lösen.“ (S.65) Der Relativismus existiert nur als Außenperspektive.
Die Ablehnung der Wirklichkeitsrelevanz jeglicher wissenschaftlichen Wahrheit, [...] ist also letztlich eine Auforderung zur Standpunktlosigkeit, die die Anstrengungen entwertet, die wir als Individuen und als Gemeinschaft unternommen haben, um das Unglück zu vermeiden.“ (S.67)
„Beide herrschenden Ideologien: die einer auf das Jenseits bezogenen religiösen Identität und die der nicht vorhandenen Identität der im Kapitalismus flexibilisierten Menschen sind Quellen des Unglücks. Sie sind zu ersetzen durch die Idee einer aufgeklärten Existenz, die durch das Streben nach Wahrheit getragen wird.“ (S.68/69)
Der Wert der Wahrheit (S.69–77)
Alles auf der Welt ist konstruiert. Es gibt keine einfachen im Gegensatz zu konstruierten Wahrheiten. Dieser Punkt ist sehr wichtig für Erwins Lösung des Glückproblems. „Wir können nur da etwas Schwieriges und für das Leben Bedeutsames verwirklichen, herstellen, konstruieren, wo wir genau[...] und wirklich [...] wissen, wie die Dinge tatsächlich beschaffen sind.“ (S.72)
„Das meiste Unglück im menschlichen Leben kommt [...] dadurch zustande, dass wir uns ein falsches Bild von der Wirklichkeit machen, dass wir sie nicht so sehen, wie sie ist, weil wir uns vor den Tatsachen fürchten.“ (S.73)
...Wissenschaftstheorie ...
Intensitätssuche als Täuschungsursache (S.77–81)
Der Mensch hat ein Bedürfnis nach emotionaler Intensität. Dies ist eine wohl möglich urzeitliche Idee, die jetzt unnötig ist und zu Süchten führt. „Das Intensitätsbedürfnis von Menschen ist [...] ein Problem, das wissenschaftlich-technisch zu lösen ist, wen man auf dem Weg weg von den Unglück verursachenden Faktoren im menschlichen Leben vorankommen möchte.“ (S.81)
Das wichtigste Problem, das es dabei zu lösen gilt, ist das wie.
Problemlösung (S.82–86)
Programm: (S.82)
1. Akzeptanz der Tatsachen
2. Veränderung der Tatsachen (Macht aufbauen)
3. nähere Untersuchung der „Konstanten des Unglücks:“ Tod, Begierden, Bedürfnis
nach Intensität.
Angst vor dem Tod (S.86–96)
„Erwachsenwerden bedeutet u.a. zu lernen, sich ‚von außen‘ zu sehen und die eigenen Imaginationen nicht mit den Tatsachen zu verwechseln.“ (S.86)
„[A]uch angesichts des Todes müssen wir lernen, erwachsen zu werden [...].“ (S.87)
„[W]eil wir keine persönlichen Erfahrung vom Tod haben können, aus der wir gelernt haben, wie es ist zu sterben, imaginieren wir alles Mögliche beim Anblick einer Leiche und beim Erwägen der Frage, wie es wohl sein wird, wenn wir selbst einmal in diesem Zustand sind.“ (S.89)
Mathematik erfasst das Individuum (S.97–105)
Der Umgang mit Begierden setzt deren Kenntnis voraus. Um soziale Faktoren wie Scham auszuschalten, müssen wir die Begierden objektivieren und messen lernen. Man kann alles im Menschen messen.
„Welchen Eigenschaften eines Individuums graduierbar und messbar sind, ist keine prinzipielle Frage, sondern eine, die vom Stand der experimentellen und messenden Forschung und der Genauigkeit der Messgeräte abhängt.“ (S.100)
Lösungsvorschlag: Armbanduhr, die alles misst und anzeigt. Auf dieser Grundlage kann durch Handlungen oder Medikamente auf die Begierden Einfluss genommen werden. (vgl.103f)
Handhabung der Begierden (S.106–108)
1. „Eine Person sollte frühzeitig, als jugendliche, ihre affektiven Tendenzen messend kennen- und steuern lernen. Je früher ein solcher Lernprozess beginnt, umso virtuoser und flexibler wird die spätere Handhabung der eigenen Affektivität sein.“
2. „Personen sollten in beruflichen und sozialen Zusammenhängen leben, die ihren affektiven Tendenzen entsprechen. So, wie eine mathematisch-technisch wenig begabte Person nicht Pilot werden sollte, ebenso sollte ein zu Furcht und übermäßiger Aggression neigendes Individuum nicht den Beruf des Soldaten ergreifen, weil das Nichtzusammenpassen von affektiven Tendenzen und Kompetenzen zu den beruflichen Anforderungen zu Unglück führt.“
3. „Eine Person sollte lernen, welche affektiven Muster für sie eine Suchtgefahr darstellen, ob sie etwa die Tendenz hat, einer Spiel- oder Sexualsucht zu verfallen, weil Süchte eine der wesentlichsten Quellen des Unglücks sind.“
4. „Eine Person sollte mit solchen Individuen soziale Kontakte pflegen, die nach der Metrik ihrer Affektivität gut zu ihr passen, das heißt, sie sollte in dem für sie angemessenen sozialen Umfeld ihr Privatleben zubringen, denn affektive Dissonanzen im Sozialleben sind eine wesentliche Quelle des Unglücks.“
5. „Jede Person muss lernen, die Befriedigung ihrer Begierden und das Auftreten von positiven Affekten zu ‚verendlichen‘. Denn sie alle sind mit ‚Kosten‘ auf der physiologischen Seite verbunden, wie die entsprechende Metrik der Substanzen anzeigt, die bei Bedürfnissen und ihrer Befriedigung im Spiele sind. Die Befriedigung von Begierden und die Erzeugung angenehmer Gefühle kann nicht beliebig oft wiederholt werden, wie am ‚Affektspiegel‘ unschwer abzulesen sein wird.“
Intensität und die Erzeugung des Sinns in der aufgeklärten Existenz
(S.109–112)
„Menschen möchten in einzelnen Lebenssituationen möglichst intensive positive Gefühle empfnden, aber sie wollen auch, dass ihr Leben einen Zusammenhang ergibt, den man wie eine gut erzählte Geschichte nachvollziehen kann, und es nicht einfach in Episoden zerfällt.“ (S.109)
„Menschen müssen [...] lernen, Sinnzusammenhänge zu erzeugen, in ihrer Arbeit, indem sie ihren Kompetenzen entsprechend beschäftigt werden, und in ihrem Sozialleben, indem sie mit Menschen zusammenleben lernen, mit denen sie einen alltäglichen Sinnzusammenhang entstehen lassen können, und sich nicht nur in situativen affektiven Konflikten und positiven Intensitäten bewegen.“ (S.110)
„Das Glück aufgeklärter Menschen wird weder in dauernder Lust noch in einem Streben nach jenseitigem Heil bestehen, sondern sich aus der Kompetenz ergeben, das Unglück, das situativ aus dem Streben nach intensiven Gefühlen entstehen kann, zu vermeiden und zu lernen, in der jedem zur Verfügung stehenden endlichen Lebenszeit mit Sinn vereinbare Intensitäten zu erzeugen.“ (S.111)
„Menschen, denen die wissenschaftlich-technischen Möglichkeiten zur objektiven Selbsterkenntnis zur Verfügung stehen und die gelernt haben, sich vorurteilsfrei selbst zu kontrollieren, werden auch die Möglichkeit haben, das Unglück zu vermeiden.“ (S.112)
∆έν ελπίζω τίποτα Ich schaue nicht nach vorne,
∆έ φοβόµαι τίποτα ich schaue nicht zurück,
Ειµαι λέφτερος ich bin (nur) für den Moment – glücklich.
Doch siehe auch: Mike Roth, Philosophische LebensART zu diesem Spruch von Kazantzakis.
Ich hoffe nichts . Ich fürchte nichts. Ich bin frei
Roth/Staude, Konstanz 2010, 99
und den Text in PHILOSOPHISCHE PRAXIS 4, 97 ff:
"Erlebnisse zu Hampes Kanon"
http://www.buchhandel.de/default.aspx?strframe=titelsuche&caller=vlbPublic&nSiteId=11&Func=Search&stichwort=kunsten
Labels:
1. Glücksmeditation,
Fortschritt,
Hampe Projekt,
Roth/Schäppi
Sein in der Gegenwart
Philosophieren (Hampe) & Atmen (Vipassana Achtsamkeit)
Ein Seminarangebot von Volkbert M. Roth
und Monika Schäppi IN VORBEREITUNG
In den 2009 erschienenen Meditationen über Glück und Sterben (Das vollkommene Leben) hat der Philosoph Michael Hampe sich dem Thema auf eine Weise angenommen, die uns auf unterschiedliche Weise hat aufmerken lassen.
V.M. Roth interessiert sich für die Berührungspunkte zur neuen Richtung „Philosophische Praxis“ (siehe Roth/ Staude), einem Philosophieren über Lebensfragen diesseits der universitären modernen Fachphilosophie , und die Sokratische „Sorge um die eigene Seele“ wiederaufnehmend. Er begleitet beim Herangehen an den literarisch philosophierenden Text Hampes als Ganzem.
Für M. Schäppi ist Achten auf den Atem Wahrnehmen der Aktualität des Gegenwärtig - Seins. Es geht ihr in den Atemübungen nicht um die Vorstellung, wie die Atmung oder der Körper künftig sein könnte/sollte, sondern wie sie je gegenwärtig sind. Darin ist nicht nur ein angenehmer Zustand enthalten, sondern beides: Glück und Schmerz. Dies wird in der Vipassana Meditation berücksichtigt und erfahrbar. Bezugspunkte liefert insbesondere Hampes Kapitel Glück der Seelenruhe, das auch entgegenwirkende Momente thematisiert.
Literatur
Michael Hampe, Das vollkommene Leben. Vier Meditationen über das Glück, München 2009 Seminartext – bitte mitbringen
Zur Vipassana Meditation: googeln!
Zur Philosophischen Praxis:
Volkbert M. Roth und Detlef Staude (Hg) für netzwerk philopraxis.ch, Das OrientierungsLos. Philosophische Praxis unterwegs, Konstanz 2010
Ein Seminarangebot von Volkbert M. Roth
und Monika Schäppi IN VORBEREITUNG
In den 2009 erschienenen Meditationen über Glück und Sterben (Das vollkommene Leben) hat der Philosoph Michael Hampe sich dem Thema auf eine Weise angenommen, die uns auf unterschiedliche Weise hat aufmerken lassen.
V.M. Roth interessiert sich für die Berührungspunkte zur neuen Richtung „Philosophische Praxis“ (siehe Roth/ Staude), einem Philosophieren über Lebensfragen diesseits der universitären modernen Fachphilosophie , und die Sokratische „Sorge um die eigene Seele“ wiederaufnehmend. Er begleitet beim Herangehen an den literarisch philosophierenden Text Hampes als Ganzem.
Für M. Schäppi ist Achten auf den Atem Wahrnehmen der Aktualität des Gegenwärtig - Seins. Es geht ihr in den Atemübungen nicht um die Vorstellung, wie die Atmung oder der Körper künftig sein könnte/sollte, sondern wie sie je gegenwärtig sind. Darin ist nicht nur ein angenehmer Zustand enthalten, sondern beides: Glück und Schmerz. Dies wird in der Vipassana Meditation berücksichtigt und erfahrbar. Bezugspunkte liefert insbesondere Hampes Kapitel Glück der Seelenruhe, das auch entgegenwirkende Momente thematisiert.
Literatur
Michael Hampe, Das vollkommene Leben. Vier Meditationen über das Glück, München 2009 Seminartext – bitte mitbringen
Zur Vipassana Meditation: googeln!
Zur Philosophischen Praxis:
Volkbert M. Roth und Detlef Staude (Hg) für netzwerk philopraxis.ch, Das OrientierungsLos. Philosophische Praxis unterwegs, Konstanz 2010
Freitag, April 13, 2012
Christine Mok-Wendt
Hampes Versuch zur Naturphilosophie (2011):
„Tunguska oder das Ende der Natur“
Das verbindende Element zwischen Das vollkommene Leben 2009 und Tunguska → Naturphilosophie ist die Fortsetzung der literarischen Form des Philosophierens, nun im Bereich der theoretischen Philosophie, 2011 in Form eines Totengesprächs (S.301, S.310 – Literaturhinweis, Bezug der fiktiven Namen zu den Verfassern verwendeter Texte), S.293: beide Bücher sind komplementäre, polyphone Untersuchungen der prakt. u. theoret. Philosophie
Hampes Fragen (seit Dissertation 1984-1989 über Whitehead):
Frage 1: Wie die Gesetzmäßigkeiten der Natur im Rahmen eines Denkens zu verstehen ist? - „Ein Denken, das die Zeit ernst nimmt.“ (Whitehead)
Frage 2: Das Problem der Möglichkeit menschlicher Freiheit in einer gesetzmäßigen und durch und durch historisierten Welt (S.301)
Ereignisse und Einmaligkeit sind wichtig für das Nachdenken über die Natur – denn, sie sind Kontrapunkt zu der Frage der Gesetzmäßigkeit der Natur (S.302) → Tunguska = Ergänzung zu Arbeiten über Naturphilosophie des Gesetzesbegriff ( beide Begriffe auch Themen der Politik und Erkenntnistheorie,) (S.302)
Das Tunguska-Ereignis: 30. Juni 1908 in Sibirien, Blitze und Explosionen haben ein riesiges Waldgebiet in der Nähe des Flusses Tunguska verwüstet, bis heute weiß keiner genau, was passiert ist, wissenschaftlich wird ein Asteroiden-Einschlag vermutet (so das NASA Überwachungsprogramm für NEAs – Near Earth Asteroid, für Asteroiden mit einem Durchmesser von mehr als 1 km), der bis heute allerdings nicht entdeckt wurde – weil der Durchmesser vielleicht kleiner war und der Himmelskörper erdnah verglühte. (S.294): Das Erklärbare und das Unerklärbare
Dieses Ereignis gibt Anlass (S.298: Drei Enden der Natur) und den Gesprächsstoff des fiktiven Gesprächs (Totengesprächs) von 4 Männern (Feierabent, Tscherenkov, Blackfoot, Bordmann), die auf einem Container-Schiff über das Meer treiben, im Nebel...
Im Nachwort (S.290): Einmalige Ereignisse, erklärt Hampe, dass der Begriff des Ereignisses in der neueren Philosophie öfter zu finden ist; Hampe zieht dazu die Philosophiekonzeptionen Heideggers, Badious u. Whiteheads heran.
Heidegger: im späteren Werk: Ereignis → Entwurf → Dasein (geworfenes Sein/lat. existentia) → Geworfenheit ( Fundamental in seiner Ontologie), Seinsvergessenheit (Frage nach dem Sein), Gestell (Wesen der Technik-Vorstellen) (Quelle:Duden Philosophie)
Badiou: (1988: Das Sein und das Ereignis), schlägt Neudefinition der Philosophie vor mit 4 wesentl. Bedingungen: Poesie, Mathematik, Politik, Liebe; Philosophie steht für ihn am Anfang, ist ewig, Becketts Prosa: „..hält sich an das, woraus sich letztendlich jede Existenz zusammensetzt: an die leere Bühne des Seins [ ] und an die Ereignisse, die es plötzlich bevölkern [ ] wie Löcher in der fernen Leinwand des Welttheaters“( Beckett,1995)
Whitehead: (1929: Process and Reality), s.o. Zitat
Bei all diesen Autoren geht es um die Verabschiedung des andauernden Dings mit bestimmten konstanten Eigenschaften als Grundmodell für das, was wirklich ist [ ] d.h. um ein Verständnis (Denkmöglichkeit) unserer Erkenntnis jenseits der Differenz von Realismus und Idealismus (S.290)
Hampes Sicht: = graduell → „Erkenntnis ist ein Prozess, in den sowohl unser Leib, die in ihn versenkte Subjektivität, als auch die Welt außerhalb unseres Körpers involviert sind.“ (S.291), → hypothetisch im Anschluss an Aristoteles und Whitehead: Wahrnehmungen, Gedanken, Erinnerungen u. Evidenzen stellen sich als Phasen (statt Ding) ein.
Ereignis - verschiedene Konnotationen: bei Heidegger u. Badiou: Überwältigung (vs. Pluralisierung) des Individuums durch Wahrheit, das Erhabene (Kant), das Schöne (Schiller), das Heilige; dem gegenüber steht das Ereignis als zeitliche u. räumliche Vereinzelung der Wirklichkeit (Zersplitterung des Weltblocks in für sich stehende Individualitäten – sie wiederholen sich nicht) → letzteres ist Hampes Aspekt für dieses Buch: „...das Problem, was es heißt, dass auch in der Natur, wenn wir sie nicht nur abstrahierend betrachten, Einmaliges, Unwiederholbares geschieht“. (S.292) → Hinweis des Autors auf Parallelität zu: Das vollkommene Leben
Das Ende der Natur (Untertitel des Tunguska-Buchs): >>Wenn die leidenschaftlichen Ökologen schaudernd ausrufen: >Die Natur wird sterben<, so wissen sie nicht, wie recht sie haben. Gott sei Dank, die Natur wird sterben. Ja, der große Pan ist tot! Nach dem Tode Gottes... musste auch die Natur endlich abtreten. Es war an der Zeit: sonst hätte man bald überhaupt keine Politik mehr machen können.<< (Bruno Latour, Das Parlament der Dinge, S.41 – Hampe 2011, Vorspann)
Natur – ihre Historisierung macht es möglich, sie >>als Ganzes<< oder in Ausschnitten als die lange Folge eines einzelnen einmaligen Ereignisses zu betrachten (S.298). - genau wie ihren Anfang (z.B. Urknall) kann man sich auch ihr Ende denken (S.299) → 3 Sinne von Natur: 1. - historisch/zeitlich, 2. - fiktiv (das Ende ist imaginär, das Reich der Toten), 3.- es gibt sie gar nicht (sondern lediglich als >>natürlich<< zu charakterisierende Individuen) (S.300)
Geteilte Natürlichkeiten – der naturphilosophische Versuch (S.221)
Naturphilosophie: - „nach aristotelischer Auffassung neben Logik und der Ethik derjenige Zweig der Philosophie, der die Natur sowie Möglichkeiten und Bedingungen von Erkenntnis der Natur zum Gegenstand seiner Bemühungen macht[ ]Seine Untersuchungen über Raum bzw. Ort, Zeit, Prozess (Bewegung, Wachstum, Entstehen, Vergehen), Kontinuität/Diskontinuität u. Kausalität sind bis heute von grundlegender Relevanz“ (Duden Philosophie)
Die platonisch/sokratische Trennung (S.223)
Beispiel aus Phaidros – Gespräch zw. Phaidros und Sokrates, aus dem hervorgeht, dass Sokrates der Meinung ist, dass die Natur ihm, im Gegensatz zum Leben in der Stadt, nichts lehren kann (Abwendung von der Naturphilosophie des Anaxagoras, S.225) [– hierzu auch: Long, AA, Die frühen griechischen Philosophen, Die Vorsokratiker] → Sokrates nimmt Trennung zw. Natürlichem und moralischem Wert vor; will sich nicht vor allem als natürliches Wesen sehen, sondern als moralisches und politisches.
Sowohl für Sokrates, als auch für die moderne Aufklärung war die Natur ein Zusammenhang von notwendigen Ursachen und Wirkungen (S.226) → Kausalität
Die Gründe und die Suche nach dem Besten einfach zu streichen, wäre die fatalste aller möglichen Folgen der selbst schon fatalen sokratischen Trennung. (S.228)
→ Doch die Natur überhaupt existiert nicht. Niemand hat sie bisher gesehen, ebenso wenig wie die Idee des Guten. (S.229)
→ scharfe Trennung zw. dem Reich der Gründe und der Natur ist nicht möglich, nicht etwa, weil es keine Gründe u. kein freies Handeln gibt sondern: begründetes Handeln hat auch kausale Folgen in der natürlichen Welt, in der nicht begründet wird. (S.230) → Mensch kann Natur nicht wahrnehmen ohne Mensch zu sein, da das ein Aufgeben des Körpers, des Ursprungs unserer Leid-und Freude-Erfahrung wäre, die das Leben ausmacht!
Abschied von den Wesen (S.230)
Tatsächlich zeigt die Epigenetik: Bruno Latour hat recht → keine reinliche Trennung von Natur und Gesellschaft, von einem Reich der Ursachen und einem Reich der Gründe → Reich der frei Gründe austauschenden Wesen u. das der notwendigen Ursachen greifen ineinander (Bsp.: Ozonloch, Regenwald, CO2, Atombombe, Fleischfabrik), (S.233)
Entwicklung eines einzelnen Menschen nicht mehr in klaren kausalen Linien nachvollziehbar → Eine Tatsache ausfindig zu machen, die als die entscheidende einer Pesrson nur sie betrifft, scheint aussichtslos
Sprache und Welt (S.233)
Sprechen ist nicht einfach Abbilden → bei sokratischer Trennung außer Acht gelassen, wir gestalten mit der Sprache immer auch die Welt: „Der Vorschlag, sich selbst und die anderen Menschen als begründungsfähige Wesen zu beschreiben, ist nicht der Versuch, unser inneres Wesen abzubilden, sondern der Vorschlag, unser Leben auf eine bestimmte Art und Weise zu führen. Reden ist Handeln, und Handeln greift, je nachdem mit welcher Macht es geschieht, mehr oder weniger in die Wirklichkeit ein [ ] die antike Aufklärung als die Erfindung einer (vielleicht spezifisch europäischen) Lebensform zu betrachten, in der man das Einschlagen aufeinander durch das Austauschen von Gründen zu ersetzen versuchte...[ ] auch die naturwissenschaftlichen Redeweisen zeigen, dass Menschen auf eine bestimmte Art und Weise, über etwas in der Welt zu sprechen, diese Welt immer auch verändern. “(S.234) → kollektives sprachliches Eingreifen des Menschen in der Welt = Unterschied zu allen nicht sprechenden Lebewesen [ ] sprechende Lebewesen ergänzen diese Reflexivität durch eine weitere Form der Selbstbezüglichkeit. [ ] Doch sie sprechen miteinander...“ (S.235) - [ Intentionalität („I“ =“We“/ Searle: Konstruktion der Wirklichkeit, auch: (S. 275)]
Unterscheidung zw. 2 Sprechweisen: 1. - die soziale u. politische, bei der verhandelt wird (Angabe v. Gründen), 2. - die berichtende u. Behauptende, bei der festgestellt wird (was der Fall ist), (S.236) → Je relevanter das berichtende u. Behauptende Expertenwissen in den menschlichen Angelegenheiten wird, umso weniger ist verhandelbar u. umso unpolitischer wird das menschliche Leben. (S.237) → >>Expertokratie<<
Alles muss erklärt werden (S.238)
Vorstellung der Gesetzmäßigkeit der Natur, beinhaltet gleichzeitig ein definierendes Charakteristikum → moderne Experimentalwissenschaften scheinen Privileg zu haben, Auskunft über Tatsachen der Natur zu geben, Physik und Mathematik herausragend bei den exakten Disziplinen (S.238)- [ für Hampe Sprache auch exakt (Interview DRS: Musik für einen Gast)]
Wissenschaft als Maß aller Dinge → Wer ist jetzt für diese Rede über die Veränderungen des menschlichen Lebens zuständig? Wer ist für eventuell auftretendes Leid verantwortlich,[ ] Gibt es das Leid innerhalb der wissenschaftlich beschriebenen Welt überhaupt? (S.239) - Leid ist Unglück → Verbdg zu Vollkommene Leben [ Thematik Jonas: Prinzip Verantwortung → neue Ethik der Verantwortung/ Zukünftigkeitsethik]
Zurück zur Sprache: An der Wurzel dieser Schwierigkeiten liegt das Ignorieren der Tatsache, dass wir unser Leben mit der Sprache gestalten → wie wir leben wollen (Lebensentwurf) → Deshalb haben wir die Verantwortung für die Art und Weise, wie wir sprechen, so wie wir eine Verantwortung dafür haben, wie wir leben. (S.240) → Menschen denken und handeln auf eine best. Art und Weise
Es ist ein Naturalismus im Sinne der Aussage des Philosophen Baruch de Spinoza (17. Jh., 3. Teil seiner Ethik) nötig: >>Beschlüsse des Geistes nach der selben Notwendigkeit im Geiste [entstehen], wie die Ideen der wirklich existierenden Dinge...<< [Stichwort: fiktive Wirklichkeit] → Notwendigkeit: Begriffe >>Wirklichkeit<< u. >>gesetzmäßige Natur<< müssen sich auf dasselbe beziehen. (S.241) → Naturalismus, der auch den Bereich des Normativen naturalisieren will, bzw. konstitutiv sein muss.
Leben (S.242)
Das gefühlsmäßige Verhalten von Menschen zu Tod u. Leben zeigen, die Tatsache, dass Geburten ein Anlass (= Ereignis) zur Freude (= Glück) sind, Mitteilungen darüber, dass einem der Tod bald bevorsteht, Schrecken hervorrufen → zeigen, dass Trennung von Gründen u. Bewertungen nicht funktioniert. (S.243) → wir bräuchten eine Genealogie der behauptenden Rede, die zeigt, wie das menschliche Behaupten und Begründen im Leben der Menschen entsteht (S.244) - [ Wohlrapp, Begriff im Argument; Lorenzen]
Was von selbst geschieht (S.244)
Zufall vs. synthetischer Evolutionstheorie: Menschen können nicht nur die Naturgesetze nicht ändern, sondern sind auch kontingenten Geschehnissen (Unwetter, Erdbeben, etc.) ausgesetzt. Von selbst geschieht nicht nur das Gesetzmäßige sondern auch das Zufällige → Zufälle sind etwas vom Menschen Hinzunehmendes, nicht beeinflussbar wie manch kulturelle u. technische Entwicklung → Zufälle sind im 2. Sinn von Natur betrachtet etwas Natürliches. (S.245)
Werte u. Normen, an denen sich Menschen orientieren, haben darum oft den selben Effekt wie naturwissenschaftliche Naturalismen (S.246) -[ Aristoteles: Habitus, tugendhaft – wie von selbst]; der das menschliche Leben bestimmenden gesellschaftlichen Faktoren → zweite Naturen (= Könnensdispositionen)
Die göttliche Natur (S.248)
Der Leib als Natur (S.250)
Phänomenologie hat die Erfahrungen der Lebenswelt immer als fundamentaler betrachtet als die wissenschaftlichenErfahrungen → Lebensweltfundamentalismus - Heideggers Fundamentalontologie (S.251)
Übernatürliches und Technisches (S.256)
In der Technik fordern die Menschen nach Heidegger die Natur heraus, enlocken. entbergen → Mensch = Gestell ( Mensch wird zu technischem Apparat), (S.258) innerhalb dieser Epoche des technischen Naturverhältnisses verstehen Menschen ihre Freiheit vor allem als die Macht zu herrschen
Die verborgene menschliche Natur (S.260)
Die Natur liebt es, sich zu verbergen (- Heiddegers entbergen, Hinweis zu Heraklit) → d.h. verborgen muss nicht gleich übernatürlich oder jenseitig heißen (S.260) → >>dunkle Natur<< ( individuelle u. kollektive Selbsttäuschung) → Ein Ziel der Tradition war nicht Aufklärung des Menschen über sein >schwarzes< Selbstbild, sondern Stärkung der Ehrlichkeit [Sartre: Unaufrichtigkeit zeigt Grad an Authenzität]
Die endliche und die unendliche Natur (S.263)
Innere und äußere Komplexitäten des Natürlichen (Affektlebens): 2 Grundvorstellungen: 1. elementaristisch, d.h. natürliche Komplexitäten kommen an ein Ende; 2. transfinit, d.h. es wird von einer Unendlichkeit ausgegangen; erstere entspricht dem naiven Realismus des Physikers Steven Weinberg
Skepsis und Naturfrömmigkeit (S.268)
Das Natürliche und das Falsche (S.273)
Die Natur ist nicht gut oder schlecht. Sie handelt nicht moralisch. >>Unsere Lebensform<< ist durch die sokratische Spaltung in eine Art Sackgasse geraten → Lebensformen sind keine Vereine, die man einfach wieder verlassen kann (S.275)
Zurück zu Kollektiv und Einzelnem: Es könnte sein, dass die Handlungen Einzelner im kollektiv nur da in ihnen wirken, wo die Kollektive schon bereit sind, diese Wirkungen >>aufzunehmen<<.(S.276) →>> vermeiden<< [Ethik/ Verantwortung] → Leid vermeiden (Bsp. Fleischressource/ Vergleich Berwerk – Unterschied= Nachzüchtung ), (S.277)
Denn die Bestimmung des Willens von einzelnen Menschen geschieht ebenso sehr durch das kollektive Gewohnheitssystem [Searle u. s.o.] (S.278), aber: letztlich kommt es auf uns Einzelne an. → doch dieser Individualismus könnte eine Illusion sein → Es muss in Kollektiven eine symbolische Bereitschaft dafür geben, eine Handlung als Signal aufzufassen, dass die Lebensform sich ändern muss (S.279), [Jonas: Nachhaltigkeit, Sloterdijk: Du musst dein Leben ändern!, Scheer: Der Energethische Imperativ]
Furcht [Jonas: Heuristik der Furcht] (S.280)
globale Industrie (S.281) → globales Leben [Planetarische Wohngemeinschaft, Sloterdijk]
Die Rede von Schicksal und Geschick deutet an, dass da, wo viele Menschen zusammenkommen, sich etwas bildet und ereignet, was kein Einzelner geplant hat und sich vorstellen konnte → Zurückweisung von Verantwortung schwer (S:283)
>>Kollektivleib<< (S.284) → Denn die Lüste und die Schmerzen unsres Leibes,verursacht durch Äußeres, sind das, was uns zeigt, dass wir nicht als körperlose Subjekte der Natur gegenüberstehen oder in ihr bloß als ein Ding vorkommen.
Wie >>wirken<< diese Bewegungen des >>kollektiven Leibes<< der Märkte, Diskurse u. Technologien auf die Einzelnen zurück, so dass Einzelne denken können, es sei etwas in ihrem eigenen Denken u. Handeln >>falsch<< → führten das >>falsche Leben<
Zurück zum Ereignis: Gibt es etwa ein Ereignis oder eine Geschichte, die dazu führt, dass unser >>kollektiver Leib<< >>krank<< und ruiniert wird und viele Einzelne untergehen? - Gibt es umgekehrt ein Ereignis, das aus dem vermeintlich falschen ins >>richtige Leben<< führt, eine Revolution oder Erlösung?(S.287/288)
Die sokratische Unterscheidung ist selbst etwas in unserer kollektiven Lebensform, das unser individuelles Denken, Imaginieren und Bewerten und deshalb auch unser Handeln bestimmt: Sie ist ein Denkzwang. (S.288) → den Hampe mit seinen Werken, die mit ihrer Vielstimmigkeit zum Nachdenken anregen, auflösen möchte → statt Denkzwang; Nachdenken /Vordenken.
Und am Ende von Hampes naturphilosophischem Text GETEILTE NATÜRLICHKEITEN S.289 eine Verbeugung vor Paul Feyerabends NATURPHILOSOPHIE:
„ Schöpfung eines Prozesses, der Mensch und Natur (umfasst)... In diesem Prozess verliert der Mensch weder seine Freiheit noch jenes Ausmaß an Wissen , das wir brauchen, um Probleme in stets wechselnder sozialer und natürlicher Umwelt zu bewältigen.“
Literatur
Paul Feyerabend, Naturphilosophie, Frankfurt a.M. 2009
Michael Hampe, Das vollkommene Leben, München 2009
Michael Hampe, Tunguska, München 2011
Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung, Frankfurt a.M. 1979
Volkbert M. Roth (Hg.)Leben ändern? WIR ÜBEN. Philosophische Praxis 2.2 (besorgt von Egon Hein), Konstanz 2011
Hermann Scheer, Der energethische Imperativ, 2010
Peter Sloterdijk, Du mußt dein Leben ändern, Frankfurt a.M. 2009
„Tunguska oder das Ende der Natur“
Das verbindende Element zwischen Das vollkommene Leben 2009 und Tunguska → Naturphilosophie ist die Fortsetzung der literarischen Form des Philosophierens, nun im Bereich der theoretischen Philosophie, 2011 in Form eines Totengesprächs (S.301, S.310 – Literaturhinweis, Bezug der fiktiven Namen zu den Verfassern verwendeter Texte), S.293: beide Bücher sind komplementäre, polyphone Untersuchungen der prakt. u. theoret. Philosophie
Hampes Fragen (seit Dissertation 1984-1989 über Whitehead):
Frage 1: Wie die Gesetzmäßigkeiten der Natur im Rahmen eines Denkens zu verstehen ist? - „Ein Denken, das die Zeit ernst nimmt.“ (Whitehead)
Frage 2: Das Problem der Möglichkeit menschlicher Freiheit in einer gesetzmäßigen und durch und durch historisierten Welt (S.301)
Ereignisse und Einmaligkeit sind wichtig für das Nachdenken über die Natur – denn, sie sind Kontrapunkt zu der Frage der Gesetzmäßigkeit der Natur (S.302) → Tunguska = Ergänzung zu Arbeiten über Naturphilosophie des Gesetzesbegriff ( beide Begriffe auch Themen der Politik und Erkenntnistheorie,) (S.302)
Das Tunguska-Ereignis: 30. Juni 1908 in Sibirien, Blitze und Explosionen haben ein riesiges Waldgebiet in der Nähe des Flusses Tunguska verwüstet, bis heute weiß keiner genau, was passiert ist, wissenschaftlich wird ein Asteroiden-Einschlag vermutet (so das NASA Überwachungsprogramm für NEAs – Near Earth Asteroid, für Asteroiden mit einem Durchmesser von mehr als 1 km), der bis heute allerdings nicht entdeckt wurde – weil der Durchmesser vielleicht kleiner war und der Himmelskörper erdnah verglühte. (S.294): Das Erklärbare und das Unerklärbare
Dieses Ereignis gibt Anlass (S.298: Drei Enden der Natur) und den Gesprächsstoff des fiktiven Gesprächs (Totengesprächs) von 4 Männern (Feierabent, Tscherenkov, Blackfoot, Bordmann), die auf einem Container-Schiff über das Meer treiben, im Nebel...
Im Nachwort (S.290): Einmalige Ereignisse, erklärt Hampe, dass der Begriff des Ereignisses in der neueren Philosophie öfter zu finden ist; Hampe zieht dazu die Philosophiekonzeptionen Heideggers, Badious u. Whiteheads heran.
Heidegger: im späteren Werk: Ereignis → Entwurf → Dasein (geworfenes Sein/lat. existentia) → Geworfenheit ( Fundamental in seiner Ontologie), Seinsvergessenheit (Frage nach dem Sein), Gestell (Wesen der Technik-Vorstellen) (Quelle:Duden Philosophie)
Badiou: (1988: Das Sein und das Ereignis), schlägt Neudefinition der Philosophie vor mit 4 wesentl. Bedingungen: Poesie, Mathematik, Politik, Liebe; Philosophie steht für ihn am Anfang, ist ewig, Becketts Prosa: „..hält sich an das, woraus sich letztendlich jede Existenz zusammensetzt: an die leere Bühne des Seins [ ] und an die Ereignisse, die es plötzlich bevölkern [ ] wie Löcher in der fernen Leinwand des Welttheaters“( Beckett,1995)
Whitehead: (1929: Process and Reality), s.o. Zitat
Bei all diesen Autoren geht es um die Verabschiedung des andauernden Dings mit bestimmten konstanten Eigenschaften als Grundmodell für das, was wirklich ist [ ] d.h. um ein Verständnis (Denkmöglichkeit) unserer Erkenntnis jenseits der Differenz von Realismus und Idealismus (S.290)
Hampes Sicht: = graduell → „Erkenntnis ist ein Prozess, in den sowohl unser Leib, die in ihn versenkte Subjektivität, als auch die Welt außerhalb unseres Körpers involviert sind.“ (S.291), → hypothetisch im Anschluss an Aristoteles und Whitehead: Wahrnehmungen, Gedanken, Erinnerungen u. Evidenzen stellen sich als Phasen (statt Ding) ein.
Ereignis - verschiedene Konnotationen: bei Heidegger u. Badiou: Überwältigung (vs. Pluralisierung) des Individuums durch Wahrheit, das Erhabene (Kant), das Schöne (Schiller), das Heilige; dem gegenüber steht das Ereignis als zeitliche u. räumliche Vereinzelung der Wirklichkeit (Zersplitterung des Weltblocks in für sich stehende Individualitäten – sie wiederholen sich nicht) → letzteres ist Hampes Aspekt für dieses Buch: „...das Problem, was es heißt, dass auch in der Natur, wenn wir sie nicht nur abstrahierend betrachten, Einmaliges, Unwiederholbares geschieht“. (S.292) → Hinweis des Autors auf Parallelität zu: Das vollkommene Leben
Das Ende der Natur (Untertitel des Tunguska-Buchs): >>Wenn die leidenschaftlichen Ökologen schaudernd ausrufen: >Die Natur wird sterben<, so wissen sie nicht, wie recht sie haben. Gott sei Dank, die Natur wird sterben. Ja, der große Pan ist tot! Nach dem Tode Gottes... musste auch die Natur endlich abtreten. Es war an der Zeit: sonst hätte man bald überhaupt keine Politik mehr machen können.<< (Bruno Latour, Das Parlament der Dinge, S.41 – Hampe 2011, Vorspann)
Natur – ihre Historisierung macht es möglich, sie >>als Ganzes<< oder in Ausschnitten als die lange Folge eines einzelnen einmaligen Ereignisses zu betrachten (S.298). - genau wie ihren Anfang (z.B. Urknall) kann man sich auch ihr Ende denken (S.299) → 3 Sinne von Natur: 1. - historisch/zeitlich, 2. - fiktiv (das Ende ist imaginär, das Reich der Toten), 3.- es gibt sie gar nicht (sondern lediglich als >>natürlich<< zu charakterisierende Individuen) (S.300)
Geteilte Natürlichkeiten – der naturphilosophische Versuch (S.221)
Naturphilosophie: - „nach aristotelischer Auffassung neben Logik und der Ethik derjenige Zweig der Philosophie, der die Natur sowie Möglichkeiten und Bedingungen von Erkenntnis der Natur zum Gegenstand seiner Bemühungen macht[ ]Seine Untersuchungen über Raum bzw. Ort, Zeit, Prozess (Bewegung, Wachstum, Entstehen, Vergehen), Kontinuität/Diskontinuität u. Kausalität sind bis heute von grundlegender Relevanz“ (Duden Philosophie)
Die platonisch/sokratische Trennung (S.223)
Beispiel aus Phaidros – Gespräch zw. Phaidros und Sokrates, aus dem hervorgeht, dass Sokrates der Meinung ist, dass die Natur ihm, im Gegensatz zum Leben in der Stadt, nichts lehren kann (Abwendung von der Naturphilosophie des Anaxagoras, S.225) [– hierzu auch: Long, AA, Die frühen griechischen Philosophen, Die Vorsokratiker] → Sokrates nimmt Trennung zw. Natürlichem und moralischem Wert vor; will sich nicht vor allem als natürliches Wesen sehen, sondern als moralisches und politisches.
Sowohl für Sokrates, als auch für die moderne Aufklärung war die Natur ein Zusammenhang von notwendigen Ursachen und Wirkungen (S.226) → Kausalität
Die Gründe und die Suche nach dem Besten einfach zu streichen, wäre die fatalste aller möglichen Folgen der selbst schon fatalen sokratischen Trennung. (S.228)
→ Doch die Natur überhaupt existiert nicht. Niemand hat sie bisher gesehen, ebenso wenig wie die Idee des Guten. (S.229)
→ scharfe Trennung zw. dem Reich der Gründe und der Natur ist nicht möglich, nicht etwa, weil es keine Gründe u. kein freies Handeln gibt sondern: begründetes Handeln hat auch kausale Folgen in der natürlichen Welt, in der nicht begründet wird. (S.230) → Mensch kann Natur nicht wahrnehmen ohne Mensch zu sein, da das ein Aufgeben des Körpers, des Ursprungs unserer Leid-und Freude-Erfahrung wäre, die das Leben ausmacht!
Abschied von den Wesen (S.230)
Tatsächlich zeigt die Epigenetik: Bruno Latour hat recht → keine reinliche Trennung von Natur und Gesellschaft, von einem Reich der Ursachen und einem Reich der Gründe → Reich der frei Gründe austauschenden Wesen u. das der notwendigen Ursachen greifen ineinander (Bsp.: Ozonloch, Regenwald, CO2, Atombombe, Fleischfabrik), (S.233)
Entwicklung eines einzelnen Menschen nicht mehr in klaren kausalen Linien nachvollziehbar → Eine Tatsache ausfindig zu machen, die als die entscheidende einer Pesrson nur sie betrifft, scheint aussichtslos
Sprache und Welt (S.233)
Sprechen ist nicht einfach Abbilden → bei sokratischer Trennung außer Acht gelassen, wir gestalten mit der Sprache immer auch die Welt: „Der Vorschlag, sich selbst und die anderen Menschen als begründungsfähige Wesen zu beschreiben, ist nicht der Versuch, unser inneres Wesen abzubilden, sondern der Vorschlag, unser Leben auf eine bestimmte Art und Weise zu führen. Reden ist Handeln, und Handeln greift, je nachdem mit welcher Macht es geschieht, mehr oder weniger in die Wirklichkeit ein [ ] die antike Aufklärung als die Erfindung einer (vielleicht spezifisch europäischen) Lebensform zu betrachten, in der man das Einschlagen aufeinander durch das Austauschen von Gründen zu ersetzen versuchte...[ ] auch die naturwissenschaftlichen Redeweisen zeigen, dass Menschen auf eine bestimmte Art und Weise, über etwas in der Welt zu sprechen, diese Welt immer auch verändern. “(S.234) → kollektives sprachliches Eingreifen des Menschen in der Welt = Unterschied zu allen nicht sprechenden Lebewesen [ ] sprechende Lebewesen ergänzen diese Reflexivität durch eine weitere Form der Selbstbezüglichkeit. [ ] Doch sie sprechen miteinander...“ (S.235) - [ Intentionalität („I“ =“We“/ Searle: Konstruktion der Wirklichkeit, auch: (S. 275)]
Unterscheidung zw. 2 Sprechweisen: 1. - die soziale u. politische, bei der verhandelt wird (Angabe v. Gründen), 2. - die berichtende u. Behauptende, bei der festgestellt wird (was der Fall ist), (S.236) → Je relevanter das berichtende u. Behauptende Expertenwissen in den menschlichen Angelegenheiten wird, umso weniger ist verhandelbar u. umso unpolitischer wird das menschliche Leben. (S.237) → >>Expertokratie<<
Alles muss erklärt werden (S.238)
Vorstellung der Gesetzmäßigkeit der Natur, beinhaltet gleichzeitig ein definierendes Charakteristikum → moderne Experimentalwissenschaften scheinen Privileg zu haben, Auskunft über Tatsachen der Natur zu geben, Physik und Mathematik herausragend bei den exakten Disziplinen (S.238)- [ für Hampe Sprache auch exakt (Interview DRS: Musik für einen Gast)]
Wissenschaft als Maß aller Dinge → Wer ist jetzt für diese Rede über die Veränderungen des menschlichen Lebens zuständig? Wer ist für eventuell auftretendes Leid verantwortlich,[ ] Gibt es das Leid innerhalb der wissenschaftlich beschriebenen Welt überhaupt? (S.239) - Leid ist Unglück → Verbdg zu Vollkommene Leben [ Thematik Jonas: Prinzip Verantwortung → neue Ethik der Verantwortung/ Zukünftigkeitsethik]
Zurück zur Sprache: An der Wurzel dieser Schwierigkeiten liegt das Ignorieren der Tatsache, dass wir unser Leben mit der Sprache gestalten → wie wir leben wollen (Lebensentwurf) → Deshalb haben wir die Verantwortung für die Art und Weise, wie wir sprechen, so wie wir eine Verantwortung dafür haben, wie wir leben. (S.240) → Menschen denken und handeln auf eine best. Art und Weise
Es ist ein Naturalismus im Sinne der Aussage des Philosophen Baruch de Spinoza (17. Jh., 3. Teil seiner Ethik) nötig: >>Beschlüsse des Geistes nach der selben Notwendigkeit im Geiste [entstehen], wie die Ideen der wirklich existierenden Dinge...<< [Stichwort: fiktive Wirklichkeit] → Notwendigkeit: Begriffe >>Wirklichkeit<< u. >>gesetzmäßige Natur<< müssen sich auf dasselbe beziehen. (S.241) → Naturalismus, der auch den Bereich des Normativen naturalisieren will, bzw. konstitutiv sein muss.
Leben (S.242)
Das gefühlsmäßige Verhalten von Menschen zu Tod u. Leben zeigen, die Tatsache, dass Geburten ein Anlass (= Ereignis) zur Freude (= Glück) sind, Mitteilungen darüber, dass einem der Tod bald bevorsteht, Schrecken hervorrufen → zeigen, dass Trennung von Gründen u. Bewertungen nicht funktioniert. (S.243) → wir bräuchten eine Genealogie der behauptenden Rede, die zeigt, wie das menschliche Behaupten und Begründen im Leben der Menschen entsteht (S.244) - [ Wohlrapp, Begriff im Argument; Lorenzen]
Was von selbst geschieht (S.244)
Zufall vs. synthetischer Evolutionstheorie: Menschen können nicht nur die Naturgesetze nicht ändern, sondern sind auch kontingenten Geschehnissen (Unwetter, Erdbeben, etc.) ausgesetzt. Von selbst geschieht nicht nur das Gesetzmäßige sondern auch das Zufällige → Zufälle sind etwas vom Menschen Hinzunehmendes, nicht beeinflussbar wie manch kulturelle u. technische Entwicklung → Zufälle sind im 2. Sinn von Natur betrachtet etwas Natürliches. (S.245)
Werte u. Normen, an denen sich Menschen orientieren, haben darum oft den selben Effekt wie naturwissenschaftliche Naturalismen (S.246) -[ Aristoteles: Habitus, tugendhaft – wie von selbst]; der das menschliche Leben bestimmenden gesellschaftlichen Faktoren → zweite Naturen (= Könnensdispositionen)
Die göttliche Natur (S.248)
Der Leib als Natur (S.250)
Phänomenologie hat die Erfahrungen der Lebenswelt immer als fundamentaler betrachtet als die wissenschaftlichenErfahrungen → Lebensweltfundamentalismus - Heideggers Fundamentalontologie (S.251)
Übernatürliches und Technisches (S.256)
In der Technik fordern die Menschen nach Heidegger die Natur heraus, enlocken. entbergen → Mensch = Gestell ( Mensch wird zu technischem Apparat), (S.258) innerhalb dieser Epoche des technischen Naturverhältnisses verstehen Menschen ihre Freiheit vor allem als die Macht zu herrschen
Die verborgene menschliche Natur (S.260)
Die Natur liebt es, sich zu verbergen (- Heiddegers entbergen, Hinweis zu Heraklit) → d.h. verborgen muss nicht gleich übernatürlich oder jenseitig heißen (S.260) → >>dunkle Natur<< ( individuelle u. kollektive Selbsttäuschung) → Ein Ziel der Tradition war nicht Aufklärung des Menschen über sein >schwarzes< Selbstbild, sondern Stärkung der Ehrlichkeit [Sartre: Unaufrichtigkeit zeigt Grad an Authenzität]
Die endliche und die unendliche Natur (S.263)
Innere und äußere Komplexitäten des Natürlichen (Affektlebens): 2 Grundvorstellungen: 1. elementaristisch, d.h. natürliche Komplexitäten kommen an ein Ende; 2. transfinit, d.h. es wird von einer Unendlichkeit ausgegangen; erstere entspricht dem naiven Realismus des Physikers Steven Weinberg
Skepsis und Naturfrömmigkeit (S.268)
Das Natürliche und das Falsche (S.273)
Die Natur ist nicht gut oder schlecht. Sie handelt nicht moralisch. >>Unsere Lebensform<< ist durch die sokratische Spaltung in eine Art Sackgasse geraten → Lebensformen sind keine Vereine, die man einfach wieder verlassen kann (S.275)
Zurück zu Kollektiv und Einzelnem: Es könnte sein, dass die Handlungen Einzelner im kollektiv nur da in ihnen wirken, wo die Kollektive schon bereit sind, diese Wirkungen >>aufzunehmen<<.(S.276) →>> vermeiden<< [Ethik/ Verantwortung] → Leid vermeiden (Bsp. Fleischressource/ Vergleich Berwerk – Unterschied= Nachzüchtung ), (S.277)
Denn die Bestimmung des Willens von einzelnen Menschen geschieht ebenso sehr durch das kollektive Gewohnheitssystem [Searle u. s.o.] (S.278), aber: letztlich kommt es auf uns Einzelne an. → doch dieser Individualismus könnte eine Illusion sein → Es muss in Kollektiven eine symbolische Bereitschaft dafür geben, eine Handlung als Signal aufzufassen, dass die Lebensform sich ändern muss (S.279), [Jonas: Nachhaltigkeit, Sloterdijk: Du musst dein Leben ändern!, Scheer: Der Energethische Imperativ]
Furcht [Jonas: Heuristik der Furcht] (S.280)
globale Industrie (S.281) → globales Leben [Planetarische Wohngemeinschaft, Sloterdijk]
Die Rede von Schicksal und Geschick deutet an, dass da, wo viele Menschen zusammenkommen, sich etwas bildet und ereignet, was kein Einzelner geplant hat und sich vorstellen konnte → Zurückweisung von Verantwortung schwer (S:283)
>>Kollektivleib<< (S.284) → Denn die Lüste und die Schmerzen unsres Leibes,verursacht durch Äußeres, sind das, was uns zeigt, dass wir nicht als körperlose Subjekte der Natur gegenüberstehen oder in ihr bloß als ein Ding vorkommen.
Wie >>wirken<< diese Bewegungen des >>kollektiven Leibes<< der Märkte, Diskurse u. Technologien auf die Einzelnen zurück, so dass Einzelne denken können, es sei etwas in ihrem eigenen Denken u. Handeln >>falsch<< → führten das >>falsche Leben<
Zurück zum Ereignis: Gibt es etwa ein Ereignis oder eine Geschichte, die dazu führt, dass unser >>kollektiver Leib<< >>krank<< und ruiniert wird und viele Einzelne untergehen? - Gibt es umgekehrt ein Ereignis, das aus dem vermeintlich falschen ins >>richtige Leben<< führt, eine Revolution oder Erlösung?(S.287/288)
Die sokratische Unterscheidung ist selbst etwas in unserer kollektiven Lebensform, das unser individuelles Denken, Imaginieren und Bewerten und deshalb auch unser Handeln bestimmt: Sie ist ein Denkzwang. (S.288) → den Hampe mit seinen Werken, die mit ihrer Vielstimmigkeit zum Nachdenken anregen, auflösen möchte → statt Denkzwang; Nachdenken /Vordenken.
Und am Ende von Hampes naturphilosophischem Text GETEILTE NATÜRLICHKEITEN S.289 eine Verbeugung vor Paul Feyerabends NATURPHILOSOPHIE:
„ Schöpfung eines Prozesses, der Mensch und Natur (umfasst)... In diesem Prozess verliert der Mensch weder seine Freiheit noch jenes Ausmaß an Wissen , das wir brauchen, um Probleme in stets wechselnder sozialer und natürlicher Umwelt zu bewältigen.“
Literatur
Paul Feyerabend, Naturphilosophie, Frankfurt a.M. 2009
Michael Hampe, Das vollkommene Leben, München 2009
Michael Hampe, Tunguska, München 2011
Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung, Frankfurt a.M. 1979
Volkbert M. Roth (Hg.)Leben ändern? WIR ÜBEN. Philosophische Praxis 2.2 (besorgt von Egon Hein), Konstanz 2011
Hermann Scheer, Der energethische Imperativ, 2010
Peter Sloterdijk, Du mußt dein Leben ändern, Frankfurt a.M. 2009
Dienstag, April 03, 2012
Glücksskeptisch
02 April 2012
Happiness in a brave new world
"The world's stable now. People are happy: they get what they want, and they never want what they can't get. They're well off; they're safe; they're never ill; they're not afraid of death: they're blissfully ignorant of passion and old age; they're plagued with no mothers or fathers; they've got no wives, or children, or lovers to feel strongly about; they're so conditioned that they practically can't help behaving as they ought to behave." (A. Huxley Brave New World 1932 Folio Society ed. 1971 p.151)
Sounds like a neuroscientist's ideal for the future, doesn't it? Totalized efficient causality in linear time.
Posted by Michael Eldred at 13:02 0 comments / artefactphil.arte-fact.org
Happiness in a brave new world
"The world's stable now. People are happy: they get what they want, and they never want what they can't get. They're well off; they're safe; they're never ill; they're not afraid of death: they're blissfully ignorant of passion and old age; they're plagued with no mothers or fathers; they've got no wives, or children, or lovers to feel strongly about; they're so conditioned that they practically can't help behaving as they ought to behave." (A. Huxley Brave New World 1932 Folio Society ed. 1971 p.151)
Sounds like a neuroscientist's ideal for the future, doesn't it? Totalized efficient causality in linear time.
Posted by Michael Eldred at 13:02 0 comments / artefactphil.arte-fact.org
Labels:
Brave New World,
Glück,
Huxley,
Michael Eldred
Freitag, März 23, 2012
Uni Konstanz PHILOSOPHIE
HAMPE kompakt 10. - 14. April
in H 303, ab 8.15 h gebucht
Ob es das Glück gibt und es für Menschen erreichbar ist,
hängt davon ab, was man unter >GLÜCK< versteht. S. 203
HAMPE 2009, DAS VOLLKOMMENE LEBEN
DI: Abschaffung d. Unglücks.
Westliche Fortschrittsphilosophie Kap.2
Tillmann Weißer
MI: Intensität & Sicherheit: Glück? Pragmatismus Kap.5
Paul Schmidt
DO: Glückunmöglich, Wahrheitschön. Freud Kap.4
Simon Kimmel
FR: Glück der Seelenruhe. Östliche Kanonstimme Kap.3
Beginn um 9 Uhr Ingrid Hagenlocher
mit MONIKA SCHÄPPI / Meditation - Vipassana Achtsamkeit
SamS: Hampes Versuch zur Naturphilosophie (2011)
Christine Mok-Wendt
Siehe auch den Semesterapparat in J3a,
Einsicht in ILIAS: SEMESTERAPPARATE
in H 303, ab 8.15 h gebucht
Ob es das Glück gibt und es für Menschen erreichbar ist,
hängt davon ab, was man unter >GLÜCK< versteht. S. 203
HAMPE 2009, DAS VOLLKOMMENE LEBEN
DI: Abschaffung d. Unglücks.
Westliche Fortschrittsphilosophie Kap.2
Tillmann Weißer
MI: Intensität & Sicherheit: Glück? Pragmatismus Kap.5
Paul Schmidt
DO: Glückunmöglich, Wahrheitschön. Freud Kap.4
Simon Kimmel
FR: Glück der Seelenruhe. Östliche Kanonstimme Kap.3
Beginn um 9 Uhr Ingrid Hagenlocher
mit MONIKA SCHÄPPI / Meditation - Vipassana Achtsamkeit
SamS: Hampes Versuch zur Naturphilosophie (2011)
Christine Mok-Wendt
Siehe auch den Semesterapparat in J3a,
Einsicht in ILIAS: SEMESTERAPPARATE
Labels:
Atem,
Fortschritt,
Glück,
Ingrid Hagenlocher,
literarisch Philosophieren,
Michael Hampe,
Monika Schäppi,
Natur,
Naturphilosophie,
Paul Schmidt,
Simon-Jannis Kimmel,
Technik,
Tod,
Wissen
Donnerstag, Februar 02, 2012
HAMPE2009 HERZOG1974 Hauser1828ff
„- wo kommt … die Vorstellung des Glücks selbst und seiner Realisierbarkeit eigentlich her? Vielleicht entstammt sie den KURZEN ZEITEN KINDLICHER GEBORGENHEIT … Vielleicht ist sie auch ein Täuschungsmechanismus, der Kindern von den Älteren >>eingebaut<< wird, damit sie mit dem Leben weitermachen … In Werner Herzogs Verfilmung der Geschichte des Kaspar Hauser1828ff , der erst spät als Jugendlicher in die Kultur der Menschen eintritt, … nimmt dieser sein >>Erscheinen auf dieser Welt<< als einen >>harten Sturz<< wahr. Vor seinem gewaltsamen Tod hat er eine Vision (=zeigt Herzog1974) „einen Berg … und viele Menschen, die sind auf den Berg aufgestiegen wie in einer Prozession. Da war viel Nebel. … konnte es nicht klar sehen. Und oben, da war der Tod.“ Hampe2009-173f
Hampe lässt seine Figur, den chilenischen Psychoanalytiker Antonio (4. Kapitel), wie folgt kommentieren: „Offenbar scheint Kaspar Hauser die Glücksvorstellungen, die uns vielleicht als Kindern als ein implizites Versprechen und eine Lebenslast (sic!) eingeimpft wird, nicht mehr in sich aufgenommen zu haben … Die Kultivierung, die er durchlaufen muss, indem er das Sprechen, ordentlich zu essen, das Klavierspiel u.a. lernt, erscheint ihm wie eine anstrengende kollektive Bergsteigerei … In Kaspars (HERZOG1974) Vision findet die Kultivierung im Nebel statt, orientierungslos, es bleibt unklar, … wohin sie eigentlich führen soll, außer in den Tod... In seiner (in HERZOG1974) letzten Vision scheint es, als sei für ihn die ganze Kultur nichts als ein Irrtum“ S. 175 Der Autor Hampe berichtet S. 281 in seinem Nachwort von Material für „nie fertiggestellte Skizzen für einen fiktiven philosophischen Dialog zwischen Gefangenen im nationalsozialistischen Deutschland über den Tod und das Glück vor ihrer Hinrichtung“, das er nun verwendet habe. In Antonios Meditation folgt der Bezug auf Freuds UNBEHAGEN IN DER KULTUR als >>vielleicht letzte(m) Traktat über das Glück<<.
Michael Hampe, DAS VOLLKOMMENE LEBEN
Vier Meditationen über das Glück , München 2009
Werner Herzog, JEDER FÜR SICH UND GOTT GEGEN ALLE, 1974
Daumer/Feuerbach, KASPAR HAUSER …, Ffm 1995 (Quelle für die Filme)
Peter Sehr, Kaspar Hauser. DER MENSCH – DER MYTHOS – DAS VERBRECHEN, 1993
Jutta Schlich (ed.), Das Kaspar-Hauser-Syndrom in Literatur – und Film, Forschung und Lehre, Würzburg 1999; darin: Vorwort (u. a. über Alexander Mitscherlichs Vorschlag 1950 den Freudschen Ödipus-Komplexes durch den Kaspar-Hauser-Komplex als Komplex des modernen Massenmenschen zu erweitern) und Vergleich der beiden Filme S.193-203 von Katharina Bollinger und Anja Steinbuch.
Die beiden von HERZOG1974 dargestellten „Träume“ finden sich so nicht in dem Bericht des 28jhg. Gymnasialprofessors Daumer, der in Nürnberg noch Hegels Schüler war und in Erlangen Student von Schelling. Daumers Aufschriebe sind auch Hauptmaterial des Vaters des Philosophen Ludwig Feuerbach, Anselm von Feuerbach, Präsident des königlich bayrischen Appelationsgerichts im fränkischen Ansbach. Daumer hatte den Findling durch Aufnahme in seinen Haushalt „aus dem Turm“ (Gefängnis) befreit und ihn ermuntert, einen Traum vom 2. April 1829 (knapp 1 Jahr nach seinem Auftauchen) nieder zu schreiben. Daumer selbst fasst den Inhalt zeitnah wie folgt zusammen
(S.249f ): >>Eine schöne männliche Gestalt mit weißem Gewande (HAUSER: „er hat ein weißes Tuch um den Leib hängend“) trat vor sein Bett und reichte ihm einen Kranz mit dem Bemerken, daß er in 14 Tagen sterben werde. H. sagte zurückweisend, ersei noch nicht lange auf der Welt und möge noch nicht sterben, worauf jener entgegnete, es sei umso besser, wenn er ohne lange gelebt zu haben, von der Welt scheide. Der Mann legte den Kranz auf einen Tisch. H. stand auf ihn zu nehmen, da begann dieser zu glänzen und wie er immer heller glänzte, sagte H.: ich will sterben und wachte bald nachher auf.<< Siehe auch : Claudia-Elfriede Oechel-Metzner, Arbeit am Mythos Kaspar Hauser, Ffm 2005, 229 Anm. 45
Herzog1974 löst sich in den Bildern und dem von Bruno S. gesprochenen Text der „Visionen“ von der Daumer/Feuerbachschen Quelle, folgend dem eigenwilligen Konzept EKSTATISCHER Wahrheit baut er eigene innere Materialien ein (und auch Material aus andern Filmen). Am deutlichsten in der eindrücklichen Geschichte, von der Werner Herzog im Interview (DVD) sagt: da ist eine Geschichte , von der ich aber nur den Anfang weiß. Sie bildet im Film HERZOG1974 die „Vision von der Wüste“ (Drehbuch), mit deren Mitteilung Kaspar Hauser sich, für´s Zuhören dankend, verabschiedet.
Filmisch eine Parallele zur "Vision vom Berg", die schon voraufging.
Diese für Hampe2009 zentrale Szene der „Kultivierung im Nebel“ ist übrigens eine Umdeutung der Massenpilgerschaft zu „Reek Sunday“ (Konnotation: Riech-Sonntag), auf „The Reek“, den meernahen Patricksberg bei Westport:
Der Croagh Patrick (irisch: Cruach Phádraig) ist ein 764 Meter hoher Berg im County Mayo im Westen der Republik Irland. Er hat auch den Beinamen The Reek.
Seit Hunderten von Jahren ist der Croagh Patrick zu Ehren des heiligen Patrick eine Wallfahrtsstätte. Im Jahr 441 stieg der Patron Irlands auf diesen Berg, fastete dort 40 Tage lang ...
Am sogenannten Reek Sunday, dem letzten Sonntag im Juli, steigen etwa 25.000 Pilger den Berg hinauf; viele tun dies barfuß(nach Wikipedia) - und kommen, wie man im Film sieht, auch wieder herunter.
Werner Herzog zeigt zunächst den Sprecher und illustriert dann die Traumerzählung mit einer Visualisierung, Steilstück des Berghangs, grobe scharfkantige Steine wie von einer keltischen Trockenmauer, absteigende und aufsteigende Menschen im Nebel. Kaspar Hauser spricht aus dem Off. Herzog vereinfacht in Kontrast zum Bild den Text zu: "viele Menschen, die sind auf den Berg aufgestiegen wie in einer Prozession. Da war viel Nebel." (Nach der kurzen Bergszene, wie auch nach der Wüstenszene, ein Schnitt - zurück zum Sprecher.)
In HAMPE2009 wird freilich nur der vom Filmemacher Herzog dem Hauptdarsteller in den Mund gelegte Text zitiert. Er spricht für die These "Das Glück ist unmöglich" . Dies ist aber freilich nur die halbe Kapitelüberschrift - und ein Teil des Bilds.
Liest man "mit philosophischer Goldwaage" so bezieht sich HAMPE2009 nicht auf den immer noch rätselhaften historischen Kaspar H. (von dem ja auch keine Bergvision dokumentiert ist), sondern auf eine Verfilmung, die sich der "Geschichte des Kaspar Hauser" in künstlerischer Freiheit annimmt und gerade dadurch mehr als nur "eine alte Geschichte" zum Thema macht. Hier berühren sich Hampe/Antonio2009 und Herzog/Bruno S. - 1974. HAMPE2009, S. 175: "In Kaspars Vision findet die Kultivierung im Nebel statt, orientierungslos, es bleibt unklar, was mit ihr beabsichtigt ist, wohin sie eigentlich führen soll, außer in den Tod." Aber dies ist eben eine Stimme im "philosophischen Kanon" (S.5)!
HAMPE kompakt 10. - 14. April
Aus HAMPE 2009, DI - FR:
DI: Abschaffung d. Unglücks. Westliche Fortschrittsphilosophie
MI: Glück der Seelenruhe. Östliche zweite Kanonstimme
DO: Glückunmöglich, Wahrheitschön. Freud
FR: Intensität & Sicherheit: Glück? Pragmatismus
SamS: Hampes Versuch zur Naturphilosophie (2011)
- für diese Themen werden jeweils 2 Referierende gesucht.
Bitte abmachen via mike.roth(add)uni-konstanz.de !
Fern verbunden http://dotatelier.blogspot.com/2012/01/hampe.html
Hampe lässt seine Figur, den chilenischen Psychoanalytiker Antonio (4. Kapitel), wie folgt kommentieren: „Offenbar scheint Kaspar Hauser die Glücksvorstellungen, die uns vielleicht als Kindern als ein implizites Versprechen und eine Lebenslast (sic!) eingeimpft wird, nicht mehr in sich aufgenommen zu haben … Die Kultivierung, die er durchlaufen muss, indem er das Sprechen, ordentlich zu essen, das Klavierspiel u.a. lernt, erscheint ihm wie eine anstrengende kollektive Bergsteigerei … In Kaspars (HERZOG1974) Vision findet die Kultivierung im Nebel statt, orientierungslos, es bleibt unklar, … wohin sie eigentlich führen soll, außer in den Tod... In seiner (in HERZOG1974) letzten Vision scheint es, als sei für ihn die ganze Kultur nichts als ein Irrtum“ S. 175 Der Autor Hampe berichtet S. 281 in seinem Nachwort von Material für „nie fertiggestellte Skizzen für einen fiktiven philosophischen Dialog zwischen Gefangenen im nationalsozialistischen Deutschland über den Tod und das Glück vor ihrer Hinrichtung“, das er nun verwendet habe. In Antonios Meditation folgt der Bezug auf Freuds UNBEHAGEN IN DER KULTUR als >>vielleicht letzte(m) Traktat über das Glück<<.
Michael Hampe, DAS VOLLKOMMENE LEBEN
Vier Meditationen über das Glück , München 2009
Werner Herzog, JEDER FÜR SICH UND GOTT GEGEN ALLE, 1974
Daumer/Feuerbach, KASPAR HAUSER …, Ffm 1995 (Quelle für die Filme)
Peter Sehr, Kaspar Hauser. DER MENSCH – DER MYTHOS – DAS VERBRECHEN, 1993
Jutta Schlich (ed.), Das Kaspar-Hauser-Syndrom in Literatur – und Film, Forschung und Lehre, Würzburg 1999; darin: Vorwort (u. a. über Alexander Mitscherlichs Vorschlag 1950 den Freudschen Ödipus-Komplexes durch den Kaspar-Hauser-Komplex als Komplex des modernen Massenmenschen zu erweitern) und Vergleich der beiden Filme S.193-203 von Katharina Bollinger und Anja Steinbuch.
Die beiden von HERZOG1974 dargestellten „Träume“ finden sich so nicht in dem Bericht des 28jhg. Gymnasialprofessors Daumer, der in Nürnberg noch Hegels Schüler war und in Erlangen Student von Schelling. Daumers Aufschriebe sind auch Hauptmaterial des Vaters des Philosophen Ludwig Feuerbach, Anselm von Feuerbach, Präsident des königlich bayrischen Appelationsgerichts im fränkischen Ansbach. Daumer hatte den Findling durch Aufnahme in seinen Haushalt „aus dem Turm“ (Gefängnis) befreit und ihn ermuntert, einen Traum vom 2. April 1829 (knapp 1 Jahr nach seinem Auftauchen) nieder zu schreiben. Daumer selbst fasst den Inhalt zeitnah wie folgt zusammen
(S.249f ): >>Eine schöne männliche Gestalt mit weißem Gewande (HAUSER: „er hat ein weißes Tuch um den Leib hängend“) trat vor sein Bett und reichte ihm einen Kranz mit dem Bemerken, daß er in 14 Tagen sterben werde. H. sagte zurückweisend, ersei noch nicht lange auf der Welt und möge noch nicht sterben, worauf jener entgegnete, es sei umso besser, wenn er ohne lange gelebt zu haben, von der Welt scheide. Der Mann legte den Kranz auf einen Tisch. H. stand auf ihn zu nehmen, da begann dieser zu glänzen und wie er immer heller glänzte, sagte H.: ich will sterben und wachte bald nachher auf.<< Siehe auch : Claudia-Elfriede Oechel-Metzner, Arbeit am Mythos Kaspar Hauser, Ffm 2005, 229 Anm. 45
Herzog1974 löst sich in den Bildern und dem von Bruno S. gesprochenen Text der „Visionen“ von der Daumer/Feuerbachschen Quelle, folgend dem eigenwilligen Konzept EKSTATISCHER Wahrheit baut er eigene innere Materialien ein (und auch Material aus andern Filmen). Am deutlichsten in der eindrücklichen Geschichte, von der Werner Herzog im Interview (DVD) sagt: da ist eine Geschichte , von der ich aber nur den Anfang weiß. Sie bildet im Film HERZOG1974 die „Vision von der Wüste“ (Drehbuch), mit deren Mitteilung Kaspar Hauser sich, für´s Zuhören dankend, verabschiedet.
Filmisch eine Parallele zur "Vision vom Berg", die schon voraufging.
Diese für Hampe2009 zentrale Szene der „Kultivierung im Nebel“ ist übrigens eine Umdeutung der Massenpilgerschaft zu „Reek Sunday“ (Konnotation: Riech-Sonntag), auf „The Reek“, den meernahen Patricksberg bei Westport:
Der Croagh Patrick (irisch: Cruach Phádraig) ist ein 764 Meter hoher Berg im County Mayo im Westen der Republik Irland. Er hat auch den Beinamen The Reek.
Seit Hunderten von Jahren ist der Croagh Patrick zu Ehren des heiligen Patrick eine Wallfahrtsstätte. Im Jahr 441 stieg der Patron Irlands auf diesen Berg, fastete dort 40 Tage lang ...
Am sogenannten Reek Sunday, dem letzten Sonntag im Juli, steigen etwa 25.000 Pilger den Berg hinauf; viele tun dies barfuß(nach Wikipedia) - und kommen, wie man im Film sieht, auch wieder herunter.
Werner Herzog zeigt zunächst den Sprecher und illustriert dann die Traumerzählung mit einer Visualisierung, Steilstück des Berghangs, grobe scharfkantige Steine wie von einer keltischen Trockenmauer, absteigende und aufsteigende Menschen im Nebel. Kaspar Hauser spricht aus dem Off. Herzog vereinfacht in Kontrast zum Bild den Text zu: "viele Menschen, die sind auf den Berg aufgestiegen wie in einer Prozession. Da war viel Nebel." (Nach der kurzen Bergszene, wie auch nach der Wüstenszene, ein Schnitt - zurück zum Sprecher.)
In HAMPE2009 wird freilich nur der vom Filmemacher Herzog dem Hauptdarsteller in den Mund gelegte Text zitiert. Er spricht für die These "Das Glück ist unmöglich" . Dies ist aber freilich nur die halbe Kapitelüberschrift - und ein Teil des Bilds.
Liest man "mit philosophischer Goldwaage" so bezieht sich HAMPE2009 nicht auf den immer noch rätselhaften historischen Kaspar H. (von dem ja auch keine Bergvision dokumentiert ist), sondern auf eine Verfilmung, die sich der "Geschichte des Kaspar Hauser" in künstlerischer Freiheit annimmt und gerade dadurch mehr als nur "eine alte Geschichte" zum Thema macht. Hier berühren sich Hampe/Antonio2009 und Herzog/Bruno S. - 1974. HAMPE2009, S. 175: "In Kaspars Vision findet die Kultivierung im Nebel statt, orientierungslos, es bleibt unklar, was mit ihr beabsichtigt ist, wohin sie eigentlich führen soll, außer in den Tod." Aber dies ist eben eine Stimme im "philosophischen Kanon" (S.5)!
HAMPE kompakt 10. - 14. April
Aus HAMPE 2009, DI - FR:
DI: Abschaffung d. Unglücks. Westliche Fortschrittsphilosophie
MI: Glück der Seelenruhe. Östliche zweite Kanonstimme
DO: Glückunmöglich, Wahrheitschön. Freud
FR: Intensität & Sicherheit: Glück? Pragmatismus
SamS: Hampes Versuch zur Naturphilosophie (2011)
- für diese Themen werden jeweils 2 Referierende gesucht.
Bitte abmachen via mike.roth(add)uni-konstanz.de !
Fern verbunden http://dotatelier.blogspot.com/2012/01/hampe.html
Labels:
Alexander Mitscherlich,
Anselm v. Feuerbach,
Daumer,
Ekstatische Wahrheit,
Freud,
Hampe,
Kaspar Hauser,
Werner Herzog
Freitag, Januar 27, 2012
GLÜCK (von 2010)
>>Die grosse Illusion vom kleinen Glück<< war Titel der Sendung REFLEXE von DRS2 , am Montag dieser Woche (29.Nov 2010)
Und ewig lockt die Werbung. Von Plakatwänden und in TV und Film, in Zeitungen, Zeitschriften und immer öfters im Internet. Der Philosoph Hampe (ETH) und der Werber von Matt bemühten sich die Funktionsweise der dauernden Konsumverlockung zu ergründen. Werbung macht Versprechungen, spielt mit unseren Sehnsüchten - und profitiert von der Vereinzelung der Menschen in einer kapitalistisch strukturierten Gesellschaft. (so im Internetauftritt/www.drs.ch)
Nur als Querverweis: „Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ungeheure Warensammlung“ das ist der Beginn des KAPITAL von Karl Marx (1867) – aber das wäre ein Thema für sich.
In der Ausschreibung zu diesem Café Philo schrieben wir: „Glück?“ – „Arbeit!“
(Wilhelm Schmid)
Philosophisches Café
Die zu diskutierenden Themen sind altehrwürdig & stets aktuell. Wer möchte nicht glücklich sein?
Was ist Glück für Sie? Was verhindert Glück?
Können Sie bitte reihum Beispiele geben?
SINGT „Happiness is a warm gun“ und wendet sich … zu
Ich danke.
Auch wenn Arthur Schopenhauer meint: Wenn man den Zustand eines Menschen seiner Glücklichkeit nach abschätzen will, soll man nicht fragen nach dem, was ihn vergnügt, sondern nach dem, was ihn betrübt.
Der Autor Wilhelm Schmid will in seinem beliebten Büchlein „Glück“ uns zeigen , „...warum es (das Glück) nicht das Wichtigste ist“ - wie ist denn wohl das zu verstehen?
Na, wenn das kein Bild vom Glück ist ?
Bitte machen Sie sich eine
Momentaufnahme vom
GLÜCK eines Augenblicks
„Wie ist der Kontext?“ fragt die GlücksforscherIn.
Im kleinen Insel Taschenbuch GLÜCK ...
trifft Schmid einige der folgenden Unterscheidungen.
Der Übergang vom Glück zum LebensSinn fällt hier ins Auge. Den Zusammenhang betonten auch Hampe (Philosophie) und von Matt (Werbung/“Kommunikation“) in der eingangs zitierten REFLEXE-Sendung: Die grosse Illusion vom kleinen Glück.
Anmerkung: ein „kleines Glück für den Tag und ein kleines Glück für die Nacht“ legt Friedrich Nietzsche dem Publikum, das ZARTHUSTRA ansprechen wollte, in den Mund – auch dies ein Thema für ein andermal! Siehe solange die Texte von Paul Bischof und Egon Hein in: "Leben ändern?" - WIR ÜBEN, 2.2 Philosophische Praxis, Konstanz (Semesterapparat Roth)
ZUFALL / zugefallen / Gefallen
Das Glück ist in diesem Aspekt kein durch (Lebens)Kunst Gemachtes (arte factum). Es ist eine Überraschung. „Fortuna“ - das personalisierte Zufallsglück- „kommt unverhofft“. Und eben dies ist ein Teil der Beglückung, die wir darüber empfinden.
Gleichwohl schätzen die rationalen Philosophen das „Fatum“ (Schicksal) und den Zufall als Entscheidungsinstanz nicht. „Heteronom“ (nicht nach eigenem Gesetz lebend) ist der vom Zufall regierte Mensch, der doch versuchen sollte, eine selbst verschuldete Unmündigkeit (Kant) so früh wie möglich „aufzuklären“ und nach begründeten eigenen Gesetzen (in Autonomie) zu leben.
Wohlgefallen / Wohlfühlglück
Claudio Magris skizziert den Gedanken „sich der Macht der Circe zu unterwerfen, die kapriziös den Mann in ein Tier verwandelt, zum Reiten oder um ihn kuschen zu lassen, ... (und er zitiert Beschreibungen einer) Insel ..., auf der die Frauen die Männer nach Belieben leiten … Bittere und süße Knechtschaft des Eros, animalische Freiheit, die das Bett der Circe den Liebhabern zurückgibt; ins Meer eintauchen heißt ins Bett der Göttin steigen.“ (Welt , 204 s.u.)
„Zeitlos“ glücklich
Im Glück kann auch der Aspekt der sich dehnenden Zeit in Erscheinung treten: „Dem Glücklichen schlägt keine Stunde“. Claudio Magris spricht von: „ganz und gar gegenwärtige(r) Hingabe an das Leben, das sich selbst genügt und sich nicht im Lauf nach (außerdem noch) zu erreichenden Zielen verbraucht, … vielmehr Glück ist, ohne Ziel und ohne Stachel, Ewigkeit und Selbstgenügsamkeit des Augenblicks“ (Die Welt en gros und en detail, München, 2009 (3.Aufl.), S. 204)
MondenGlück: „flüchtiges Glück“
-das ist die dunkle Seite des „Zufalls“Glücks: o fortuna, velut luna
(cresces et dece-e-ces) , Carmina Burana
„Fortune“ haben und „ihn hatte sein Glück verlassen“. Doch: Spiel zwischen quasi „externer“ und subjektiver Sicht, siehe das Märchen vom „Hans im Glück“.
Das GlücksRAD und das WasserMühlenRad / Rad als mehrdeutiges Symbol
„Spinning wheel“ / das sich drehende Rad:
„what comes up, must go down / spinning wheel turning round and round“
1. das Rad als Symbol der unsteten Position
(für jeden einzelnen Abschnitt des Kreises)
2. das Rad als Symbol der Umsetzung in gleichmäßige Bewegung,
die ohne menschliche Mühe nach menschlichem Plan
„arbeitet“, menschliche Arbeit als Antriebskraft unterstützt
oder sie bei bestimmten Arbeiten sogar ersetzt.
Das Mühlrad bewegte Denker seit der Antike zur poetischen Schau eines verlässlichen Glücks.
Natur und Wissen wirken in dieser idyllischen Sicht zusammen und tragen bei zu glücklichem Leben.
NEIL@dotatelier.net : Gibt's keine Bilder zum Glück?Gewisse arten von Arbeit machen glücklich. Du verlierst Dich drin. Das finde ich am Programmieren, wenn ich eine grosse Aufgabe habe. Dann entstehen ganz andere Gehirnwellen. Auch beim Zeichnen. Dann mehr entspannt und reflektiv.
Gewisse andere Arten Arbeit gefallen mir gar nicht. Das Glück ist vorübergehend.
Die Hölle, das sind die Anderen. Aber Glück ist auch mit Anderen. Es geht nicht nur um einen persönlichen Zustand, sondern wir können mit anderen Glück finden. >Ich bin glücklich< heisst was über mich umgebende Zustände, nämlich Menschen um mich. Das kann auch die Hölle sein, klar. (Manchmal opfern wir unser eigenes Glück für die Anderen.)
Einen Teilnehmer erinnert das Rad an den Hamster im Laufrad ...
DAS GLÜCK DER FÜLLE
„Fülle des Lebens“, die ich anschaue und zu der ich JA! sagen kann. Ich erkenne, wie ups & downs, Höhepunkte und Tiefpunkte – gleichsam wie in der Kreisbewegung – zusammengehören. Hier hilft der Abstand. Und der sich im Nachhinein einstellende Gedanke, dass man dies und das doch überstanden hat. Hierzu gehört auch das Immer-wieder-Neuverfassen der eigenen Lebensgeschichte, aus Unheil und Nicht-Sinn wird eine Heilungsgeschichte mit einem je aktualisierten LebensSinn. Den scheinen Menschen, die Sinn machenden Wesen, zu brauchen, solange sie weiterleben wollen. Zum Sinn gehört auch der Widerstand gegen Unsinn und Tyrannei, wie schon die nordamerikanische Unabhängikeitserklärung mit Bezug auf das Erringen eines glücklichen Lebens formuliert:
Die erste deutsche Übersetzung der Unabhängigkeitserklärung veröffentlichte einen Tag nach ihrer Verabschiedung die deutschsprachige Zeitung Pennsylvanischer Staatsbote am 5.7. 1776 in Philadelphia. Sie gab den Beginn folgendermaßen wieder:
„Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, dass alle Menschen gleich erschaffen wurden, dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt wurden, worunter Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit sind.
H a p p i n e s s
& Aufstand
4. Juli 1776
http://de.wikipedia.org/wiki/Unabhängigkeitserklärung_der_Vereinigten_Staaten#Die_Präambel
Die (nordamerikanische) Unabhängigkeitserklärung besteht aus drei Teilen, die eine logische Argumentationskette bilden. Im ersten und bekanntesten Abschnitt beschreibt sie, inspiriert von der Philosophie John Lockes, einen naturrechtlichen Rahmen, um generell zu klären, welche unveräußerlichen Menschenrechte das Individuum besitzt und wann ein Volk das Recht hat, eine alte durch eine neue Regierungsform zu ersetzen. Im zweiten Teil führt der Text konkrete Handlungen der britischen Krone an, mit denen diese die natürlichen Rechte der Kolonisten dauerhaft und schwerwiegend verletzt und durch die sie ihren Anspruch auf deren weiteren Gehorsam verwirkt habe. Der dritte Teil besteht aus der Schlussfolgerung, dass die Loslösung vom britischen Mutterland notwendig und vom Naturrecht legitimiert sei und die 13 Kolonien fortan das Recht beanspruchten, als unabhängige und souveräne Staaten zu handeln.
Die Präambel
Bis heute wirkmächtig ist die naturrechtliche Begründung in der Präambel, die auf eine kurze Einleitung folgt:
“We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness. — That to secure these rights, Governments are instituted among Men, deriving their just powers from the consent of the governed, — That whenever any Form of Government becomes destructive of these ends, it is the Right of the People to alter or to abolish it, and to institute new Government, laying its foundation on such principles and organizing its powers in such form, as to them shall seem most likely to effect their Safety and Happiness. Prudence, indeed, will dictate that Governments long established should not be changed for light and transient causes; and accordingly all experience hath shewn that mankind are more disposed to suffer, while evils are sufferable than to right themselves by abolishing the forms to which they are accustomed. But when a long train of abuses and usurpations, pursuing invariably the same Object evinces a design to reduce them under absolute Despotism, it is their right, it is their duty, to throw off such Government, and to provide new Guards for their future security.”
s e l a
In einem kleinen Ort am Kvarner/istrische Felsenküste, kommen die alten Männer morgens zusammen auf einen Schwatz, warten auf das frische Brot und scherzen. Letzte Nacht hatte es ein Gewitter und am Morgen war der Weg voll mit frischen roten Blüten. Ich kam, mein Auto wegzufahren. Da winkte mir Beppic, ihm zu folgen. Er blieb stehen vor zwei großen Hortensien, in deren ansehnliche hellgrüne Dolden jeweils eine dieser roten Blüten gesteckt war.
Da kommt einem der Weimarer Friedrich in den Sinn:
Der Mensch ist nur ganz Mensch im Spiel.
(LEBENsKUNST als aufgegriffnes GLÜCK)
Wilhelm Schmid, „Die Liebe neu erfinden.
Von der Lebenskunst im Umgang mit Anderen“ ist vor Kurzem (2010) erschienen.
Hierin geht 152 ff der Autor zuerst der Frage nach: Sind Frauen die besseren Lebenskünstler? Um dann im Anschluss 168 ff Die Kunst ein Mann zu sein
zum Thema zu machen. Darin findet sich 175 ff eine Skizze einer Antwort auf die von ihm aufgeworfene Frage: Müssen Männer sich neu erfinden?
Unüberhörbar die Anspielung auf den Haupttitel „Die Liebe neu erfinden“.
Schmid behauptet: „Denkbare Modifikationen des Mannseins betreffen … vor allem die Idee der A r b e i t , den Dreh- und Angelpunkt des männlichen Selbstverständnisses in moderner Zeit“ (175). Und im Folgenden unterscheidet er 7 Aspekte der Lebensarbeit:
1. Arbeit an sich selbst; was ist eigentlich Leben, Liebe, Glück, Sinn?
2. Arbeit an Freundschaft
3. Familienarbeit
4. Bürgerarbeit
5. M u ß e als Arbeit
6. Arbeit am Sinn
7. Erwerbsarbeit
NEULICH hatte ein Freund in Zürich zu einem „DenkMahl“ GLÜCK?-Arbeit! Nachbarn und Freunde geladen. Ich endete:
Wie schön, dass wir mit einem DenkMahl gleich 4fach arbeiten können, im Sinne von 1 – 2 – 5 & 6 !
Bühne frei für die Diskussion
Und ewig lockt die Werbung. Von Plakatwänden und in TV und Film, in Zeitungen, Zeitschriften und immer öfters im Internet. Der Philosoph Hampe (ETH) und der Werber von Matt bemühten sich die Funktionsweise der dauernden Konsumverlockung zu ergründen. Werbung macht Versprechungen, spielt mit unseren Sehnsüchten - und profitiert von der Vereinzelung der Menschen in einer kapitalistisch strukturierten Gesellschaft. (so im Internetauftritt/www.drs.ch)
Nur als Querverweis: „Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ungeheure Warensammlung“ das ist der Beginn des KAPITAL von Karl Marx (1867) – aber das wäre ein Thema für sich.
In der Ausschreibung zu diesem Café Philo schrieben wir: „Glück?“ – „Arbeit!“
(Wilhelm Schmid)
Philosophisches Café
Die zu diskutierenden Themen sind altehrwürdig & stets aktuell. Wer möchte nicht glücklich sein?
Was ist Glück für Sie? Was verhindert Glück?
Können Sie bitte reihum Beispiele geben?
SINGT „Happiness is a warm gun“ und wendet sich … zu
Ich danke.
Auch wenn Arthur Schopenhauer meint: Wenn man den Zustand eines Menschen seiner Glücklichkeit nach abschätzen will, soll man nicht fragen nach dem, was ihn vergnügt, sondern nach dem, was ihn betrübt.
Der Autor Wilhelm Schmid will in seinem beliebten Büchlein „Glück“ uns zeigen , „...warum es (das Glück) nicht das Wichtigste ist“ - wie ist denn wohl das zu verstehen?
Na, wenn das kein Bild vom Glück ist ?
Bitte machen Sie sich eine
Momentaufnahme vom
GLÜCK eines Augenblicks
„Wie ist der Kontext?“ fragt die GlücksforscherIn.
Im kleinen Insel Taschenbuch GLÜCK ...
trifft Schmid einige der folgenden Unterscheidungen.
Der Übergang vom Glück zum LebensSinn fällt hier ins Auge. Den Zusammenhang betonten auch Hampe (Philosophie) und von Matt (Werbung/“Kommunikation“) in der eingangs zitierten REFLEXE-Sendung: Die grosse Illusion vom kleinen Glück.
Anmerkung: ein „kleines Glück für den Tag und ein kleines Glück für die Nacht“ legt Friedrich Nietzsche dem Publikum, das ZARTHUSTRA ansprechen wollte, in den Mund – auch dies ein Thema für ein andermal! Siehe solange die Texte von Paul Bischof und Egon Hein in: "Leben ändern?" - WIR ÜBEN, 2.2 Philosophische Praxis, Konstanz (Semesterapparat Roth)
ZUFALL / zugefallen / Gefallen
Das Glück ist in diesem Aspekt kein durch (Lebens)Kunst Gemachtes (arte factum). Es ist eine Überraschung. „Fortuna“ - das personalisierte Zufallsglück- „kommt unverhofft“. Und eben dies ist ein Teil der Beglückung, die wir darüber empfinden.
Gleichwohl schätzen die rationalen Philosophen das „Fatum“ (Schicksal) und den Zufall als Entscheidungsinstanz nicht. „Heteronom“ (nicht nach eigenem Gesetz lebend) ist der vom Zufall regierte Mensch, der doch versuchen sollte, eine selbst verschuldete Unmündigkeit (Kant) so früh wie möglich „aufzuklären“ und nach begründeten eigenen Gesetzen (in Autonomie) zu leben.
Wohlgefallen / Wohlfühlglück
Claudio Magris skizziert den Gedanken „sich der Macht der Circe zu unterwerfen, die kapriziös den Mann in ein Tier verwandelt, zum Reiten oder um ihn kuschen zu lassen, ... (und er zitiert Beschreibungen einer) Insel ..., auf der die Frauen die Männer nach Belieben leiten … Bittere und süße Knechtschaft des Eros, animalische Freiheit, die das Bett der Circe den Liebhabern zurückgibt; ins Meer eintauchen heißt ins Bett der Göttin steigen.“ (Welt , 204 s.u.)
„Zeitlos“ glücklich
Im Glück kann auch der Aspekt der sich dehnenden Zeit in Erscheinung treten: „Dem Glücklichen schlägt keine Stunde“. Claudio Magris spricht von: „ganz und gar gegenwärtige(r) Hingabe an das Leben, das sich selbst genügt und sich nicht im Lauf nach (außerdem noch) zu erreichenden Zielen verbraucht, … vielmehr Glück ist, ohne Ziel und ohne Stachel, Ewigkeit und Selbstgenügsamkeit des Augenblicks“ (Die Welt en gros und en detail, München, 2009 (3.Aufl.), S. 204)
MondenGlück: „flüchtiges Glück“
-das ist die dunkle Seite des „Zufalls“Glücks: o fortuna, velut luna
(cresces et dece-e-ces) , Carmina Burana
„Fortune“ haben und „ihn hatte sein Glück verlassen“. Doch: Spiel zwischen quasi „externer“ und subjektiver Sicht, siehe das Märchen vom „Hans im Glück“.
Das GlücksRAD und das WasserMühlenRad / Rad als mehrdeutiges Symbol
„Spinning wheel“ / das sich drehende Rad:
„what comes up, must go down / spinning wheel turning round and round“
1. das Rad als Symbol der unsteten Position
(für jeden einzelnen Abschnitt des Kreises)
2. das Rad als Symbol der Umsetzung in gleichmäßige Bewegung,
die ohne menschliche Mühe nach menschlichem Plan
„arbeitet“, menschliche Arbeit als Antriebskraft unterstützt
oder sie bei bestimmten Arbeiten sogar ersetzt.
Das Mühlrad bewegte Denker seit der Antike zur poetischen Schau eines verlässlichen Glücks.
Natur und Wissen wirken in dieser idyllischen Sicht zusammen und tragen bei zu glücklichem Leben.
NEIL@dotatelier.net : Gibt's keine Bilder zum Glück?Gewisse arten von Arbeit machen glücklich. Du verlierst Dich drin. Das finde ich am Programmieren, wenn ich eine grosse Aufgabe habe. Dann entstehen ganz andere Gehirnwellen. Auch beim Zeichnen. Dann mehr entspannt und reflektiv.
Gewisse andere Arten Arbeit gefallen mir gar nicht. Das Glück ist vorübergehend.
Die Hölle, das sind die Anderen. Aber Glück ist auch mit Anderen. Es geht nicht nur um einen persönlichen Zustand, sondern wir können mit anderen Glück finden. >Ich bin glücklich< heisst was über mich umgebende Zustände, nämlich Menschen um mich. Das kann auch die Hölle sein, klar. (Manchmal opfern wir unser eigenes Glück für die Anderen.)
Einen Teilnehmer erinnert das Rad an den Hamster im Laufrad ...
DAS GLÜCK DER FÜLLE
„Fülle des Lebens“, die ich anschaue und zu der ich JA! sagen kann. Ich erkenne, wie ups & downs, Höhepunkte und Tiefpunkte – gleichsam wie in der Kreisbewegung – zusammengehören. Hier hilft der Abstand. Und der sich im Nachhinein einstellende Gedanke, dass man dies und das doch überstanden hat. Hierzu gehört auch das Immer-wieder-Neuverfassen der eigenen Lebensgeschichte, aus Unheil und Nicht-Sinn wird eine Heilungsgeschichte mit einem je aktualisierten LebensSinn. Den scheinen Menschen, die Sinn machenden Wesen, zu brauchen, solange sie weiterleben wollen. Zum Sinn gehört auch der Widerstand gegen Unsinn und Tyrannei, wie schon die nordamerikanische Unabhängikeitserklärung mit Bezug auf das Erringen eines glücklichen Lebens formuliert:
Die erste deutsche Übersetzung der Unabhängigkeitserklärung veröffentlichte einen Tag nach ihrer Verabschiedung die deutschsprachige Zeitung Pennsylvanischer Staatsbote am 5.7. 1776 in Philadelphia. Sie gab den Beginn folgendermaßen wieder:
„Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, dass alle Menschen gleich erschaffen wurden, dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt wurden, worunter Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit sind.
H a p p i n e s s
& Aufstand
4. Juli 1776
http://de.wikipedia.org/wiki/Unabhängigkeitserklärung_der_Vereinigten_Staaten#Die_Präambel
Die (nordamerikanische) Unabhängigkeitserklärung besteht aus drei Teilen, die eine logische Argumentationskette bilden. Im ersten und bekanntesten Abschnitt beschreibt sie, inspiriert von der Philosophie John Lockes, einen naturrechtlichen Rahmen, um generell zu klären, welche unveräußerlichen Menschenrechte das Individuum besitzt und wann ein Volk das Recht hat, eine alte durch eine neue Regierungsform zu ersetzen. Im zweiten Teil führt der Text konkrete Handlungen der britischen Krone an, mit denen diese die natürlichen Rechte der Kolonisten dauerhaft und schwerwiegend verletzt und durch die sie ihren Anspruch auf deren weiteren Gehorsam verwirkt habe. Der dritte Teil besteht aus der Schlussfolgerung, dass die Loslösung vom britischen Mutterland notwendig und vom Naturrecht legitimiert sei und die 13 Kolonien fortan das Recht beanspruchten, als unabhängige und souveräne Staaten zu handeln.
Die Präambel
Bis heute wirkmächtig ist die naturrechtliche Begründung in der Präambel, die auf eine kurze Einleitung folgt:
“We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness. — That to secure these rights, Governments are instituted among Men, deriving their just powers from the consent of the governed, — That whenever any Form of Government becomes destructive of these ends, it is the Right of the People to alter or to abolish it, and to institute new Government, laying its foundation on such principles and organizing its powers in such form, as to them shall seem most likely to effect their Safety and Happiness. Prudence, indeed, will dictate that Governments long established should not be changed for light and transient causes; and accordingly all experience hath shewn that mankind are more disposed to suffer, while evils are sufferable than to right themselves by abolishing the forms to which they are accustomed. But when a long train of abuses and usurpations, pursuing invariably the same Object evinces a design to reduce them under absolute Despotism, it is their right, it is their duty, to throw off such Government, and to provide new Guards for their future security.”
s e l a
In einem kleinen Ort am Kvarner/istrische Felsenküste, kommen die alten Männer morgens zusammen auf einen Schwatz, warten auf das frische Brot und scherzen. Letzte Nacht hatte es ein Gewitter und am Morgen war der Weg voll mit frischen roten Blüten. Ich kam, mein Auto wegzufahren. Da winkte mir Beppic, ihm zu folgen. Er blieb stehen vor zwei großen Hortensien, in deren ansehnliche hellgrüne Dolden jeweils eine dieser roten Blüten gesteckt war.
Da kommt einem der Weimarer Friedrich in den Sinn:
Der Mensch ist nur ganz Mensch im Spiel.
(LEBENsKUNST als aufgegriffnes GLÜCK)
Wilhelm Schmid, „Die Liebe neu erfinden.
Von der Lebenskunst im Umgang mit Anderen“ ist vor Kurzem (2010) erschienen.
Hierin geht 152 ff der Autor zuerst der Frage nach: Sind Frauen die besseren Lebenskünstler? Um dann im Anschluss 168 ff Die Kunst ein Mann zu sein
zum Thema zu machen. Darin findet sich 175 ff eine Skizze einer Antwort auf die von ihm aufgeworfene Frage: Müssen Männer sich neu erfinden?
Unüberhörbar die Anspielung auf den Haupttitel „Die Liebe neu erfinden“.
Schmid behauptet: „Denkbare Modifikationen des Mannseins betreffen … vor allem die Idee der A r b e i t , den Dreh- und Angelpunkt des männlichen Selbstverständnisses in moderner Zeit“ (175). Und im Folgenden unterscheidet er 7 Aspekte der Lebensarbeit:
1. Arbeit an sich selbst; was ist eigentlich Leben, Liebe, Glück, Sinn?
2. Arbeit an Freundschaft
3. Familienarbeit
4. Bürgerarbeit
5. M u ß e als Arbeit
6. Arbeit am Sinn
7. Erwerbsarbeit
NEULICH hatte ein Freund in Zürich zu einem „DenkMahl“ GLÜCK?-Arbeit! Nachbarn und Freunde geladen. Ich endete:
Wie schön, dass wir mit einem DenkMahl gleich 4fach arbeiten können, im Sinne von 1 – 2 – 5 & 6 !
Bühne frei für die Diskussion
Freitag, Januar 20, 2012
HAMPE kompakt 10. - 14. April
Aus HAMPE 2009, DI - FR:
DI: Abschaffung d. Unglücks. Westliche Fortschrittsphilo
MI: Glück der Seelenruhe. Östliche zweite Kanonstimme
DO: Glückunmöglich,Wahrheitschön. Freud
FR: Intensität & Sicherheit: Glück? Pragmatismus
SamS: Hampes Versuch zur Naturphilosophie (2011)
- für diese Themen werden jeweils 2 Ref. gesucht.
Bitte abmachen via mike.roth@uni-konstanz.de !
14.4. / 16.30 h Björn Spanknebel spricht: Zum normativen Projekt des Westens und Gegenentwürfen "Das nahe und das ferne Glück"
DI: Abschaffung d. Unglücks. Westliche Fortschrittsphilo
MI: Glück der Seelenruhe. Östliche zweite Kanonstimme
DO: Glückunmöglich,Wahrheitschön. Freud
FR: Intensität & Sicherheit: Glück? Pragmatismus
SamS: Hampes Versuch zur Naturphilosophie (2011)
- für diese Themen werden jeweils 2 Ref. gesucht.
Bitte abmachen via mike.roth@uni-konstanz.de !
14.4. / 16.30 h Björn Spanknebel spricht: Zum normativen Projekt des Westens und Gegenentwürfen "Das nahe und das ferne Glück"
Samstag, Januar 14, 2012
Mittwoch, November 23, 2011
Bern/ Schloss Bümpliz 17.12.
Zum Gott der Philosophen & einer Aufgabe für Menschen
Dass wir vor der grossen Herausforderung stehen, im Weltmassstab Verantwortung zu übernehmen, da uns die ökologischen Probleme, die keine Grenzen kennen, dazu zwingen, ist heute von den meisten anerkannt. Doch nach welchen Grundsätzen und Prioritäten soll dies geschehen? – Bereits bei der Kernenergie scheiden sich die Geister: Ist sie technisch und organisatorisch mit all ihren Folgen beherrschbar und handhabbar oder hätte man sich wegen ihres grossen und langfristigen Risikos vernünftigerweise nicht auf sie einlassen lassen sollen? ... verblüffend, eine wie klare Anleitung zum Handeln bereits vor einiger Zeit der Philosoph Hans Jonas in seinem Buch „Prinzip Verantwortung“ (1979 !) gegeben hat?
Vom "Gott der Philosophen"
JONAS schnipsel 226 PLATON
Der platonische Eros, auf Ewigkeit und nicht auf Zeitlichkeit ausgerichtet, ist für seinen Gegenstand nicht verantwortlich. Das in ihm Angestrebte ist ein überlegenes Was, das nicht „wird“, sondern „ist“. Ein solches aber, dem die Zeit nichts anhaben kann, dem nichts widerfährt, kann nicht Gegenstand von Verantwortung sein. ...(225: (es) kann das Eigentliche, worauf der Mensch hinzustreben hat, gar nicht in der >>Horizontale<<, im Fortgang des Zeitlichen, sondern muss in der >>Vertikale<<, im Ewigen gesehen werden.)...
Verantwortlich kann frau/man nur für Veränderliches sein, für das von Verderbnis und Verfall Bedrohte S. 226 in: PV (prinzip verantwortung)
philosophische kritik
JONAS schnipsel 227f KANT
die Achse der Annäherung ist von der Vertikalen zur Horizontalen heruntergeklappt … das angestrebte Ziel liegt in der Zeitreihe … hier wird also dem äußeren Geschichtsverlauf anvertraut oder zugemutet, was im platonischen Schema dem inneren Aufstieg des Individuums aufgegeben war … (aber) die Zeit … gehört (bei Kant) nur zur phänomenalen Welt … und von deren Kausalität ist nicht zu erwarten, dass sie die im >>höchsten Gut<< geforderte Koinzidenz von Glückseeligkeit und sittlicher Würdigkeit dazu … als Allgemeinzustand herbeiführt … die Säkularisierung ist hier noch halbherzig S. 227 in: PV (prinzip verantwortung)
diesseitig Philosophieren
JONAS schnipsel 228 HEGEL
Erst Hegel tat den Schritt zur radikalen Immanentisierung. Die regulative Idee wird über die Köpfe der Wollenden und Handelnden hinweg konstitutiv und die Zeit, keineswegs bloße Erscheinung, zum echten Medium ihrer Verwirklichung, die durch die Selbstbewegung der Idee geschieht. Die >>List der Vernunft<< waltet nicht von außen, sondern durch die Geschichtsdynamik selbst
S. 228 in: PV (prinzip verantwortung)
JONAS schnipsel 228f MARX
bei Marx dann: das berühmte vom Kopf auf die Füße Stellen der Hegelschen Dynamik(1873 : siehe Marx-Engels-Werke 23, S. 27) und damit die Einschaltung bewussten Handelns ... beim revolutionären Schub. Die List der Vernunft fällt endlich mit dem Wollen der Akteure zusammen... Und obzwar die jetzt ihr Mandat sehend übernehmenden Akteure der Revolution nicht die Richtung des Prozesses bestimmen, so können sie doch Hebammendienste leisten. Hier zum ersten Mal wird Verantwortung für die geschichtliche Zukunft … auf die ethische Landkarte gesetzt und schon deshalb muss der Marxismus immer wieder zum Gesprächspartner in der Bemühung um eine Ethik geschichtlicher Verantwortung werden
JONAS schnipsel 7 JONAS
dies nenne ich >Heuristik der Furcht< : Erst die vorausgesehene Verzerrung des Menschen verhilft uns zu dem davor zu bewahrenden Begriff des Menschen. Wir wissen erst, was auf dem Spiel steht, wenn wir wissen, dass es auf dem Spiel steht.
JONAS schnipsel 8 JONAS
Da es … nicht nur um das Menschenlos, sondern auch um das Menschenbild geht, … so muss die Ethik … über die … Klugheit hinaus eine solche der Ehrfurcht sein.“ pv 8 Damit werden Kants Unterscheidungen von Verstand (Klugheit) und Vernunft und insbesondere Bezüge zur „3. Kritik“ aktiviert.
Chris MW regt an: Du solltest noch genauer auf den Gegensatz zw überlieferten Moraltheorien, die auf Liebe und Ehrfurcht basieren und der von Jonas geforderten neuen, der Ethik der Verantwortung eingehen und hervorheben, dass diese auf der Macht (Wissen) beruht, die die Verknüpfung von Wollen und Sollen ist ; meiner Meinung nach kennzeichnet das besonders gut Jonas Forderung nach einer neuen Ethik, eben 'Prinzip Verantwortung'. STIMMT
menschliches Können / Selbstkontrolle
JONAS Schnipsel 9 pv 232 f
Nur beim Menschen ist die Macht durch Wissen und Willkür vom Ganzen emanzipiert und kann dem Ganzen (und damit auch sich selbst) verhängnisvoll werden. Menschliches Können ist unser Schicksal und wird immer mehr zum allgemeinen Geschick. Darum erhebt sich bei uns Menschen aus dem Wollen das Sollen als Selbstkontrolle unserer bewusst eingesetzten Macht... Das erste Gebot: nicht das Erreichte ... durch die Art seiner Nutzung zu verderben ! … Das also, was Wollen und Sollen überhaupt verknüpft, die MACHT , ist ebendasselbe, was Verantwortung ins Zentrum der Moral rückt.
Fortschritte in der Vermeidung menschlichen Unglücks -
Aufklärung zum Glück ?
HAMPE 2009: p.83f
… eine nackte Tatsache, an die heute nur noch wenige Philosophen glauben wollen, es sei denn, sie haben sie selbst im Bauch und der Schmerz zwingt sie, sie als gegeben hinzunehmen und dadurch unglücklich zu werden … erkenne ich (die Tatsache) an, so kann ich beginnen, etwas (da)gegen zu unternehmen... Denn ich will nicht unglücklich sein. Was ich dagegen tun kann, hängt von (menschlicher) Macht ab... Die Fähigkeit zu erwerben, die Dinge so zu sehen, wie sie sind, um dann die Macht aufzubauen, sie so zu verändern, wie wir sie haben wollen, ist das Problem, das zu lösen ist, wenn man Fortschritte in der Vermeidung des Unglücks machen will. Das sind die zwei Schritte auf dem naturwissenschaftlich-technischen Weg der Aufklärung zum Glück.
Dass wir vor der grossen Herausforderung stehen, im Weltmassstab Verantwortung zu übernehmen, da uns die ökologischen Probleme, die keine Grenzen kennen, dazu zwingen, ist heute von den meisten anerkannt. Doch nach welchen Grundsätzen und Prioritäten soll dies geschehen? – Bereits bei der Kernenergie scheiden sich die Geister: Ist sie technisch und organisatorisch mit all ihren Folgen beherrschbar und handhabbar oder hätte man sich wegen ihres grossen und langfristigen Risikos vernünftigerweise nicht auf sie einlassen lassen sollen? ... verblüffend, eine wie klare Anleitung zum Handeln bereits vor einiger Zeit der Philosoph Hans Jonas in seinem Buch „Prinzip Verantwortung“ (1979 !) gegeben hat?
Vom "Gott der Philosophen"
JONAS schnipsel 226 PLATON
Der platonische Eros, auf Ewigkeit und nicht auf Zeitlichkeit ausgerichtet, ist für seinen Gegenstand nicht verantwortlich. Das in ihm Angestrebte ist ein überlegenes Was, das nicht „wird“, sondern „ist“. Ein solches aber, dem die Zeit nichts anhaben kann, dem nichts widerfährt, kann nicht Gegenstand von Verantwortung sein. ...(225: (es) kann das Eigentliche, worauf der Mensch hinzustreben hat, gar nicht in der >>Horizontale<<, im Fortgang des Zeitlichen, sondern muss in der >>Vertikale<<, im Ewigen gesehen werden.)...
Verantwortlich kann frau/man nur für Veränderliches sein, für das von Verderbnis und Verfall Bedrohte S. 226 in: PV (prinzip verantwortung)
philosophische kritik
JONAS schnipsel 227f KANT
die Achse der Annäherung ist von der Vertikalen zur Horizontalen heruntergeklappt … das angestrebte Ziel liegt in der Zeitreihe … hier wird also dem äußeren Geschichtsverlauf anvertraut oder zugemutet, was im platonischen Schema dem inneren Aufstieg des Individuums aufgegeben war … (aber) die Zeit … gehört (bei Kant) nur zur phänomenalen Welt … und von deren Kausalität ist nicht zu erwarten, dass sie die im >>höchsten Gut<< geforderte Koinzidenz von Glückseeligkeit und sittlicher Würdigkeit dazu … als Allgemeinzustand herbeiführt … die Säkularisierung ist hier noch halbherzig S. 227 in: PV (prinzip verantwortung)
diesseitig Philosophieren
JONAS schnipsel 228 HEGEL
Erst Hegel tat den Schritt zur radikalen Immanentisierung. Die regulative Idee wird über die Köpfe der Wollenden und Handelnden hinweg konstitutiv und die Zeit, keineswegs bloße Erscheinung, zum echten Medium ihrer Verwirklichung, die durch die Selbstbewegung der Idee geschieht. Die >>List der Vernunft<< waltet nicht von außen, sondern durch die Geschichtsdynamik selbst
S. 228 in: PV (prinzip verantwortung)
JONAS schnipsel 228f MARX
bei Marx dann: das berühmte vom Kopf auf die Füße Stellen der Hegelschen Dynamik(1873 : siehe Marx-Engels-Werke 23, S. 27) und damit die Einschaltung bewussten Handelns ... beim revolutionären Schub. Die List der Vernunft fällt endlich mit dem Wollen der Akteure zusammen... Und obzwar die jetzt ihr Mandat sehend übernehmenden Akteure der Revolution nicht die Richtung des Prozesses bestimmen, so können sie doch Hebammendienste leisten. Hier zum ersten Mal wird Verantwortung für die geschichtliche Zukunft … auf die ethische Landkarte gesetzt und schon deshalb muss der Marxismus immer wieder zum Gesprächspartner in der Bemühung um eine Ethik geschichtlicher Verantwortung werden
JONAS schnipsel 7 JONAS
dies nenne ich >Heuristik der Furcht< : Erst die vorausgesehene Verzerrung des Menschen verhilft uns zu dem davor zu bewahrenden Begriff des Menschen. Wir wissen erst, was auf dem Spiel steht, wenn wir wissen, dass es auf dem Spiel steht.
JONAS schnipsel 8 JONAS
Da es … nicht nur um das Menschenlos, sondern auch um das Menschenbild geht, … so muss die Ethik … über die … Klugheit hinaus eine solche der Ehrfurcht sein.“ pv 8 Damit werden Kants Unterscheidungen von Verstand (Klugheit) und Vernunft und insbesondere Bezüge zur „3. Kritik“ aktiviert.
Chris MW regt an: Du solltest noch genauer auf den Gegensatz zw überlieferten Moraltheorien, die auf Liebe und Ehrfurcht basieren und der von Jonas geforderten neuen, der Ethik der Verantwortung eingehen und hervorheben, dass diese auf der Macht (Wissen) beruht, die die Verknüpfung von Wollen und Sollen ist ; meiner Meinung nach kennzeichnet das besonders gut Jonas Forderung nach einer neuen Ethik, eben 'Prinzip Verantwortung'. STIMMT
menschliches Können / Selbstkontrolle
JONAS Schnipsel 9 pv 232 f
Nur beim Menschen ist die Macht durch Wissen und Willkür vom Ganzen emanzipiert und kann dem Ganzen (und damit auch sich selbst) verhängnisvoll werden. Menschliches Können ist unser Schicksal und wird immer mehr zum allgemeinen Geschick. Darum erhebt sich bei uns Menschen aus dem Wollen das Sollen als Selbstkontrolle unserer bewusst eingesetzten Macht... Das erste Gebot: nicht das Erreichte ... durch die Art seiner Nutzung zu verderben ! … Das also, was Wollen und Sollen überhaupt verknüpft, die MACHT , ist ebendasselbe, was Verantwortung ins Zentrum der Moral rückt.
Fortschritte in der Vermeidung menschlichen Unglücks -
Aufklärung zum Glück ?
HAMPE 2009: p.83f
… eine nackte Tatsache, an die heute nur noch wenige Philosophen glauben wollen, es sei denn, sie haben sie selbst im Bauch und der Schmerz zwingt sie, sie als gegeben hinzunehmen und dadurch unglücklich zu werden … erkenne ich (die Tatsache) an, so kann ich beginnen, etwas (da)gegen zu unternehmen... Denn ich will nicht unglücklich sein. Was ich dagegen tun kann, hängt von (menschlicher) Macht ab... Die Fähigkeit zu erwerben, die Dinge so zu sehen, wie sie sind, um dann die Macht aufzubauen, sie so zu verändern, wie wir sie haben wollen, ist das Problem, das zu lösen ist, wenn man Fortschritte in der Vermeidung des Unglücks machen will. Das sind die zwei Schritte auf dem naturwissenschaftlich-technischen Weg der Aufklärung zum Glück.
Labels:
Café Philo,
Detlef Staude,
Hampe,
Hans Jonas,
Hegel,
Kant,
Marx,
Michael Hampe,
Platon,
Schloss Bümpliz
Donnerstag, November 10, 2011
vor dem Sommersemester

Literarisch Philosophieren: Michael HAMPE
(philosophy in literary form)
10.-14.4.2012 kompakt V.M. Roth
Seit 2003 lehrt Michael Hampe an der ETH in Zürich. 2009 erscheinen „Meditationen über das Glück“ (Das vollkommene Leben). Behandelt wird die Preisfrage einer fiktiven Akademie aus 4 Perspektiven.
2011 erscheint „Das Ende der Natur“ (TUNGUSKA)
Teil I: DIE FÜNF ELEMENTE. Ein Totengespräch (als Einleitung). Es folgen vier Gespräche überschrieben mit (den 4 Aristotelischen "Elementen") WASSER ERDE FEUER LUFT und ein abschließendes Kapitel zur Fünften Essenz (QUINTA ESSENTIA)- Zeit. Was in Platons Dialogen Sokrates, ist hier Feierabent. Zur Auflösung siehe S. 310
Dem folgt Teil II: "Ein naturphilosophischer Versuch": GETEILTE NATÜRLICHKEITEN, als Hampes Nachwort in undialogischer Form, also der uns geläufigen akademischen Schreibe - ebenfalls spannend argumentierend.
Beide Texte sind Beispiele einer über „den akademischen Bereich“ hinausweisenden philosophischen Praxis. Experimentiert wird mit 2 Formen der Wiederaufnahme älterer dialogisch-polyphoner Formen in der praktischen und theoretischen Philosophie. Frühzeitige Anmeldung empfohlen ! Universität Konstanz: mike.roth(add)uni-konstanz.de
Labels:
2012,
Egon Hein,
Glück,
Hampe,
Natur,
Roth Philosophie,
Uni Konstanz
Mittwoch, November 09, 2011
HAMPE- Projekt in der SinnPraxis

2009 erschien Das vollkommene Leben. Meditationen über Glück (- und Tod).
2011 ist TUNGUSKA oder Das Ende der Natur erschienen, beginnend mit:
DIE FÜNF ELEMENTE. Ein Totengespräch (als Einleitung). Es folgen vier Gespräche überschrieben mit (den Aristotelischen "Elementen")
WASSER ERDE FEUER LUFT und ein abschließendes Kapitel zur Fünften Essenz (QUINTA ESSENTIA)- Zeit. Dem folgt noch "Ein naturphilosophischer Versuch: GETEILTE NATÜRLICHKEITEN", als Nachwort in undialogischer Form, also der uns geläufigen akademischen Schreibe - ebenfalls spannend argumentierend.
In einer ersten Sitzung haben wir uns den Aufbau von HAMPE 09 klargemacht und sind auf
Berührungen der Fiktion und der Biografie eingegangen.
Labels:
Du (mußt dein leben ändern),
Glück,
Hampe,
Heidegger,
Karl Dülli60,
Leben,
Natur,
Naturphilosophie,
SinnPraxis2011,
Technik,
Tod
Samstag, November 05, 2011
Methoden Philosophischer Praxis
http://streaming.uni-konstanz.de/talks-events/philosophische-praxis/
Eine philosophische Praxis
Vortragende
PD Dr. V.M. Roth
Dr. Florian Huber
Detlef Staude
Dr. Anette Fintz
Martina Bernasconi
WAS IST eine PHILOSOPHISCHE PRAXIS ?
Am 9.4.2011 stellten 2 Philosophinnen und 2 Philosophen ihre Philosophische Praxis vor und das, was dort geschieht – mit Methode? Moderation: PD Dr. Roth, Fachbereich Philosophie / Siehe auch: www.philopraxis.ch
Eine philosophische Praxis
Vortragende
PD Dr. V.M. Roth
Dr. Florian Huber
Detlef Staude
Dr. Anette Fintz
Martina Bernasconi
WAS IST eine PHILOSOPHISCHE PRAXIS ?
Am 9.4.2011 stellten 2 Philosophinnen und 2 Philosophen ihre Philosophische Praxis vor und das, was dort geschieht – mit Methode? Moderation: PD Dr. Roth, Fachbereich Philosophie / Siehe auch: www.philopraxis.ch
Lebendiges Philosophieren
Mein Lieblingsdozent ist allerdings Mike Roth. Seine Seminare verknüpfen gerne Themen aus dem Bereich (z.B. Aphasie) mit Philosophie und ihm kommt es vor allem darauf an, daß man selber denkt. Mit Nachplappern aus einem Lehrbuch kommt man nicht weit, er weiß immer noch eine Frage, an die man nicht gedacht hätte. Und wenn das Wetter schön ist, dann zieht der Kurs auch schon mal mit Stühlen aufs Flachdach um. Da sein Seminar immer gegen Abend stattfindet (Mike verdient seine Brötchen ansonsten als Sprachtherapeut in einer Klinik) finden sich meist nur so sechs Leute ein, einige kennen sich schon länger und die Atmosphäre ist entspannt bis familiär. Streber und Schleimer bleiben gewöhnlich auch rasch wieder weg, weil bei Mike einfach nur eigenes Denken zählt. So ist man nach den eineinhalb Stunden zwar oft geschlaucht , weil jeder gelesene Satz hinterfragt werden muß und jeder gesprochene nicht minder, aber man hat immer das Gefühl, etwas Neues verstanden zu haben.
(Ich besuchte bei Mike übrigens mehr Seminare, als ich Scheine gebraucht habe...)
Als Prüfer habe ich ihn als überaus fair erlebt, gerade von einem Nebefächler erwartet er nicht mehr, als mit vernünftigem Aufwand zu erreichen ist. So konnte ich eines meiner Referatthemen auch als Prüfungsthema wählen. Mittelstraß erlebte ich ebenfalls als sehr angenehmen Prüfer, das Thema war recht ueng mgrenzt und ich bekam auch gleich die passenden Literturtips. Beide fragten nichts Unerwartetes (nur ein kleines bißchen über den exakten Tellerrand hinaus, sozusagen als "Einserfrage"), so daß es als Nachbarfachprüfung wirklich gut zu machen war.
http://www.ciao.de/Philosophie_Uni_Konstanz__Test_1092722
(Ich besuchte bei Mike übrigens mehr Seminare, als ich Scheine gebraucht habe...)
Als Prüfer habe ich ihn als überaus fair erlebt, gerade von einem Nebefächler erwartet er nicht mehr, als mit vernünftigem Aufwand zu erreichen ist. So konnte ich eines meiner Referatthemen auch als Prüfungsthema wählen. Mittelstraß erlebte ich ebenfalls als sehr angenehmen Prüfer, das Thema war recht ueng mgrenzt und ich bekam auch gleich die passenden Literturtips. Beide fragten nichts Unerwartetes (nur ein kleines bißchen über den exakten Tellerrand hinaus, sozusagen als "Einserfrage"), so daß es als Nachbarfachprüfung wirklich gut zu machen war.
http://www.ciao.de/Philosophie_Uni_Konstanz__Test_1092722
Labels:
eigenes Denken,
Jürgen Mittelstraß,
Mike Roth
Dienstag, Oktober 25, 2011
DreiART Radolfzell / Bodensee
Labels:
DreiART,
Kunsten+Philosophieren,
LindenPult,
MiR,
Radolfzell/Bodensee,
Sloterdijk
Donnerstag, Oktober 20, 2011
meernah

Freundschaft mit Neil Horne (www.dotatelier.net) und gemeinsames „Kunsten“ meernah.
Rezeption indigener Ritzzeichnungen, hier eine kreative Umsetzung von Neil Horne.
Labels:
Neil Horne MikeRoth,
Ritzzeichnungen
O R P H E U S
SOMMER 2011Zum Schluss noch eine Geschichte:
Der kleine und der große Orpheus
Zweierlei Glück
In alter Zeit, lebten in einer kleinen Stadt zwei Sänger namens Orpheus. Der eine von den beiden war der große. Er hatte die Kithara erfunden, eine Vorform der Gitarre, und wenn er in die Saiten griff und sang, war die Natur um ihn verzaubert. Wilde Tiere lagen zahm zu seinen Füßen, hohe Bäume bogen sich ihm zu: nichts konnte seinen Liedern widerstehen. Weil er so groß war, warb er um die schönste Frau. Danach begann der Abstieg. Während er noch Hochzeit hielt, starb die schöne Eurydike, und der volle Becher, noch während er ihn hob, zerbrach. Doch für den großen Orpheus war der Tod noch nicht das Ende. Mit Hilfe seiner hohen Kunst, fand er den Eingang in die Unterwelt, stieg hinab ins Reich der Schatten, setzte über den Strom des Vergessens, kam vorbei am Höllenhund, trat lebend vor den Thron des Totengottes und rührte ihn mit seinem Lied.
Der Tod gab Eurydike frei - doch unter einer Bedingung, und Orpheus war so glücklich, dass ihm die Häme hinter dieser Gunst entging. Er machte sich auf den Weg zurück und hörte hinter sich die Schritte der geliebten Frau. Sie kamen heil am Höllenhund vorbei, setzten über den Strom des Vergessens, begannen den Aufstieg zum Licht, sahen es von ferne. Da hörte Orpheus einen Schrei - Eurydike war gestolpert - erschrocken drehte er sich um, sah noch die Schatten fallen in die Nacht und war allein. Und fassungslos vor Schmerz sang er das Abschiedslied: "Ach, ich habe sie verloren, all mein Glück ist nun dahin!" Er selber fand ans Licht zurück, doch das Leben war ihm bei den Toten fremd geworden. Als betrunkene Frauen, ihn zum Fest des neuen Weines führen wollten, weigerte er sich, und sie zerrissen ihn bei lebendigem Leibe. So groß war sein Unglück, so vergeblich seine Kunst.
Aber: alle Welt kennt ihn!
Der andere Orpheus war der Kleine. Er war nur ein Bänkelsänger, trat bei kleinen
Festen auf, spielte für die kleinen Leute, machte eine kleine Freude und hatte
selber Spaß dabei. Da er von seiner Kunst nicht leben konnte, lernte er noch einen
anderen, gewöhnlichen Beruf, heiratete eine gewöhnliche Frau, hatte gewöhnliche
Kinder, sündigte gelegentlich, war ganz gewöhnlich glücklich und starb alt und
lebenssatt.
Aber: niemand kennt ihn...
Der kleine und der große Orpheus
Zweierlei Glück
In alter Zeit, lebten in einer kleinen Stadt zwei Sänger namens Orpheus. Der eine von den beiden war der große. Er hatte die Kithara erfunden, eine Vorform der Gitarre, und wenn er in die Saiten griff und sang, war die Natur um ihn verzaubert. Wilde Tiere lagen zahm zu seinen Füßen, hohe Bäume bogen sich ihm zu: nichts konnte seinen Liedern widerstehen. Weil er so groß war, warb er um die schönste Frau. Danach begann der Abstieg. Während er noch Hochzeit hielt, starb die schöne Eurydike, und der volle Becher, noch während er ihn hob, zerbrach. Doch für den großen Orpheus war der Tod noch nicht das Ende. Mit Hilfe seiner hohen Kunst, fand er den Eingang in die Unterwelt, stieg hinab ins Reich der Schatten, setzte über den Strom des Vergessens, kam vorbei am Höllenhund, trat lebend vor den Thron des Totengottes und rührte ihn mit seinem Lied.
Der Tod gab Eurydike frei - doch unter einer Bedingung, und Orpheus war so glücklich, dass ihm die Häme hinter dieser Gunst entging. Er machte sich auf den Weg zurück und hörte hinter sich die Schritte der geliebten Frau. Sie kamen heil am Höllenhund vorbei, setzten über den Strom des Vergessens, begannen den Aufstieg zum Licht, sahen es von ferne. Da hörte Orpheus einen Schrei - Eurydike war gestolpert - erschrocken drehte er sich um, sah noch die Schatten fallen in die Nacht und war allein. Und fassungslos vor Schmerz sang er das Abschiedslied: "Ach, ich habe sie verloren, all mein Glück ist nun dahin!" Er selber fand ans Licht zurück, doch das Leben war ihm bei den Toten fremd geworden. Als betrunkene Frauen, ihn zum Fest des neuen Weines führen wollten, weigerte er sich, und sie zerrissen ihn bei lebendigem Leibe. So groß war sein Unglück, so vergeblich seine Kunst.
Aber: alle Welt kennt ihn!
Der andere Orpheus war der Kleine. Er war nur ein Bänkelsänger, trat bei kleinen
Festen auf, spielte für die kleinen Leute, machte eine kleine Freude und hatte
selber Spaß dabei. Da er von seiner Kunst nicht leben konnte, lernte er noch einen
anderen, gewöhnlichen Beruf, heiratete eine gewöhnliche Frau, hatte gewöhnliche
Kinder, sündigte gelegentlich, war ganz gewöhnlich glücklich und starb alt und
lebenssatt.
Aber: niemand kennt ihn...
Labels:
Glück,
Leben im Verborgenen,
lebenssatt,
Orpheus,
Tod
Hegel - Marx - Jonas
JONAS schnipsel 228 HEGEL
Erst Hegel tat den Schritt zur radikalen Immanentisierung. Die regulative Idee wird über die Köpfe der Wollenden und Handelnden hinweg konstitutiv und die Zeit, keineswegs bloße Erscheinung, zum echten Medium ihrer Verwirklichung, die durch die Selbstbewegung der Idee geschieht. Die >>List der Vernunft<< waltet nicht von außen, sondern durch die Geschichtsdynamik selbst
S. 228 in: PV (prinzip verantwortung)
JONAS schnipsel 228f MARX
bei Marx dann: das berühmte vom Kopf auf die Füße Stellen der Hegelschen Dynamik(1873 : siehe Marx-Engels-Werke 23, S. 27) und damit die Einschaltung bewussten Handelns ... beim revolutionären Schub. Die List der Vernunft fällt endlich mit dem Wollen der Akteure zusammen... Und obzwar die jetzt ihr Mandat sehend übernehmenden Akteure der Revolution nicht die Richtung des Prozesses bestimmen, so können sie doch Hebammendienste leisten. Hier zum ersten Mal wird Verantwortung für die geschichtliche Zukunft … auf die ethische Landkarte gesetzt und schon deshalb muss der Marxismus immer wieder zum Gesprächspartner in der Bemühung um eine Ethik geschichtlicher Verantwortung werden
JONAS schnipsel 7 JONAS
dies nenne ich >Heuristik der Furcht< : Erst die vorausgesehene Verzerrung des Menschen verhilft uns zu dem davor zu bewahrenden Begriff des Menschen. Wir wissen erst, was auf dem Spiel steht, wenn wir wissen, dass es auf dem Spiel steht.
JONAS schnipsel 8 JONAS
Da es … nicht nur um das Menschenlos, sondern auch um das Menschenbild geht, … so muss die Ethik … über die … Klugheit hinaus eine solche der Ehrfurcht sein.“ pv 8 Damit werden Kants Unterscheidungen von Verstand (Klugheit) und Vernunft und insbesondere Bezüge zur „3. Kritik“ aktiviert.
Erst Hegel tat den Schritt zur radikalen Immanentisierung. Die regulative Idee wird über die Köpfe der Wollenden und Handelnden hinweg konstitutiv und die Zeit, keineswegs bloße Erscheinung, zum echten Medium ihrer Verwirklichung, die durch die Selbstbewegung der Idee geschieht. Die >>List der Vernunft<< waltet nicht von außen, sondern durch die Geschichtsdynamik selbst
S. 228 in: PV (prinzip verantwortung)
JONAS schnipsel 228f MARX
bei Marx dann: das berühmte vom Kopf auf die Füße Stellen der Hegelschen Dynamik(1873 : siehe Marx-Engels-Werke 23, S. 27) und damit die Einschaltung bewussten Handelns ... beim revolutionären Schub. Die List der Vernunft fällt endlich mit dem Wollen der Akteure zusammen... Und obzwar die jetzt ihr Mandat sehend übernehmenden Akteure der Revolution nicht die Richtung des Prozesses bestimmen, so können sie doch Hebammendienste leisten. Hier zum ersten Mal wird Verantwortung für die geschichtliche Zukunft … auf die ethische Landkarte gesetzt und schon deshalb muss der Marxismus immer wieder zum Gesprächspartner in der Bemühung um eine Ethik geschichtlicher Verantwortung werden
JONAS schnipsel 7 JONAS
dies nenne ich >Heuristik der Furcht< : Erst die vorausgesehene Verzerrung des Menschen verhilft uns zu dem davor zu bewahrenden Begriff des Menschen. Wir wissen erst, was auf dem Spiel steht, wenn wir wissen, dass es auf dem Spiel steht.
JONAS schnipsel 8 JONAS
Da es … nicht nur um das Menschenlos, sondern auch um das Menschenbild geht, … so muss die Ethik … über die … Klugheit hinaus eine solche der Ehrfurcht sein.“ pv 8 Damit werden Kants Unterscheidungen von Verstand (Klugheit) und Vernunft und insbesondere Bezüge zur „3. Kritik“ aktiviert.
Labels:
Geschichtsdynamik,
Hans Jonas,
Hegel,
Kant,
Marx
Samstag, Oktober 01, 2011
KURSPLAN energETHIK E 403 Uni KN
JONAS-SCHEER-RIPL 10. bis 14. OKT 2011 ab 9 Uhr
Hans Jonas, PRINZIP VERANTWORTUNG (Ffm 1979)
Bitte das ausführliche Inhaltsverzeichnis studieren, sich den Aufbau vor Augen führen und die ersten 3 Kapitel bis zum Seminarbeginn gelesen haben - Fragen notieren.
MO: Fragen ins Seminar einbringen. Das erste Referat (Lydia Wobst) setzt ein bei 3.III: DAS GEHEN und führt gestrafft bis 4.II: THEORIE DER VERANTWORTUNG
DI: Protokoll . Dann 4.VI: ZIEL DER DAUERHAFTIGKEIT … VII: SOLL IM IST (Christine Mok-Wendt)
MI: Protokoll. Dann 5. I: GEFÄHRDETE ZUKUNFT und II: Macht über die Macht?
(Meltem Meddur)
abweichend
DO: Treffen erst um 14.00 Uhr in E403 Protokoll, dann 6.II (Das Energieproblem A.2) >>Schon da<< des eigentlichen Menschen C.2 wegen einer Veranstaltung des Wissenschaftsforums ab 9 Uhr in V 1001 (Mittelstraß / Gabriel / Wohlrapp / Lorenz am Vormittag)
FR: Diskussion der notwendigen Schritte bis NICHTUTOPISCHE VERANTWORTUNG
Wir fangen vormittags um 9 jeweils mit Jonas an und beschäftigen uns in der am Nachmittag übrigen Zeit mit RIPL (kurze videos) und mit SCHEER: energETHISCHER Imperativ -
Fragen hierzu bitte sammeln zum Weiterleiten an:
spanknebel@t-online.de mit Stichwort: energethik
Björn Spanknebel wird am SAMSTAG 15.10. 2011 zu uns kommen und am Tag nach dem Jahrestag von Hermann Scheers Tod (2010) einen öffentlichen Vortrag halten.
Björn Spanknebel, Hans Jonas, Lydia Wobst, RIPL, Scheer
Hans Jonas, PRINZIP VERANTWORTUNG (Ffm 1979)
Bitte das ausführliche Inhaltsverzeichnis studieren, sich den Aufbau vor Augen führen und die ersten 3 Kapitel bis zum Seminarbeginn gelesen haben - Fragen notieren.
MO: Fragen ins Seminar einbringen. Das erste Referat (Lydia Wobst) setzt ein bei 3.III: DAS GEHEN und führt gestrafft bis 4.II: THEORIE DER VERANTWORTUNG
DI: Protokoll . Dann 4.VI: ZIEL DER DAUERHAFTIGKEIT … VII: SOLL IM IST (Christine Mok-Wendt)
MI: Protokoll. Dann 5. I: GEFÄHRDETE ZUKUNFT und II: Macht über die Macht?
(Meltem Meddur)
abweichend
DO: Treffen erst um 14.00 Uhr in E403 Protokoll, dann 6.II (Das Energieproblem A.2) >>Schon da<< des eigentlichen Menschen C.2 wegen einer Veranstaltung des Wissenschaftsforums ab 9 Uhr in V 1001 (Mittelstraß / Gabriel / Wohlrapp / Lorenz am Vormittag)
FR: Diskussion der notwendigen Schritte bis NICHTUTOPISCHE VERANTWORTUNG
Wir fangen vormittags um 9 jeweils mit Jonas an und beschäftigen uns in der am Nachmittag übrigen Zeit mit RIPL (kurze videos) und mit SCHEER: energETHISCHER Imperativ -
Fragen hierzu bitte sammeln zum Weiterleiten an:
spanknebel@t-online.de mit Stichwort: energethik
Björn Spanknebel wird am SAMSTAG 15.10. 2011 zu uns kommen und am Tag nach dem Jahrestag von Hermann Scheers Tod (2010) einen öffentlichen Vortrag halten.
Björn Spanknebel, Hans Jonas, Lydia Wobst, RIPL, Scheer
Labels:
Björn Spanknebel,
Christine Mok-Wendt,
Gabriel,
Hans Jonas,
Lorenz,
Lydia Wobst,
Meltem Meddur,
Mittelstraß,
RIPL,
Roth Philosophie,
Scheer,
Wohlrapp
Donnerstag, September 29, 2011
JONAS schnipsel 227f KANT
die Achse der Annäherung ist von der Vertikalen zur Horizontalen heruntergeklappt … das angestrebte Ziel liegt in der Zeitreihe … hier wird also dem äußeren Geschichtsverlauf anvertraut oder zugemutet, was im platonischen Schema dem inneren Aufstieg des Individuums aufgegeben war … (aber) die Zeit … gehört (bei Kant) nur zur phänomenalen Welt … und von deren Kausalität ist nicht zu erwarten, dass sie die im >>höchsten Gut<< geforderte Koinzidenz von Glückseeligkeit und sittlicher Würdigkeit dazu … als Allgemeinzustand herbeiführt … die Säkularisierung ist hier noch halbherzig
S. 227 in: PV (prinzip verantwortung)
S. 227 in: PV (prinzip verantwortung)
Labels:
Geschichtsverlauf,
Hans Jonas,
höchstes Gut,
Horizontale,
Kant,
phänomenale Welt,
Säkularisierung,
Vertikal,
Zeit
JONASMYTHOS

Wir sind JONAS und die WalWelt haelt uns verschluckt. Es ist wie in einem SpringBild. Sieht man den Wal in der Welt, ist der verschluckte Jonas wie aus der Welt genommen.
Mittwoch, September 28, 2011
JONAS schnipsel 226 PLATON
Der platonische Eros, auf Ewigkeit und nicht auf Zeitlichkeit ausgerichtet, ist für seinen Gegenstand nicht verantwortlich. Das in ihm Angestrebte ist ein überlegenes Was, das nicht „wird“, sondern „ist“. Ein solches aber, dem die Zeit nichts anhaben kann, dem nichts widerfährt, kann nicht Gegenstand von Verantwortung sein. ...(225: (es) kann das Eigentliche, worauf der Mensch hinzustreben hat, gar nicht in der >>Horizontale<<, im Fortgang des Zeitlichen, sondern muss in der >>Vertikale<<, im Ewigen gesehen werden.)...
Verantwortlich kann frau/man nur für Veränderliches sein, für das von Verderbnis und Verfall Bedrohte S. 226 in: PV (prinzip verantwortung)
Verantwortlich kann frau/man nur für Veränderliches sein, für das von Verderbnis und Verfall Bedrohte S. 226 in: PV (prinzip verantwortung)
Labels:
Hans Jonas,
Heidegger,
Horizontale,
Platon,
Vertikale,
Zeit
Montag, September 26, 2011
Tod und Leben HAMPELaliStimme 124f
"Von außen betrachtet hat die auf den Reichtum ausgerichtete Lebensform etwas Absurdes, weil in ihr die Zirkulation von etwas Totem, dem Geld, den Ablauf von etwas Lebendigem, den Existenzen der Menschen, zu bestimmen scheint." Das Literaturverzeichnis führt 298 einen Text von Marx über Geld, Kredit und Menschlichkeit an. "Es ist, als wären die Menschen in diesen Gesellschaften in eine Maschine geraten, die nichts mit dem Glück zu tun hat, der sie sich jedoch, damit sie am Laufen bleibt, in ihrer Bedürfnisentwicklung und ihrem ganzen Lebensrhythmus anpassen müssen." Und nicht nur die Menschen auch die sie umgebende Natur (zu der es ja keine scharfe Grenze gibt) wird angepasst: "Massenproduktion ... schädigt ... die natürlichen Lebensgrundlagen des menschlichen (aber nicht nur des menschlichen) Lebens." Die Menschen bringt dies "in eine unangenehme Konkurrenz nicht nur um natürliche Ressourcen wie Öl, Kohle, Gas ...", es entsteht auch die Furcht, dass es bald für sie selbst und ihre Nachkommen keine Lebensgrundlage auf der Erde mehr gibt."
Einen Hinweis auf Jonas enthält das Literaturverzeichnis nicht. Doch genau hier setzt das PRINZIP VERANTWORTUNG ein.
Einen Hinweis auf Jonas enthält das Literaturverzeichnis nicht. Doch genau hier setzt das PRINZIP VERANTWORTUNG ein.
Labels:
Erde,
Geld,
Hans Jonas,
Lalitha Dakini,
Lebensgrundlagen,
Michael Hampe,
Selbstverwertung des Werts,
Zirkulation
Mittwoch, September 21, 2011
Kunsten und Philosophieren HEUTE 21. SEPT 11
" Die Luft ist erst Umgebung und nach dem Einatmen Teil unseres Blutes... Es gibt keine scharfe Grenze zwischen dem Organismus und seiner Umwelt ... Ebenso wandelbar wie die ... Welt (sind)... Organismen und Subjekte. Genau in dieser Wandelbarkeit liegt der Schlüssel zum Glück... " Lalis Stimme in: Meditationen über Glück (und Lebensende) DAS VOLLKOMMENE LEBEN, M. Hampe, München 2009, 146
Sonntag, September 18, 2011
FISCH für KUNST 21.9. 19h RAThausA´bach

FISCH für KUNST
... kam 1969 an den See – in den Fachbereich Philosophie der Universität Konstanz. 1976 Visiting Lecturer an der University of Sydney. Freundschaft mit Neil Horne (www.dotatelier.net) und gemeinsames „Kunsten“ meernah. Rezeption indigener Ritzzeichnungen und der kreativen Umsetzung in Graphik von Neil Horne.
Seit einigen Jahren Kontakt als Philosoph zur 3ART-Galerie Radolfzell und Gemeinschaftsausstellungen „Aus Ton und Holz“ zusammen mit der Güttinger Keramikerin und Kunsttherapeutin Geru Müsch, Veranstaltungsreihe „Philosophierend Töpfern“. Siehe auch: www.feigenblaetter.blogspot.com . Volkbert M.Roth gibt im Hartung-Gorre Verlag Konstanz die Reihe PHILOSOPHISCHE PRAXIS heraus: "Im Kunsten wie im Philosophieren lässt sich erleben, dass wir nicht >festgestellte< Wesen sind. Dies ist notwendige Bedingung, soll die Rede von >Lebenskunst< Sinn machen. Die Übung des Kunstens führt vor die Sinne uns selbst als Kreative. Stets schon verbunden mit Natur und Kultur - kann Kunsten unseren Sinn erfüllen mit der Freude, uns nicht als festgelegt misszuverstehen." (Band I, 100).
Mike Roth ist Mitglied des Netzwerks philopraxis.ch, er verbindet gern Naturschweifen, Reisen, Kunsten und Gespräche in der SinnPraxis.
Hölzerne Skulpturen stehen im Güttinger Skulpturengarten (skulpturengarten@web.de) im Garten Allensbacher Seestr. 25 - und in der Reichenauer Merzengasse , integriert in einen ausladenden Feigenbaum, lehnt die HIMMELSLEITER.
„Mike Roth hat einen (lächelnden, phallischen) Fisch aus Holz geschnitten“ (Südkurier/Kopitzki) – der Nachbar Mundle hat gern geangelt und Fische geräuchert. Ein geräuchertes Unterseefelchen war meine Vorlage. Die kleine Skulptur hat ihren praktischen Einsatz auf einem Allensbacher Tisch als Untersetzer – für heiße Pilz- und Fisch-Pfannen.
Labels:
Geru Müsch,
Kunsten,
Marianne Hagemann,
Mike Roth,
Neil Horne MikeRoth,
NeilHorne,
Philosophische Praxis,
Siegmund Kopitzki,
Volkbert M. Roth
Freitag, September 16, 2011
Montag, September 12, 2011
unfished
phi leicht
Labels:
Café Philo,
Christine Mok-Wendt,
Mike Roth,
PHI
FISHING
Labels:
Allensbach,
Berlin,
FischKunst2011,
Johannes Dörflinger,
Marianne Hagemann,
Mike Roth,
Neil Horne
Sonntag, September 04, 2011
Verantwortlich Essen ?
Fünf Gründe, warum man besser Vegetarier wird
Streitthema Fleisch: Über kaum eine Angelegenheit wird in der Ernährung häufiger diskutiert. Gehören Steaks, Würstchen oder Kassler denn nun zu einem ausgewogenen Speiseplan dazu oder kann man auf Fleisch auch getrost verzichten? EAT SMARTER hat sich mit den Argumenten von Fleischfreunden und Vegetariern auseinander gesetzt und bildet die Diskussion ab. Lesen Sie im ersten Teil: Fünf Gründe, warum man besser Vegetarier werden sollte.
Darum ist Fleischverzicht gesünder
Vegetarische Ernährung ist einfach gesünder. Alle reden vom maßvollen Fleischkonsum, aber welcher Fleischesser hat wirklich nur ein bis zweimal pro Woche Schnitzel und Wurst auf dem Teller? Sich von Anfang an für vegetarische Ernährung zu entscheiden, ist konsequenter. Zu viel Fleisch erhöht laut einer Studie der Harvard School of Public Health das Risiko für Diabetes und Herzkrankheiten. Wer Schinken, Salami und Rindersteaks reichlich zuspricht, erhöht sein Darmkrebsrisiko um rund ein Drittel. Und wer als Vegetarier auch Milchprodukte und (Bio-)Eier zu sich nimmt und nicht vegan isst, hat auch keine Probleme mit der Versorgung mit dem Vitamin B 12.
Tierhaltung belastet die Umwelt
Vegetarisch essen schont die Umwelt. Durch die expandierende Fleischindustrie werden immer mehr Ressourcen der Erde im Rekordtempo aufgebraucht. Für die Herstellung von Fleisch, Eiern und Milchprodukten werden laut Worldwatch Institute mindestens 32,6 Milliarden Tonnen Kohlendioxid pro Jahr ausgestoßen. Das ist über die Hälfte der weltweiten Ausstöße an klimaschädlichen Treibhausgasen. Laut der Tierschutzorganisation Peta fließen rund 70 Prozent der erschlossenen Wasserressourcen der Welt in die Landwirtschaft. Das meiste Wasser wird dabei für die Fleischproduktion verbraucht.
SO ODER SO UNGEFÄHR ... eat smarter?
Donnerstag, September 01, 2011
Abonnieren
Posts (Atom)







