Donnerstag, Februar 24, 2011





Bern- Schloss Buempliz 4.Juno 14 Uhr Oberes Turmzimmer

PD Dr.V. M. Roth
BRAUCHEN SIE EIN AFFEKTEFON ?
Nachdenkliche Traeume der Vernunft zur Minderung des Leidens 1

Wir alle kennen am Leib getragene Telephone. Sie haben sich erst vor einigen Jahren bei uns fast allgemein verbreitet. Der bisherige Platz der Armbanduhr ist dadurch frei geworden. Hier koennte kuenftig ein neuer kleiner Apparat befestigt sein. Er dient nicht dem Kontakt mit entfernteren Gespraechsteilnehmern, sondern mit dem eigenen "Inneren", mit unseren sich durch Hirnaktivitaet aufbauenden Gefuehlen und das Affektophon am Handgelnk soll biofeedback ermoeglichen., sozusagen durch einen Anruf "bei uns selbst". Wir streben nach einem gluecklichen, "guten" Leben.
Das Affektephon soll helfen, selbstbewirktes Unglueck abzuwenden. Text: Michael Hampe (2009),
Das vollkommene Leben. Ich behandele die erste Meditation ueber Tod und Glueck, S. 43 ff (104 Affektoskop) In meiner Einfuehrung beleuchte ich das Gedankenexperiment. Lektuere des Texts ist nicht Voraussetzung fuer die Teilnahme.

Freitag, Februar 11, 2011

"Suche nach Sinn" Berner PhiloCafé

12. 2.2011 14-16°° Schloss Bümpliz Turm
"Nichts was im Leben wichtig ist" - Auf der Suche nach Sinn
Was ist wichtig in unserem Leben? Ist überhaupt etwas wichtig? Ist es sinnvoll, „Gutes“ zu tun oder sich zu befreien und verantwortlich zu handeln? Und was bleibt nach der grossen Befreiung? ‒ Die Frage nach dem Sinn im Leben ist so alt wie die menschliche Selbstbesinnung, doch nur selten wurde sie so radikal und aktuell gestellt wie im Roman von Janne Teller Nichts was im Leben wichtig ist. Er wird im literarisch-philosophischen Café kurz vorgestellt. Anschliessend erklimmen wir in der Diskussion gemeinsam den „Berg der Bedeutung“.
Einführung und Moderation: Detlef Staude (philocom Philosophische Praxis)

Der Eintritt beträgt 20 Franken.

Dienstag, November 16, 2010

Bern. Altes Schloss Bümpliz

Im Philosophischen Café im Alten Schloss diskutieren wir zentrale Fragen, die unser Leben und Handeln betreffen. Alle Sucher, Frager und Zweiflerinnen sind herzlich willkommen!


„Glück?“ – „Arbeit!“ - Wie werde ich glücklich?
Samstag den 4. Dezember 2010 14°° - 16°°
Die zu diskutierenden Themen sind altehrwürdig & stets aktuell. Wer möchte nicht glücklich sein? Von was hängt Glück ab? Gibt es dauerhaftes Glück? Wilhelm Schmid will in seinem beliebten Büchlein „Glück“ uns zeigen, „...warum es nicht das Wichtigste ist“ - Wie ist denn das zu verstehen? Ist Arbeit wichtiger als Glück? Macht Arbeit glücklich?
Im Büchlein „Die Liebe neu erfinden. Von der Lebenskunst im Umgang mit Anderen“ stellt Wilhelm Schmid Überlegungen zur Arbeit an, die zur Klärung herangezogen werden.
Einführung und Moderation: PD Dr. Volkbert M. Roth
(Uni Konstanz)


„Die Hölle, das sind die anderen!“ – Wie erkenne ich mich selbst?
Samstag, 29. Januar 2011 14°° - 16°°
Kann ich mich selbst erkennen? Benötige ich einen Spiegel? Welche Menschen können zu unserer „Hölle“ werden? Wieso fühlt der Mensch durch den Blick der Anderen sich nackt? Wer bin ich überhaupt? Einer, Viele oder Nichts?
Diese und weiterreichende Fragen werden diskutiert. Wir werden gemeinsam die daraus und aus unseren Gedanken dazu sich ergebenden Fragen besprechen und beleuchten.
Mögliche Lektüre zum Thema: „Geschlossene Gesellschaft“ von Jean-Paul Sartre.
Einführung und Moderation: Susanna Mani (Germanistik- und Geschichtsstudentin, Uni Fribourg)


„Nichts was im Leben wichtig ist“ – Auf der Suche nach Sinn
Samstag, 12.2.2011 14-16°° Uhr.
Was ist wichtig in unserem Leben? Ist überhaupt etwas wichtig? Ist der Sinn, „Gutes“ zu tun oder sich zu befreien und verantwortlich zu handeln? Und was bleibt nach der grossen Befreiung? ‒ Die Frage nach dem Sinn im Leben ist so alt wie die menschliche Selbstbesinnung, doch nur selten wurde sie so radikal und aktuell gestellt wie im Roman von Janne Teller Nichts was im Leben wichtig ist. Er wird im literarisch-philosophischen Café kurz vorgestellt. Anschliessend erklimmen wir in der Diskussion gemeinsam den „Berg der Bedeutung“.
Einführung und Moderation: Detlef Staude (philocom Philosophische Praxis)



Der Eintritt beträgt 20 Franken.
Organisiert vom Philosophenkomitee
Thomas Mastronardi, Detlef Staude und Mike Roth
Organisation: Susanna Mani, Tel: 079 265 11 53
Altes Schloss Bümpliz
Bümplizstrasse 89
3018 Bern
(5 Minuten von der S-Bahn Station Bümpliz Nord)

Die Lektüre der jeweiligen Bücher ist zwar nicht
notwendig, regt aber die Diskussion sicher an.

Sonntag, Oktober 17, 2010



In den Alpen fällt Schnee. Große Blätter segeln vom Feigenbaume. Ich packe die Langlaufski und es führen mich meine Wege SüdOst durch Schnee ans schäumende Mittelmeer.

Samstag, Oktober 16, 2010

café/vino philo 15. OKT



Unserer Gastgeberin: herzlichen Dank! Mögen wir öfter im Gespräch solche Fische uns fangen ... on how to conceive GOOD LIFE

Montag, September 27, 2010

MediVin



Lesefrucht in der Morgensonne
PLATON STATT PILLEN ?

Lou Marinoff, Sokrates´ Couch, patmos verlag düsseldorf 2000
(1999: Plato, not Prozac)

Sonntag, September 26, 2010



Siehe auch Café Philo Sartre
auf philopraxis-feigenblaetter.blogspot.com

Montag, August 09, 2010



O C E A N by Neil Horne 2010 / ZedernFigur MiR 2005
dotatelier

Spätsommer 2010



BauchBuchHalter für HM
Spätsommer 2010


--- weitere Vorschläge willkommen!
2009 erschien eine Textsammlung von Peter Sloterdijk mit diesem Titel- sie ist gut geeignet, um Fragen entstehen zu lassen... Über diese wollen wir ins alltagsphilosophische Gespräch kommen. Es geht hier also ums Philosophieren (und nicht um "akademische Philosophie").

BRSEC ist ein schön gelegener Ort
nicht weit von der Fähre nach CRES.
00385 51 290199 Biserka und Mario Butschitsch / Übernachtung "Philosophie"

Sonntag, August 08, 2010



Philosophische Reise 18. SEPTEMBER ff
www.philosophischeveranstaltungen.de/month.php?month=9&sid=dadd75543cb81b68558d934c4958670a&year=2010&

Baden, istrische Küche, Philosophieren
Ausgangstexte:
Peter Sloterdijk, Philosophische Temperamente, 2009
V.M.Roth (Hg.), Leben ändern? Wir üben, Konstanz 2010
(Stichworte und Verweise)
mail to: SinnPraxis@gmail.com

Montag, Juni 28, 2010

Philosophische Reise SEPTEMBER

www.philosophischeveranstaltungen.de/month.php?month=9&sid=dadd75543cb81b68558d934c4958670a&year=2010&

Baden, istrische Küche, Philosophieren
Ausgangstexte:
Peter Sloterdijk, Philosophische Temperamente, 2009
V.M.Roth (Hg.), Leben ändern? Wir üben, Konstanz 2010
(Stichworte und Verweise)
mail to: SinnPraxis@gmail.com

Mittwoch, Juni 09, 2010

Sloterdijks Jakob & die istrische MEDEA

Ein Café philo dazu findet statt in der ALTEN SCHMIEDE in Uettligen bei Bern.
20. Juni um 14 Uhr Im Anschluss an das Sommertreffen der philopraxis.ch
info@alte-schmiede.ch


alte-schmiede.ch

Die "Alte Schmiede" im Dorfkern von Üttligen (gegenüber Metzgerei Aeschlimann) erreichen Sie mit dem Postauto ab Bern-Schanzenpost in 12 Minuten oder mit dem Privatwagen ab Autobahnausfahrt Bern-Neufeld (Richtung Bremgarten/Meikirch) bzw. Bern-Bethlehem (Richtung Wohlen/Aarberg) in 5 Minuten. Zwei Parkplätze vor der Werkstatt, weitere Parkplätze auf dem Viehschauplatz. "VielGlück!" - und gutes Wetter!
(2 Plätze frei für die Fahrt zurück an den Bodensee)

Öffentlich Philosophierend

Egon hat gesagt...

Ich fand den GLÜCKsVortrag gut ...und passend zum Frühling! POINT OF RETURN :)

Besonders den Schluss fand ich scharfsinnig!.. - Vermutlich wird so manch eine/r nachdenklich hinaus auf den lauten Münsterplatz gegangen sein, von dem aus in jede Gangrichtung die Mailuft nachgeholfen haben wird, die Gedanken im Schlendern zu ordnen.

Dienstag, Mai 04, 2010

8 . Mai 14 Uhr Konstanzer Kulturzentrum






G L Ü C K

ein schillernder Begriff. Wovon ich singen und sagen will.
Eine Veranstaltung im Rahmen des Konstanzer Kulturfests
(gegenüber: Konstanzer Münster).
...(Siehe zum Vortragenden: philopraxis.ch - )

ORT: Wolkensteinsaal

Sonntag, April 18, 2010

O C E A N





Betreff: Neil Horne´s Ocean:

Grossartig!


die Transformationen
und Wiederholungen
im Schlund
des Ozeans
.....adrian.deplazes@bluewin.ch

Computer in der Sprachtherapie

... BAT ICH IHN AUCH, NACH MEINEN INHALTLICHEN WÜNSCHEN ZU ZEICHNEN : DA GIBT ES EINEN GEDECKTEN TISCH UND EINS UMS ANDERE VERSCHWINDET. (entsprechend dem Sprachübungsformat: Was fehlt?) //siehe bei Interesse an diesem Thema auch: Horne/Roth, WEGE2000, Grazer Linguistische Studien 53 "Computer in der Sprachtherapie" - mit Illustrationen von Neil Horne; www.uni-graz.at/ling2www/ling2www_forschung/ling2www_grazer_publikationsreihen/ling2www_gls/ling2www_gls_53.htm

Freitag, April 16, 2010

New Media ARTwork: NEIL HORNE



Eröffnung der Urban Cycle Gallery in Berlin-Mitte, Fehrbellinerstr.17, von 16 - 20 Uhr.

URAUFFÜHRUNG VON "S U MM E R"
BERLIN 2010
-------------New Media ARTwork: NEIL HORNE



SIEHE AUCH DEN artCLIP O C E A N , DER HIER IN DER GALERIE SCHON BEIM EINTRETEN ZU SEHEN WAR! dotAtelier.net
AUF DER ABBILDUNG IST EIN BILDMOTIV DARAUS ZU SEHEN.

... DIESES GROSSE, WACHE INTERESSE AN DER NATUR BLEIBT. HINZU KOMMT EIN WACHSENDES WISSEN INSBESONDERE ÜBER UMGANG MIT BILDERN IN DEN NEUEN MEDIEN. ES ENTSTEHT DAS virtuelle DOTaTELIER.
IN DER MALEREI STEHT DIE AUFLÖSUNG VON GESEHENEN BILDERN IN ÜBERLEGT PRODUZIERTE BILDPUNKTE FÜR EINEN ARTISTISCHEN ABSTRAKTIONSPROZESS.
DER ZEICHNERISCHE "POINTILISMUS" WIRD BEREITS PRAKTIZIERT LANGE BEVOR AN INFORMATIONSTECHNO-LOGISCHE, DIGITALE ZERLEGUNG EINER VORLAGE IN BILDPUNKTE GEDACHT WERDEN KANN. FÜR NEIL HORNE SIND ANDRERSEITS "dots: Punkte in der Landschaft". DER AUFBAU EINER VIRTUELLEN LANDSCHAFT ARBEITET MIT UNTERSCHIEDLICHEN BILDEBENEN UND DIE ELEMENTE FÜR DIESE EBENEN WERDEN BEREITS IM WISSEN UM IHRE GEPLANTE VERWENDUNG ERSTELLT. NEIL HORNE BENUTZT DEN AUSDRUCK "nature music" FÜR DIE sounds DES OZEANS, DER INSEKTEN, DER FRÖSCHE, DER EINDRUCKSVOLLEN AUSTRALISCHEN VÖGEL - GLEICHSAM ZUR INSTRUMENTIERUNG -repeated, modified and compiled into a rhythmical whole- ERST MIT STIFT AUF PAPIER selektiv (und altmedial) GEZEICHNETE NATUR, DANN neumedial ALS BILDERSTROM virtuell BEWEGT
UND ZUR - audiovisuellen WELT FÜR SICH GEMACHT.

FRAGEN? dotAtelier

Babel

http://www.dotatelier.net/babel/babel.swf

Zeit, ein modernes Märchen anzuhören ?

Freitag, April 09, 2010

AlphaBeta

Griekekrakel
Αα ά Ά Ββ Γγ g Δδd Εεέ Έ Ζζcz ΗηήΉ ee Θθ th Ιιί Ί ij Κκ 10
Λλ L Μμ Νν Ξξ ch Οοό Ό Ππ p Ρρ r Σ σ Ττ Υυύ Ύ 20
Φφ ph Χχ ch Ψψ ps Ωωώ Ώ OH! 24
alfa beta gamma delta epsilon (psilon=klein, kurz) zeta eeta theta ijota kappa lamda mü nü chi omikron(mikro=klein, kurz) pi rho sigma tau ypsilon phi (losophie) chi psi omega (mega=groß, lang)

und umgekehrt, vom ABC aus gegliedert:
Aα Bβ C=Z Dδ Eε Fφ Gγ H I+Jι 10 Kκ Lλ Mμ Nν Oωo Pπ Qnot Rρ Sσ Tτ 20 Uoυ Vnot Wnot Xξ Yυ Zζ 26

und Jonathan fügt hinzu:
Eine gute graphische Aufbereitung habe ich noch hier gefunden: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Griechisches_alphabet.png

Donnerstag, April 08, 2010

Fragen / Moritz Scherzer

Diskussionsfragen zu Teil I/Kapitel 5
1)Was hat es mit der lateinischen Überschrift des Unterkapitels auf sich?
2)Welche berühmten Beispiele aus der Zeitgeschichte gibt es, wo sich einzelne Menschen besonders weit und spektakulär aus den Gewohnheiten hinauskatapultiert haben?
3)Wie reagieren die meisten Schwimmer auf die Verhaltensweisen der am Beckenrand Stehenden?
4)„Vor allem aber wuchs die Kluft zwischen den am höchsten gesteigerten Individuen und den Vielen seither ins Unermessliche.“ Stimmt das, was Sloterdijk sagt?
5)Bei welchen Gewohnheiten ist es besonders wichtig, den Kampf mit ihnen unverzüglich nach dem Erkennen aufzunehmen?
6)„Was der Einzelne erreicht, überträgt sich keineswegs auf alle. Der Abstand zwischen den Gipfeln menschlicher Möglichkeiten und der Menge wird damals außerordentlich. Aber was der einzelne erreicht, verändert doch indirekt alle.“ Welche Beispiele fallen uns zu Jaspers’ Zitat auf S. 301 f. ein?
7)Welche besonderen kulturellen Leistungen der von Sloterdijk erwähnten frühen Hochkulturen in Griechenland, Persien, Palästina, Indien und China fallen uns ein?
8)„Indem die Extremisten auf dem Hochseil der Menschwerdung ihre Übungen vorantreiben, führen sie für die übrigen die Pflicht ein, das kleine Akrobaticum abzulegen, um in der Übungsgemeinschaft der Menschgewordenen zu verbleiben. Die einfachen Leute erhalten ihr Zertifikat, wenn sie zugeben, dass ihnen schon beim Zuschauen schwindlig wird.“ (S. 302) Was ist dran an dieser Aussage Sloterdijks?
9)Bei welchen Kulturleistungen, die Einzelne oder Wenige erbringen, ist es so, dass (fast) alle sie nutzen, aber (fast) niemand sie versteht?
10)Was ist von Sloterdijks Unterscheidung zwischen „Asket“ und „Akrobat“ zu halten?
11)Welche Beispiele zur Überwindung von Gewohnheiten fallen uns ein, bei denen wir die von Sloterdijk aufgezeigten Zusammenhänge zwischen Pädagogik und Mechanik ausnutzen?
12)Ist es tatsächlich so, dass Jesus ein „zufälliges Opfer der jüdisch-römischen Justizwillkür“ war?
13)Was ist von der Art und Weise, wie Tertullian den Gefangenen in Südgallien Hoffnung stiftet, zu halten?
14)Gibt es Parallelen zwischen Tertullians Schriften und der stoischen Ethik?
15)Wie ist das fünfte Kapitel abschließend zu bewerten: An welchen Stellen überzeugt Sloterdijk, an welchen enttäuscht er?

Katapulte / Moritz Scherzer



SLOTERDIJK 2009 Anthropotechnik
Teil I/Kapitel 5 im Überblick

(präsentiert von Moritz Scherzer)

das Überwinden von Gewohnheiten erfordert ähnlich viel Kraft wie der Prozess des Katapultierens







Ablegen von Gewohnheiten = Sezession
Sezession führt zu Klassenbildung: Hörer des Imperativs „Du musst dein Leben ändern“, diejenigen also, die bereit sind, ihr Leben zu ändern (obere Klasse) und den anderen Klassen, also alle, die ihr gewohnheitsmäßiges Handeln nicht erkennen bzw. hinterfragen
bildliche Veranschaulichung: Habitus-Pool; obere Klasse steht am Beckenrand und schaut den anderen Klassen beim Schwimmen zu

Erkennen von Gewohnheiten ist jedoch nur ein erster Schritt: es muss sofort der Kampf mit ihnen aufgenommen werden

verschiedene Kampftypen:
(1) Konservative, die mit angezogener Handbremse kämpfen, um nach der Niederlage sagen zu können, das Gewohnte sei eben doch das Bessere, Überlegene, und
(2) solche, die in quasi-deterministischer Manier behaupten, die Gewohnheiten würden richtiges Leben verhindern, da sie fremdbestimmt seien.

Anlehnung an Karl Jaspers: Hochkulturen Palästinas, Persiens, Chinas, Indiens und Griechenlands als die Geburtsstunde der Vernunft: zum ersten Mal sichtbar, wie Menschen alte Pfade verlassen und neue Wege einschlagen; Schaffung revolutionärer Kulturleistungen, die, auch wenn sie das Werk Einzelner waren, doch Auswirkungen auf ganze Gesellschaft hatten

wichtigste Auswirkung der Befreiung von alten Gewohnheiten: Kluft zwischen den am höchsten gesteigerten Individuen und dem Rest der Gesellschaft seither (seit dem Entstehen der oben erwähnten Hochkulturen) rasant gewachsen; außerdem: Bildung einer eigenen Meinung

Phänomen der Spaltung der Gesellschaft in solche, die sich von ihren Gewohnheiten befreien und jenen, die dies nicht tun, nennt Sloterdijk „Achsenzeiteffekt“

Basisparadoxie aller Universalismen: von Wenigen erbrachte Kulturleistungen, von denen alle profitieren und die die Welt verändern, werden auch nur von ganz Wenigen verstanden
wenn Mensch Trägheit in seinem Innersten erkannt hat, gelangt er zu drei Erkenntnissen: (1) dadurch, dass der Mensch feststellt, dass er von Leidenschaften besetzt ist, wird ihm die Notwendigkeit bewusst, diese in den Griff zu bekommen;
(2) durch Kenntnisnahme seiner Gewohnheiten leuchtet ihm ein, dass nicht sie ihn, sondern er sie beherrschen muss;
(3) es wird ihm klar, dass er nur dann zu vernünftigem Denken fähig ist, wenn sich sein Gemüt in ausgeglichenem Zustand befindet und er nicht von verwirrenden Gedanken geplagt wird

Was hat Philosophie mit Athletik zu tun? Sloterdijk sieht im Wort „Philosophie“ Anspielungen auf zwei wichtige Athletentugenden im antiken Griechenland verborgen: Philotimie (Liebe zum Ruhm, der den Siegern der Wettkämpfe zuteil wird) und Philoponie (Lust auf körperliche Anstrengung)

Akrobaten versus Athleten: Akrobaten führen Athleten vor, wie das Unmögliche möglich gemacht werden kann, demonstrieren dabei eine gewisse Lässigkeit, die ihr Handeln und Auftreten sehr beeindruckend erscheinen lässt;

Asketen dagegen beteiligen sich lediglich als Zuschauer am Spektakel und sind davon überzeugt, nicht selbst aktiv daran teilnehmen zu können, wobei viele Asketen im Laufe der Zeit das Stadion vorzeitig verlassen: werden religiös, treten eine Beamtenlaufbahn an oder ziehen in die Wildnis

wer sich etwas bestimmtes angewöhnt, kann sich dies jedoch auch wieder abgewöhnen, indem er die neue Verhaltens- bzw. Denkweise regelmäßig einübt (Erkenntnis aus der Psychologie)

Ursprung einer ganzen wissenschaftlichen Disziplin: der Pädagogik
Pädagogen vergleicht Sloterdijk mit Dompteuren: Aufgabe, Kinder dazu zu befähigen, ihre Talente zu erkennen und das Beste daraus zu machen
Pädagogik = angewandte Mechanik: menschliche Trägheit (also Gewohnheiten) setzt er mit träger Masse gleich, wobei die Trägheitskräfte dergestalt genutzt werden sollen, dass sie die Trägheit überwinden
Vergleich mit Hebelgesetz: Mensch muss am längeren Hebel sitzen, um Hebeleffekt zu nutzen; selbst wenn seine Kraft schwächer ist als die Kraft am anderen Hebel, er muss Ausdauer zeigen, dann wird er langfristig seine Gewohnheiten besiegen
Platonismus, Brahmanismus und Taoismus beruhen genau auf dieser Idee der Pädagogik als Mechanik
Mensch fürchtet den Tod 
Lähmung der Aktivitäten → Gefährdung der Übungsmacht
Möglichkeiten zur Überwindung der Todesfurcht: (1) Askese (Beispiele hierfür sind die indische und die japanische Kultur): Einzelner nimmt sich das Recht, sein Leben selbst zu beenden, sofern es ihm nicht mehr lebenswert erscheint; (2) Mythenformulierung (z. B. in ägyptischen Jenseitslehren oder im Christentum): aufrichtiger Lebensstil von entscheidender Bedeutung

berühmte Beispiele, in denen die, wie er es nennt, „Emanzipation vor dem Tod“ besonders markant hervortritt: Sokrates und Jesus Christus; beide ergeben sich ihrem Schicksal freiwillig, obwohl beide zu Unrecht verurteilt wurden, verzichten auf die Flucht vor der Vollstreckung des Todesurteils 
Sterbenmüssen wird zu Sterbenkönnen
Schilderung der drei Evangelisten von Markus über Matthäus und Lukas bis hin zu Johannes weist Entwicklung vom Müssen zum Können (in Bezug auf das Sterben Jesu) auf
Markus und Matthäus erzählen vom Essigschwamm, den Jesus getrunken hat und daran schreiend zugrunde gegangen ist 
Jesus hat wohl gegen sein Schicksal bis zum Schluss angekämpft
Lukas hingegen zitiert Jesus mit den Worten: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.“ 
Jesus hat seine Kreuzigung als den Willen Gottes bereitwillig akzeptiert
Johannes geht sogar noch ein Stück weiter und fügt dem Lukas-Evangelium Jesu Worte „Es ist vollbracht!“ hinzu → verstärkt diesen Eindruck
weiteres Beispiel für die „Athletisierung des christlichen Todeskampfes“: Tertullian, der versucht – im Angesicht des Krieges der Römer zur Christenverfolgung in Südgallien – Gefangenen, die auf ihre Exekution warten, Hoffnung zu machen, indem er ihre Lage mit jener der Krieger kontrastiert und das Leben im Kerker (und die sichere Hinrichtung) als für einen Christen besser als ein Leben als Krieger bezeichnet
das, was Tertullian den Insassen der südgallischen Gefängnisse abverlangt, ist eine athletische Höchstleistung, in Tertullians Worten manifestiert sich – so sieht es Sloterdijk – die „Logik des christlichen Akrobatismus“

Woche nach Ostern




Die Konstanzer Autoren versammeln sich open air im hellen Sonnenschein am Ufer des frühlingsfrischen Rheins und stoßen an mit Wasser und Prosecco: Prost Marianne! (Danke auch für den Seiltänzer, den noch Übenden U4.) Prost Chris! Prosit Egon!
Prost Jonathan! Prost Léon! Prost Mike!
Und treffen wir Dich, Paul, nach dem 17. ?

Dienstag, März 23, 2010

DRUCKFRISCH: Philo Praxis2



Für die am Kompaktkurs Interessierten: Exemplare stehen im Semesterapparat !

Freitag, Februar 26, 2010

Leben ändern? WIR ÜBEN

Die während des Winters entstandenen Texte sollen Ende März 2010 (erweitert durch die Zürcher Rede Sloterdijks vom 26.JAN) gedruckt vorliegen.
SinnPraxis@gmail.com

Donnerstag, Dezember 10, 2009


LebensLang Lernen F.Schmieder / L ! L ! L ! Lenin / Ungeübtes wird verlernt

WS 2009 UNIVERSITÄT KONSTANZ Philosophie
V.M. Roth „AnthropoTechnik“ , nach Peter Sloterdijk 2009
MO 16.15 in D431


14. DEZ:
A R S MORIENDI Sokrates / Jesus
SterbensKunst Slot I5b 315 -325 / Egon
Ende des Teils I "Du mußt dein Leben ändern. Über Anthropotechnik"

& alle: AUSBLICK (Ende des Buchs)

Sonntag, Dezember 06, 2009

Neues Subjekt der Übungsmacht


Seiltänzer - übend / Marianne Hagemann 2009


WS 2009 UNIVERSITÄT KONSTANZ Philosophie
V.M. Roth „AnthropoTechnik“ , nach Peter Sloterdijk 2009
MO 16.30



7.DEZ:
C U R H O M O ARTISTA / Marianne
Warum Menschen Kunsten Slot I5a 298-315/
Jaspers / Diogenes / Seneca
"Achsenzeiteffekt"

cvr devs homo ?
p.314, Anm.108: das Erlernen des Göttlichen ist "eigentliches Schulprogramm",
ma, cur homo deus ?
p. 258 unten : Kenntnis

siehe auch zu Vertikalität und der Setzung der Differenz
BABEL - www.dotatelier.net/babel/babel.swf


14. DEZ:
A R S MORIENDI Sokrates / Jesus / Egon
SterbensKunst Slot I5b 315 -325

Mittwoch, November 25, 2009

WS 2009 UNIVERSITÄT KONSTANZ Philosophie
V.M. Roth „AnthropoTechnik“ , nach Peter Sloterdijk 2009
MO 16 -20 D431

30.NOV:
Heraklit / Heidegger Slot I3 (und I4)/ Chris


ἤθος ανθρώπῳ δαίμον - ethos anthropo daimon



I. ἤθος ανθρώπῳ δαίμον
(1) Dem Menschen gewöhnlicher Aufenthaltsort ist Gott.
= Der gewöhnliche Aufenthaltsort des Menschen ist Gott.
(2) Dem Menschen Gott ist der gewöhnliche Aufenthaltsort.
= Der Gott des Menschen ist der gewöhnliche Aufenthaltsort.

II. ἤθος χοῖρῳ δαίμον - ethos choiro daimon
(1) Der gewöhnliche Aufenthaltsort des Schweins ist Gott.
(2) Der Gott des Schweins ist der gewöhnliche Aufenthaltsort.

III. ἤθος πολλοίς δαίμον - ethos pollois daimon
(1) Der gewöhnliche Aufenthaltsort der Vielen ist Gott.
(2) Der Gott der Vielen ist der gewöhnliche Aufenthaltsort.

IV. ἤθος Ἡράκλειτῳ δαίμον
(1) Der gewöhnliche Aufenthaltsort des Heraklit ist Gott.
(2) Der Gott des Heraklit ist der gewöhnliche Aufenthaltsort.


V. ἤθος Σλοτέρδεικῳ δαίμον
(1) Der gewöhnliche Aufenthaltsort des Sloterdijk ist Gott.
(2) Der Gott des Sloterdijk ist der gewöhnliche Aufenthaltsort.

Noch eine sehr schöne Übersetzung, die ich gefunden habe:

Dem Menschen ist sein Wesen sein Schicksal.

Aus: Wilhelm Capelle, Die Vorsokratiker, Stuttgart 1968, S. 156

von Jonathan


7.DEZ:
C U R H O M O ARTISTA / Marianne
Warum Menschen Kunsten Slot I5a 298ff /
Diogenes / Nietzsche / Jaspers

14. DEZ:
A R S MORIENDI Sokrates / Jesus / Egon
SterbensKunst Slot I5b 315 -325

Großes Haus des Wissens

Motto
"... indessen seit geraumer Zeit bekannt ist, dass Lernen ausschließlich durch direkte Teilnahme ... stattfindet." Großes Haus 247

I. Tragische Vertikalität
1. Herkunft des Titels
Sloterdijk erklärt anhand der tragischen Vertikalität, dass Foucault sich auch mit der Vertikalspannung auseinander gesetzt hat.

Der Titel „Tragische Vertikalität“ findet sich in einer von Sloterdijk herausgegebenen Textsammlung Philosophie Jetzt!: Foucault – Ausgewählt und vorgestellt von Pravu Mazumdar, 1998. Dort findet sich ein Auszug aus einer frühen Schrift von Michel Foucault. „Tragische Vertikalität“ ist eine Zwischenüberschrift in dem Text. Sie stammt bei genauerer Betrachtung nicht von Foucault.

Das Original der Schrift von Foucault stammt aus dem Jahre 1954: Le rêve et l’existence – Traum und Existenz. Foucault hatte eine über 90-seitige Einleitung zum nur 41-seitigen Text von Ludwig Binswanger geschrieben. Ludwig Binswanger, 1881 in Kreuzlingen geboren 1966 dort gestorben, war Psychiater und Leiter des Sanatoriums Bellevue in Kreuzlingen.

2. Vertikalität allein führt zum Absturz

In der Schrift von 1954 finden sich keine Überschriften. Der Text von Foucault enthält aber einen Abschnitt in der von der vertikalen Achse die Rede ist: Siehe Foucault, 1998, S. 100f.

Baumeister Solness ist ein Theaterstück von Henrik Ibsen, 1892. Solness erfährt einen fabelhaften Aufstieg, nachdem das Elternhaus seiner Ehefrau abgebrannt ist. Dabei sind seine beiden Kinder gestorben. Er fühlt sich zunächst schuldig, verdrängt dies jedoch mit seinem Streben nach Erfolg. Nach zehn Jahre soll er einen Richtkranz aufhängen und stürzt dabei zu Tode.

Hieran kann man sehen, dass die Vertikalität des frühen Foucaults zum Absturz führt. Das ist gerade das tragische an ihr.

3. Die Vertikalität kommt zum Stehen

Der gereifte Foucault weiß, dass Arbeit an der Vertikalität nicht nur eine Sache der ursprünglichen Vorstellungskraft ist. Sie sei jetzt Kraft der Selbstgestaltung, in der sich die ethische Kompetenz des Individuums verdichtet, so Sloterdijk. (S. 239)

Verführung zum Exzess wird durch Asketik korrigiert. Dabei wird auf den späten Nietzsche zurückgegriffen. „Foucault hatte verstanden, dass der Dionysiker scheitert, wenn man ihm nicht einen Stoiker einpflanzt.“ (S. 239)

Abgrenzung zu christlich-platonischem Stil. Augustinus von Hippo: Geh nicht nach draußen, kehr in dich selbst zurück, im inneren wohnt die Wahrheit. Wenn Du transcendierst, denke daran, dass es deine Vernunftseele ist, die über dich hinausgeht. (S. 239, Fn. 57)

Der Exzess ist das schlichte Außer-sich-geraten. Das Über-sich-hinaus-Gehen ist durch die Übung gewährleistet. Somit bannt Foucault das Tragische in der Vertikalität.

II. Verortung: Foucault ein Wittgensteinianer
1. Übergang
Wittgenstein unfreiwilliger Nietzscheaner.
Foucault hingegen minifestes und freiwilliges Gegenstück, also Nietzscheaner.

F nimmt Arbeit dort auf, wo W sie liegengelassen hat. Komplexe zusammengesetzte Sprachspiele werden zu Diskursen. Dies betrifft ganze Wissenschaftszweige. Sprachspiel bricht mit kognitivem Element und bringt so die Handlung in der Sprache zum Vorschein.

2. Diskurs bei Foucault – Umdeutung der episteme

Foucault bricht mit epistemistischen Vorurteil in der Wissenschaftstheorie und zeigt, dass Disziplinen performative Systeme sind und nicht „Widerspiegelung“ der Wirklichkeit.
Foucault benutzt ἐπιστήμη – episteme als exquisite Ironie. Der Begriff wird nicht im klassischen Sinn als Erkenntnis, Wissen, Verständnis verwendet, sondern um die Bedeutung des Praktizierens erweitert. Diskurse sind somit ein Amalgam aus Wissenseffekt und exekutiver Kompetenz.

3. Unterschiede und Gemeinsamkeiten
Wittgenstein und Foucault sind sich in ihrer praktischen Methode ganz nah. Unterschiede finden sich jedoch auf dem Mount Improbable. Von Sloterdijk auf S. 185ff eingeführt in Anlehnung an den Evolutionsbiologen Richard Dawkins: Climbing Mount Improbable, 1996.

„Während Wittgenstein es erstaunlich genug findet, wenn Lebensformen so weit geklärt werden können, bis das Dasein auf der Hochebene dem Aufenthalt in einem von Logikern bewohnten tibetischen Kloster gleicht, stürzt sich Foucault in die Rolle des Bergbauingenieurs, der mit Tiefenbohrungen an verschiedenen Stellen die Höhe des Gebirges und die Zahl seiner verborgenen Faltungen offenlegt. […] Der Imperativ: ‚Du musst Dein Leben ändern!’ heißt hier: Du selber bist der Berg des Unwahrscheinlichen, und wie du dich faltest, so ragst du empor.“ (S. 243)

Sehr nah sind sie sich wieder in der Wirkungsgeschichte: Wittgensteins Sprachspiele wurden von der Ordinary-Language Philosophie missverstanden. Foucaults genaue Analysen von Asylen, Klinken, Psychiatrien, Polizeien und Gefängnissen werden als verquere Form der Gesellschaftskritik missverstanden. Dass in der Analyse asketische Selbstübung lag um auch einen dritten Selbstmordversuch zu verhindern, begriff keiner seiner Leser. Sloterdijk vermutet, dass Foucault sich selbst nicht immer darüber im Klaren war. (S. 244)

III. Der Berg wird bestiegen
1. Methode
„Nach Foucault darf die Philosophie wieder daran denken, zu werden, was sie gewesen war, bevor das kognitivistische Missverständnis sie aus der Bahn warf – ein Exerzitium der Existenz.“ (S. 245)

Die Philosophie ist reine Disziplin und reiner Mehrkampf ohne sich auf abgezählte Einzeldisziplinen festzulegen. Ein Durchqueren, im Sinne einer Abkürzung, ist nicht möglich. „Eine Metadisziplin gibt es naturgemäß nicht – daher auch keine Einführung in die Philosophie, die nicht schon von Anfang an selber die maßgebliche Übung wäre“ (S. 245f.)

2. Aussichten auf eine ungeheure Landschaft

Nach dieser Einführung liegt die ganze Szene offen dar. Mit Wittgenstein gesprochen, eröffnet sich der Blick auf die ungeheuren Landschaften des Michel Foucault.
„Es ist die unfassbar weite Landschaft der Disziplinen. Ihre Summe macht die Routinebasis aller Kulturen und aller trainierbaren Kompetenzen aus. Hier haben wir de facto und de iure die ‚breiteste und längste Thatsache die es gibt’ vor Augen. Der von Foucault exemplarisch begangene Weg führt […] zu einer allgemeinen Disziplinik als einer Enzyklopädie der Könnensspiele.“ (S. 247)

Die Reichweite dieser Landschaften wird man jedoch erst ermessen können, wenn es eine Allgemeine Disziplinik gibt. Sloterdijk veranschlagt schon einmal 100 Jahre dafür. Eine Einteilung in 13 Kategorien deutet er nur an:
1. Akrobatik und Ästhetik
2. Athletik (allgemeine Sportartenkunde)
3. Rhetorik und Sophistik
4. Therapeutik
5. Epistemik (einschl. der Philosophie)
6. Allgemeine Beruf-Kunde
7. Maschinistische Techniken-Kunde
8. Administravistik, dazu gehört Politik und Recht
9. Enzyklopädie der Meditationssysteme
10. Ritualistik
11. Sexualpraxiskunde
12. Gastronomik
13. offene Liste kultivierungsfähiger Aktivitäten


Foucault wirkte in 1, 3, 4, 5, 8, 10 und 11. Gewöhnlicher Philosoph beschränkt sich auf 5, mit gelegentlichen Ausflügen nach 8 oder 1 und 3. Foucault hat die panathletischen Qualitäten und ist somit Prototyp des praktizierenden Philosophen.

3. Zwischen den Disziplinen
Abschließend fügt Sloterdijk noch ein paar Gedanken an, wie die Disziplinen miteinander umgehen. Jede Disziplin befindet sich in ständiger Krise und scheidet so, was richtig und unrichtig für sie ist. Daher besitz jede Disziplin für sich eine ihr eigentümliche Vertikalspannung. Kritik aus einer fremden Disziplin wird es geben. Sie schätzen oder missbilligen die Ergebnisse von Übungen in fremden Sphären nach eigenen Maßstäben.

Zwei Methoden der Kritik: Wertentzug und Seinsentzug.

Der Diszipliniker bedient sich nur der ersten Methode. Er besteigt den Mount Improbable der Disziplinen. Der Moralist besteigt den Berg erst gar nicht. Der gewöhnliche Moralismus ist die Kritik durch den Nicht-Bergsteiger.

Dass selbst die frühen Christen sich nie auf den Standpunkt der Moralisten gestellt haben, belegt Sloterdijk. Diese schrieben Ordensregeln, um auf dem Mount Improbable zu leben. Sie waren somit Diszipliniker, die eine eigene Disziplin (er)fanden. Dazu auch das Beispiel mit den Gladiatoren: Gegenüber den ungeliebten Gladiatorenkämpfe wird nicht bloß behauptet, sie sollten nicht sein, sondern ihnen werden Disziplinen gegenüber gestellt und mit positver Wertschätzung aufgeladen. (S. 251)

IV. Vom Mount Improbable zum Haus des Wissens
Sloterdijk spricht nur kurz vom Haus des Wissens (S. 247). Für ihn treffen sich die Philosophen heute auf dem Mount Improbable. Der Weg nach oben führt über mehrere Einzeldisziplinen und er ist nur übend zu gehen. Keine Abkürzung durch eine Metadisziplin steht uns offen.

Der Hausbau wird an einer Stelle im Rahmen der tragischen Vertikalität angesprochen. Solness der Architekt stürzt bei dem Versuch, immer höher hinaus zu kommen.

Zum Haus des Wissens kommt man, wenn man die Methode, d.h den Weg, betrachtet, die Sloterdijk wählt, um den Absturz zu verhindern: üben, üben, üben.

Es gibt noch einen weiteren Weg. Mount Improbable, so deutet Sloterdijk an, gibt es nicht. Er wird aufgefaltet von den Menschen, die ihn besteigen (S. 243). Anders das Haus des Wissens. Es wird geschaffen von den Menschen, die in ihm leben.

Die praktizierten Disziplinen sind es auch, die Jürgen Mittelstraß anspricht: Die Häuser des Wissens, 1998, S. 65.

Freitag, November 20, 2009

briefly

Ich sehe im SternFlug den Selbstbezug und das über sich
Hinauswachsen...
Adrian Deplazes (ZH)

Dienstag, November 17, 2009

Einladung Philosophische Praxis




WS 2009 UNIVERSITÄT KONSTANZ Philosophie
V.M. Roth „AnthropoTechnik“ , nach Peter Sloterdijk 2009
MO 16 -20 D431

(Gäste willkommen)

23.NOV:
Binswanger / Foucault Slot 234-55 „Haus des Wissens“ / Jonathan

30.NOV:
Heraklit / Heidegger Slot I3 und I4/ Chris

7.DEZ:
C U R H O M O ARTISTA / Marianne
Warum Menschen Kunsten Slot I5a 298ff /
Diogenes / Nietzsche / Jaspers

14. DEZ:
A R S MORIENDI Sokrates / Jesus / Egon
SterbensKunst Slot I5b 315 -325

Montag, November 16, 2009

HimmelsLeiter?




Die aktuelle HimmelsLeiter aufsteigend absteigend ist das www (uns verbindend / im Krieg ...?)

Im Anschluss an Lesung und Diskussion gibt es dotatelier - Animation
von Neil Horne & Rita Grewatsch (Sydney / Berlin)

Philosophische Praxis ist das Philosophieren.

Wie aber angemessen philosophieren in unserer Zeit? Peter Sloterdijks aktueller Beitrag zur AnthroopoTechnik versucht hineinzulocken in solch ausgeübtes Philosophieren, kunstnah, kenntnisreich, mehr vitalistisch als akademisch. Ein allg. Hinweis darauf, dass Sloterdijk 2009 aufzufassen ist als eine Langfassung und Ausarbeitung des kurzen Vortrags MENSCHENPARK, der 1997 in Basel fast von der Öffentlichkeit unbemerkt, dann aber im Spätsommer/Herbst 1999 erneut vorgetragen zum Anlass einer hitzigen Debatte wurde. Von diesem ersten Sturm im MedienGlas (Menschen"züchtung"/ "fatale" vs. optionale Geburt) ist die zweite Debatte (Religion - ausgehend vom Anfang des Buchs 2009) und die dritte (gegen den "Steuerstaat" - weitgehend unabhängig vom Buch) zu unterscheiden.

Sehr einfühlsam zur Sprache bringt PS am Anfang der Rede (Regeln für den Menschenpark. Ein Antwortschreiben zu Heideggers Brief über den Humanismus. Sonderdruck edition suhrkamp, Ffm 1999, 7 ff) das befreundende Wesen philosophischer Bücher, jener "dickeren Briefe" an -noch unbekannte- "ferne Freunde". (Siehe erotologische Sicht... p.9) Jene Telekommunikation, die in unserem Kulturkreis (erst getragen von einer kleinen Oberschicht alphabetisierter Gebildeter) seit 2500 Jahren stattfindet, gibt Cicero den namen HUMANITAS und die user sind "Humanisten". Zu Beginn der Neuzeit wird man hieran andocken können. Ganz unterbrochen ist dieser Traditionszusammenhang bis heute nicht. PS ist in diesem Sinne wie vor ihm Nietzsche und Heidegger einer dieser Humanisten. Doch wie sie will auch er zugleich kritischer Kritiker, nicht nur Weitersager sein. Auch er zielt auf "eine Verführung in die Ferne" (p. 10), ist "erwärmt" von den angekommenen Sendungen und meldet sich als beitretender Freund und seinerseits "inspirierender Absender", a man of grammar and glamour: "Wer lesen und schreiben kann, dem werden auch andere Unmöglichkeiten leichtfallen." (p. 11)

Dem folgt dann die zeitdiagnostische These (p.14) auf dem Fuße: "moderne Großgesellschaften können ihre politische und kulturelle Synthesis nur noch marginal über literarische, briefliche, humanistische Medien produzieren." Dies schließt freilich die Selbstmarginalisierung des Autors ein, er müsste den nicht-humanistischen MedienSkandal geradezu herbeidenken, um dem zu entgehen. Doch wahrscheinlich hilft nicht einmal das nachhaltig aus der diagnostizierten Verlegenheit.

Freitag, November 13, 2009

Vertikalzug ?




16.NOV:
Radolfzell, Galerie 3ART : Die Himmelsleiter und Sloterdijks VERTIKALZUG, cf.Slot 198-203

Montag, November 09, 2009

LP, Handlungsschemata & Allg.Anthropologie

WS 2009 UNIVERSITÄT KONSTANZ Philosophie
V.M. Roth „AnthropoTechnik“ , nach Peter Sloterdijk 2009
MO 16 -20 D431

Texte: Kamlah / Lorenzen, Logische Propädeutik
Kamlah, Philosophische Anthropologie


9.NOV:
Wilhelm Kamlah

16.NOV:
Radolfzell, Galerie 3ART: Himmelsleiter, cf.Slot 198-203 / Mike
(Gäste willkommen)

23.NOV:
Binswanger / Foucault Slot 234-55 „Haus des Wissens“ / Jonathan

30.NOV:
Heraklit / Heidegger Slot I3 und I4/ Chris

7.DEZ:
C U R H O M O ARTISTA / Marianne
Warum Menschen Kunsten Slot I5a 298ff /
Diogenes / Nietzsche / Jaspers

14. DEZ:
A R S MORIENDI Sokrates / Jesus / Egon
SterbensKunst Slot I5b 315 -325

Dienstag, November 03, 2009

Debatte: Sloterdijk ein Sozialdemokrat?

Kollabierte Vertikalspannung


Du mußt dein Leben ändern! - die Parole, mit der Sloterdijk seit dem Frühjahr die mediale Öffentlichkeit in der Anredeform des generalisierten Du agitiert, lässt sich, mit einem Lieblingsbegriff von ihm, auch in die Aufforderung übersetzen: mehr Vertikalspannung! Der Ausdruck steht für das Gegenteil der intellektuellen Entspannung in der Horizontalen des Unernstes und einer pandemischen Trivialisierung, des Behagens in der Kultur an deren substantiellem Nullpunkt. Den Sündenbock der kulturellen Abwärtsspirale macht der unter die Dekadenzdiagnostiker Gegangene in einem „subversiven Egalitarismus“ der politischen und mehr noch der intellektuellen Linken aus. Dem hält er die empirische Ungleichheit des Könnens entgegen, wie sie aus dem Wettbewerb des Sich-Übens als der praktischen Seite der Vertikalspannung hervorgeht, ein sloterdijksches Exzellenzcluster, das wie sein hochschulpolitischer Zwilling behauptet, die Besten zum Wohle des Ganzen nach Vorne zu bringen.



Die Rezeptur und der Glaube an ihre Wirksamkeit haben Konjunktur traditionell im konservativen oder 'rechtsliberalen' Milieu. Der Zeitgeist, der inzwischen wieder von dorther weht, zeigt sich Sloterdijks Gedanken aufgeschlossen. Die Rezensenten seines jüngsten Buches haben sie durchweg goutiert und nicht gerade mit analytischem Scharfblick traktiert. Sodass ihnen entgangen ist, worin das Riskante seines „riskanten Denkens“ (so Hans-Ullrich Gumbrechts Typisierung in DIE ZEIT Nr. 41) besteht. Ich habe dies an anderer Stelle ausgeführt (siehe meine Beiträge im Netz: Theomag – Internetzeitschrift für Religion und Ästhetik Nr: 59/2009 sowie online-Magazin Textem.de vom 18.09.09); hier sei zusammenfassend bloß meine These wiederholt.



Der einmal gegen den verhängnisvollen Furor der „kopernikanischen Mobilmachung“ den Gedanken einer „ptolemäischen Abrüstung“ ins Spiel brachte, setzt jetzt ganz auf den Überbietungsgestus à la Nietzsche, Gipfelstürmerei mit Höhenrausch. Durch aristokratisch-sportive wahlweise asketisch-artistische Übung, die Praxis der Vertikalspannung, werden Einzelne im Aufstiegswettstreit untereinander als Einzelne besser und besser, bis „anthropotechnisch“ antrainierte Fitness die Besten, das Mittelfeld und den Rest im aufwindigen Schlepptau, auf Augenhöhe gebracht hat mit dem „Inkommensurablen“, “Ungeheuren“, „bedingungslos Überfordernden“ der globalen Gegenwartskrise, der drohenden ökologischen und Klimakatastrophe zumal. In einem von denen, die gekonnt genug ihr Leben geändert haben, sprich der ethisch-spirituellen Meritokratie, inaugurierten weltweiten „Ko-Immunismus“ sollen dann „die guten Gewohnheiten gemeinsamen Überlebens“ gepflegt werden.



Punkt der Kritik kann nicht sein, dem Vorhaben die edle Gesinnung abzusprechen, auch nicht in erster Linie zu monieren, dass Sloterdijk die einer Lösung der Globalkrise im Wege stehenden politischen, sozialen, kommunikativen etc. Hindernisse mit seinem „absoluten Imperativ“ kurzerhand überspringt. Das Riskante des von ihm Gedachten kommt in den Blick, sobald in Erwägung gezogen wird, dass die propagierte Umkehr womöglich gar keine ist. Folgt doch das auf Perfektibilität setzende Metanoia-Tremolo Sloterdijks genau der Steigerungslogik und Optimierungsobsession, die charakteristisch sind für die rasende, ökonomisch und ökologisch außer Rand und Band geratene Moderne. Dass das Kurativ hierfür ausgerechnet in einem Virtuosen- und Artistenwettlauf liegen soll, ist ebenso wenig überzeugend, wie die subtile Schuldzuweisung an „die Vielen“, dass ihre „Verweigerung die Spannung (verschärft), die über dem humanen Kollektiv liegt“ - jene schon von Rilke perhorreszierten „Leibes- und Lebensschwächlinge“ mit der „gewohnten Verwahrlosung“, gegen die er die „Trainerautorität“ seiner Steigerungskünstler (diese haben „mit einem Gott trainiert“) aufbietet. - Kurz, ein anthropologisches Selbstverbesserungsprojekt nach dem Strickmuster Sloterdijks geht das Risiko ein, dass es statt der intendierten Kehrtwendung lediglich auf ein Mehr desselben hinausläuft. Der riskante Denker ist einem Trugschluss der fatalen Sorte erlegen, der allerdings bei gedanklicher Vertikalspannung sofort ins Auge sticht.



Nun hat Axel Honneth in DIE ZEIT (Nr. 40) eine 'neue Sloterdijk-Debatte' ausgelöst, indem er dessen wie eine Vorwahlkampfrede daherkommende Tirade gegen die (so Sloterdijk wörtlich) „Kleptokratie“ des Umverteilungsstaates in der FAZ (10.06.09) aufs Korn nahm: Im Klartext laute Sloterdijks Vorschlag, man solle den Sozialstaat abschaffen und durch die (wieder Sloterdijks Worte) „Gabe“ einer „schenkenden Tugend der Wohlhabenden“ ersetzen. Dass der Angegriffene (wiederum in der FAZ, 26.09.09) mit einem Bekenntnis zur Sozialdemokratie antwortete („unverbesserlicher Verteidiger einer sozialdemokratischen oder ... semi-sozialistischen Logik“), also jener politischen Philosophie, in welcher der durch ihn im Buch geschmähte Egalitarismus doch einen säkularen Ausdruck gefunden hat – dieser bei jedem nicht vollkommen naiven Leser Heiterkeit provozierende „Kollapsus“ lässt unglücklicherweise jene andere, sachlich schwerwiegendere Inkonsistenz, auf die wir im vorangehenden aufmerksam gemacht haben, aus dem Blick geraten. Dabei dürfte die eher unterhaltsame Ungereimtheit des 'Sozialdemokraten Sloterdijk' einem vorübergehenden Spannungsabfall im Wort- und Textegenerator Sloterdijk geschuldet sein, wie er unvermeidlich erscheint bei jemandem, der unentwegt auf Sendung sein möchte. Vielleicht sollte daher im Falle des gestressten Medienphilosophen Gnade vor Recht ergehen, vorausgesetzt, man geht, wo hinlänglich stringente Textkonvolute es zulassen, in der Sache mit ihm umso strenger ins Gericht.



So wie es Christoph Menke exemplarisch in seinem Debattenbeitrag (DIE ZEIT Nr. 43) vorführt. An Sloterdijks Text weist er auf, wie dessen Vertikalspannungs- und Elitegedanke ein Essential der humanen oder zivilisierten Gesellschaft ideologisch zu unterminieren droht: das basale Gleichheitsprinzip einer allen geschuldeten Anerkennung diesseits und unabhängig von Könnensbezeugung oder erbrachter Leistung. Das sind nicht, wie Karl-Heinz Bohrer in seiner Replik (FAZ 21.10.09) allen Ernstes weismachen möchte, „Lobhudeleien der Gleichheit“, und es geht auch nicht darum, wie er absurder Weise mutmaßt, den „Freigeist Sloterdijk“ mundtot zu machen. Ihm wird lediglich widersprochen, wo seine weltfremde Big-Spender-Euphorie die Bereitschaft signalisiert, hart erstrittene Basics der Zivilisiertheit wie Makulatur vom Tisch zu wischen. Um eine ebenso alarmistische Keule zu schwingen wie vormals Bohrers Alternative „Kapitalismus oder Barbarei“: Respekt oder Barbarei – institutionell verankerte Achtung in der Demokratie oder noble Willkür in einer refeudalisierten Gesellschaft, darum geht es! Menkes Sloterdijk-Kritik, die sich auf die Verteidigung der 'Anerkennungsgleichheit' konzentriert, ist noch moderat, beachtet man, dass Sloterdijk die durch gesellschaftlich erzeugte Ungleichheit aufgeworfene Frage nach der sozialen Gerechtigkeit als praktisch obsolet verabschiedet bzw. dass sie im heroischen „Immundesign“ der von den Eliten iniziierten Apokalypseabwehr als quantité négligeable untergeht. Wer, wie man mit Heidegger sagen könnte, so „groß denkt“ wie der Vertikalstreber Sloterdijk, bei dem steht zu fürchten, dass es ihn nicht weiter interessiert, wenn die Gesellschaft sehenden Auges Opfer produziert: Anerkennungsverlierer, Demoralisierte, Ausgeschlossene, denen nur ein Zyniker einzig das „Du musst dein Leben ändern“ mit auf den Weg gibt.



Hans-Willi Weis
aus: Textem.de
23. Oktober 2009

Siehe auch: Richard D. Precht, "zu einem seltsamen Hickhack" im SPIEGEL 45 /2009, 150-52

Montag, November 02, 2009

Ordensregel vorgetragen von Léon Homeyer

WS 2009 UNIVERSITÄT KONSTANZ Philosophie
V.M. Roth „AnthropoTechnik“ , nach Peter Sloterdijk 2009
MO 16 -20 D431



2.NOV:
Slot I2, 208 -232 Wittgenstein / Leon

9.NOV:
Wilhelm Kamlah

16.NOV:
Radolfzell, Galerie 3ART: Himmelsleiter, cf.Slot 198-203 / Mike
(Gäste willkommen)

23.NOV:
Binswanger / Foucault Slot 234-55 „Haus des Wissens“ / Jonathan

30.NOV:
Heraklit / Heidegger Slot I3 und I4/ Chris

7.DEZ:
C U R H O M O ARTISTA
Warum Menschen Kunsten Slot I5a 298ff /
Diogenes / Nietzsche / Jaspers

14. DEZ:
A R S MORIENDI Sokrates / Jesus / Egon
SterbensKunst Slot I5b 315 -325


Sloterdijk hat im Anschluss an Nietzsche seine These eingeführt, das kulturelle Leben sei maßgeblich durch Vertikalspannungen geprägt: diesem Zug nach oben durch asketische Handlungsmuster in den verschiedensten Ausformungen gelte es nachzugehen. Die Steigerung in immer "unwahrscheinlichere" Zustände (mount improbable) erklärt er, wenn auch nicht biologistisch, so doch als evolutionsbedingte Tatsache des Menschen, der sich selbst zu erhöhen versucht. Vertikalität eröffnet eine Dimension der Differenzierung, nicht nur die Möglichkeit zur Unterscheidung, sondern nahezu den Zwang. Diese Vertikaldifferenzierung möchte Sloterdijk nun nicht „aus der Matrix von Herrschaft und Unterwerfung“1 herleiten, sondern eine „ethisch kompetentere und empirisch adäquatere Alternative“2 anbieten. Statt auf Klassengesellschaft (Abgrenzung von "Kritischer Theorie") zielt seine Argumentation auf eine Disziplingesellschaft ab, in welcher sich die Unterschiede zwischen den Menschen aus dem Grad des Bewusstseins über und der Intensität der Anstrengungen in den „richtigen“ Übungen ergeben. Auf der Suche nach diesen Differenzierungen im kulturellen Leben lässt Sloterdijk Wittgenstein antreten, mit der Absicht, dessen Sprachspieltheorie als Übungs- und Askesetheorie weiter zu denken. Hierbei werden Sprachspiele zu asketischen Handlungen. In der Nachahmung und Wiederholung eines Sprachspiels nach einer Grammatik zeigt sich ihr Übungscharakter.
Doch alles ist Sprachspiel, so die landläufige Ansicht über Wittgensteins Theorie, die durch die Ordinary Language Philosophy propagiert wird. Jede alltägliche Sprechhandlung ist anteilig die Praxis eines grammatikalischen Regelsystems und könnte also eine asketische Handlung sein. Fehlt der Drang sich abzusetzen, der Zug nach oben? Sloterdijks ethischer Imperativ droht sich in Anlehnung an diese Interpretation Wittgensteins über die ganze Erde zu verstreuen, und so muss er ein elitäres Bestreben bei Wittgenstein ausmachen. Dies führt im Text über einige biografische Anmerkungen aus dem Leben Wittgensteins zu kurzen Blitzlichtern seiner Theorie.
„Kultur ist eine Ordensregel. Oder setzt doch eine Ordensregel voraus.“3, schreibt Ludwig Wittgenstein in eins seiner Notizhefte 1949. Sloterdijk nimmt diese Notiz als Ausgangspunkt einer Betrachtung von Wittgensteins Spiritualität, seines Kulturverständnisses geprägt durch die Sezessionsbewegungen innerhalb der Wiener Kunstszene seiner Jugend und seiner Rolle als Lehrender.
Die Vokabel „Ordensregel“ in Wittgensteins Gebrauch überrascht nur auf den ersten Blick. Sloterdijk unterstreicht mit verschiedenen Zitaten Wittgensteins Spiritualität. „Ich hätte mein Leben zum Guten wenden sollen und ein Stern werden. Ich bin aber auf der Erde sitzengeblieben und nun gehe ich nach und nach ein.“4, schreibt Wittgenstein seinem Freund Paul Engelmann 1921. Jemand der ein Stern werden wolle, der würde insgeheim der Überzeugung sein, einmal ein solcher gewesen zu sein, so Sloterdijk. Wittgenstein als ehemaliges Lichtwesen, als den weltlichen „Schweinereien“ ferner Beobachter, hat einen Abstieg auf der Jakobsleiter hinter sich, der ihn zum Prototypen eines inversen Akrobaten macht (dem Leichtes schwer, Unmögliches leicht falle). Die Komplexität ist ihm natürlich, während die weltliche Banalität ihn vor Probleme stellt. Ein weiteres Mal an Engelmann: „Wohl fühle ich mich nicht, aber nicht, weil mir meine Schweinerei zu schaffen machte, sondern innerhalb der Schweinerei.“5 Sloterdijk beschreibt Wittgensteins Leben als einen Abstieg auf den befremdlichen Boden der Tatsachen und als anhaltende Askese, nur das Minimum an „unvermeidlichen Lebensvollzügen auszuführen“6 und sich die Luzidität der höchsten Höhen beizubehalten.
Von dieser Warte aus lasse sich das Interesse Wittgensteins an der monastischen Lebensform neu bewerten. Im Gegensatz zum alltäglichen Lebensvollzug wird das Leben im Kloster durch ein Kunstsystem aus nicht weiter zu begründenden Lebensregeln, welche mit größter Bedachtsamkeit befolgt werden, definiert. Man wählt diese Lebensform bewusst und wird nicht wie ein Ferkel hinein gesetzt in den Stall. Die Handlungen sind reduziert auf das Wesentliche und es herrscht Strenge und Wachsamkeit in ihrer Ausführung.
Wittgensteins Kulturbegriff versickert somit nicht in den zahllosen Furchen des Alltäglichen: du musst dich konzentrieren auf ein Leben, das sich absetzt durch klar definierte Regeln. „Kultur im anspruchsvollen Sinne des Wortes entsteht in seinen Augen erst durch die Absonderung der wirklich Kultivierten von der sonstigen sogenannten Kultur, diesem Aggregat aus besseren und schlechteren Gewohnheiten, die in ihrer Summe kaum mehr als die übliche Schweinerei ergeben.“7 Dieses Absetzen ist ein Lebensmotto/Thema, dessen Ursprung Sloterdijk in Wittgensteins Jugend ausmacht. Wittgensteins sezessionistischer Kulturbegriff, so Sloterdijk, sei maßgeblich durch den Kontakt und die Erfahrungen mit der Wiener Kunstszene geprägt. Sein Vater unterstützte als Mäzen die Abspaltung der Künstlergruppe um Gustav Klimt, Koloman Moser und Josef Hoffmann von dem traditionellen und konservativen Wiener Künstlerverein. Ein Jahrhundert stirbt und ein neues bricht an. Die kulturelle Avantgarde ist geprägt durch die Trennung von alten Mustern und Schnörkeln. Eine neue Klarheit wird verfolgt, die sich auch klar abzusetzen sucht. Adolf Loos veröffentlicht sein Werk "Ornament und Verbrechen" und arbeitet an einem neuen Formverständnis, das sich auf einen Funktionalismus beruft. Der sezessionistische Grundtenor sieht erst in einem Abstieg zu den elementaren Formen die Möglichkeit zu einem Aufstieg in der Kultur. Er konzentriert sich auf die primären Formen, die Grammatiken und ihre konstruktiven Prinzipien.
Sloterdijk vergleicht diese Sezession der Wiener Ateliers mit der Gründung der Akademie Platons. Auch sie setzte sich, auch räumlich, von der alltäglichen Kultur Athens ab und suchte hinter ihren Mauern und im angrenzenden Gymnasium (Sportstätte) nach der „guten Form“ des Lebens. Es ist ein Bruch mit dem schicksalhaften Bild der Welt und akademische Praxis, die zu einem neuen Verständnis führt. Unabwendbare Tragik wird zu einem Fehler, der ein „säkularisiertes, revidierbares Verhängnis“8 ist. Für Sloterdijk folgt Wittgenstein in seiner Theorie eben diesem Topos und versteht unter Kultur die Arbeit an den persönlichen und kollektiven Fehlern. Dies lässt Wittgensteins Werk als praktizierten ethisch-ästhetischen Elitismus erscheinen, der keineswegs Anknüpfungspunkte für egalitäre oder relativistische Ansätze bietet. Warum Wittgensteins Sprachspiele nicht als Askesen, die sich von dem gewöhnlichen, alltäglichen Gebrauch der Sprache absetzen, indem sie den Versuch darstellen, die „Lebensformen durch logische Analyse und technische Rekonstruktion“9 zu erklären, rezipiert wurden, lastet Sloterdijk dem lehrenden Wittgenstein an. Er habe seinen Schülern durch seine Zweideutigkeit nur die halbe Lektion offenbart und indem er sich "zwischen Trainer und Messias" nicht habe entscheiden können, sein Verstanden-werden erschwert.
Was bleibt nach diesem Verständnis von Wittgenstein, sind sein Bemühen durch die Sprachspieltheorie auf die „mikro-asketischen Module“10, derer wir uns alltäglich bedienen, aufmerksam zu machen und mit diesem Bewusstsein für Grammatik eine Läuterung ihres Gebrauchs einzuleiten. Aus einem unbewussten Gebrauch von Sprache und Leben sollen sich durch diese Analyse wenige herauskristallisieren, die in die Ordensregel - Kultur übernommen werden können. „Sprachspiel ist alles, der lebende Kristall und die Schweinerei, es kommt auf die Nuancen an.“11 Der Übende muss sich der Übung als Übung bewusst werden um seine Selbstveränderung aktiv zu lenken.

Anmerkungen:
1 Peter Sloterdijk, Du mußt dein Leben ändern (Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2009), S. 208
2 Ebd.
3 Ludwig Wittgenstein, Vermischte Bemerkungen (Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1994) S. 149
4 Paul Engelmann, Ludwig Wittgenstein. Briefe und Begegnungen (Wien/München: Oldenbourg, 1970) S. 32
5 Allan Janik/Stephen Toulmin, Wittgensteins Wien (München: Pieper, 1984) S. 316
6 Peter Sloterdijk, Du mußt dein Leben ändern (Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2009), S. 212
7 Ebd., S. 216
8 Ebd., S. 221
9 Ebd., S. 223
10 Ebd., S. 228
11 Ebd., S. 230

DISKUSSION: