Donnerstag, Januar 31, 2013

Sokratisches Cafè Philo



darf ich heute (2.2. Bern) mal sokratisch vorgehen ?
ICH FANG MAL DAMIT AN

Was macht denn Sokrates immer wieder ?
(ER FRAGT)



Kennt jemand einen Ausspruch des Sokrates ?
(sammeln)



// Hilfsweise:
Ein Ausspruch des Sokrates beginnt mit: „Ich weiss ...“
Bitte vervollständigen sie doch den so begonnenen Satz!
(erst sagen, dann auf ein herumgehendes Blatt schreiben) 



Weiss Sokrates nix
oder weiss er -wie wir alle- dass er manches weiss & manches (Wichtige) nicht weiss?
JA?
(dann sind wir Anhänger der „schwächeren“ Fassung des Sokratischen Nichtwissens)



Versuchen wir trotzdem zunächst die stärkere Fassung:
WAS WEISS SOKRATES & was WEISS ER NICHT – unter der Voraussetzung, dass Sokrates nix - „gar nööt“ - weiss ?
= alle Sätze der Form „Sokrates weiss x“ sind falsch, keine Aussage der Form „Sokrates weiss x“ ist wahr.
Also: KEIN AussageSATZ ?
Wissen wir etwas von Sokrates und können wir annehmen, dass er das auch wusste?



Schon in der Antike gab es in der Logik „Sokrates Beispiele“. Sie haben die Form:
SOKRATES IST …
Bitte ergänzen Sie!







Nehmen wir als Beispiel:
SOKRATES IST EIN MENSCH



MENSCHEN SIND KINDER VON MENSCHEN: stimmen wir zu?
Hat Sokrates Eltern ?
Wissen wir was von ihnen?



Weiss auch der platonische Sokrates, welche Eltern er hat?



Wenn Sokrates weiss, dass er der Sohn einer Hebamme ist, dann weiss er etwas und nicht nichts. Damit ist die „Stärkere Fassung des Sokratischen Nichtwissens“ widerlegt, erledigt, aus dem Weg geräumt ?



Bleibt nun die schwächere Fassung. Worin besteht die spezielle Ausprägung des Nichtwissens bei Platons literarischer Figur Sokrates ?



Dazu der Beginn von Platons Dialog THEÄTET:
Sokrates fragt seinen Gesprächspartner (in Platons Dialog Theaitetos) , ob er gehört habe, dass er der Sohn einer tüchtigen Hebamme sei, was der Befragte bejaht. Die Frage danach, ob er auch wisse, dass Sokrates dieselbe Kunst ausübe wie die Hebamme verneint er, worauf Sokrates antwortet: „Wisse denn, dem ist so. Verrat mich aber nicht, ... denn es weiß niemand von mir, daß ich diese Kunst besitze. Da es nun die Leute nicht wissen, so sagen sie mir auch dieses zwar nicht nach, wohl aber, daß ich der wunderlichste aller Menschen wäre und alle zum Zweifeln brächte. Gewiß hast du das gehört“ [149 St 1 A] - Theaitetos bejaht. Sokrates erklärt nun ausführlich, was unter dieser 'Kunst' zu verstehen ist, dem Gesprächspartner bei der Geburt von GedankenKindern beizustehen. (Das könnte auch in einem Café Philo sein) Und wir können ja zusehen, ob sich das heute und hier wohl ereignet -
Die Hebamme hilft Menschenkindern aus dem Mutterleib (zur rechten Zeit) in die Welt.
Der sokratische philosophische Praktiker macht Entsprechendes mit noch unausgesprochenen Gedanken, „Kopfgeburten“. Beide „gebären“ nicht selber, sondern helfen Anderen beim Gebären.
Soweit das zentrale Bild, mit dem der platonische Sokrates sein „merk-würdiges“ Geschäft (des gemeinsamen Philosophierens in verteilten Rollen) verständlich zu machen sucht bei den Gesprächs-partnern.

Und was hat dies mit Wissen und Nichtwissen zu tun?

A  Das Streitgespräch mit Leuten, deren Wissen nur eingebildet ist:
hier tritt der (auch tricksende) Sokrates als Wettkämpfer auf und der Kampf endet im aufgedeckten Nichtwissen (des Gegensprechers). Nichtwissen als Methode, immer fragen zu können und den Argumentationsdruck voll zu entfalten.

B Philosophierendes Sich-Beraten mit Freunden wie Kriton über lebenspraktisch einschneidende Entscheidungen. Soll Sokrates aus dem Kerker fliehen, sein Leben retten (für die Zeit, die einem End-Sechziger bleibt - in der Fremde) ? Sokrates kommt argumentierend mit dem Freunde zu einem anderen Ergebnis wie Anaxagoras, der lieber floh. 

Diskussion: warum lobt Platon die Gesetzesliebe des Sokrates ?
Sind die Gesetze Athens nicht von Menschen gemacht (Solon) und können sie nicht von Menschen abgeändert werden ? In D wurde erst nach einer Meuterei am Ende des verlorenen Kriegs 1918 das allgemeine Wahlrecht (und der achtstündige Normalarbeitstag) eingeführt. Frauen konnten dann in D erstmals 1919 wählen.

Donnerstag, Januar 24, 2013

Café Philo 2.2. Schloss Bern-Bümpliz 14h

Wissen des Nichtwissens ?

Sokrates fragt seinen Gesprächspartner ( in Platons Dialog Theaitetos)1 , ob er gehört habe, dass er der Sohn einer tüchtigen Hebamme sei, was der Befragte bejaht. Die Frage danach, ob er auch wisse, dass Sokrates dieselbe Kunst ausübe wie die Hebamme verneint er, worauf Sokrates antwortet: „Wisse denn, dem ist so. Verrat mich aber nicht, ... denn es weiß niemand von mir, daß ich diese Kunst besitze. Da es nun die Leute nicht wissen, so sagen sie mir auch dieses zwar nicht nach, wohl aber, daß ich der wunderlichste aller Menschen wäre und alle zum Zweifeln brächte. Gewiß hast du das gehört“ [149 St 1 A] - Theaitetos bejaht. Sokrates erklärt nun ausführlich, was unter dieser 'Kunst' zu verstehen ist, dem Gesprächspartner bei der Geburt von GedankenKindern beizustehen. (Das könnte auch in einem Café Philo sein) Siehe dazu etwa Odo Marquard im Historischen Wörterbuch der Philosophie: „Den Begriff Philosophische Praxis (PP) hat Gerd B. Achenbach 1981 ... geprägt: unter PP versteht er die professionell betriebene philosophische Lebensberatung, die in der Praxis eines Philosophen geschieht. ... Sie verordnet keine Philosopheme, verabreicht keine philosophische Einsicht, sondern sie setzt das Denken in Bewegung: philosophiert.“ [ http://de.wikipedia.org/wiki/Philosophische_Praxis]
Die sokratisch-philosophische 'Kunst' beinhaltet, dass der Lehrende/Fragende den Lernenden/Befragten darin unterstützt, die Erkenntnis/Wahrheit -in einem Prozess ähnlich dem Geburtsvorgang- ans Licht zu bringen. Der Lernende wird dabei durch geschickte Fragen angeleitet, sich selbständig mit einem Problem auseinanderzusetzen, Lösungswege und Lösungen werden nicht vorgegeben, sondern sollen selbst entwickelt bzw. gefunden werden. Da das meist nicht einfach ist, kann es die Befragten in die Situation des Zweifelns an sich selbst bringen. Und 'zweifeln' wird auch die eine oder andere Gebärende, wenn sie schon ganz erschöpft ist, und das Kind immer noch nicht 'ans Licht' will... (sagt Mutter Christine)
Methodisch sieht das so aus, dass der Fragende immer wieder mit weiterem Nachfragen oder auch Zurückgeben von Fragen, der Form der offenen Fragen, der 'W-Fragen' (z.B.:Warum meinst Du, dass das so und so ist?/ Was ist das, das Du da meinst?), die Befragten dazu bringt, selbst Antworten zu finden / zu geben. Letztendlich findet ein Dialog, oft ein Zwiegespräch zwischen 'Vordenker' (Sokrates) und 'Mitdenker' statt, wobei die Selbstläuterung von beiden das Ziel ist: „...ein Philosophieren, das ... auf Prozesse des Bewusstwerdens ausgelegt ist.“2

Der Sokratische Dialog (bei Platon)

Im 6. Kapitel „Definition, Dialektik und das Gute“ seines schmalen Bändchens PLATO beschreibt Hare3 Sokrates Anliegen, das dieser mit seinen 'Was ist...?'-Fragen hat, als „Rechenschaft geben“. Darin liege der Kern des Philosophierens. Platon und Sokrates argumentieren, dass es nicht hinreiche, richtige Meinungen (ortheDOXA) zu haben. Erst wenn diese gerechtfertigt werden, können sie als sicher und zuverlässig, als WISSEN gelten: „Wenn wir die Wörter verstehen können, in denen wir die uns beschäftigenden Probleme darlegen, dann können wir für sie im nächsten Schritt begründete Lösungen suchen. Genau das ist das Anliegen der Philosophie“ (Hare verbindet diese Aussage mit einem Verweis auf Wittgensteins Lehrer Frege, der sich auf Sokrates Worte bezieht, mit der Aussage, dass das 'Wissen des Nichtwissens' vielen als Vorbedingung des Lernens fehle.) Diese Problematik sieht Hare im Dialog Euthyphron4 dargestellt. Besonders in Zeiten sittlicher oder politischer Verunsicherung kann der Anschluss an die Mehrheitsmeinung nicht ausreichen: wir müssen uns selber durchdenken / „we have to think the thing out for ourselves“5. Sokrates' Methode der 'Prüfung' (ELENCHOS) beschreibt er als ein Entlocken von Antworten auf seine Fragen. Die Antworten wurden dann ABER durch Sokrates oft zunichte gemacht, wenn er nachweisen konnte, dass diese in Widerspruch zu Behauptungen standen, die das jeweilige „Opfer“, oder sogar die Allgemeinheit, nicht aufgeben wollte. Hare sieht in der Argumentation die Problematik, dass nicht klar ist, ob so die Meinung/en abgelehnt würde/n oder die Bestimmung der verwendeten Wörter. Deshalb schlägt er vor, Platon so zu interpretieren, dass die Definition, die in den Selbstwiderspruch führt, abgelehnt werden muss.
Martens6 thematisiert, welche Bedeutung dem dialogisch an Argumenten und Gegenargumenten orientierten Prozess des Denkens, der durch die sokratische Methode bewirkt wird, zukommt: „Noch vor fachphilosophischen Unterscheidungen und arbeitsteiligen Einengungen einzelner Methoden und Richtungen besteht das Spezifikum des sokratischen Philosophierens aber vor allem in seiner lebensweltlichen Fülle und alltagssprachlichen Nähe,...“ und er verweist auf Adorno: „Darin, daß die Philosophie ihre Begriffe in einem so weiten Maß der von Allen gesprochenen Sprache entlehnt, hat sie ihre Beziehung auf das Ganze; so, wie es etwa Sokrates gegenwärtig gewesen sein mag, [ ], weil es Fragen sind, die alle Menschen angehen und die auch in ihrer Sprache sich behandeln lassen. Durch den Prozeß der Verfachlichung oder Spezialisierung werden auch diese Termini betroffen, diese Worte, die Sokrates noch an den Straßenecken verwandt hat, werden eingeengt.“7

Das sokratische Gespräch nach Nelson und Heckmann

Leonard Nelson bezeichnet sich selbst als: „...getreuen Schüler des SOKRATES und seines großen Schülers PLATON...“8, so der Beginn seines Vortrags bei der 'Pädagogischen Gesellschaft' Göttingen, dort 1922 gehalten, anlässlich der Gründung der 'Philosophisch-Politischen-Akademie' und 1929 posthum veröffentlicht. Zentralaussage: „Die sokratische Methode ist nämlich nicht die Kunst, Philosophie zu lehren, sondern Philosophieren zu lehren, nicht die Kunst, über Philosophen zu unterrichten, sondern (uns) zu Philosophen zu machen.“ Nelson9 hat -bei aller Sympathie für sokratische Methode- Platon/Sokrates aber auch kritisiert, da Nelson sich beim Philosophieren nicht als Andere-durch-Stromschläge-lähmender (Menon10, 80a) 'Zitterrochen' verstehen wollte. Nelsons Modifikation besteht darin, dass er sich statt um einen Zweierdialog um ein moderiertes Gruppengespräch bemüht, in dem moderierende Gesprächsleiter sich inhaltlich zurückhalten : „... hier hängt alles davon ab, die (Teilnehmenden) ... von Anfang an auf sich zu stellen, sie das Selbstgehen zu lehren, ohne dass sie darum allein gehen, und diese Selbständigkeit so zu entwickeln, daß sie eines Tages das Alleingehen wagen dürfen, weil sie die Obacht des (Gesprächsleiters) ... durch die eigene Obacht ersetzen.“11. So kommentiert Nelson die Stelle aus der Apologie: „...ausgefragt, geprüft und ins Gebet genommen...“12, als: „nicht um ihnen lehrend eine neue Wahrheit zu vermitteln, sondern nur, um ihnen den Weg zu zeigen, auf dem sie sich finden läßt.“ Dies, so scheint es, weiss Sokrates, selbst wenn er sonst nichts weiss.
Martens (1999) fasst die sokratische Methode als 'Dialog-Handeln' 13 und ihr Ziel ist 'Orientierung'. Er verweist auf Kant, der in seiner 'Kleinen Schrift von 1786'. „Was heißt: sich im Denken orientieren?“ in der Schlussanmerkung schreibt: „Aufklärung in einzelnen Subjekten durch Erziehung zu gründen, ist also gar leicht; man muß nur früh anfangen, die jungen Köpfe zu dieser Reflexion zu gewöhnen. Ein Zeitalter aber aufzuklären, ist sehr langwierig; denn es finden sich viele äußere Hindernisse, welche jene Erziehungsart teils verbieten, teils erschweren.“
Doch zurück zu Nelson, der sich an vielen Stellen seines Vortrags auch auf Kant bezieht, also nicht nur Platoniker sondern auch noch NeuKantianer ist. Besonders hervorzuheben , ist die Aussage, dass es in der Geschichte der Philosophie zweimal die: „Aussicht [gab], die Philosophie aus dem Stadium des Herumtappens auf den sicheren Weg der Wissenschaft zu bringen. ...“14 - erstens mit Sokrates, zweitens mit Kant. Zu Sokrates findet sich folgende jauchzende und zugleich scharfsinnige Passage beim jungen Altphilologen Friedrich Nietzsche : „Wer das fortwährende Jauchzen nicht hört, welches durch jede Rede und Gegenrede eines platonischen Dialogs geht, das Jauchzen über die neue Erfindung des vernünftigen Denkens... (!)[ ]... Jenes Alte war das Denken im Banne der Sittlichkeit, für das es lauter festgestellte Urtheile, festgestellte Ursachen, keine anderen Gründe, als die der Autorität gab: so daß Denken ein Nachreden war..[ ]..Sokrates war es, der den entgegengesetzten Zauber, den der Ursache und Wirkung, des Grundes und der Folge entdeckte...[ ]“15 Der Mensch entdeckt sich seit der klassisch griechischen Aufklärung als das „nicht festgestellte“ Wesen.
Zusammenfassend kann bis hier festgehalten werden, dass Nelson die sokratische Methode vom Zwiegespräch (Dyade) zum Gruppengespräch gemacht hat, wo es einen 'neutralen' sokratischen Lehrer/Leiter gibt, der jedem der Gruppe die Chance inhaltlich weiterzukommen gibt. Den Nachteil dieser Modifikation sieht zum Beispiel Birnbacher16 darin, dass die größere Komplexität der Gruppeninteraktion die Gefahr in sich birgt, bei der Wahrheitssuche auf die Schiefe Bahn abzurutschen, d.h. sich vom folgerichtigen Nachdenken zu entfernen, und/oder die Ausgangsfrage aus den Augen zu verlieren. Diesem Problem ist Heckmann (Schüler Nelsons, von 1927 – 1932 Lehrer in der Erwachsenenabteilung des von Nelson eröffneten Landerziehungsheims Walkenmühle bei Melsungen in Nordhessen)17 entgegengetreten.
Mit der Bearbeitung der sokratischen Methode setzt Heckmann an diesem Punkt an, indem er nicht mehr wie Nelson davon ausgeht, dass es objektiv gültige philosophische Wahrheiten gibt und das menschliche Nachdenken zu ihrer Auffindung in der Lage ist, was Nelson (wie Fries) als „Selbstvertrauen der Vernunft“18 bezeichnete. Heckmann schreibt der sokratischen Methode eine neue, selbständigere Rolle zu: „Ein Gespräch ist sokratisch, wenn es dem einzelnen Teilnehmer dazu verhilft, den Weg vom konkret Erfahrenen zur allgemeinen Einsicht selber zu gehen [ ]. Nur indem der einzelne diese Arbeit selber leistet, gewinnt er Einsicht. [ ] Im sokratischen Gespräch hat der Gesprächsleiter die pädagogische Aufgabe.....“19. - Zur Erfüllung dieser pädagogischen Aufgabe hat Heckmann sechs pädagogische Maßnahmen entwickelt, deren Ziel die Konsensfindung über eine Aussage durch das sokratische Gespräch ist. Diesem Konsens schreibt er den Charakter des Vorläufigen zu: „Bis auf weiteres bestehen keine Zweifel mehr an der erarbeiteten Aussage. Jedoch kann uns ein bisher nicht erwogener Gesichtspunkt in den Blick kommen, der neue Zweifel hervorruft. Dann muß die bisher nicht mehr angezweifelte Aussage von neuem geprüft werden. Niemals aber wird eine Aussage erreicht, die neuer Revisionsbedürftigkeit grundsätzlich entzogen wäre.“ (S.87) Heckmann sieht Punkt 6. Lenkung ('in fruchtbare Bahnen') als höchste Anforderung für den Gesprächsleiter, da das Erkennen und Nutzen fruchtbarer Ansätze und Fragen voraussetzt, dass der Leiter den Teilnehmern deutlich voraus sein muss, bezüglich philosophischer Einsichten und der Erfahrung darin, wie diese zu erlangen sind. Die sechs Maßnahmen, die als Forderung für den Leiter gelten, haben den Vorteil, dass diese Gesprächsregeln dann im weiteren Verlauf auch von den Gesprächsteilnehmern beachtet werden (können) und so eine regelmäßig „neo-sokratisch“ miteinander sprechende Gruppe weniger Leitung bedarf, sondern sich selbst anleitet. Der vorherige Leiter kann sich dann inhaltlich am Gruppengespräch beteiligen, als einer unter Gleichen. Wenn das Gespräch in einem Café Philo gut in Gang gekommen ist, erleben wir das auch: Gespräch unter Gleichen.
>>Sich-Wundern<< - damit fängt das Philosophieren an. Sich-Wundern-Können, auch noch mit fortschreitendem Alter, und jenes >>innere Jauchzen<< (der ungewöhnliche Altphilologe Nietzsche) beim interessierten Verfolgen der Wechselrede, sind vermutlich die wichtigsten Quellen des Vergnügens und des philosophischen Einsicht-Gewinnens beim Café Philo. 

„>Was bringt uns zum Denken?< Die klassische Antwort lautet: Das Staunen ist der Anfang von Philosophie(ren) … Reflexion ist seit Sokrates immer auch dabei, das selbsterzeugte Gedankengeflecht wieder aufzulösen.“ In ihrem letzten Werk: >Vom Leben des Geistes< hält Hannah Arendt Zwiegespräch mit Sokrates: „... gefrorene Gedanken, scheint Sokrates zu sagen, stellen sich so zwanglos ein, dass man sie im Schlaf anwenden kann; doch wenn dich der Wind des Denkens … aus dem Schlaf geweckt und völlig wach und lebendig gemacht hat, dann wirst du erkennen, dass du nichts in der Hand hast als Ratlosigkeit“ Nichtwissen – auf der Objektebene (wie moderne Sprachphilosophen gerne sagen). Dann aber steigt Hannah Sokrates gleichsam eine Stufe höher (auf die Metastufe, die Reflexionsstufe) und fährt fort: „ … und das beste ist immer noch, (die Suche) zu unserer gemeinsamen Sache zu machen.“ Nach: Reiner Wimmer, Vier jüdische Philosophinnen, Tübingen 1990,293
 

>>Wage es nur, vernünftig zu sein [sapere aude]; fang nur an damit; wer die Stunde hinausschiebt, in der er mit dem vernünftigen Leben anfängt, der gleicht dem Toren, der wartet, bis der Fluss abgeflossen ist; aber er strömt weiter und wird in alle Ewigkeit weiterströmen.<< (Horaz, Epistolae 2, 40.)20

Literaturhinweise

Adorno, Theodor W., 1973: Philosophische Terminologie, Band 1, Frankfurt/Main
 
Birnbacher, Dieter und Dieter Krohn (Herausgeber), 2002: 


Das sokratische Gespräch, Reclam, Stuttgart



Dietz, Cornelia: Der Platonische Dialog im Rahmen der
 


Kommunikationstheorie Gerold Ungeheuers. Eine
 


Hausarbeit aus dem Wintersemester 1994/95 Uni Konstanz



Hare, Richard M., 1982: PLATO , Oxford University Press, Oxford



Hare, Richard M., 1990, aus dem Englischen übersetzt v. 


Christiana Goldmann: Platon, Eine Einführung, Reclam, Stuttgart



Heckmann, Gustav, 1982: Das sokratische Gespräch

 

Höffe , Ottfried, 2009: Aristoteles: Die Hauptwerke,


Francke Verlag, Tübingen 

 

Martens, Ekkehard, 2004: Sokrates, Eine Einführung, Reclam, 


Stuttgart



Martens, Ekkehard, 1999: Philosophieren mit Kindern, Reclam, 


Stuttgart



 
Mittelstraß, Jürgen, 1985: Die geometrische Wurzel der Platonischen Ideenlehre, in: 


Gymnasium 92, 399-418



Mittelstraß, Jürgen, 1984: Versuch über den sokratischen Dialog, in:
Das Gespräch ,  Karlheinz Stierle und Rainer Warning (Hg.)
Mok-Wendt, Christine, 2013::  Sokrates und seine Lebenseinstellung
oder: Auf der Spur der sokratischen Methode, Uni Konstanz (Vorlage für diese Post)


Nietzsche, Friedrich: Morgenröthe. Gedanken über 


die moralischen Vorurteile (1881) , in:


 Kritische Studienausgabe 3, dtv / de Gruyter 1988; Neuausgabe 


1999



Platon, 2007: Euthyphron, Reclam, Stuttgart


Platon: die Werke, 2. Tetralogie: Kratylos,Theaitetos, Sophistes, 


Politikos  , nach einer Übersetzung v. Friedrich E. D. 


Schleiermacher in: Platons Werke. 


Zweiten Teiles erster Band. Dritte Auflage, Berlin 1856


(aus. www.opera-platonis.de)



Platon, 1994: Sämtliche Werke, Band1, neu herausgegeben von 


Ursula Wolf, übersetzt von Friedrich Schleiermacher (Apologie),


 Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbek bei Hamburg



Roth / Staude (Hg.) 2010: Das OrientierungsLos. Philosophische


Praxis1, Hartung-Gorre, Konstanz



Roth, Volkbert M. (Hg.) 2012: Viel Glück. 


Philosophische Praxis 4, Konstanz  SinnPraxis@gmail.com





Wimmer, Reiner 1990: Vier jüdische Philosophinnen, Tübingen  

     
             (Hannah Arendt und Sokrates)


1Platon, 2. Tetralogie: Theaitetos [148 d] ff. (aus: www.opera-platonis.de)
2Birnbacher, Dieter und Dieter Krohn: Das sokratische Gespräch, (S.144)
3Hare, Richard M., 1990: Platon (S. 73 f.)
4Platon, Euthyphron, 2007
5Hare, Richard M., 1982: Plato, (S.41)
6Martens, Ekkehard, 2004: Sokrates (S.162 f.)
7Adorno, Theodor W., 1973: Philosophische Terminologie, Band 1, (S.48), aus: Martens, 2004
8Nelson, Leonhard, 1922 veröffentlicht: 1929: Die sokratische Methode, (S.21-72), aus Birnbacher, Dieter und Dieter Krohn, 2002: Das sokratische Gespräch
9Birnbacher, Dieter und Dieter Krohn, 2002: Das sokratische Gespräch, (S.148 f.)
10Platon, 1994: Sämtliche Werke, Band1 (Menon, 80a/ S.470/471)
11Nelson, Leonhard, 1922 veröffentlicht: 1929: Die sokratische Methode,(S.46/47), aus Birnbacher, Dieter und Dieter Krohn, 2002: Das sokratische Gespräch
12Platon: Apologie des Sokrates (übersetzt v. Otto Apelt), S.44, Leipzig: nach Nelson, Leonhard, 1922 veröffentlicht: 1929: Die sokratische Methode, (S.26), in Birnbacher, Dieter und Dieter Krohn, 2002: Das sokratische Gespräch
13Martens, Ekkehard, 1999: Philosophieren mit Kindern, (S.54) -mehr dazu: in Ch. Mok-Wendt, Uni Konstanz BA-Arbeit, (S.30 f.)
14Nelson, Leonhard, 1922 veröffentlicht: 1929: Die sokratische Methode, (S.25), aus Birnbacher, Dieter und Dieter Krohn, 2002: Das sokratische Gespräch
15Nietzsche, Morgenröthe, KSA 3, S.314 f., aus: Martens, Ekkehard, 2004: Sokrates (S.66)
16Birnbacher, Dieter und Dieter Krohn, 2002: Das sokratische Gespräch (S.8)
17Birnbacher, Dieter und Dieter Krohn, 2002: Das sokratische Gespräch (S.217)
18Birnbacher, Dieter und Dieter Krohn, 2002: Das sokratische Gespräch (S.9)
19Heckmann, Gustav, 1981: Das sokratische Gespräch, (S.84-90)
20Martens, 1999:Philosophieren mit Kindern, (S.191)

 Wir freuen uns auf die Begegnung in Rede und Gegenrede, in der Wechselrede!

Sonntag, September 30, 2012

Handlungen im umfassendsten Sinn


Gemeinsames Fundierungsstück



Der Ausdruck ist entnommen dem Untertitel des Beitrags VIER STUFEN DER SPRACHEINFÜHRUNG. Überlegungen zum gemeinsamen Fundierungsstück der Sprachtheorie/Hand-lungstheorie in: Mittelstraß/Riedel (Hg): Vernünftiges Denken, Berlin / NY 1978. Dort wird „(unter Bezug auf jüngere Überlegungen von Kuno Lorenz) ein Versuch der Reformulierung des Anfangsstücks der konstruktivistischen Sprachhand-lungstheorie unternommen“ S.73f. „Der konsequent pragmatische Ansatz löst zunächst systematisch alle isolierten, selbständig scheinenden Gegenstände der Rede … auf in einen allumfassenden Handlungsbrei. Zu den Handlungen in diesem umfassendsten Sinn gehören insbesondere auch die Handelnden selbst, ihre Handlungspartner, - objekte und – umstände. Handelnde und Handlungsobjekte sind als isolierte Gegenstände der Rede in diesem allesumfassenden Handlungseintopf noch nicht lokalisiert und als distinkte ausgegliedert. Es soll vielmehr im folgenden erst darum gehen, aus einem zu erarbeitenden Verständnis von Handlungen im umfassendsten Sinn das eingegrenzte Verständnis von Handlungen im engeren Sinn und von weiteren Gegenständen der Rede zu gewinnen … am Anfang des systematischen Aufbaus (kann es) keine außerhalb des `Bereichs der Handlungen´ liegenden Gegenstandsbereiche geben“. S.75




Dies liegt einige Jahrzehnte zurück. Wie aktuell es gleichwohl ist zeigte sich in der Rede von Kuno Lorenz am 28.9.2012 in Konstanz. Darin hat die Verwendung von ARTIKULATOREN (zum philosophischen Gebrauch siehe den zitierten Text) die Bedeutung, in der Sprachphilosophie zunächst auf eine Stufe, die logisch/systematisch* früher ist als die der Prädikatoren, zu kommen (dies kenntlich zu machen) und dann mit den nun von Lorenz neu eingeführten "komplexen Artikulatoren" auch die dialogische Logik als "Sprachtheorie", die zugleich "Handlungstheorie" ist, zu entwickeln. 
*Siehe "Sprachtheorie als Teil einer Handlungstheorie", Kuno Lorenz in: Dieter Wunderlich, Wissenschaftstheorie der Linguistik, 1976 und ... Bericht von der Lorenzen-Tagung 2012 (in Vorbereitung).

Freitag, September 28, 2012

NUN lieferbar

http://www.buchhandel.de/default.aspx?strframe=titelsuche&caller=vlbPublic&nSiteId=11&Func=Search&stichwort=kunsten


Kuno Lorenz fürs 9. Jahrzehnt: Gute Wünsche !  Volkbert



Zum Abschluss der Tagung 

Dialogische Logik  

hielt einer ihrer Begründer an der Universität Konstanz den Vortrag: Die Rolle der Dialogbedingung im dialogischen Aufbau der dialogischen Logik

Eine homage an den doctor subtilis der Erlanger Schule des dialogischen systematischen Denkens findet sich im Text 111f

Dienstag, August 14, 2012

NachhaltigPhilosophieren Christine Mok-Wendt

PMK – Austauschtreffen im Käuzli am 17.08.2012

IDEE meiner Bachelor-Arbeit war: Habitusausbildung und Philosophieren mit Kindern (PMK) zu verbinden

[Habitus: (hexis/Aristoteles – zentraler Pkt. seiner Ethik → Tugend/Arete = Vollkommenheit, Tauglichkeit), → 'verinnerlichtes/gewohnheitsmäßiges, wohl überlegtes Handeln' → nicht statisch; heute: 'Gesamterscheinungsbild' einer Person/ Tieres → Aussehen u. Verhalten; Bourdieu/Krais: Identität des sozialen Akteurs = charakteristische Handschrift → 'Disposition']

(angeregt durch SLOTERDIJK: Du musst dein Leben ändern (Kapitel: Habitus) → globale Wohngemeinschaft: Idee Jonas: Nachhaltigkeit, STAUDE (hg): Methoden Philosophischer Praxis → Kapitel: Philosophieren mit Kindern  -  von Eva Zoller Morf)

Das ZIEL meiner BA war, eine Antwort zu geben, warum es so wichtig ist, bereits Kinder zum Philosophieren zu bringen / nicht davon abzubringen:

WARUM ?

→ Diese Frage gebe ich an die Zuhörer/Anwesenden zurück (so viel dazu, was man von PMK lernen kann):

Was (meinen) meint (Sie) Ihr denn, wozu es gut ist, mit Kindern zu philosophieren? - IHR, habt Euch schon eingehend damit befasst – für mich war die BA, unter dieser Frage, ein spannendes Erkunden, Gang durch die Geschichte, mit der Erkenntnis, dass PMK gar nichts so neues, modernes ist, wie ich zuerst dachte.
UND meine Antwort: weil Kinder diejenigen sind, die fähig sind, die „Weltrettung“ (Nachhaltigkeit) durchzuführen.

GESCHICHTE/ Entwicklung (Habitus):

ARISTOTELES, Nikomachische Ethik: „Es kommt also nicht wenig darauf an, ob man schon von Kindheit an so oder so gewöhnt wird; es hängt viel davon ab, ja sogar alles.“ - Bezug auf Platon: „Daher müssen wir, wie Platon sagt, sofort von klein auf in bestimmter Weise erzogen werden, ...“

KANT: Aufklärungs Maxime: Selbstdenken!: „ „Wir wollen also vorerst das Prüfungsmerkmal der reinen Tugend an einem Beispiel zeigen, und indem wir uns vorstellen, daß es etwa einem zehnjährigen Knaben unter Beurteilung vorgelegt worden, sehen, ob er auch von selber, ohne durch den Lehrer dazu angewiesen zu sein, notwendig so urteilen müßte.“ (KPV, A277/278) 1 Auf die Methode hierfür geht er sowohl in seiner >>ethischen Didaktik<< , die er in seiner „Metaphysik der Sitten“ behandelt, als auch in seiner Pädagogik-Vorlesung ein. Es ist die Empfehlung der „sokratischen Methode“, die Martens mit >>Dialog-Handeln<< bezeichnet

SCHILLER: 1.: Denkerziehung für Kinder: „Doch ist schon die bloße Übung des Verstandes ein Hauptmoment bei dem Jugendunterricht, und im Denken selbst liegt in den meisten Fällen mehr als an dem Gedanken.“ , 2.: Ästhetik: „Gute Handlungen sind dann schön, wenn ihnen nicht nur der aktuelle Entschluß, sondern auch die habituelle, schon zur zweiten Natur gewordene emotionale Einwurzelung im Guten- das Unwillkürliche, >>das in dem moralischen Empfindungszustand der Person seinen Grund hat<<-, kurz gesagt der habitus zum Ausdruck kommt.“

SLOTERDIJK (Vergleich Hochseilartist): „Zweite Naturen sind Könnensdispositionen“ → Bezug auf Aristoteles/Thomas: Habitus als anthropologisches Konzept: „...den Mensch als das Tier identifizieren, das kann, was es soll, wenn man sich rechtzeitig um sein Können bemüht.“

JONAS (ökolog. Imperativ): Handle so, daß die Wirkungen deines Handelns verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf dieser Erde.“ → vorausschauendes Philosophieren → Mitarbeiter im globalen Immundesign

SCHEER,Hermann (2010): „Der Energethische Imperativ“
„Mein Ausgangspunkt sind nicht die erneuerbaren Energien, sondern ist die Gesellschaft -[ ] Ich bin nicht von den erneuerbaren Energien zur Politik für diese gekommen, sondern aus meiner Problemsicht und von meinem Verständnis politischer Verantwortung zu den erneuerbaren Energien.“2
„Es ist die historische Verantwortung der jetzt aktiven Generation, diesen Energiewechsel schon für die nächste Generation zu vollziehen. Es gibt keine Ausreden mehr. Alle Schwierigkeiten auf diesem Weg sind leichter zu bewältigen als die Folgen des Weitermachens.“




GESCHICHTE/ Entwicklung (PMK):

ARISTOTELES/PLATON (s.o.) sokratische Methode (Mäeutik) → Ursprung bei Platon, erstmals in der „Politeia“ = 'die Kunst der Unterredung', Zweierdialoge: Ziel dieser Dialoge ist → ethische Fragestellungen zu überprüfen.
Platons Intention war, mit Hilfe der Dialektik den Gerechtigkeitsbegriff neu zu definieren → vernünftiger Philosophenkönig' → 'Idee des Guten'; Platon / Aristoteles: Erziehung muss auf persönlichen Anlagen der einzelnen Person gründen → Beherrschung der Dialektik war dabei das Kriterium, das bestimmte, ob Jemand ein guter Herrscher sein würde: „...mit Kraft der Dialektik,..[ ].. 'Ich verstehe das noch nicht ganz; du sprichst wohl von einer gewaltigen Aufgabe. ..[ ].., daß die Welt des Seienden und Erkennbaren, die durch die Wissenschaft der Dialektik erfasst wird, klarer ist, als die Welt, welche die sogenannten Fachwissenschaften betrachten;...“3

20./ 21. Jhdt

1920 bis ca 1930: Renaissance des PMK: → Einbruch durch Nationalsozialismus: NELSON (aus Martens) → MINNA SPECHT, NOHL, HECKMANN (Recherche Mike Roth)

LIPMAN (1960/1980): „Die Schule vermittelt dem Kind ein negatives Charisma, eine unbegründete Überzeugung seiner intellektuellen Impotenz, ein Misstrauen gegenüber seinen eigenen geistigen Kräften außer denen, die es benötigt, um mit Problemen fertig zu werden, die ihm von anderen gestellt werden. Die lebhafte Neugier, die ein so wesentlicher Teil der natürlichen Regungen darstellt, wird ihm früher oder später durch das Erziehungssystem ausgetrieben“

[zumWIE : SLOTERDIJK (2009): Kritik an Paideia: „Es wurde Trägheit geübt.“]

LIPMAN: Philosophieunterricht zur „Pflege des Verstandes“ → „Ziel des Programms zur Vermittlung von denkerischen Fertigkeiten und Fähigkeiten besteht nicht darin, Kinder zu Philosophen oder effektiven Entscheidungsträgern heranzubilden, sondern ihnen dabei zu helfen, überlegtere, nachdenklichere, rücksichtsvollere, urteilsfähigere und (vernünftigere -?) Individuen zu werden.“

GOPNIK (Kinderpsychologin u. Kognitionsforscherin): Kinder verfügen von Geburt an in Grundzügen über Moral; Bezug auf Chomsky: „Doch diese Grundlagen sind nicht bloß eine angeborene, unveränderliche >>moralische Grammatik<< oder festverdrahtet emotionale Reaktionsmuster. Stattdessen verändert sich die Moralauffassung von Kindern, und somit auch unsere eigene, je mehr wir über die Welt und uns selbst erfahren. So wie Kinder mit Theorein über die Welt und erstaunlichen Kapazitäten, dies zu verändern, auf die Welt kommen, werden sie offenbar mit gewissen elementaren Moralauffassungen und ähnlich umfassenden Fähigkeiten geboren, ihr moralisches Urteilen und Tun zu verändern.“ →
„evolutionäre Arbeitsteilung“ „Kinder und Erwachsenen lediglich als unterschiedliche Erscheinungsformen des Homo sapiens“4

ZOLLER Bsp einer 'übenden' Mutter: „Eines Tages stieg sie mit ihrem Dreijährigen Knirps die Treppe zum Garten hinunter, um im Garten die Wäsche aufzuhängen. Sie trug das nasse Zeug in einem der üblichen Plastikkörbe nach unten. Da fragte ihr Bub sie plötzlich: >>Mama, warum ist dieser Korb aus Plastik?<< Gerade wollte sie zu einer Erklärung im Stil >>Ja, weißt du, heutzutage ist eben alles aus Plastik<< ansetzen, als ihr einfiel, was sie im Kurs gelernt hatte, nämlich den Kindern zuerst eine eigene Antwortchance zu geben, bevor wir mit unseren Erwachsenenweisheiten daherkommen. >>Was denkst du denn, weshalb das so ist?<< fragte sie jetzt nach bester Kinderphilosophiemanier zurück und erhielt prompt die fixfertige Antwort des Knirpses: >>Ist doch klar! Damit er nicht aufweicht!<< Das ist natürlich der Sinn des Plastikmaterials, und das war es auch, was ihn eigentlich interessiert hatte.“5 „Neue Erfahrungen überlagern alte Dispositionen nicht mehr, sondern sie werden 'nur noch transformiert“. → und in diesem Sinne und mit dem Blick auf unseren Begriff der 'Nachhaltigkeit' entwickele ich das Beispiel von Eva Zoller Morf weiter: Die Mutter freut sich, dass sie die gelernte Methode so gut umsetzen konnte, aber die Antwort brachte sie ins Grübeln und sie kaufte einen Wäschekorb aus Weide. Auf die Fortführung des Dialogs durch den Jungen kann frau gespannt sein – und warten!


ANTWORTEN:


Frei ist nur, wer in seinen Gedanken frei ist und sich nicht irgendwelchen Machtstrukturen unterwirft (Safranski über Heidegger): „Die gedanklichen Selbsterfindungen eines Philosophen schlagen um in Selbstinszenierung vor der Kulisse der Macht. Ein beklemmendes Schauspiel: wie immer wird die Wahrheit bedrohlich, wenn sie nach der Macht greift. - Es gibt also Gründe genug, an der Trennung zwischen dem Denkbaren und dem Lehrbaren festzuhalten. Aber es ist das Denken, das zu dieser Lebenskunst der Entmischung befähigt. Ein Denken, das das Denken vor den Versuchungen der Machtergreifung schützt.“6 → 'Lebenskunst' als die Trennung zwischen kultureller und politischer Wahrheit, die sich jeder zu eigen machen muss (auch hier wieder „zweite Natur“) - „das wäre eine Lebenskunst, bei der man selbst lebendig bleibt und die zugleich das gefährdete Unternehmen des gemeinschaftlichen Lebens am Leben läßt.“7 → Denken das einzig wirklich adäquate Mittel, sich selbst zu schützen, indem ich meine eigene Identität finde und damit auch die Gemeinschaft schütze => Safranskis obiger Gedankengang auch wieder zum Begriff der 'Nachhaltigkeit'

Die Philosophie nach dem Weltbegriff (vier Fragen Kants) → „Philosophie, die uns alle angeht“ → hier zentrale Frage „Wozu“. → Wir erhalten durch das Philosophieren keine endgültigen Antworten, aber einen „Wegweiser“ oder „Kompass“ für einen möglichen Weg durch unsere Welt. Jeder erhält die Chance seinen individuellen Weg zu gehen, der der seinem Habitus entspricht, im Sinne der Hypomnemata: „Es geht darum, aus seinem Leben ein Werk zu machen“8 aus den kreativen Selbsterkenntnissen, die sich aus der persönlichen Lebensgeschichte ergeben ein “Kunstobjekt“ zu machen, also die „zweite Natur“. Der Begriff der „Hyopmnemata“, den Léon Homeyer in seinem gleichlautenden Aufsatz, sehr umfassend darstellt, verknüpft den Habitus-Begriff, insbesondere die Darstellung Sloterdijk' s bezüglich des 'Übens' mit dem Begriff des „Kompasses“ bei Kant: „Hypomnemata sind schriftliche Sammlungen von Wahrheiten. In einem Notizbuch trägt derjenige, der sich um sich selbst sorgt, Sinnsprüche, kurze Argumente und Handlungsanweisungen zusammen, die ihm als Rohmaterial für seine geistigen Übungen dienen.Hierbei geht es nicht darum ganze Theorien zusammenzutragen, sondern um die Übung des Notierens, das Lesen des Aufgeschriebenen, die Reflexion über das Geschriebene und die Diskussion mit sich selbst oder anderen über den Inhalt der Aussagen. Ein Hypomnema ist die >>Schaffung eines logos bioèthikos, eines Schatzes an hilfreichen Diskursen>>, der dem Übenden als Leitfaden dient.“9- Hiermit sind wir natürlich schon auf dem Weg eines hohen Niveaus, aber klingt das nicht nach einer Denkhilfe, die z.B. an Lipmans „Harry Stottlmaier“ erinnert? – Geschichten aus dem Alltagsleben, die so konzipiert sind, dass man das Denken einschalten muss. Bei Lipman ist es fiktives Alltagsgeschehen, das die Realität widerspiegeln soll, in den Hypomnemata wird das eigene Erleben festgehalten;


Fazit

Ziel: traditionelles Können und Wissen rund um den Habitus-Begriff, das zur Erreichung des Lebenszieles bekannt ist, in Erinnerung zu bringen und mit der Moderne abzugleichen, das heißt zu zeigen, dass moralisches Handeln erlernbar war und ist. Darüber hinaus dem PMK und der „Philosophie, die uns alle angeht“ eine Akzeptanz eröffnen, die ich für sehr wichtig halte, um das „Das Gute realisieren und das Böse vermeiden“ zu können, also sich an einem Lebensziel der Sittlichkeit zu orientieren.
Das Lebensziel der Moderne sollte den Gedanken der „Nachhaltigkeit“ ins Zentrum unseres Denkens rücken, also der Inhalt unserer Sittlichkeit sein, denn ohne diesen Inhalt wird irgendwann kein Lebensziel mehr nötig/möglich sein, das heißt wir wären die „letzten Menschen“. Damit es nicht so weit kommt, muss der 'Weg der Nachhaltigkeit' der sein, den wir, wie es Bourdieu bezeichnet hat, „zu unserer Natur gewordenen, (global)-gesellschaftlichen Notwendigkeit“ machen. Die Festlegung des Lebenszieles ist, wie wir oben gesehen haben, auf das Individuum bezogen, weshalb es eine schwierige Aufgabe ist, das „Sollte“ zum Lebensziel aller Menschen zu machen, was im aristotelischen Sinn bedeuten würde, dass das nachhaltige Handeln, dem Habitus der Person entsprechen müsste. Für mich der Grund, das Werk von Sloterdijk so stark in diese Arbeit einzubinden, denn er versucht mit seinem: „Du mußt dein Leben ändern!“ genau das, er fordert, dass jeder einzelne bereit sein muss, sein Leben zu ändern. Jede/r muss „MitarbeiterIn des globalen Immundesigns“ werden. Sein Aufgreifen des ökologischen Imperativs von Hans Jonas macht um so bewusster, wie wichtig dieser Appell an die Allgemeinheit ist, denn Jonas hat ihn schon 1979 in seinem Werk „Das Prinzip Verantwortung“ formuliert. und wie aus der obigen Umfrage hervorgeht, gibt es dreißig Jahre später immer noch Erwachsene, die mit dem Begriff der „Nachhaltigkeit“ nichts anfangen können. Das bestätigt, was wir bei Kant gehört haben, nämlich, wie schwer es ist, ein Zeitalter aufzuklären. Um diesem Missstand entgegenzuwirken brauchen wir zum einen Personen, wie Sloterdijk, aber vor allem müssen wir auf das aufbauen, was die Zukunft ist, unsere Kinder. Die Relevanz dafür zeigt dass „Junior Camp zur Nachhaltigkeit“, diese Kinder können mit dem Begriff umgehen, sie sind die potentiellen „Mitarbeiter des globalen Immundesigns“. Wie auch aus dem obigen Text hervorgeht, war es schon immer so, dass derjenige, der die Chance hatte, eine gute Bildung und Erziehung zu genießen, und dazu gehörte auch die Philosophie, die besten Grundlagen hat, seine individuellen Fähigkeiten auszubilden. Also liegt es an uns Erwachsenen, in die 'Fußabdrücke' des Sokrates zu treten, um damit für unsere/alle Kinder Vorbild und Partner im kritischen Hinterfragen zu sein. Das Kriterium anstreben, das bei Platon maßgebend für den geeigneten Herrscher war (S.32), auf heute übertragen, für die autonome Persönlichkeit ist.
Das Philosophieren mit Kinder, das möglichst früh, mit ca. 3 Jahren, beginnen sollte, ist zum Einen ein Teil dieser Erziehung und Bildung der nachfolgenden Generationen, aber bietet darüber hinaus die Möglichkeit andere Erwachsene mit ins Boot zu holen. Gerade im Kindergarten und in der Grundschule sind junge, motivierte Eltern zu finden, denen die Zukunft ihrer Kinder wichtig ist und die deshalb am ehesten bereit sind, ihren Blick auf die Zukunft zu richten. Ein weiterer Aspekt des PMK ist, der des „Mit“, da alle im Miteinander die Chance haben, sich wieder die kindlich, naive und phantasievoll, kreative Art des Nachdenkens, oder besser ausgedrückt, des Vordenkens im Sinne des vorausschauenden Philosophierens, an zueignen. Und Philosophieren heißt letztendlich: sich selbst im eigenen Denken reflektieren und darin die eigene Orientierung finden. Diese beinhaltet sowohl die Bewältigung von Stress und ähnlichen Faktoren, als auch den Blick für die richtige Orientierung nach „oben“, zu einer charismatischen Person, wie zum Beispiel Hans Jonas – ein Vorbild auf dem Weg zur „Nachhaltigkeit“ immerhin ein Stück Weg dahin. Das andere Stück Weg muss die, wie es Kant nennt, „universitäre Philosophie“ leisten, in dem sie das „Philosophieren, das alle betrifft“ akzeptiert und mit entsprechendem „Denkmaterial“ versorgt. Also auch hier ist ein „Mit“ gefragt, nicht Philosophieren versus Philosophie, sondern als gleichberechtigte Partner der 4. Kulturtechnik – der Weg zur „Weltrettung“!

EIN LETZTER SATZ: Ein Autor, der dazu meiner Meinung nach, auf dem richtigen Weg ist, sei hier wenigstens noch erwähnt: Harald Wohlrapp: Begriff des Arguments (2009).

Argumentationstheorie

Das Ziel von Harald Wohlrapps philosophischem Engagement ist die begriffliche Analyse und ideelle Bestimmung des argumentierenden Redens.[1]
Dabei wird Argumentationstheorie nicht als irgendein Spezialgebiet der Philosophie betrachtet, sondern als die Bedingung der Möglichkeit zukünftigen Philosophierens.

„Was am Neuen gut und richtig ist, zeigt sich, wenn es alt geworden ist. Der Topos von der Eule der Minerva, die erst fliegt (und erkennt), wenn es dunkel geworden und die lichten Gestalten des Lebens alt und grau geworden sind, steht von jeher für das Zuspätkommen des Begreifens. Die darin implizite Alternative zwischen Blindheit, in der wir im hellen Tag des Handelns leben und der Klarheit, die wir erreichen, wenn alles vorbei ist, bedarf der kritischen Revision. Gibt es nichts dazwischen, haben wir keine Möglichkeit, uns auch im Neuen und Unbekannten Orientierungen zu verschaffen? Gibt es nichts anderes als den bloßen Versuch, der möglicherweise ein Irrtum ist, und uns teuer zu stehen kommt?...Dies ist nun die Botschaft, die ich hier ausbuchstabieren möchte: Neue Orientierung, also Orientierung für neue Bereiche, jenseits des theoretisch und praktisch schon Angeeigneten und Eingelebten....“10 [ ] „Wir können uns nicht davor bewahren, die Thesen, die wir für die gültigen halten, zu realisieren und dann ihre Wahrheit oder Unwahrheit am eigenen Leib und Leben zu erfahren, Dies ist die conditio humana: Wir sind schon immer, wie die Pariser Revolutionäre, dabei, unsere bisherigen Verhältnisse umzuwälzen, unsere bisherigen Könige zu töten. Wir befinden uns, wie Colón, im besten, argumentativ gestützten Glauben, dass wir nach Indien fahren und dabei sind wir unterwegs in die neue Welt.“11


Literaturverzeichnis

Achenbach,Gerd, B. 2010: Das kleine Buch der inneren Ruhe, Herder, Freiburg


Aquin, v. Thomas 2009: Die „doctrina christiana“ als Wissenschaft, Hrsg. Wilhelm Metz, Verlag der

 Weltreligionen, Frankfurt/Main


Aristoteles 1985: Nikomachische Ethik, Übersetzung von Eugen Rolfes, Hrsg.

Günther Bien, Meiner Verlag, Hamburg

Aristoteles 2011: Nikomachische Ethik, Übersetzt u. Hrsg. Von Ursula Wolf, Rowohlt,
Hamburg

Begriff-Nachhaltigkeit – Agenda 21, http://www.agenda2001.de/begriff-nachhalitgkeit/agenda-21.html

BMW Group Junior Campus Berlin 2010: Nachhaltigkeit verstehen, http://www.youtube.com

/watch?v=gwN9LxHNrBg&feature=related


Duden 2009: Schülerduden Philosophie, Dudenverlag, Mannheim


Freese, Hans-Ludwig 2002: Kinder sind Philosophen, Beltz Quadriga Verlag, Weinheim und Basel

Gopnik, Alison 2009: Kleine Philosophen, Ullstein, Berlin

Höffe, Otfried 2008: Kleine Geschichte der Philosophie, Verlag Beck, München

Hülser, Karlheinz 2005: Platon für Anfänger-Der Staat, dtv, München

Jonas, Hans 1979: Das Prinzip Verantwortung, Insel Verlag, Frankfurt/ Main

Kant, Immanuel 1990: Kritik der praktischen Vernunft, Herausgeber Karl Vorländer, Meiner, Hamburg

König, Markus 2003: Habitus und Rational Choice, DUV, Wiesbaden

Krais , Beate; Gebauer Gunter 2008: Habitus,(transcript Verlag 2002), digitron GmbH, Bielefeld

Martens, Ekkehard 1999: Philosophieren mit Kindern, Reclam, Stuttgart

Meyer 1987: Meyers großes Taschenlexikon in 24 Bänden,
BI-Taschenbuchverlag, Mannheim

Mok-Wendt, Christine 2011: Warum Philosophieren mit Kindern? BA-Arbeit Uni Konstanz


Nickl, Peter 2001: Ordnung der Gefühle, Meiner, Hamburg

Platon 2008: Der Staat, übersetzt und herausgegeben von Karl Vretska, Reclam, Stuttgart

Römpp,Georg 2008: Plato, Böhlau, Köln/Weimar/Wien


Roth, Volkbert M. (hg.) 2011: Philosophische Praxis, Band 2.2, Konstanz


Rüdisser, geb. Eitzinger, Maria 2008: Ist Philosophieren mit Kindern Philosophie?, VDM Verlag Dr. 

Müller, Saarbrücken

Safranski, Rüdiger 2009: Romantik, Eine deutsche Affäre, Fischer, Frankfurt/Main


Safranski, Rüdiger 2008: Wieviel Wahrheit braucht der Mensch, Fischer, Frankfurt/Main

Sloterdijk, Peter 2009: Du mußt dein Leben ändern, Suhrkamp, Frankfurt/ Main

Staude, Detlef (hg.) 2010: Methoden Philosophischer Praxis, Transcript, Bielefeld

Umfrage, www.utopia.de 2007: Was ist eigentlich Nachhaltigkeit?, http://www.youtube.com

/watch?r=b07VrDXyA&feature=related


Zimmerann, Peter 2006: Grundwissen Sozialisation, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden

Zoller, Eva, 1997: Die kleinen Philosophen, Herder, Freiburg

Zoller Morf, Eva, 2006: Philosophische Reise, Atlantis pro juventute, Zürich



















1Martens, S.55
2Scheer, S.27/28
3Politeia, VI[511b-c]
4Gopnik, S.18
5Zoller Morf, S.31 (Philosophische Reise)
6Safranski, S.202 (Wieviel Wahrheit ..)
7Safranski, S.209 (Wieviel Wahrheit...)
8Roth, S.173
9Roth, S.173
10Wohlrapp, VII
11Wohlrapp, S.500